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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.05.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-05-28
- Erscheinungsdatum
- 28.05.1915
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- Deutsch
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^ 120, 28. Mai 1915. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Bernhard Pankok ist mit seiner Ausstattung des Katalogs für die deutsche Abteilung auf der Pariser Weltausstellung 1900 und Zierleisten für Harts »Stimmen in der Nacht« zu erwähnen. Walter Caspar! lieferte die schnurrigen Vignetten zu Wolzogens »Drittem Geschlecht«. Otto Eckmann nimmt mit seinem Schaffen in den ersten Jah ren den breitesten Raum ein. Seine Tätigkeit erschöpft sich aber innerhalb dieses Rahmens nicht, sondern ist mit der Buchkunst sei ner Zeit in so vielerlei Weise verknüpft, daß es nötig erscheint, länger bei seiner Persönlichkeit zu verweilen. Ähnlich wie Th. Th. Heine den Büchern des Langenschen Ver lags den Stempel aufdrückte, gab Eckmann den Neuerscheinungen von S. Fischer in Berlin die markante Note. Sie sind jetzt fast vergessen und waren damals doch, schon ihres Inhalts Wege», in fast aller Händen. Die großen Novitäten der Berliner Bühne, Su- dermanns »Johannes« und »Drei Reiherfedern«, Hauptmanns »Versunkene Glocke«, »Hanneles Himmelfahrt«, »Michael Kra mer«, Hofmannsthals »Theater in Versen«, trugen Umschläge von seiner Hand, wie unzähliges andere damals Erschienene. In seiner empfindsamen Stilisierung der Naturformen ist immer das Bestreben, zu strengeren, bindenden Formen zu gelangen, am deut lichsten Wohl bei ganz schlichten Lösungen, wie der Linienum rahmung zu »Ibsens sämtlichen Werken« und der monumentalen Sieben der Woche, mit der er sein Andenken am dauerhaftesten befestigt hat. Seine Schrift war die erste in der Reihe der Künstlcrschriften und legte Bresche in ein Gebiet, das sich lange gegen jede künstle- rische Beeinflussung abgeschlossen hatte. Durch sie bekommt das umfangreiche Lebenswerk des Frühverstorbenen erst seinen bedeu tungsvollen Abschluß. Die achte Vitrine: Der Simplicissimus. Das gleiche Jahr 1896 bescherte uns auch den »Simplicissi- mus«. Heute, wo dies Blatt eine selbstverständliche Einrichtung geworden ist, kann man sich kaum mehr die faszinierende Wirkung vorstellen, die es bei seinem Erscheinen auf die Gemüter ausübtc. Die Künstler, die von vornherein seine Bedeutung schufen und es bis heute auf seiner Höhe hielten, haben nicht nur durch ihre glänzenden Zeichnungen das gesamte Buchgewerbe beeinflußt, sondern es auch, noch so ganz nebenbei, mit einer schier unglaub lichen Fülle vortrefflich gelungener Bücher bereichert. An erster Stelle steht hier Thomas Theodor Heine. Wem sind nicht noch seine köstlichen Umschläge zu den Langenschen Büchern in Er innerung, die so recht eigentlich den Typus der künstlerischen Bro schur schaffen halfen und die jetzt leider durch um soviel langweili gere und weniger charaktervolle abgelöst sind? Da gibt es die ein drucksvollen Titel zu Knut Hamsuns Büchern »Pan«, »Hunger«, Tschechows »Starkem Toback«, den farbig so reizvollen Umschlag zur »Halben Unschuld«, den kühnen Einband seiner eigenen »Thor- heiten« und ungezählte andere. In den ersten Jahrgängen der »Insel« finden sich von seiner Hand geistreiche Schwarz-Weiß-Zeich- nungen, die verraten, daß auch ec einstunterdemBanneBeardsleys stand und ihn überwand. Das amüsante Buch über die»Barrisons« und die höchst seltsamen Illustrationen zu Hebbels Judith zeigen wohl seine persönlichste Art grotesker Linienrhythmik, wenngleich das letztere in der sehr weitgehenden Stilisierung keinen Zu sammenhang mit dem Inhaltlichen mehr aufkommen läßt und dar auf hinweist, daß seine Stärke weniger auf illustrativem als auf dekorativem Gebiet liegt. Interessant ist seine Anknüpfung an die Tradition Wilhelm Büschs mit der politischen Satire von »Max und Moritz«. Bruno Paul, der als Leiter der Berliner Kunstge werbeschule und Architekt sich vom Buchgewerbe zurückge zogen hat, brachte damals neben seinen Simplicissimus-Kari- katuren eine Reihe artverwandter Illustrationen und Buchtitel, die in ihrem Farbenreiz und der originellen Komposition es be dauern lassen, daß der Künstler heute keine Zeit mehr zu Ähn lichem findet. Da ist Thomas »Agricola« und »Assessor Karl- chen«, Tschechows »Zweikampf« u. a. m. Auch Thönh illustrierte Thomasche Geschichten mit seinen rea listisch gesehenen Bauernthpen. Bon dem frühverstorbenen Rudolf Wilke sind nur seine genialen Mappenwerke »Skizzen« und »Ge sindel« bekannt. Olaf Gulbransson hat seine Hauptkraft der Zeitschrift zuge wandt und nicht viel für das Buchgewerbe gezeichnet. Aber das Wenige ist von solchem Wert, daß es vieles andere aufwiegt. Lud wig Thomas »Lausbub« und »Tante Frieda« konnten sich keinen würdigeren Illustrator wünschen, und es ist erstaunlich, wie sich der Skandinavier in das spießbürgerliche Milieu der deutschen Klein- stadt hineingesehen hat. Seine Werke »Berühmte Zeitgenossen«, »50 unveröffentlichte Zeichnungen« und der schöne Titel zu Knut Hamsuns »Gedämpftem Saitenspiel« mögen hier noch er wähnt werden. Von Wilhelm Schulz stammen eine Reihe Vignetten zu Langenschen Büchern, der Einband der »Buddenbrooks«, das Mär- chenbuch vom »Prutzeltopf«, das eigentlich in die Vitrine der Kin derbücher gehört, und letzthin die Ausstattung des kleinen Büch leins von Hermann Hesse »Zur alten Sonne« aus »Fischers il lustrierten Büchern«. Die neunte Vitrine: Eugen Diederichs Verlag. Das dritte Ereignis von 1896 war die Gründung des Verlages Eugen Diederichs, — zu Florenz, wie der Chronist meldet und der Marzocco im Wappen besagt. Symbolisch genommen, bedeu ten diese Zeichen die Renaissance im deutschen Verlagswesen und Buchgewerbe. Angefangcn von den ersten tastenden Versuchen, bei denen I. V. Cissarz meist der künstlerische Berater war, spiegelt sich in den Unternehmungen des Verlags ein gut Teil des künstlerischen Ringens der letzten Jahrzehnte bis hinein in die Gegenwart. An den gestellten Aufgaben erstarkte und entwickelte sich E. R. Weiß' Talent, auf dessen Wirksamkeit der schöne »Leonardo«-Titel, die »Giordano Bruno«- und die »Hölderlin«-Ausgabe und noch manch andere wohlgelungene Bücher Hinweisen. Melchior Leckster ist mit einem seiner besten Werke, dem »Schatz der Armen«, vertreten, Vogeler mit den innigen Zeich nungen zu Jens Peter Jacobsens Erzählungen. Hier hat meine eigene Tätigkeit seit dem ersten Steglitzer Ver such der »Sonette nach dem Portugiesischen« ihre breiteste Basis gefunden. Ich zähle nur auf, was mir davon als das Beste er scheint: die Holzschnitt-Titel zu de Costers »Ulenspiegel« und den »Vlämischen Legenden«, zu den »Vögeln« des Aristophanes, Michelangelos »Dichtungen« und Fredmans »Episteln«, die Buch gestaltung der »Renaissancequellen«, des »Macchiavell«, Lemon- niers »Dorfwinkel« und eines Teils der »Märchen der Welt literatur«. , Auch der modemen Schriftbewegung und dem Pro blem des typographischen Buches blieb der Verlag nicht fem. Er brachte das erste in Behrensschrift gedruckte Buch, aus der trotzigen Kochfraktur die große Ausgabe der »Evangelien« und von Kochs Hand geschrieben die »Lieder des heiligen Franziskus«. Meine hartumstrittene Monumentalaus- gabe des »Faust- mag hier erwähnt sein, ebenso wie der an spruchslose lichte Antiquadruck der »Idyllen des Theokcit«, mir bisher das liebste unter meinen Büchern. In den »Zielen des Schriftunterrichts« gab mir Diederichs Gelegenheit, die Ergebnisse meiner Lehrtätigkeit niederzulegen, und bei dem grotzangelegtcn Druck der »Upanishads« ermöglichte er deren Anwendung. F. H. E. Schneidler, bei dieser Arbeit zum ersten Male vor eine Aufgabe gestellt, ist neuerdings mit großem Glück für den Verlag tätig gewesen und setzt meine Arbeit in durchaus selbständiger und eigenartiger Weise fort. Es sind von ihm zu erwähnen Titel und Vollbilder der »Hafis« - Ausgabe, die Ausstattung der »Gnosis«, des »Laotse«, »Kung futse«, der Bücher der »Edda« und die auch farbig sehr schöne Einband zeichnung zu den »Indischen Sagen«. Damit mag das Kapitel über Eugen Diederichs abgeschlossen sein. Daß cs einen breiteren Raum cinnimmt als die andern und in der Zeit vorauseilt, kann durch die außerordentliche Be deutung gerechtfertigt werden, die dieser Mann und sein Einfluß für die Geschichte der neuen Buchkunst haben. (Fortsetzung folgt.» 811
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