Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.05.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-05-11
- Erscheinungsdatum
- 11.05.1915
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19150511
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191505114
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19150511
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1915
- Monat1915-05
- Tag1915-05-11
- Monat1915-05
- Jahr1915
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Redaktioneller Teil. 107, 11. Mai 1915. Der eiserne Pflug des deutschen Einwanderers leistete mehr als der hölzerne Haken des slawischen Hörigen, was zur Erhöhung der Grund rente ganz erheblich beitrug. So haben die Lande von der Elbe bis zur Oder und darüber hinweg bis an und über die Weichsel, donau- aufwärts in und an den böhmischen Bergen und den Karpathen ein ganz anderes Ansehen bekommen. Wenn neuerdings gesagt worden ist: »Nicht das Schwert des Ritters, sondern der Pflug des Bauern eroberte das Land«, so trifft das, mit der einzigen Ausnahme des Ordenslandcs, das durchaus Nichtige. Wie nur neue Siedlungen gegründet, nicht etwa bestehende verdrängt wurden, so gingen auch alle Städtcgründnngen im Osten von den Deutschen aus. Die ganze Geschichte der Besiedelung zeigt also deutlich, daß der Deutsche hier das gleiche Anrecht auf Boden und Haus hat wie sein anderssprachiger Heimatsgcnosse, der den Stammbaum auf den alten Bewohner des Landes zurückführt. Ausführlicher beschäftigte sich dann der Vortra gende mit dein polnischen Problem. Er wies hierbei u. a. nach, daß die weitverbreitete Anschauung, die die Teilung Polens als ein Un recht anffaßt nicht haltbar sei. Die Besitzergreifung polnischer Ge biete sei für Preußen damals eine Pflicht der Selbsterhaltung gewesen. Zur Zeit des großen nordischen Krieges grenzte Rußland weder an das Deutsche Reich noch an irgendeinen habsburgischen Besitz. Hundert Jahre später hatten Preußen und Österreich ostwärts keinen anderen Nachbarn als Rußland von der Ostsee bis gegen das Schwarze Meer. Zum Schlüsse seiner interessanten und mit großem Beifall aufgenom menen Ausführungen betonte der Redner, daß die wichtigste Voraus setzung fiir den Bestand unseres Reiches und Volkes die Festigung unserer Stellung im Osten sei. Feindliche Staatsangehörige als Kläger. — Der 3. Zivilsenat des Kammergerichts hat sich dem Rechtsstandpunkt angeschlossen, daß feindliche Staatsangehörige als Kläger und Berufungskläger dem Be klagten Sicherheit wegen der Prozeßkosten zu leisten haben. Nach den bis dahin geltenden Verträgen seien zwar Deutsche in Rußland und Russen im Deutschen Reiche einer Verpflichtung zur Sicherheitsleistung nicht unterworfen. Diese Verträge seien aber infolge des zwischen beiden Staaten herrschenden Kriegszustandes außer Kraft gesetzt. In einer Zeit, in der der eine Staat ohne weiteres befugt sei, die in seinem Gebiete wohnenden Angehörigen des anderen Staates auszu- wcisen oder gefangen zu setzen, könne diesen fremden Staatsangehörigen offenbar nicht das Recht zustehen, gleich den Inländern als Kläger vor Gericht aufzutretcn und dabei Sicherheitsleistung und Vorschüsse für Kosten zu verweigern. Tatsächlich seien in Rußland durch Mas des Zaren vom 24. Juli a. S. jene Abkommen außer Kraft gesetzt und durch ein neueres Gesetz Angehörigen der feindlichen Staaten die Prozeßfähigkeit überhaupt abgesprochen worden. Danach sei das Deutsche Reich an jene Verträge auch deshalb nicht mehr gebunden, weil bei gegenseitigen Verträgen in Krieg und Frieden die Nichterfül lung der eingegangenen Verpflichtungen durch den einen Vertragsstaat den andern von seiner Verpflichtung befreit. Papierfabrikanten und Zeitungsverlcger in der Schweiz. — Die schweizerischen Papicrfabrikanten haben ihren Kunden mitgeteilt, daß sie sämtliche Preise infolge der durch den Krieg entstandenen Schwie rigkeiten erhöhen. Die Preiserhöhung trete auch für laufende Ab schlüsse in Kraft. Die Zeitungsverleger wollen die Zulässigkeit der Preiserhöhung im Laufe des Schlusses nicht anerkennen und veröf fentlichen Nechtsgutachten, die ihren Standpunkt bekräftigen; ferner beantragen sie bei der Negierung ein Ausfuhrverbot auf Papier und Druckfarbe, da angeblich die schweizerischen Papier- und Druckfarben fabriken große Mengen Papier und Druckfarbe nach verschiedenen Staa ten, besonders nach Griechenland und der Türkei, zu sehr hohen Prei sen liefern und ihnen infolgedessen an der Ausführung der im Lande zu mäßigen Preisen gemachten Abschlüsse wenig liege. Ein italienischer Professor über Goethe. — In der »Tägl. Rund schau« lesen wir: Welche Verwirrung der Haß in den Köpfen selbst be deutender Gelehrter anrichtet, dafür erbringt ein Vortrag, den der italienische Professor Michelangelo Billia kürzlich gehalten hat, einen neuen Beweis. Bezeichnend für die Geistesverfassung des italienischen Gelehrten ist insbesondere der Abschnitt seiner Rede, in dem er sich über Goethe ausspricht. Diese Kritik des Goctheschen »Faust« verdient un bedingt niedriger gehängt zu werden. Professor Billia läßt sich u. a. also vernehmen: »Irgendein Ostgote hat es gewagt, Goethe mit Dante zu vergleichen! Welcher Abgrund liegt zwischen den beiden! Margarete ist das Zerr bild, oder, besser gesagt, das unglückliche Gegenspiel der Beatrice, und den Doktor Faust hat unser Nomini so treffend ein Professorchen einer deutschen Universität genannt. Dieses Professorchen wird freilich im , letzten Teil des »Faust«, der dem ersten ohne Zusammenhang und ohne Rücksicht auf den Charakter des Werkes angeklebt worden ist, erlöst. Dieser Doktor Faust, der nach der Absicht Goethes den Autor selbst verkörpern sollte, ist in Wahrheit nur ein alter Schibachkopf, ein Spiel zeug in der Hand des Bösen. Und wenn er am Schlüsse, ich möchte sagen, gegen seinen Willen gerettet wird, so geschieht das einzig und allein darum, daß die Handlung einen guten Ausgang nimmt. Es ist eine örtliche, spießbürgerliche und rein äußerliche Angelegenheit, diese Erlösung. Faust wird nicht wieüergeboren, sondern gelangt ins Para dies, weil die guten Engel über den armen Teufel das Über gewicht erhalten müssen. Der wahre Teufel in dem Stück ist aber Goethe selbst, dieser Vertreter der deutschen Selbstsucht und der deut schen Sittenlosigkeit. Wie er die Kunst vergewaltigt, nur um seine Satire aller heiligen Dinge an den Mann zu bringen, so opfert er auch die Moral dem vorgefaßten Endziel, der Geschichte und den Tatsachen eine Wendung zu geben, die dazu dienen muß, die Größe der Deutschen zu verherrlichen. Darin ist er ein Vorgänger Hegels, des Kaisers Wil helm II. und ein Nachbeter Spinozas.« Als Gedenktag der 500jährigen Herrschertätigkcit des Hohenzollern- hauscü hat der Kaiser den 21. Oktober d. I. bestimmt, da am 21. Ok tober 1415 die Erbhuldigung auf dem Landtage in Berlin stattfand. Gemäß der kaiserlichen Entschließung soll die Feier des Gedenktages auf eine Feier in den Schulen am 21. Oktober und auf eine kirchliche Feier an dem darauffolgenden Sonntage, dem 24. Oktober, be schränkt werden. Auf Grund dieser Bestimmung hat der Evangelische Ober-Kirchenrat zu Berlin schon jetzt angeordnet, daß am 24. Oktober d. I. in allen Kirchen im Hauptgottesdienst der 500jährigcn Herrscher tätigkeit des Hohenzollcrnhauses gedacht wird. Personalnachrichten. Gestorben: wie erst jetzt bekannt geworden ist, am 21. November 1914 infolge einer zweiten schweren Verwundung Herr Edmund Ste- tina, Zugsführer d. R. im k. u. k. Infanterie-Regiment Nr. 8. Der für das Vaterland gestorbene Bernfsgenosse war mehrere Jahre Gehilfe in der angesehenen Verlagsbuchhandlung Veit K C o m p. in Leipzig. Beim Ausbruch des Krieges zu den Fahnen ge rufen, erlitt er im September eine schwere Verwundung, nach deren Heilung er wieder an die Front ging. Lange fehlten dann Nachrichten über ihn gänzlich, bis jetzt die Trauerbotschaft seines Hinscheidens eintraf. Jocza Savits f. — Der ehemalige Ober^gisseur des Münchener Hoftheatcrs Jocza Savits ist daselbst am 7. Mai im Alter von 68 Jah ren gestorben. Unter seiner Regie fand in München im Jahre 1889 die erste Aufführung auf der Shakespeare-Bühne statt. Savits hat sich auch durch dramatische Werke und Aufsätze über bühnentech nische Fragen schriftstellerisch betätigt. Sein bekanntestes Werk ist die Schrift: »Shakespeare und die moderne Bühne«. SpreWal. ^ Anfrage. Hat einer der Herren Kollegen in den letzten Monaten mit dem Wandcrredner Johannes Kogge in Verbindung gestanden? Er hielt im Februar hier Vorträge über »Ernährungsfragen in der Kriegs zeit«. Ferner hat er auch Gedichte: »Deutsche Kriegslicder und Ge dichte« Ladenpreis ^ —.10, geschrieben, auf denen seine Adresse: Berlin 8W., Wilhelmstr. 43 b angegeben ist. Wir bitten die Firmen, die diese Gedichte von ihm bezogen oder ihm Bücher geliefert haben, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Hannover. Sachse L Hein zel mann, G. m. b. H. Wie bewährt sich die amerikanische Buchführung im Sortiment? Ist wohl einer der Herren Kollegen in der Lage, seine Erfahrungen mit der amerikanischen Buchführung im Sortimentsbuch handel mitzutcilen? In unserem mittleren Sortiment soll die amerikanische Buchführung eingeführt werden. Es kann jedoch nicht sehr viel Zeit dafiir aufgewandt werden, da die Buchführung vom Inhaber selbst besorgt werden muß. Wie geschieht hierbei die Verrechnung des Kommissionsgutes? Oder welche kaufmännische Buchführungsart ist für kleinere und mittlere Buchhandlungen die zeitsparendste und übersichtlichste? 8. V. Verantwortlicher Redakteur: Emil Thomas. — Verlag: Der Bvrsenveretn der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Deutsches Buchhändlcrhaus. Druck: Ramm L Seemann. Sämtlich in Leipzig. — Adresse der Redaktion und Expedition: Leipzig, Gerichtsweg 26 (Buchhändlerhaus).
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder