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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.08.1879
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1879-08-25
- Erscheinungsdatum
- 25.08.1879
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- Deutsch
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fischen Prosa gilt das, was Heine von den italienischen Compo- nisten sagt: sie überkleidet ihre Gedankenabgründe mit Rosen. Auch in dieser Beziehung hat das niederträchtige Gedudel der kleinen Scandalpreffe das ganze Concert in Verruf gebracht. Die äußere Organisation der französischen Journalistik gibt uns ebenfalls eine Reihe von Momenten an die Hand, deren Stu dium sür den Deutschen von Nutzen sein könnte. Hierher gehört z. B. das mit Consequenz durchgesiihrte Institut desEinzelverkauss. Der Franzose ist in der Regel auf ein Blatt abonnirt; ein zweites und drittes ersteht er in einzelnen Nummern. Der Deutsche ver mag sich an diesen Modus nur sehr zögernd zu gewöhnen, und doch springen die Bortheile desselben in die Augen. Eine Presse, die den Einzelverkaus organisirt hat, ist so ipso daraus angewiesen, etwas Gediegeneres zu leisten, als eine solche, die einseitig am Abonnementsmodus festhält. Bin ich aus ein Blatt abonnirt, so halte ich gewohnheitsgemäß daran fest, selbst wenn mir die geistige Nahrung, die es mir vorsetzt, hin und wiederJndigestionen bereitet. Es fehlt mir ja überdies die Gelegenheit, zwischen meinem Organ und den übrigen Blättern, auf die ich nicht abonnirt bin, einen Vergleich anzustellen, und so geht denn die Geschichte im alten Schlendrian weiter. Bin ich dagegen im Staude, von sämmtlichen Preßerzeugnissen, die auf den Markt kommen, ab und zu einzelne Nummern zu kaufen, so vermag ich die Differenz zwischen meinem Blatte und den übrigen zu controliren; ich kann eine Wahl treffen. Hieraus erwächst für die Concurrenz eine ganz andere Lebens- thätigkeit. Die Tage der Autorität sind vorüber: jedes, auch das renommirteste und bestsundirte Blatt muß wirklich Gutes und Interessantes liefern, sonst geht es zu Grunde. Aus dieser Noth- wendigkeit resultirt weiter, daß der elende „Literat" bald über Bord fliegt, um dem gebildeten Journalisten und Schriftsteller Platz zu machen, ein Thronwechsel, durch den das gesammte Autorencollegium an Achtung gewinnen muß. Es eröffnet sich uns hier eine Reihe von Wechselwirkungen, deren Zahl und Bedeutung sich gar nicht absehen läßt.... Zur Abwehr. In Nr. 190 d. Bl. versucht Hr. vr. Wölsert meine am Schluffe des Artikels in Nr. 180 „Die Stenographie im Dienste des Buch händlers" enthaltene Empfehlung des Stolze'schen Systems umzu- stoßen und statt dessen eine vor kurzem in seinem Verlage erschienene sogenannte „Universal-Stenographie" zur Geltung zu bringen, wobei es freilich Hrn. vr. Wölsert nicht darauf ankommt, dem Stolze'schen System Dinge nachzusagen, die einfach nicht wahr sind. So behauptet derselbe, daß die bestehenden Kurzschriften nicht im entferntesten so zuverlässig seien, als die gewöhnliche Schrift, und im täglichen Verkehr eine heillose Confusion anrichten würden; — ich behaupte dagegen, daß jedes mit Stolze'scher Schrift richtig ge schriebene Wort, resp. jeder Satz rc. auch richtig wieder gelesen werden kann und muß, und jede Consusion ausge schlossen ist. Wird freilich ein Wort falsch geschrieben, dann sind wir Stenographen ebenso schlimm daran wie der Currentschreiber, der über orthographische Fehler stolpert. Vor etwa 3 Jahren machte ein Hr. Adler in Berlin (Gründer einer einzeiligen Kurzschrift) dem Stolze'schen System den gleichen Vorwurf, worauf ihm der Redacteur des „Stenogr. Beobachters" eine Wette im Betrage von mehreren hundert Mark anbot, daß er jede ihm vorgelegte, richtig geschriebene Stolze'sche Zeitschrift sofort und ohne Stocken vorlesen werde: bis heute hat Hr. Adler noch kein Verlangen nach dem Preise gezeigt. — Eine zweite Behauptung des Hrn. vr. Wölsert, daß ein viel zu großer Zeitaufwand zum Erlernen eines der bestehenden Stenographie-Systeme nöthig sei, ist auch hinfällig. Das Stolze'sche System wird, wie schon gesagt, in 12 — 14 Unterrichtsstunden gelehrt, neben welchen natürlich auch noch einige Uebungen nöthig sind; um etwas wirklich Brauchbares zu erlernen, ist dieser Zeit raum doch gewiß nicht zu lang; zur Erlernung des Gabelsberger'- schen Systems sind allerdings etwa 30 — 40 Unterrichtsstunden nöthig. — Was nun die Empfehlung der „Universal-Stenographie" betrifft, so ist doch der Hinweis aus das „Leipziger Tageblatt" recht schwach. Jeder, der einigermaßen mit dem Zeitungswesen bekannt ist, weiß, wie solche Kritiken in politischen Zeitungen, die sich sonst mit Literatur gar nicht beschäftigen, entstehen. Das Urtheil einer stenographischen Fachzeitung ist jedenfalls von höherem Werthe. Das „Archiv für Stenographie", das jedem neu auf tauchenden Systeme von einiger Bedeutung mehr oder weniger ausführliche Besprechungen widmet, ist über die „Universal-Steno graphie" einfach zur Tagesordnung übergegangen, nachdem es als Curiosum die im Jnseratentheile des „Börsenblattes" s. Zt. ent haltene Reclame mitgetheilt hatte. Ich selbst habe mich nicht näher mit der „Universal-Stenographie" beschäftigt; der erste Eindruck, den solche auf mich machte, schreckte mich davon ab; mir sind meine Augen zu lieb, als daß ich sie mir an diesen spindeldürren Gestalten, die sich auf dem Lehrbogen umhertummeln, verderben sollte. Die „Universal-Stenographie", die mit so viel Lärm in die Welt gesetzt ivorden ist, wird sich bald im „stenographischen Glasschranke" eines idyllischen Daseins erfreuen, während das sich nunmehr seit 38 Jahren bewährende Stolze'sche System fort und fort weitere Verbreitung finden wird, trotz der Angriffe des Hrn. vr. Wölsert und anderer Nicht-Kenner desselben. Richard Francke (im Hause List L Francke), Vorsitzender des mitteldeutschen Stenographen-Bundes. Pcrsonalnachrichtcn. Aus Berlin berichtet die National-Zeitung: „Das seltene Fest der Goldenen Hochzeit wird am 27. August von dem Buch händler Georg Ernst Reimer begangen. Derselbe, geboren am 2b. November 1804, verheirathete sich mit seiner Frau, Marie Wilhelmine, geb. Stavenhagen, am 27. August 1829. Er ist der zweite Sohn des Buchhändlers Georg Andreas Reimer, der 1776 geboren wurde und 1842 starb. Das Fest dürfte in weitesten Kreisen eine allgemeine Theilnahme finden, da die Familie Reimer sich der allgemeinen Achtung erfreut und die Verdienste des Jubi lars sowie seines Vaters und seiner Brüder um die Wissenschaft in ihrer umfassenden Thätigkeit als Buchhändler allseitig bekannt sind. Ganz besonders glückliche Familicnverhältnisse zeichnen diese Familie aus. Der Vater des Jubilars hatte mit feiner Gemahlin Wilhelmine, geb. Reichardt, mit der er 42 Jahre in glücklicher Ehe lebte, 16 Kinder, von denen jetzt noch ä am Leben sind. Die Tochter Marie des älteren Bruders des Jubilars, Karl August, ist mit dem Professor Theodor Mommsen verheirathet, die sich des gleichen Kindersegens wie das Großelternpaar erfreuen, nämlich ebenfalls 16 Kinder haben, von denen 13 noch am Leben sind. Das Jubel paar hat 9 Kinder, von denen 3 gestorben sind. Wie ausgedehnt die Reimer'schc Familie ist, geht daraus hervor, daß die Zahl sämmtlicher von dem Vater des Jubilars Georg Andreas Reimer abstammenden direkten Nachkommen oder durch Heirath ihr an gehörenden Glieder 161 Personen beträgt, von denen 131 sich noch am Leben befinden. Es wird daher die Feier der Goldenen Hochzeit des Seniors der Familie Reimer in Wahrheit ein seltenes Familien fest sein. Zur Erinnerung an dasselbe läßt Hr. Reimer eine Ver- wandtschaftstasel drucken, in welcher alle Nachkommen seines Vaters mit ihren Angehörigen mit Geburts- resp. Sterbetagen verzeichnet sind, sowie ein Verzeichniß sämmtlicher Familicngedenktage. Diese machen nicht weniger als 178 Tage des Jahres aus, und dabei be finden sich mehrere doppelt und dreifach verzeichnet."
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