Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.07.1915
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- 1915-07-24
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/>k 169, 24. Juli 1915. Redaktioneller Teil. seinen Artikel nicht die Bezeichnung »gefährlich und töricht« zu treffend? Der Titel »Deutschland als Welterzieher« soll gefährlich sein. Etwa weil er das feindliche Ausland reizen könnte, das uns täglich mit Schimpf und Hohn überschüttet? Zweifelt Herr Z. an der Fähigkeit der deutschen Nation zur Erfüllung ihrer großen Kulturaufgabe? Warum sollen wir von dieser Aufgabe nicht sprechen? Vielleicht aus Furcht, daß Engländer und Fran zosen davon Kenntnis erhalten und allmählich doch begreifen, daß wir keine Barbaren sind? Der Mangel an Mut zur Bekennung des Wertes des eigenen Volkes ist hier gepaart mit einer bedauerlichen Ängstlichkeit und unangebrachter Rücksichtnahme gegenüber dem Ausland; diese Eigenschaften machen allerdings nicht geeignet zum Weltcrziehen, sic sind cs nicht, die unsere Schlachten schlagen und unser Vater land zu der ihm durchaus gebührenden Geltung bringen. Wir müssen auch mit den Waffen des Geistes kämpfen und durch auf klärende, ernste Schriften uns den rechten Platz gewinnen. So gleich, täglich, noch während der Krieg tobt! Wir müs sen arbeiten an der Verbreitung der Wahrheit gegenüber der uns bekämpfenden Lüge, wir müssen der Welt Einblick gewähren in alles das, was wir Deutschen anstreben, was wir unter deutscher Kultur verstehen! Herr Z. will diese Arbeit erst tun, wenn der Krieg entschieden ist, er will inzwischen beten und die Hände aufheben. Ob das unseren Feinden große Sorge bereiten wird? W i r wollen den Tag nützen und mit Wort und Schrift das Ziel unserer Streiter mit erringen helfen. Und das tut mei,n Buch »Deutschland als W e lt e r z i e h e r«. Es redet in erster Linie zu uns Deutschen selbst, ganz im Sinne der Selbsterziehung und eigenen Vervoll kommnung. Wenn es im Ausland, vielleicht infolge seines Ti tels, um so mehr gelesen wird, welch ein schöner Gewinn für die richtige Beurteilung unseres Wesens kann daraus hervor- gehen! Darin würde Herr Z. mit mir übereinstimmen, wenn er »Deutschland als Wclterzieher« gelesen hätte. Vielleicht holt er jetzt das Versäumte nach und zieht aus der ihm dann hoffent lich werdenden besseren Erkenntnis die richtige Lehre. Zum Schluß muß ich fragen: Wann werden wir Deutschen endlich zu dem stolz-bescheidenen, männlichen Selbstbewutztsein uns durchringen, daß Deutschland mit dem Besten seiner Kultur und Gesittung durchaus ein welterzieherisches Vorbild zu geben vermag? Würde sich je ein Engländer so demütigend über den Genius des eigenen Landes ausgesprochen haben wie Herr Z.? Ist es nicht geradezu selbstverständlich, daß die neue Weltkultur auf deutscher Grundlage beruhen muß? Hat Deutschland und mithin jeder gute Deutsche nicht das Recht, zu verlangen oder dahin zu streben, daß seine Begriffe von Kultur und Gesittung zum Gemeingut der zivilisierten Nationen und mithin der Welt werden? Gerade an der ängstlichen Art, die den anonymen Ein sender beseelt, ist zu erkennen, wie notwendig ein solches Buch zur Stärkung des deutschen Kulturgedankens ist, daheim und draußen in der Welt! Der deutsche Buchhandel wird wissen, daß er mit der Verbreitung solcher Schriften dem Vaterlande dient, er wird aber auch nicht im Zweifel sein, was er von Ein sendungen wie der des Herrn Z. zu halten hat. Kleine Mitteilungen. Schaufcnstcr-Rcklamc (vgl. die Abbildung auf der letzten Seite des Illustrierten Teils der heutigen Nummer). — Buchhändler-Schau fenster, die durch eine auffallende, ungewöhnliche Ausstattung die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden unbedingt erwecken und dann auch auf die Beschauer nachdrücklich wirken, bei denen es mehr auf oie Ausführung einer Idee ankommt, als in hergebrachter Weise »geschmackvoll zu dekorieren«, sind im Buchhandel äußerst selten. Von einer gut gelungenen, neuartigen Schaufenster-Ausstattung, mit der während der Kriegsbuchwochc die Firma Victor von Za ber n in Mainz das Publikum fesselte und bei der das Buch als Massen-Erscheinung verwendet worden war, ist heute im Illu strierten Teil eine Abbildung veröffentlicht. Zu der Ausstellung wurden in der Hauptsache nur Rcclambändchen verwandt. Eine Kiste, die eben eingctroffcn ist, liegt halb umgestürzt in der Ecke. Ihr entströmen die kleinen gelben Bücher und be decken den ganzen Boden des geräumigen Schaufensters. Auf der gegenüberliegenden Seite steht die Büste Goethes, die voller Erstaunen aus diese Bücherflut hinabsieht. Die Hintere Wand und die Seiten wände bedecken gleichlautende Plakate, die schachbrettartig angeordnct sind. Wie die Abbildung zeigt, wirkt dies sehr auffallend. In einem Bücherregal an der rechten Wand sind auch gebundene Bünde der llniversal-Bibliothek ausgestellt. Ein sogenanntes gebrochenes Pla kat, mitten auf dem Büchcrhaufcn, weist auf die Bestimmung der Bücher, die Versendung ins Feld, hin. Gleichzeitige Inserate in der Tagespressc machten das Publikum auf die Sammlung und ihre Verwendung besonders aufmerksam, und so war das Endergebnis dieser Reklame ein gutes zu nennen. Die Firma Philipp Rcclam jun. in Leipzig, deren Nniversal-Biblio- thek den Mittelpunkt dieser eigenartigen Veranstaltung bildete, kargte dem Schöpfer des wirkungsvollen Schaufensterbildes, Herrn Otto Bruere, gegenüber nicht mit Lob und Dank. Unterrichtskurse hinter der Front. — In den Landsturmbatailloncn, die zurzeit in Belgien stehen, sind, wie die »Korr, des Deutschen Lehrcrvereins« meldet, praktische Unterrichtskurse cingeführt worden, um die Truppen in der dienstfreien Zeit zu beschäftigen und der Mannschaft Gelegenheit zu bieten, ihre Kenntnisse zu ergänzen und zn erweitern. In jedem Bataillon ist lant Befehl des Militär gouverneurs eine Schulkommission zu bilden. Fcde Kompagnie und die am Standort untergebrachte Schwadron entsendet einen oder mehrere Vertreter in die Kommission, diese bezeichnet die Untcrrichts- kurse und die Lehrer, die sich in jeder Kompagnie reichlich finden. In erster Linie sind aufzunehmen: Sprachen (Französisch u. Vlämisch): Buchführung: Stenographie; Lesen, Schreiben, Rechnen: vaterländische Geschichte: Land- und Volkswirtschaft. Ein Bataillon, das zu 90 v. H. aus Landwirten bestand, nahm als Untcrrichtsgegenstände auf: l. Landwirtschaftliche Tagebuchführung. 2. Vaterländische Geschichte und Kriegsgeographie. 3. Land- und Volkswirtschaft (Besprechung von Tagesfragen, wirtschaftlichen Maßnahmen). Die Schulkommission dieses Bataillons setzte sich zusammen aus einem Juristen und drei Lehrern. Lehr- und Lernmittel beschafften ihnen der Dürer-Bund, die Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung, die Hamburger Dich tergedächtnisstiftung. Die Nnterrichtsknrse sind seit Anfang März im Gang und erfreuen sich bei der Mannschaft großer Beliebtheit. Um einen lückenlosen Unterricht handelt es sich ja nicht: aber nützliche Kenntnisse werden aufgefrischt und erivcitert. Kricgsbildcr-Originale der Leipziger Jllustrirten Zeitung. — In Berlin ist kürzlich eine Ausstellung von Kriegsbilder-Originalen der »Leipziger Jllustrirten Zeitung« eröffnet worden. Die Ausstellung, die bis 8. August geöffnet bleibt, hat in Berlin schnell die Aufmerksam keit kunstverständiger Kreise erregt. Dazu mag einmal geführt haben die eigenartige Zusammensetzung der Künstlerschaft, die für die »Leip ziger Jllustrirte Zeitung« während des Krieges gearbeitet hat und noch arbeitet, und dann auch das besondere Interesse an der Beschaffen heit von Bildern, die eigens für die Wiedergabe in einer großen illu strierten Zeitung geschaffen wurden. In der Ausstellung sind über -100 Originale untergebracht. Man findet darin die Namen erster deutscher Meister: aber auch junge Talente, die draußen im Felde unter der Wucht der gewaltigen kriegerischen Ereignisse erst ihre Künstler schaft entdeckt haben. Die Ausstellung, die von Haus aus keine Kunst ausstellung sein soll, sondern mehr das Wesen einer patriotischen Kund gebung hat, stellt in ihrer Gesamtheit den Widerschein des mächtigen seelischen Erlebens der Künstler während des Weltkrieges dar. Nach Berlin wird die Ausstellung noch in verschiedenen anderen deutschen Städten gezeigt werden. Der Hamburgische Ausschuß für Kriegsbiichereieu hat auch im Mo nat Juni das immer reger werdende Lesebedürfnis unserer Soldaten durch die Versendung von 3373 gebundenen Bänden, 3601 ungebundenen Bändchen, 2085 Zeitschriften-Heften und 99 Bildern und Bildcrmappen zu befriedigen versucht. Er berichtet im einzelnen darüber: Den größten Anteil an diesen Sendungen haben auch diesmal unsere braven Feld grauen in Feindesland: 2625 Bände sind unmittelbar in die Schützen gräben abgegangen, und 294 Bände wunderten nach Belgien zur Er weiterung einiger Soldatenheim-Büchcreien. Besonders zahlreich waren die Wünsche von Ärzten und Schwestern für die ihrer Pflege anvertrauten Verwundeten in den Feld- und Etappenlazarctten: sie wurden teils direkt, teils durch die Liebesgabentransporte des Noten Kreuzes nach Kräften erfüllt. Auch einige Lazarette in Ost- und Wcstpreußen, Nord- und Mitteldeutschland sind wiederum mit Wünschen an den Ausschuß herangetrcten, die ebenfalls befriedigt werden konnten. Die Lazarette in Hamburg und Altona haben gleichfalls von neuem eine stattliche An zahl von Büchern aller Art zur Ergänzung und Erneuerung ihrer teils schon recht zerlescnen Büchereien erhalten, die dadurch wieder mit be sonderer Freude von Verwundeten und Genesenden benutzt werden. In 1047
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