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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.12.1914
- Strukturtyp
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- 1914-12-12
- Erscheinungsdatum
- 12.12.1914
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. ^ 288, 12. Dezember 1914. Hugo von Tschudi, der bekanntlich für jene herrlichen Werke ausländischer Kunst, die den Staat keinen Pfennig kosteten, in Berlin »abgcsägt« wurde, spricht mit seinem vornehmen Geschmack wie ein Lebender zu uns aus einer Sammlung, die ich bei diesem Berliner Aufenhalt zum ersten Male eingehend zu besichtigen das Glück hatte; ich meine die Sammlung Eduard Arnhold. Es ist hier nicht der Ort, aus die Fülle erlesenster Kunst im einzelnen ein zugehen. Tschudi, der bei den meisten Erwerbungen Pate gestan den hat, so auch bei den sogenannten »Dorfpolitikern« von Leibl, hat in drei illustrierten Aufsätzen der Cassirerschen Zeitschrift: Kunst und Künstler, 1909, als bester Kenner die Hauptwerke der Arnholdschen Sammlung behandelt. Nur soviel sei erwähnt, daß Manets »I-s Kon bock« und Renoirs lebensgroßer Knabe mit Katze, die mir in der Wiedergabe völlig vertraut waren, in der Schönheit der -Originalgemälde wie eine neue künstlerische Offen barung auf mich wirkten. An den herrlichen Werken von Böcklin, Thoma, Liebermann u. a. konnte ich mich nicht satt sehen. Was aber den Genuß dieser schönsten deutschen Privatgalerie so unver gleichlich macht, ist der Geschmack, mit dem sich diese Schätze in das fürstliche Haus in der Regentenstraße einfügen, ein Geschmack, der alle Teile harmonisch durchdringt. Daß der Besitzer, Geh. Kom merzienrat Arnhold, dessen vornehme Hilfsbereitschaft bei öffent lichen Aufgaben ich schon aus Schlesien kannte, auch jetzt die Not lage der Künstler nach Möglichkeit zu lindern hilft, braucht eigent lich nicht hervorgehoben zu werden. Als ich aber die Wohlfahrts einrichtung im Hause Paul Cassirer besichtigte, wo täglich 300 arme Künstler für30 «k Mittagbrot erhalten (auch diese 30-k können nur die wenigsten bezahlen), da rühmte mir die Ehrendame, Frau Baronin von Seydlitz, als größten Förderer dieses schönen Liebes- werkes Eduard Arnhold. Daß ich durch die Empfehlung der Direktion des Kaiser Friedrich-Museums auch zwei Privatgalcrien alter Meister, die Sammlung Al. Kappel und Oscar Huldschinsky, besichtigen konnte, war mir auch darum von hohem Interesse, weil ich mir in einer kürzlich veröffentlichten Auseinandersetzung, die wohl zu anderen Zeiten nicht bloß mich interessiert hätte, ein eigenes Urteil bilden konnte. In Nr. 34 der Zukunft vom 23. Mai d. I. hatte Harden anläßlich der Ausstellung alter Meister im Berliner Privatbssitz, die Wilh. von Bode in der König!. Akademie der Künste veran staltet hatte, einen sehr scharfen Angriff gegen den »Kondottiere- kopf« in einem Artikel »Bildertaufe« gerichtet, dem der General direktor der König!. Museen in einem vornehm geschriebenen, mit 18 zum Teil farbigen Illustrationen versehenen Aufsatz im Okto berheft von Velhagen L Klasings Monatsheften: »Von der Kunst des Sammelns und von den Berliner Privatsammlern« begegnete. Ganz besonders eingehend habe ich die prächtige Sammlung Kap pel studiert, da mich der liebenswürdige Besitzer Wohl eine Stunde in dem herrlichen Obcrlichtsaal ganz allein ließ, den er für seine Gemäldegalerie an die Tiergartenvilla angebaut hat; diese Stunde nur im geistigen Zwiegespräch mit den Meisterwerken von Rubens <2), Rembrandt (7), Frans Hals (2), Teniers (3), van Dyck, Pieter de Hooch u. a., über die ich mich durch das große Prachtwerk Bodcs über die Sammlung Kappel informieren konnte, war ein hoher Genuß und ein Zeichen des Vertrauens, das ich Wohl den empfehlenden Zeilen des Direktors vr. Max I. Friedländer vom König!. Kupferstichkabinett zu verdanken habe. Schließlich führte mich der freundliche alte Herr, dessen Sammlung übrigens unser Kaiser mit seinem Besuch beehrt hat, durch das mit Rem brandt- und Menzel-Zeichnungen angefüllte Kabinett in einen prunkvoll ausgestaiteten Salon, um mir eine Perle der Malerei, die jedoch in die einheitliche Sammlung der Holländer nicht hin- einpaßt, zu zeigen, das Bildnis einer jungen Frau (Simonetta Cattaneo), gemalt von Sandro Botticelli. Auch Huldschinsky, dessen Sammlung für Kappel in mancher Hinsicht vorbildlich ge- wesen zu sein scheint, besitzt ein kleines Bild von Botticelli, Mariae Verkündigung, wundervoll gemalt, und wenn ich die Wahl hätte — aber ich will keinen Sammler betrüben, und dann — habe ich denn die Wahl? Von Ausstellungen des Kunsthandels sah ich nur die Galerie Eduard Schulte, Unter den Linden 75/76. Daß die bewährte Firma auch in diesen Kriegszeiten eine höchst anziehende und sehenswerte Ausstellung zusammengebracht hat, aus der mir neben 1754 den wertvollen Bestandbildern von Leibl, Schuch u. a. eine Sammlung von Tierstücken Heinr. v. Zügels, sowie Manöverbilder seines Meisterschülers Hans von Hayek (Dachau) und Bildnisse der beiden Breslauer Alfred Hamacher und Eugen Spiro (beide jetzt Berlin) in Erinnerung geblieben sind, scheint mir ein Be weis, daß auch jetzt der große Kunsthandel sein Publikum findet. Gibt es doch in Berlin eine Gesellschaftsschicht, die von dem Kriege gar nicht berührt zu sein scheint. Man gehe nachmittags in die vornehmen Räume der Kondi torei Kranzler, Unter den Linden, die von der ehemaligen berühmten Kranzler-Ecke ein klein wenig eingerückt ist, und man wird jene zahlungsfähigste Gesellschaft finden, der der Kaffee nicht schmeckt, wenn die Tasse weniger als 50 «! kostet. Dort Verkehren die Frauen mit jenem kalten, gut genährten Berliner Typus; da sie zwischen den kleinen Stadtbesorgungen nur kurze Zeit verweilen, bleiben sie in ihre kostbaren Pelze gehüllt, und während sie durch das bequeme Tischtelephon für den Abend gesell schaftliche Verabredungen oder Anordnungen treffen, dämpft die wohlgepflegte, mit blitzenden Steinen geschmückte Hand den Schall der halblauten Rede. Leben und leben lassen, das findet man nur in Berlin. Bei Wertheim in der Leipziger Straße strahlt der riesige elektrische Weihnachtsbaum. Rings um ihn eine glänzende Weih nachtsausstellung, die das Herz der Kinder mit Hellem Jubel er füllt. Die Darstellung ist dem Leben im Feld und in der Garnison entnommen. In dem riesigen Eckfenster am Leipziger Platz, dort, wo Wertheim auf seine Kosten einen Aufgang der Untergrund bahn hat bauen lassen, damit seine Kunden nicht über die ver kehrsreiche Straße zu ihm herüberkommen müssen, ist eine Aus- läge, die den ganzen Tag von Schaulustigen bestaunt wird, und die auch Erwachsene schmunzelnd betrachten: Ankunft der Liebes gaben im Felde. Eben ist ein Transport mit all den guten Sachen, die man bei Wertheim findet, angekommen, aus den Quartieren rennen die Soldaten herbei, Offiziere reiten grüßend durch die Mannschaften: ein reizendes Bild und von einer erstaunlichen Sauberkeit der Ausführung. Da ist jeder Tornister, jedes gelbe Stiefelchen genau nach Vorschrift, das Ganze aber von künstleri scher Erfindung: höchste Schaufensterkunst. Wie mich der Chef- Dekorateur belehrte, war die Weihnachtsausstellung, die das ganze Jahr vorbereitet wird, bei Ausbruch des Krieges fix und fertig in ganz anderem, friedlichen Sinne. Da war die Frage, ob man in dieser ernsten Zeit Spiel und Tand, ohne zu verletzen, ausstellen sollte. Aber das Kind sollte doch auch zu seinem Recht kommen, nur die Grenzlinie zu treffen, das war die Hauptschwierigkeit. Und man hat sie getroffen, jedenfalls nicht überschritten. Es ver dient alles Lob, daß man in solcher Schnelligkeit etwas derartiges leisten konnte. Mancher Leser wird erstaunt sein, daß ich in diesem Zu sammenhang mich mit Wertheim beschäftige, dessen Geschäfts- grundsäye dem Buchhandel oftmals ernste Sorge bereitet haben, aber einmal ist dieses Warenhaus aus dem Geschäftsleben Ber lins gar nicht mehr wegzudenken, und daun könnte auch der Kunst- Handel etwas von ihm lernen. Ich habe in Berlin selten so traurige Schaufenster gesehen, wie beim Kunstsortiment. Man scheint die Anpassung an die Zeit nicht zu verstehen oder nicht für aussichts- voll zu halten. Demgegenüber möchte ich glauben, daß der Kunsthandel seine Aufgabe in der jetzigen Zeit nicht mit aller Schärfe erfaßt hat. Es genügt nicht, daß allerlei patriotische Bilder in die Auslage kommen und an das Publikum gelegentlich verkauft werden. Große Absatzgebiete liegen noch völlig brach. Als ich im Thorner Festungslazarett ein paar gerahmte Hinden- burg-Bilder stiftete, sah ich, welche Freude durch diesen bescheide nen Wandschmuck ausgelöst werden kann. Man wird mir sagen: Ganz schön, aber ein allgemeines Bedürfnis besteht nicht. Mag sein, dann mutz es eben geschaffen werden. Das Publikum muß dazu erzogen werden, zu Helsen, daß die Genesenden nicht den Anblick der kahlen Wände, sondern ein freundliches Bild vor Augen haben. Der Kunsthandel kann durch seine Werbetätigkeit viel dazu beitragen. Und noch ein anderes, wichtigeres: Haben wir nicht seit dem Ausbruch des Krieges einen Aufschwung des religiösen Gefühls erlebt, den wir alle in unserer Zeit kaum für möglich gehalten hätten? Diesen Bedürfnissen sollte der Kunst-
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