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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.02.1915
- Strukturtyp
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- Band
- 1915-02-08
- Erscheinungsdatum
- 08.02.1915
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil Vom Antiquariatshandel. i. Kriegs-Antiquariat. Das Antiquariat ist ganz im allgemeinen ein stilles Geschäft. Auch im Frieden hört man nicht viel davon, im Buchhandel selbst am allerwenigsten. Die laute Streitbarkeit, dte das Sortiment im Kampf gegen die Verleger zu betätigen pflegt, ist ihm nicht eigen. Innere Zwistigkeiten werden nur selten in breiter Öffentlichkeit ausgesuchten. Das Schlachtfeld der Konkurrenz, auf dem sie sich alle tummeln, auf dem ein jeder einzelne des andern Feind ist, liegt profanen Blicken entrückt, kein Lärm, kein Rufen im Streit verrät seine Stelle. Aber auch hier gehört zum Kriegführen »Geld, Geld und nochmal Geld«. Wer im Einkauf besiegt wird, der fühlt seine Niederlage wohl, den Sieger aber kennt er beim Verlassen des Kampffeldss gemeinhin noch nicht. Der tritt erst dann in die Erscheinung, wenn er mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel die Bataillone seiner Kataloge in glänzen der Parade vor Augen führt. Doch damit beginnt ein neuer Kampf im Verkauf, und da kann man Wohl mit Recht sagen, daß der Herr der Schlachten zumeist mit den großen Bataillonen ist. Und doch wickelt sich das alles so still, so ohne Lärm ab. Jetzt nun, im wirklichen Krieg ist's noch viel ruhiger geworden. Aber nicht nur ruhiger, sondern auch beruhigter, wenn man einen Vergleich mit den ersten Monaten des Krieges zieht, und in dem Gefühl der eingetretenen Be ruhigung wächst der Mut zu frischem Unternehmen. Man geht an die Winterkampagne. Es gibt wieder Kataloge, ein ganz stattliches Häuflein sogar, wenn auch noch mancher Antiquar glaubt, seine Streit kräfte in Reserve halten zu sollen. Ob die Zauderer dabei auf taktische und strategische Vorteile aus sind, das weiß man nicht genau. »Frisch gewagt ist halb gewonnen« hat seine Geltung noch immer behalten, und wenn es jetzt Antiquare gibt, die ihren Katalogen ein Motto vorsetzen — ein Kriegs novum —, so würden wir dies alte Sprichwort doch noch lieber sehen, als den Vers aus der Braut von Messina: »Etwas fürchten und hoffen und sorgen. Muh der Mensch sllr den kommenden Morgen«, weil es frischer klingt und nicht so nach Entschuldigung aus sieht. Vielleicht wird der Antiquar, der den Vers als Selbst- trost wählte, durch den Erfolg seines Verzeichnisses so mutig, Laß er das nächste Mal eine etwas weniger elegische Tonart anstimmt. Zufällig teils, teils absichtlich paßt der Inhalt einiger Kataloge vortrefflich in die jetzige Zeit. Dem Zu fall kann man es Wohl zuschreiben, wenn Joseph Baer L Co. in Frankfurt a/M. gerade so weit sind, von ihrem großen Kataloge »Militaria« den dritten Teil zu veröffentlichen, der die »Kriegsgeschichte der europäischen Staaten vom Zeit alter der Revolution bis zur neuesten Zeit« in rund 2500 Nummern enthält. Zufall ist es Wohl auch, wenn Max Harr- wttz in Nikolassee bei Berlin in der Reihe seiner Ver zeichnisse über »Deutsche Länder- und Städte-Geschichte« gerade jetzt bei dem Teil XV: »Elsaß-Lothringen« angekommen ist. Bei dieser Gelegenheit sei auch noch ein anderes Verzeichnis derselben Firma genannt: »Bismarckiana in Wort und Bild». Es hat feine Veranlassung natürlich in der Hundertjahrfeier von Bismarcks Geburtstag, die wir in diesem Jahre begehen dürfen. Aber steht nicht auch ohnedies die Figur des Reichs- gründers jetzt mit im Vordergrund des Interesses? Wer hätte in diesen schweren Tagen nicht schon zu seinen -Gedanken und Erinnerungen« gegriffen? Andere Antiquare suchen direktere Verbindung mit den Ereignissen herzustellen, wenn auch nur in den Titeln ihrer Kataloge oder in den Schlag wörtern für die einzelnen dem Verfasseralphabet eingeschachtelten Sachabteilungen. Ein kleines Verzeichnis aus dem Akade mischen Antiquariat »Niedersachsen« in Göttingen, das sich »Unsere Feinde. I. Frankreich« nennt, eröffnet die Aussicht auf eine nicht zu kleine Reihe ähnlicher Listen. An dere geben ihren Katalogen ein kleines Rähmchen von »Kriegs literatur«, wie Georg Nauck (Fritz Rühe) in Berlin, der auf den Umschlagseiten seines Kat. 107: »Theologie« zunächst eine fast endlose Reihe von Predigten und dann allerhand sonstige Bücher zum Krieg anzeigt, oder wie Adolf Weigel in Leipzig, der unter der Überschrift »Zur Aufklärung und Abwehr — Für meine Auslandskundschaft« an die Spitze seiner Mitteilungen sür Bücherfreunde Nr. 61 die »Tages- Itteratuc über den Weltkrieg 1914« setzt. Noch sind es nur die neuen und landläufigen Publikationen dieser Art, die hier zur Anzeige kommen, aber es wird Wohl nicht mehr lange dauern, bis die Seltenheiten und Kuriositäten des Gebiets im Antiquariatshandel auftauchen und zu teuren Preisen auch Liebhaber finden werden. Dahin gehören die Publikationen unserer Truppen im Schützengraben und im Etappengebiet, die Bekanntmachungen und Anschläge der Feinde in Deutsch land, die unsrigen im Feindeslands, Aufrufe und Prokla mationen, von Fliegern abgeworfene Mitteilungen u. dgl. mehr, dahin gehören auch solche hübsche Extrablätter wie das des »Neustädtcr Anzeigers« aus Neustadt in Oberschlesien vom 15. Dezember 1914, in dem es heißt: Ein feindlicher Vorstoß aus der Gegend nordöstlich Siegfried lllbrich, Jsak Paul, Paul Emil Siegfried (d. h. Suippes und kommt vom Telephonieren) wurde . . . abgcwiesen». Das ist und soll keine erschöpfende Auszählung, sondern nur ein kleiner Hin weis sein, daß der Krieg für den, der es zu finden weiß, ein reiches Material von Schriften produziert, die ihre Ver wendung im Antiquariat geradezu fordern. — Wenn schließ lich das Antiquariat in seinen Katalogen auch »geeignete Bücher für Lazarett und Schützengraben« anzeigt, sie mögen so billig sein, wie sie wollen, gegenüber der überwältigend großen und schönen Liebestätigkeit gerade auf diesem Felde wird es kaum Lorbeeren ernten. Im großen und ganzen aber stehen die Antiquarkataloge, die jetzt erschienen sind, gar nicht im Zeichen des Krieges. Sie gebärden sich ganz friedlich wie sonst. »Römische Archäo logie« — »Deutsche Geschichte im Mittelalter« — »Kunststätten«, das find die Titel dreier Kataloge von Joseph Baer L Co. in Frankfurt a/M. (Nr. 630, 631, 629); »Christliche Dog matik und Ethik, Symbolik, Apologetik, Polemik«, insbesondere aber »Philosophie« enthält Kat. 88 von Oskar Gerschel 157
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