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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.05.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-05-08
- Erscheinungsdatum
- 08.05.1915
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- Deutsch
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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^ 105, 8. Mai 1915. Redaktioneller Teil. Teil in festliche Gewänder gekleidet, als ob es keinen Bölkerkampf gäbe. Auch von den Zeitschriften hat etwa nur ein Zehntel das Erscheinen vorläufig eingestellt; wirklich eingegangen sind wegen des Krieges nur ganz wenige Zeitschristen, und auch hier wird der Krieg nur das sowieso in Aussicht stehende Ende beschleunigt haben. Erneute Schwierigkeiten sind fast allen Geschäften durch die Einziehung von Gehilfen und Markthelfern erwachsen, und sie werden noch verstärkt werden, wenn der imgediente Landsturm, der z. B. in Württemberg bis zum 39. Lebensjahre bereits ein gezogen ist, in Bayern bis zum 45. Lebensjahre gemustert wird, überall eingczogen werden sollte. Hierdurch werden im Handel und Verkehr ganz bedeutende Stockungen unausbleiblich werden. Wir müssen uns aber damit abfinden. Die riesenhafte Form, die der Weltkrieg angenommen hat, fordert riesenhafte Mittel. Der Buchhandel, der zur Charakterbildung Unserer Nation stets viel beigetragen hat, wird Helsen durchzuhalten, daß wir deutsch bleiben und deutsch sühlen können. In patriotischer Begeisterung wurde von einigen Seiten Sturm gelaufen gegen alle ausländische Literatur. Es wurde sogar die Gründung eines Nationalbuuds deutscher Ver leger angeregt, der die Aufgabe hätte, in Zukunst auf die vielen Angebote fremdländischer Werke oder ihrer Übersetzungen zu verzichten. So sehr man die guten Absichten der Anreger dieses Gedankens anerkennen muß, so darf man in diesen Dingen doch nicht zu weit gehen. Auch hat ein Bund, der nicht aus Tun, son dern auf eine Unterlassung gerichtet ist, wenig Aussicht aus Erfolg. Wo wäre unser deutsches Volk, wenn es nicht durch den Wagemut der deutschen Verleger von Übersetzungen fremder Werke so aus gedehnte Kenntnis des Wesens, des Denkens und der Verhält nisse unserer heutigen Gegner erhalten hätte? Wenn man auch angesichts der Volksstimmung bei der künftigen Verlagserzeugung mit Veröffentlichungen fremden Ursprunges zurückhaltend sein wird, so würde es doch einer Verarmung an Anregungen für uns gleichkommen, wenn wir das Gute nur deshalb ablehnen wollten, weil.es ausländischen Ursprunges ist. Wir wollen unsere Aufgabe als Buchhändler darin sehen, daß wir den kulturellen Wert europäischer Größen unparteiisch anerkennen und zielbewußt für den geistigen Blutkreislauf im Verein mit Gelehrten und Künstlern sorgen. Wer aber das Ausländische, weil es ausländisch ist, nicht schätzen kann, der mag wenigstens das Wort Friedrich Nietzsches beherzigen: »Wo du nicht mehr lieben kannst, da sollst du vorübergehen«. Die Büchererzeugung des Jahres 1914 dürfte infolge des Krieges geringer gewesen sein als die früherer Jahre, was schließlich kein Fehler ist. Schon im Jahre 1913 war nach der Zusammenstellung der Hinrichs'schen Buchhandlung eine Ver mehrung um nur 277 Werke zu verzeichnen (1913 35078 gegen 1912 34801). Zieht man hiervon aber die Werke fremder Her kunft ab und betrachtet die reine Erzeugung von Deutschland, so ergibt sich bei 1913 sogar eine Verminderung von 159 Werken: im Jahre 1913 29994 gegen 30153 im Jahre 1912. Die Bücher- aussuhr von 1912 wird mit einem Wert von 53 Millionen Mark angegeben, eine Ziffer, die doch recht beachtenswert ist. Der Krieg hat dem Vorstande und der Geschäftsstelle doppelte Arbeiten auferlegt, betrachtete es doch der Vorstand als seine Aufgabe, in diesen schwierigen Zeiten den Mitgliedern eine Stütze zu sein und durch Ausklärung und Aufmunterung an seinem Teile dafür zu sorgen, daß das wirtschaftliche Leben auf- recht erhalten und die Schwierigkeiten, die sich jedem Geschästs- manne entgegenstellten, nach Möglichkeit beseitigt würden. Über seine Maßnahmen und Vorschläge ist im »Börsenblatt« das Nähere berichtet worden. Es sei hier kurz Folgendes zusammengefaßt: Mit dem Verein Leipziger Kommissionäre ist im August öfters korrespondiert, und Besprechungen sind abgehaltcn worden. Der genannte Verein hatte erklärt, Barpakcte, auch Fortsetzungen nur dann einlösen zu können, wenn den Bestellungen ein Ver langzettel mit dem Datum nach dem 3. August aufgeklebt wäre. Es wurde schließlich eine Verständigung gesunden, aber die Maß nahmen des Kommissionürvereins haben doch bei den Verlegern viel Schaden hervorgerusen, der sich mehr und andauernder geltend machte, als gut war und als es wohl auch von seiten des Kommissionärvereins beabsichtigt war. Auch manche Verleger hatten Anfang August, durch die Schrecken des unerwarteten Krieges betrossen, etwas den Kops verloren und erklärt, nur noch bar liefern zu können, auch an solche Firmen, mit denen sie sonst in Rechnung gestanden hatten. Umgekehrt hatten Sortimenter abgeschlossene Lieferungsverträge von Fortsetzung?- und Neuigkeitsbarbestellungen glatt gekündigt. Durch einen Aufruf vom 12. September wendete sich Ihr Vor stand an den deutschen Buchhandel, nicht kleinmütig gegen über seinem eigenen Betrieb und im Verhältnis zu seinen Abnehmern zu sein, sondern getrosten Mutes in gleicher Weise zu handeln und sortzufahren, wie er es in Friedenszeiten ge tan hätte. Das Publikum wurde in verschiedener Weise aufgefordert, den Buchhandel nicht zu vergessen und auch in der Kriegszeit Bücher zu kaufen. In eindringlicher Weise geschah dies durch Ausgabe eines kleinen Aussatzes von H. Lhotzky, der in 110000 Exemplaren verbreitet und auf unsere Bitte hin von verschiedenen Zeitschriften nachgedruckt worden ist. Die Tages presse wurde frühzeitig ausgesordert, die Besprechung von Büchern, die in den ersten Kriegsmonaten ganz ausgehört hatte, wieder aufzunehmen. An die maßgebenden Vereine vom Roten Kreuz, an die Stadtverwaltungen usw. wurden verschiedene Briefe ge richtet, mit der Bitte, bei der Zusammenstellung der Weihnachts- Pakete für die Truppen im Felde und ihre Hilfskräfte, für Kranken schwestern, Sanitätsbeamte usw. Bücher beizupacken. Gemeinschaftlich mit dem Börsenverein haben wir unsere Mitglieder aufgefordert, für Verwundete in den Lazaretten und für die Truppen im Felde Bücher aus ihren Beständen zur Ver- sügung zu stellen, die durch den »Gesamtausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten in Berlin, König liche Bibliothek« verteilt wurden. Zu unserer Freude konnten wir große Spenden unserer Mitglieder in Empsang nehmen; wir sagen auch an dieser Stelle für diese hochherzige Betätigung des Gemeinsinnes herzlichen Dank. Den Aufrus der Deutschen Bücherei, alle aus den Krieg bezüglichen Drucksachen zu sammeln und der Deutschen Bücherei in einem Exemplar zur Verfügung zu stellen, haben wir gern unterstützt und bringen ihn auch heute unseren Mitgliedern in Erinnerung. Gegen den Verband der Fachpresse Deutschlands mußten wir uns wenden, weil dieser am 6. August einen »Beschluß« ver öffentlicht hatte, den Inserenten eine Unterbrechung ihrer An zeigen bis auf weiteres zu gestatten, und weil er ferner seine Mit glieder ausgesordert hatte, durch Versendung eines auf Florpost gedruckten Abzuges dieses Beschlusses ihn allen Inserenten be kannt zu geben. Die Wirkung war eine verheerende, was nicht zu verwundern ist, da sie von einer so angesehenen Stelle ausging. Der Vorstand des Verbandes der Fachpresse Deutschlands hatte zwar in seiner Sitzung vom II. August diesen Beschluß in eine »Empfehlung« umgewandelt, doch war das Unglück schon ge schehen. Die Wirkungen dieses Beschlusses oder dieser Empfehlung sind auch heute noch nicht hinfällig geworden, wenn sich auch gegenüber den Inserenten langsam normale Verhältnisse wieder anbahnen. Mit der Postverwaltung haben wir verschiedene Briefe ge wechselt. Eine Eingabe, für die Feldpost auch Kreuzbänder zu zulassen, wurde abschlägig beschieden, da die Einrichtungen der Feldpost dies nicht zuließen. Den Verkehr nach Österreich-Ungarn haben wir versucht zu beschleunigen; namentlich aber haben wir versucht, in der Frage der Bezahlung der Zeitschriften durch die Post einzugreifen. Die Postverwaltung hat die Abonnements von Zeitschriften, die nur ganzjährig oder halbjährig abgegeben werden und auch bis Jahresschluß geliefert worden sind, nur bis 1. August bezahlt, sofern die Abonnenten im feindlichen Auslände waren, und bis 15. August, wenn sie sich in den deutschen Kolonien be fanden. Wir vertreten die Ansicht und werden darin auch durch ein Gutachten unserer Rechtsauskunftsstelle gestützt, daß die Post selbst Vertragschließende ist und daher die Tragung der Gefahr nicht auf den Verleger abwälzen kann. Aus einzelnen Fällen, die wir namhaft machen konnten, ging auch hervor, daß der 719
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