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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 26.11.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-11-26
- Erscheinungsdatum
- 26.11.1914
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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^ // Nr. 274. ^ ^ j?hrl?ch.^N«E ^ M^. >^<S^50^M.° far Nich^" ^ UlAeMinöÄMrstM^rÄiü'öeWeUjch^nB'WMWlL^:M'Alps1^ Leipzig, Donnerstag den 26. November iS14, 81. Jahrgang. Redaktioneller Teil Leipziger Briefe. XI. <L siehe Nr, 229,» Handel und Wandel vor Weihnachten. — Verwundctenfiirforge und Buchhandel. — Finanzielle Kriegsrlistung. — Rektoratswechscl und Universität im Kriege. — Militärische Hilfe gegen den Kriegsschund. — Von der Kriegsausstellung der Bugra und ihrer Wiederauferste hung im Deutschen Buchgeivcrbehausc. — Nachklänge der Bugra. — Die geplante Bibliothekarschule des Deutschen Buchgewerbe-Vereins. Die Zentralstelle für volkstümliches Büchcreiwcsen und ihre Fach schule für Bibliotheksvcrivaltung und -Technik. Selbst schwer zu ertragende Zustände Pflegen bei längerer Dauer in Gewöhnung überzugehen. So auch der Krieg, der den ganzen in der politischen und wirtschaftlichen Welt angesammel ten Zündstoff zur Entladung zu bringen scheint. Wandlungen und Überraschungen, die er uns täglich beschert, die zu anderen Zeiten ganz andere Wirkungen ausgelöst hätten, sind zu den Selbstverständlichkeiten des Tages geworden, in unserer Stadt umsomehr, als man sich in ihr, wie man zu sagen pflegt, dank ihrer glücklichen geographischen Lage, »weit ab vom Schuß« be findet. Handel und Wandel bewegen sich, rein äußerlich betrach tet, wieder in normalen Bahnen, ja sie zeigen sogar deutliche Spuren der Belebung wie sonst vor Weihnachten. Die kaufmän nische Welt überbietet sich gegenseitig in Anstrengungen und Ideen, die ersten schönen Weihnachtsschaufenster auszustatten, während sich unser Sortimentsbuchhandel noch abwartend ver hält und der Kriegsliteratur sein Hauptaugenmerk zuwendet. Freilich haben sich in dieses so friedliche Bild inzwischen manche harten Züge eingegraben wie die Furchen der Sorge in ein glat tes Gesicht. Zahlreiche, mit dem Eisernen Kreuz geschmückte Todesanzeigen Gefallener füllen die Spalten unserer Zeitungen. Unser Hauptbahnhof, an dem während des Krieges ohne Unter brechung weitergebaut worden ist und der sich in seinen breit angelegten, wuchtigen Formen immer mehr der Vollendung nähert, ist zur großen Samariterstation geworden. Fast täglich kommen jetzt Züge mit verwundeten Soldaten an, die in Kraft- Wagen in die Lazarette weiterbcfördert werden. Auf der Straße bewegen sich Verwundete, die den Arm in der Binde tragen oder am Stock die ersten Gehversuche nach schmerzlichem Krankenlager machen. So wie sich unsere Bevölkerung eifrig an der Liebes tätigkeit für die Soldaten im Felde beteiligt, so läßt sie es auch an Opferwilligkcit für den Samariterdiensl an den Verwundeten nicht fehlen. Auch der Buchhandel ist eifrig dabei. Dort, wo sich die Anteilnahme weiter als auf Gaben für das Rote Kreuz erstreckt, werden vielfach Räume zur Aufnahme von Kranken und Verwundeten bereitgestellt. Der Mitinhaber der Firma Velhagen L Klastng, deren Vergrötzerungsbau (Daheim-Expedition) erst in jüngster Zeit fertig geworden ist, Herr Fritz-Otto Klastng, hat sämtliche Geschosse dieses Neubaues in ein vollständiges Laza rett umwandeln lassen. Es ist erstaunlich, wie schnell und sicher diese Umwandlung erreicht worden ist, ein Beweis von der Rücksicht, die heute bei Errichtung von Gefchäftsgebäuden auf die hygieni schen Anforderungen genommen wird. Dank der Liebenswürdig keit der Verlagsbuchhandlung war es mir vergönnt, einen Blick in dieser Lazarett — Vereins-Lazarett Klastng vom Roten Kreuz — zu tun. Lichte, in Weiß gehaltene hohe Räume, erhellt durch elektrische Beleuchtung, nehmen den Besucher auf. Infolge einer vortrefflichen Ventilation ist die Luft darin so klar und rein, wie sie nur im Vororte einer Großstadt sein kann. Nicht einmal den Geruch von Medikamenten merkt man. Das Erdgeschoß beher bergt die Schwerberwundeten, während in den darüber befind lichen Sälen in drei Geschossen die leichteren Fälle behandelt wer den. Darüber befindet sich der Lagerraum der Mannschaften, wo von der Erlaubnis zum Tabakrauchen in ausgiebigem Matze Ge brauch gemacht wird. Klavier und Harmonium sowie reichliche Gelegenheit zur Lektüre sind vorhanden. Vorzügliche Küchen einrichtungen, Warmwasserleitung in allen Räumen, ein mustergül tiges Operationszimmer, ein eigenes Röntgen-Kabinett und Bade gelegenheiten in allen Geschossen vervollständigen die in jeder Be ziehung mustergültige Einrichtung. Die Zahl der aufgestellten Betten beträgt 105. Bei meinem Besuche war das Lazarett voll- besetzt. Seine Insassen waren Bayern, denen es hier unter der Obhut eines freundlichen Pflegepersonals recht gut gefällt. Man kann es nur lobenswert finden, daß auf diese Weise den ver schiedenen deutschen Stammesangehörigen Gelegenheit gegeben wird, die Bevölkerung anderer Landesteile kennen und besser ver stehen zu lernen. Wie der Krieg an den Einzelnen besondere Anforderungen stellt und nicht nur seine Gedankenrichtung beherrscht, sondern auch seinen Pflichtenkreis erweitert, so konnte er auch an der Verwaltung eines so großen und vielgestaltigen Gemeinwesens, wie es die Stadt Leipzig ist, nicht ohne tiefe Spuren seiner Wir kung vorübergehen. Gleich zu Kriegsbeginn wurden die erfor derlichen Summen bereitgestellt, um den bedürftigen Angehörigen der Kriegsteilnehmer entsprechende Unterstützungen zu sichern. Wie alle Aufgaben unserer Stadt dank einer gesunden Finanzlage und klugen Finanzverwaltung in großzügiger Weise angefatzt und gelöst zu werden Pflegen, so hat man nunmehr auch die Befriedi gung der Kriegsbedürfnisse auf die denkbar breiteste Grundlage gestellt und eine mit 5°/» verzinsliche, auf 5 Jahre unkündbare, aber danach im Zeiträume von 10 Jahren zu tilgende Stadtan leihe in der Höhe von 20 Millionen Mark einstimmig bewilligt. In dem Anschläge für die Bedürfnisse eines Jahres werden die erforderlichen Kriegsunterstützungen allein mit 1 Million Mark, die Zahlungen an die Ortskrankenlasse für die Kriegsteilnehmer mit 40 000 -kk für den Monat angegeben; der Mehrbedarf für Armen- und Arbeitslosenunterstützung bis Ende Juli 1915 wird mit fast drei Millionen Mark eingestellt. Etwa fünf Mil lionen Mark sollen zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit durch did Weiterführung der Hochwasserregulierung und anderer Hoch- und Tiefbauarbeiten verwendet werden. Nach Beratung dieses Gegenstandes in der Stadtverordnetensitzung entspann sich übri gens eine lebhafte Debatte um die Bewilligung einer Summe von 500 ./k für die Zwecke des Sächsischen Esperanto-Instituts. Trotz warmer Fürsprache von maßgebender Seite wurde der Antrag ab gelehnt, man möchte fast sagen glücklicherweise; denn man mag über das Problem der Weltsprache denken wie man will: unsere Zeit hat schließlich doch wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als die Lösung einer Frage, die in Gestalt des Volapük schon einmal weite Kreise beschäftigt hat. Auch der Rektoratswechsel an unserer Universität, der sich wie üblich am Reformationsfeste in feierlicher Weise vollzog, stand 1697
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