Redaktioneller Teil Praktische Buchausstattung. Eine Betrachtung über Einbände, Seitentitel und Notensatz. Von Friedrich Wörndel, Freiburg i. Br. Wer eine eigene Hausbücherei besitzt und gelegentlich des Lesens von Zeitungen, Zeitschriften oder dgl. das Verlangen fühlte, eine dort zitierte Stelle bei dem betreffenden Dichter oder Schriftsteller näher nachzuprüfen, hat dabei gewiß schon oft die unzweckmäßige Ausstattung verwünscht, die manche Verleger ihren Büchern zu geben belieben. Nicht nur daß bei Sammel werken — unsere bekannten großen Lexika und Wörterbücher, die tatsächlich allen gerechten Ansprüchen der Nachschlager in dieser Hinsicht genügen, kommen hier außer Betracht — die Angabe des Inhalts der einzelnen gebundenen Bände auf deren Rücken meist fehlt und nur der Autorname und die Nummer des Bandes darauf vermerkt sind: auch die rein duchdrucktechnische Durch führung im Innern läßt vielmals ein Verständnis für das an genehme Gefühl, das ein rasches und sicheres Finden gesuchter Stellen dem Leser bereitet, vermissen. Im großen und ganzen ziele ich mit diesem Vorwurfe auf unsere weitverbreiteten Klassikerausgaben ab. Und zwar weisen hiervon nicht einmal immer die sogenannten »billigsten« allein die gerügten Mängel auf; im Gegenteil: hochangesehene Ver lagsfirmen, die mit Stolz den tadellosen Druck, das feine, halt bare Papier, die begleitenden Einleitungen und Anmerkungen sowie den eleganten Einband ihrer Ausgaben durch Pro spekte und sonstiges Anpreisen hervorheben, vergessen häufig über dem Bemühen, möglichst Schönes zu bieten, auch das Prak tische zu berücksichtigen. Kommen wir zunächst zu dem Äußeren des Buches, dem Einband. Nachstehend sind in typographischer Art verkleinert die Rllk- kentitel zweier Schillerausgaben veranschaulicht; es dürfte nicht schwer fallen, darüber zu entscheiden, welcher der Preis der Zweck mäßigkeit gebührt. Was die obere vielleicht (mit der üblichen Goldprägung) an »glanzvollem« Aussehen vor der unteren voraus hat, büßt sie sicher durch das Fehlen der Inhaltsangaben wieder ein. Außerdem leidet sie an der bei solchen Ausgaben noch vor herrschenden, meiner Meinung nach völlig unbegründeten Ein teilung, daß mehrere sogenannte »Bände« in einem wirk lichen »Band« untergebracht wurden, was eine mehrmalige Seitenzählung von 1 an bedingt und den Gebrauch ebenfalls erschwert. Zur Wahl des Beispiels sei noch bemerkt, daß sic lediglich aus räumlichen Rücksichten erfolgte. In einer vierbändigen Schillerausgabe sich zurechtzufinden, ist für denjenigen, der den Entwicklungsgang und die Entstehungsfolge der Werke unseres volkstümlichsten Dichters etwas im Gedächtnis hat, nötigenfalls ja auch ohne Jnhaltsvermerk auf dem Einbände möglich. Des gleichen bei Autoren mit weniger zahlreichen Schriften (z. B. den meist »einbändigen« Chamisso, Bürger, Lenau, Gaudy, Kleist, Körner u. a.). Schwieriger wird die Sache aber, wenn man einen ganzen Goethe — ich will sagen in fünfzehn Bänden — vor sich sieht und nun ohne äußeren Leitfaden sofort »Dichtung und Wahrheit« aufschlagen will, oder wenn man wünscht, aus einem dreizehnbändigen Jean Paul schnell »Levana« zu suchen. Bei umfänglicheren Sammelwerken sollten es sich daher die Verleger zur Regel machen, auf dem Rücken der einzelnen Bände je eine wenn auch nur kurze Inhaltsangabe anzubringen. Meist — WMM WMW i» ?-->§§) (o ro-zr, A LTLLALLMLHL Schiller Schiller ! Schiller Schiller Braut r>. Messina Wilhelm Tell ^ Abfall. ^ MM genügen ja zusammenfassende Bezeichnungen (»Gedichte«, »Ju genddramen«, »Fragmente«, »Kleine Erzählungen« usw.), wie sie im zweiten Beispiel oben angedeutet sind. — Joseph Kürsch ners »Deutsche National-Literatur« und »Meyers Klassiker-Aus- gaben« des Bibliographischen Instituts hätten eigentlich schon lange vorbildlich wirken können! Noch ein Paar Zeilen über die bereits gestreifte Gepflogen- heit mancher Verleger, ihren Klassikern eine größere Anzahl von »Bänden« zuzudiktieren, als sie in Wirklichkeit nach den 1457