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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.06.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1915-06-04
- Erscheinungsdatum
- 04.06.1915
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- Deutsch
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^ 126, 4. Juni ISIS. Redaktioneller Teil. es, nach Goethes Worten, die Gewährung seltner sittlicher Treff lichkeit. Auch über sittliche Unbollkommenheit, Treulosigkeit und schmierigen Eigennutz könnte man mitunter weinen. Das Museum für Kunst und Kunsigewerbe am Karlsplatz ist auch in de» Nachmittagsstunden geöffnet und bietet dem Be- sucher eine Fülle bedeutender Eindrücke. In der Abteilung mo derner Gemälde fesselt besonders der Saal, der dem Maler und Bildhauer Sascha Schneider eingeräumi ist. Dieser Künstler, von dem bekanntlich der Hchmuck des Buchgewerbehauses stammt, hielt sich einige Jahre i» Weimar auf und malte damals zu sammen mit Ludwig von Hofmann den Wandschmuck des Foyers im Reuen Grostherzogltchen Hoftheater, das 1008 an Stelle des alten von Professor Littmann in München erbaut wurde. Sein farbenprächtiges Bild: »Hohes Sinnen» würde in einem größe ren Raume eine herrliche Wirkung ausllben, leider sind die Zim mer dieses Museums, das auch äußerlich durch die aus Venedig stammende und hierher verpflanzte Fassade sehr fremdartig wirkt, meist klein und bringen größere Werke nicht zu voller Geltung. Daher suchte man sich bei dem eigenartige» Strandbild des Bel giers Theo von Rhsselberghc dadurch zu Helsen, daß man es in den Durchblick mehrerer Säle gehängt hat. Im großen Ober lichtsaal des Erdgeschosses, in dem sich auch die außerordentlich wertvolle (angeblich 80 OVO Blatt umfassende) Kupferstich- und Handzeichnuugensammlung des Großherzogs befindet, werden wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler vcransiaitel. Hier sah ich 14 Gemälde des Malers und Radierers Professor Walter Klemm, den ich auch in seinem Studio in der Kunstschule aufsuchte; aber nicht darum erwähne ich ihn, weil ich diesen lie benswürdigen Deutsch-Böhmen kenne» lernte, sondern umge kehrt, ich suchte seine Bekanntschaft, weil ich ihn besonders als Graphiker hochschätze. Wie ich vor Monaten bereits auf den genialen Zeichner und Maler Slevogt hingewiesen habe, so möchte lch dem Kunstsortiment empfehlen, im eigenen Interesse sich die Werke Walter Klemms angelegen sein zu lassen. Im Januar heft von »Kunst und Künstler« (191ö, Jahrgang 13, Heft 4) er schien eine lebensvolle Skizze aus dem Kriege »Der Tag von Charleroi« aus der Feder des so jung verstorbenen Mitgründers des Jnselverlags Alfred Walter Heymel. Zu diesem Aufsatz Hai Walter Klemm acht Illustrationen geschaffen, die zu dem Besten gehören, was ich von Kriegsillusirationen gesehen habe; dabei stammen sie von einem Künstler, der bisher nicht auf dem Kriegs schauplatz war, was seiner Phantasie alle Ehre macht. Am Spätnachmittage benutzte ich eine freundliche Erlaubnis, um an einem Vorträge im Goeihehause ieilzunehmen, den der Direktorialassistent vr. Hans Kroeber als ersten in einem Zyklus hielt. Es ist erfreulich, das Interesse zu beobachten, das sich selbst in diesen Kriegszeiten für die Bestrebungen des Goethe-National museums zeigt; die Beteiligung ist eine so große, daß derselbe Zyklus drei- oder viermal abgehalien werden muß, da nur so viele Teilnehmer zugelassen werden, als um den großen Tisch im Siudiensaal bequem sitzen können. Kroeber sagt in dem erwähnten Aufsatz mit Recht von diesem ncugeschaffenen Studien- saal: »Durch seine schlichte Ornamentik der Decke, so wie durch die vornehme Tönung des dunkelbraun gebeizten italienischen Nußbaumholzes, nur belebt durch die in Schrank türen in Wechselrahmen eingesetzten Bilder, ruft er bei jedem, der sich hier zur Arbeit niederiäßt, schon durch sein Äuße res eine gehobene Stimmung hervor«. Kein störender Laut der Außenwelt dringt in die Stille des stimmungsvollen Raumes, in dem man sich an der Hand des Vortragenden in die Pläne, Zeich nungen, Aquarelle, in die Dokumente der Baugeschichie des Hau ses, in die Zeugnisse der früheren Ausstattung der Zimmer, wie sie z. B. die Arnswaldsche Zeichnung vom Junozimmer wiedergibt, vertiefte. Als ich das Haus verlieh, glaubte ich mich plötzlich in eine andere Zeit versetzt, und doch trifft man immer wieder auf die Erinnerungen an Weimars goldene Tage. Die Schillersiraße, die ehemalige Esplanade, hinuntergehend, wurde ich durch die Auslage einer Kunsthandlung gefesselt, in der sich unsere Zeit durch die Bildnisse der siegreichen Führer mit dem Zeitalter der Klassiker auszugleichen suchte. Hier aber Hai selbst Hindenburg, der auf dem Schlachtfelde wie im Kunsthandel Siegreiche, keinen leichten Stand. In einem anderen Laden, in dem ich einige Kar ten kaufte, fiel mir die Menge von Figuren und Büsten in Mar mor, Bronze, Elfenbein, Gips »sw. auf, i» denen Goethe und Schiller, einzeln oder als Tioslurenpaar, so wie sie das Standbild Rieischels vor dem Theater zeigt, dargestellt sind. Man darf wohl daraus schließen, daß jeder brave Weimarer Bürger wenigstens einen der Dich terfürsten in seinem lurarium, unter seinen Hausgöttern besitzt. Im übrigen läßt sich von dem dortigen Kunsthandel nicht viel be richten. Kunst- und Buchhandel gehen meistens Hand in Hand, und wo die Kunst versagt, hilft wohl das Bllchergeschäfi mit Kriegsliteratur, Lehrmitteln und Schriften über Goethe und seine Zeit weiter. Goethe und seine Zeit, wie sind sie noch heute lebendig, alles leitet auf ihn als den Begründer zurück. Freilich konnte die Saat zur herrlichen Ernte nur reifen durch ein Fllrstengeschlecht von ganz seltener Art. Dessen war man sich in dem Weimar Goethes Wohl bewußt, und wenn bei einer Tasso-Auffllhrung Leonore die Worte sprach: »Ferrara ward durch seine Fürsten groß«, dann ging eine tiefe Bewegung durch die Herzen der Hörer, denn jeder wußte, daß unter Ferrara nichts anderes als Weimar gemeint sei. In wenigen Tagen, am lO. Juni, wird zugleich mit dem Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs Wilhelm Ernst in aller Stille der Tag gefeiert werden, an dem vor 100 Jahren Sach sen-Weimar zum Großherzogium erhoben wurde (eigentlich der 21. April). Lebten wir mitten im Frieden, so würde die ganze gebildete Welt, alles, was Geistiges und Edles zu werten weiß, an diesem Tage wenigstens in Gedanken teilnehmen. So aber wollen wir Barbaren es dem ersten Großherzog Carl August dan ken, daß ihn eine fünfzigjährige Freundschaft mit unserem größten Dichter verband und daß er ihm gab, »was Große selten gewähren, Neigung, Muße, Vertrau», Felder und Garten und Haus». Auch seine Nachfolger haben es stets als ihr schönstes Vorrecht betrach tet, »den Genius zu bewirten«. Carl Alexander erteilte Preller den Auftrag für die Reihe seiner Odysseebiider, ließ durch Schwind die Wartburgfresken malen und erwarb seine Aquarelle »Die sieben Raben« für das Museum, auch gab er Genelli im Jägerhaus Atelier und Wohnung. Unter seinem Enkel, dem seit 1901 re gierenden Grotzherzog Wilhelm Ernst, hat sich Weimar als Kunst stadt zu hoher Bedeutung entwickelt, wobei an Künstler wie Ludwig von Hofmann, Adolf Brütt, Sascha Schneider, Fritz Mackensen, Theodor Hagen, Walter Klemm n. a., die hier tätig waren oder es noch sind, erinnert sei. So sind auch hier die Bedingungen ge geben, die nach glorreich beendetem Kriege einen neuen Auf schwung der Kunst in die Wege leiten können. Uns aber bleibe, al- lem Spott der Feinde zum Trotz, auch fernerhin das Zeichen, in dem wir siegen werden: Potsdam und Weimar. Julius Braun. Das Buchgewerbe in der Reichshauptstadt. Vier Jahrzehnte Entwicklung. Zur Ergänzung ihrer Ver einsgeschichte herausgegeben von der Berliner Typogra phischen Gesellschaft. Kl. 4°. 162 S. m. Anhang: Mit gliederverzeichnis und Satzungen. Die Anregung zur Herausgabe dieser Gcdenischrift entsprang dem Wunsche der Berliner Typographischen Gesellschaft, an der Buch gewerblichen Weltausstellung 1914 teilzunehmcn. Man wollte das fer tige Buch und die Entstehung eines solchen zeige», wobei namentlich auch die im Wettbewerbe erlangten Entwürfe zur Ausstattung mit vorgesührt werden sollten. Leider kam es nicht dazu, doch brachte man im Geselischaftslokale eine grössere und ausgesuchte Ausstellung »Berliner Buchgewerbe« mit gutem Erfolge zustande. Die obige Schrift, die eigentlich noch während dieser Ausstellung erscheinen sollte, er blickte leider verspätet, aber noch rechtzeitig zum 38. Stiftungstage der Gesellschaft das Licht der Öffentlichkeit. Sie bildet eine Art Fortsetzung der vor zehn Jahren aus Anlaß des silbernen Jubiläums herausgegcbenen Festschrift in Zeitungssorm. Aus ihr spricht der Zweck der Typographischen Gesellschaften überhaupt, ihren Mitgliedern die Möglichkeit an die Hand zu geben, sich über die Grenzgebiete der Spezialfächer und darüber hinaus zu orientiere», eine Aufgabe, die von den durch die Tarifkämpse und andere Ziele geleiteten übrigen Organisationen mehr oder weniger 830
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