Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.11.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-11-03
- Erscheinungsdatum
- 03.11.1914
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19141103
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191411034
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19141103
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1914
- Monat1914-11
- Tag1914-11-03
- Monat1914-11
- Jahr1914
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. ^5 255, 3. November 1914. ähnlich wie in Wien vor den Häusern Behälter mit der Auf schrift »Gelesene Zeitungen für Lazarette« aufzustellen, er übrigt sich also dank der Fürsorge unserer Zeitungsverleger für Berlin, sie ist aber vielleicht sür andere Städte recht bemerkenswert. Die Heiterkeit Berlins ist dahin — aber der Verkehr flutet weiter. Das ist das große Zeichen der Lebenskraft un seres Volkes, daß der Organismus des Reichsherzens auch nicht ein Mal versagte. Wie sieht es nun heute im Berliner Buchhandel aus? Das Wethnachtssest steht vor der Tür, der Leipziger Verkehr ist regelmäßig und —? Ja: auch die Kundschaft kommt. Langsam, ganz langsam, aber doch fühlbar. Ich habe mich an einige größere Leihbüchereien gewandt, um sestzustellen, ob das Lesebedürfnis des Publikums zu- genommen hat. Das wurde mir bestätigt; eine Regsamkeit ist eingetreten. Gemessen an dem allgemeinen Rückschläge durch den Krieg ist sie sogar hossnungsberechtigt. Verlangt werden insbesondere Unterhaltungswerke historischer und vaterländischer Richtung, Schilderungen und persönliche Er innerungen aus früheren Kriegen, besonders aus den Jahren 1870/71, ferner Biographien hervorragender deutscher Männer; sogenannte schwere Lektüre und rein wissenschaftliche Werke sind wenig begehrt. — Die Kauflust des Publikums ist da gegen, selbst im Verhältnis zum ersten Mobilmachungsmonat, nur unwesentlich fortgeschritten. Allerdings hat sich eine Ver schiebung von den Kriegskarten zu den zeitentsprechenden Broschüren vollzogen; Liefsrungswerke über den jetzigen Krieg finden Interesse, doch haben sie noch wenig geschäft lichen Einfluß. Untcrhaltungslektüre steht etwas über dem Nullpunkt, doch darf sie nicht teuer sein. In der rein wissen schaftlichen Literatur beginnt sich die philosophische Richtung zu beleben; kriegswissenschaftliche Bücher finden nur in den Reglements und, wenn auch schwach, in den Werken über 1870/71 Absatz. Ein größerer Aufschwung der Kauflust war durch diese Umfrage leider nicht festzustellen; eine unserer ersten Buchhandlungen schreibt das »z. T. auch dem Mangel an geeigneten Neuerscheinungen« zu. Aber der Mut unserer Sortimenter sinkt nicht. Sie rechnen mit dem Erfolge unserer Truppen, deren Einzelstege schon stets einen wenn auch schnell verebbenden Aufschwung der Kauflust brachten. Prächtige neue Geschäftsräume bezog die hier als »Kultur buchhandlung« bekannte Firma Reuß L Pollack am Kur- fürstendamm. Die Inneneinrichtung wurde von dem jungen Architekten vr. Paul Zucker entworfen. Ich erwähne diesen Namen, weil er mir berufen scheint, des öfteren bei buch händlerischen Ladenausbauten genannt zu werden. Denn, was hier mit einfachen Mitteln erreicht wurde, ist in Raumaus nutzung und Geschmack geradezu vorbildlich. Drei wenig breite, dafür aber außerordentlich praktische Schaufenster, die durch Aushangkästen verbunden sind, laufen in bequemer Sehhöhe parallel der Ladentiefe, die durch eingebaute Regale ein ruhiges, weitlaufendes Bild gibt. Die ganze Einrichtung ist in Grün und Orange gehalten, Farben, die sich von innen heraus durch die Schaufenster zum Firmenschild fortsetzen. Der Rückseite des Geschäftsraumes ist an der einen Seite das Privatkonto!, an der anderen Sette ein Leseraum angegliedert. In einem illustrierten Artikel über Berliner Luxusbuchhand lungen hoffe ich demnächst auf die Einzelheiten auch dieses trefflichen Ausbaues eingehen zu können. Eine systematische Sammlung von Feldpostbriefen und Kriegstagebüchern Plant die Verlagsbuchhandlung S. Fischer. Sie will damit »das persönliche Bild, das die wundervolle Unpersönlichkeit des Generalstabes notwendig ergänzt«, schaffen. Durch Aufrufe in den Tageszeitungen wird dem Verlage ein ungeheures Material zur Verfügung stehen. An Parallel unternehmungen wird es nicht fehlen, da der Gedanke in der Luft liegt. Großen Erfolg hatte im Berliner Buchhandel die be geisternde Broschüre des inzwischen vom Auswärtigen Amt zur Aufklärung der öffentlichen Meinung Amerikas nach den 1606 Vereinigten Staaten gesandten Breslauer Universttätsprofessors Eugen Kühnemann »An die deutsche Jugend im Weltkriegsjahre 1914«.*) Ein ungenannter Kritiker des Berliner Tageblattes hob seinen Lobeshymnus mit folgenden Worten an: »Bücher find heute nichts, gar nichts, sind mit verschwindend wenigen Ausnahmen Makulatur, aber das vorliegende ist erstens nur ein Büchel, nur ganz wenige Druckseiten umfassend, und dann ist es eine gedruckte Rede.« Im »Tag« beschwerte sich Marie von Bunsen über den Mangel einer deutschen Nationalhymne. In der selben Melodie hört der Deutsche «Heil Dir im Siegerkranz« — der Engländer »6oä savo tks Linx«. Das muß ins besondere der Ausländsdeutsche künftig als eine Schmach empfinden. Nationalhymnen sind oft auf Bestellung ent standen; wir haben so manche Dichter und Komponisten, die das Zeug in sich haben, dem Volke die nationale Stimme zu geben — warum wagen wir es nicht auch, einen »Auf. trag« zu erteilen? Vielleicht kann der deutsche Mufikalien- handel hier eingreifen und dafür sorgen, daß den Deutschen Kaiser bei seiner Rückkehr nach Berlin nicht die Klänge »6oä savs tbs Lin§« begrüßen. Wir vom Buchhandel wären ge wiß alle bereit, einer guten und neuen Hymne den Weg zum Publikum mit bahnen zu helfen. Eine Ausstellung von Kriegsdrucksachen wurde im Berliner Buchgewerbesaal (Dessauerstraße 2) eröffnet. Man kann hier so recht sehen, welche große Umwälzung der Krieg in den Drucksachen des Tages hervorgerusen hat. Da gibt es fast alles Schwarz-rot auf Weiß. Wir werden durch die Reklame zur »nationalen» Pflicht gewiesen, die in »deutscher Mode», »deutscher Form«, »deutschem Tabak« und hundert anderem besteht, das sich mit einem Male deutscher Herkunft erinnert. An manchen Dingen erinnern wir uns wieder, daß es doch höllisch plötzlich mit der »Umläufe« gegangen sein muß; wenn man Briefpapier z. B. »Deutsche Waffenbrüder, oder »Eiserne Zeit« nennen sieht, Briefpapier, aus dem man seine Schuldner mahnen kann und weiche Herzensgrüße nieder- schreibt, so weiß man wirklich nicht ! Sonst aber gibt es auch sehr gute und sinnvolle Plakate zu sehen, und man freut sich manchmal über die Klarheit unserer technisch so verpönten Fraktur. Eine Kuriosität bringt uns das Gefangenenlager in Zossen. Es erscheint da eine Zeitung »Us Usraut«, die von Monsieur Luc Fictner verantwortlich gezeichnet wird und ihre Nachrichten durch drahtlose Telepathie empfängt. Die Ziele dieser »Lokos cku obainp äe 2osson« mit dem Leitspruch «Honneur ot Uatriö« find, »den Geist der Brüderlichkeit unter den rund 15 000 gefangenen Franzosen durch das Mittel einer witzigen, harmlosen Unterhaltung zu fördern und zu verbreiten«. »Witzige Unterhaltung« — welche Notwendigkeit für ein Volk, das um seine Existenz kämpft! Und hinter dieser Notwendig keit jenes Krämertum, mit dem der Herr Chefredakteur in seinem »Inseratenteile« zu beginnen beliebt: für Paris em pfiehlt er seine Rauchwarenhandlung zur Lieferung von Pelzen. Von dem Kaiserlichen Volksliederbuch, das im Aufträge des Kultusministeriums für die Bedürfnisse des Heeres hergestellt wird, ist nunmehr die erste halbe Million an die Front gegangen. Die Mittel für dieses Unternehmen wurden vom Ministerium zur Verfügung gestellt. Ein Verlag »Aus großer Zeit« (Berlin V. 35) gibt zugunsten des Roten Kreuzes und der Nationalstiftung eine Sammlung billiger Bücher heraus, aus der zunächst zwei Bändchen »Vater ländische Gedichte aus großer Zeit, und »Deutscher Humor aus großer Zeit« erscheinen werden. Wie weit der Buch handel an diesen beiden Unternehmungen interessiert wird, bleibt abzuwarten. Eine erfreuliche Erscheinung ist es, wenn Autoren unserer bedeutendsten Monatsschriften bei der Beleuchtung der gegen wärtigen Lage geistiger Kultur auch den Wert des Buchhan dels hoch etnschätzen. Ich schließe diesen Brief mit einem *1 21.—30. Tausend. 25 tz. 100 Exemplare 20 K. F. Koehler, Leipzig.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder