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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.05.1915
- Strukturtyp
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- 1915-05-28
- Erscheinungsdatum
- 28.05.1915
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Redaktioneller Teil. ^ 120, 28. Mai 1815. Formenwelt in der frühmittelalterlichen Zeit beruht, jedoch selb ständig umgebtldet ist. Seine für den Kreis um Stefan George geschaffenen Werke stehen auch durch ihre eigenartige typographische Gestaltung innerhalb des Gesamtschaffcns unserer Tage vereinzelt da, als Ausdruck einer ganz bestimmten Kultur und Persönlichkeit. Be sonders kennzeichnend für seine Art und zugleich bestgelungen sind wohl die Titel zu Georges »Jahr der Seele«, Maeterlincks »Schatz der Armen« und Wolsskehls »Ulais«. Er gehört zu den ersten Künstlern, die bei uns der persönlichen Schrift Pflege an gedeihen ließen. Seine etwas gespreizte Ornamentik, mit der er die Vorzugsausgaben der Georgeschen Werke ziert, hat eines der schönsten Beispiele in den Randleisten seiner »Indischen Reise«. Des Anteils der Berliner Druckerei Otto von Holten an der ausgezeichneten Herstellung dieser Werke muß ebenso gedacht wer den, wie des Verlags Georg Bondi, der für ihre Verbreitung sorgt. Die vierte Vitrine: Der Einfluß Beardsleys. Wurde die deutsche Arbeit durch die englischen Pressen mehr in handwerklich-typographischer Richtung bestimmt, so mutz andrerseits der Bedeutung eines einzelnen englischen Zeichner- Rechnung getragen werden, die mehr für den künstlerisch-illu strativen Teil in die Wagschale fällt. Das Werk Aubrey Beardsleys, das dieser Frühbollendete 1898 als kaum 26jähriger hinterließ, ist aus der Entwicklung der modernen Graphik nicht mehr sortzudenken. Bezaubernd wie die seltsame Blüte der Victoria Regia, die nur alle Menschenalter sich entfaltet, liegt es vor uns. Reichtum des Inhaltlichen, Phan tastik der Erfindung als Besitz eines Hochgebildeten, der sich die Formensprache vieler Zeiten und Völker angeeignct und unter geordnet hat, Leichtigkeit, ja Selbstverständlichkeit der Darstel lungsweise setzen ebenso in Erstaunen wie die ungeheure Aus druckskraft der Zeichnungen, die äußerste Ausnutzung der an sich beschränkten Mittel. Gerade die letztgenannten Vorzüge lassen es gerechtfertigt erscheinen, in ihm den eigentlichen Schöpfer der modernen Schwarz-Weiß-Kunst zu erblicken. Viele und Wohl die besten der Unfern haben von ihm ge lernt, haben sich bei ihm Anregung geholt und vor seinen Arbei ten begriffen, wie Vorhandenes und Überliefertes selbständig ver arbeitet nnd in moderne Form gegossen werden kann. So fällt sein Riesenschatten bis in unsere Tage und mag als Matzstab für die Wertung der Lebenden dienen. Am deutlichsten tritt sein Einfluß bei einem Künstler wie Marcus Behmer zutage. Es sei nur an dessen Zeichnungen zu Wildes »Salome« erinnert, wobei allerdings eine Anlehnung an das englische Original nahe lag, ferner an die Bilder zu Balzacs »Mädchen mit den Gold augen«. Spätere Arbeiten zeigen, wie sich der Künstler von seinem Vorbild befreit und zu selbständigen Leistungen durchringt, die etwas an orientalische Ornamentik anklingen, wie zumBeispicl die Ausstattung zu Ernst Hardts »Tantris«, Goethes »Westöstlichem Divan und den »Ruba'ijat« des Omar Chaijam. Ein anderer mehr äußerlicher Nachahmer Beardsleys, I. I. Vrieslander, ist am rein Dekorativen haften geblieben. Die fünfteVitrine: Der Karlsruher Künstler bund. Neben der von England beeinflußten und der Münchner archaisierenden Richtung gab es am Anfang der Bewegung noch Sie ist ausgezeichnet durch eine naive Naturanschauung, die noch mit den Ausdrucksformen ringt und weder das Raffinement der Darstellungsweise alter Kulturen, noch die sichere Handwerk- lichkeit technischer Schulung und Erfahrung besitzt, dafür aber die Vorzüge der Echtheit und Bodenständigkeit. Von Thoma selbst sind mir nur seine Zeichnungen zu den gemeinsam mit Thode herausgegebenen »Federspielen«, die Titel- Vignette zu Dehmels »Aber die Liebe«, die Ausstattung seines Memoirenbuches »Im Herbst des Lebens« und der Kalcndcrtitel mit dem von Monatszeichen umgebenen Sämann bekannt, auf denen noch ein Abglanz Ludwig Richterscher Kunst liegt. Unter dem Einfluß von Thomas Stil stehen die Arbeiten des 8iv Karlsruher Künstlerbundes, die vorwiegend dem künstlerischen Wandschmuck galten, aber in Einzelfällen auch dem Buchgewerbe zugute kamen. Die bekanntesten unter den Künstlern, die sich seiner annah- men, sind der Landschafter Hans von Volkmann, der Märchen zeichner Franz Hein und der damals am Anfang seiner Lauf bahn stehende E. N. Weiß. In dem vom Verlag Fischer L Franke gegründeten »Jung brunnen« bot sich einigen der Genannten Gelegenheit zum Wic ken. Wenn es sich dabei auch nicht um mustergültige buchkünst lerische Werke im heutigen Sinne handelt, so verdient doch die Gesinnung, aus der heraus sie entstanden, Anerkennung, besonders angesichts der Tatsache, daß sie zeitlich vor den Bestrebungen lie gen, die in den nächsten Kapiteln behandelt werden und die in bewußter Arbeit eine neue deutsche Buchkunst schassen halfen. Unter den Jungbrunnenkünstlern vertreten Volkmann, Hein und Maximilian Dasio die gemütvoll erzählende Richtung, wäh rend Bernhard Wenig, Erich Kuithan und Franz Stassen mehr eine stilistische Note ausbilde», letzterer in sehr manierierter Weise. Den genannten Namen sind, wenn auch nicht innerhalb der Jungbrunnenarbeit, noch die beiden folgenden zuzuzählen: Fidus mit Illustrationen für Werke Karl Henckells, Franz Evers' und Bruno Willes und E. M. Lilien, der in den Zeichnungen zu Münchhausens »Juda« und den »Büchern der Bibel« ein Bei spiel seiner starren stilisierenden Kunst gibt. II. Sturm und Drang. Die sechste Vitrine: Der »Pan«. Wir notieren das Jahr 1895 und die Gründung des »Pan«. Der Gedanke einer großartig angelegten Zeitschrift, in der die Erlesensten unserer Dichter und Künstler in graphisch vor trefflichster Weise zur Geltung kommen, ist auf wenige Jahre in die Tat umgesetzt. Otto Julius Bierbaum ist wohl die Seele dieser Gründung. Er, dem unsere Buch kunst so viele wertvolle Vermittlerdienste verdankt und der leider zu früh von uns ging. Noch andere erlauchte Namen haf ten für das Unternehmen: Harry Graf Keßler, Richard Dehmel, Otto Erich Hartlcbcn, Detlev von Liliencron, von Künstlern: Böck- lin, Stuck, Klinger, Liebermann, Leistikow, Ludwig von Hofmann. Das Ganze ist für unser heutiges Empfinden formal uneinheit lich, aber, wenn auch mit Spreu vermischt, als Tat imponierend. Außer den schon genannten, bereits damals anerkannten Größen, finden wir jüngere Künstler, die sich ihre ersten Sporen holten: Eckmann, Peter Behrens, E. N. Weiß, Vogeler, manches Wunderliche, vieles, was schon auf die spätere Entwicklung des Einzelnen deutet. Ein paar Bücher, in denen sich zwei dieser Künstler mit dem Problem des Buchschmucks an ein und derselben Aufgabe und auf verschiedene Weise auseinandersetzen, mögen hier noch ein gereiht sein: Bierbaums Kalenderbuch vom »Bunten Vogel« aus dem Jahre 1897, mit den Zeichnungen von E. R. Weiß, und das selbe von 1899 mit denen von Peter Behrens. Die siebente Vitrine: Die Münchner »Jugend«. In das Bewußtsein der Allgemeinheit dringen die Bestrebun gen nicht lange darauf. Die Gründung der »Jugend« bedeutet eine neue Etappe auf diesem Weg. Sie präsentiert der Öffent lichkeit einen ganzen Stab jüngerer Künstler. Das war 1898. tcrn und Textillustrationen erweist sich seine kecke Phantasie und verrät bereits seine Vorbestimmung zum Bühnenreformer. Im Buchgewerbe finden wir ihn Wohl nur mit einige» Notentiteln, so zu Bierbaum-Straub' »Freundlicher Vision« und Schillings' »Jng- wclde«, vertreten. Robert Engels kommt hier zum erstenmal zu Wort, dann in Illustrationen zu Börries v. Münchhausens »Bal laden«, zu »Tristan und Isolde« und anderen Werken, die seiner romantisch-märchenhaften Erzählungskunst liegen. Julius Diez' Werk wurde bereits eingangs besprochen. Arpad Schmidhammcr und A. Münzer sind durch einige Märchen- und Bilderbücher vertreten.
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