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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.11.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-11-03
- Erscheinungsdatum
- 03.11.1914
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Nr. 258. // : MNg?i-"-r^U " ° ZS Ul" N ^ ^r ^/r 6- 1?^k1- 13 M. Stellengesuche werden mit 10 pro ^ ^ ^aum2S1W, V°S^öÄ,°sör M^l" ^ NAeMMÄMrseM^reW^öerSLUsth^nBWNM'i:)ü.'^Lpsi^ Leipzig, Dienstag den 3, November 1914, 81. Jahrgang. Redaktion Berliner Briefe. x, <IX stehe Nr, ML,) Kriegsherbst, — Kiinftleruot, — Heiser innerer Not, — Lesebediirsnis und Kauflust, — Eine neue Luzusbuchhandlung, — Sammlung von Feldbriefen, — »An die deutsche Jugend im Weltkriegsjahrs 1914,« — Die deutsche Nationalhymne, — Ausstellung von Kriegsdrucksachen, — lls Hsraut, — Kaiserliches Volksliederbuch, — Wert des Buchhandels, Der sausende Webstuh! dieser Zeit nahm uns die Be schaulichkeit des Alltags, Es ist Herbst inzwischen geworden, Hochsommer war es, als die Sturmglocken läuteten, ein satter Sommer, der seiner Ernte harrte. Und nun geht der Wind schon naßkalt über die Stoppeln, die Nebel des Morgens um hüllen den Tag mit lauem Licht, bis die Dunkelheit fällt früher und früher. Wir scheinen zeitlos in dieser großen Gegenwart, wir achten kaum mehr auf den Kreislauf der Tage, die Rundung der Monate, Unsere Gedanken hängen am Neuesten, um das Allerneueste zu erwarten, sie hasten zur Lösung und finden sie in neuer Spannung, Ausrufer ziehen stündlich über die Straßen und Plätze, Sie rufen mit Stimmen, die uns fremd klingen, die Nach richten druckfeuchter Blätter, Zwischen ihnen pendelt das Leben der Großstadt, ebbt und flutet die Stimmung, Die Säulen des Herrn Litfaß geben den Manometer: sie umkleiden sich in Sieg und Hoffnung mit Zetteln bis obenhin, in Bangen und Erwartung tragen sie nur einen Ring ernster Zerstreuung, Die Theater suchen sich durchzuhalten; sie geben Freiplätze für die verwundeten Krieger; sie bringen, Stücke — nicht immer von Wert, aber — von Ernst oder Scheinsinn, Reinhardts Deutsches Theater befragte das Publikum über Shake speare: »Darf Shakespeare, da er ein Engländer war, auf deutschen Bühnen gespielt werden?« Ja, denn Shakespeare gehört längst der ganzen Kulturwelt, Also wird der gewaltige Shakespeare-Zyklus auch in diesem Winter über die Reinhardt- Bühne gehen. Freilich fehlen zwei Hauptdarsteller dieses großen Dichters, Die sarkastische Komik eines Victor Arnold ist nicht mehr; er schied von uns, als die Kriegspsychose seine Nerven zerrüttet hatte. Der andere aber suchte den Krieg: Alexander Moisst, Obwohl Italiener von Geburt, zögerte er nicht, sich sofort nach der Mobilmachung naturalisieren zu lassen und in das deutsche Heer einzurücken. Als Kriegs freiwilliger eines Artillerieregiments ist er bereits aus dem Wege zur Front, Der bunte Strudel des Weltstadtlebens ist verblaßt, die Quellen der fröhlichen Lust sind versiegt. Aus Variete und Zirkus, von Brettlbühnen und den Tempeln der leichten Muse stehen Hunderte, die uns die Zerstreuung friedlicher Zeit boten, vor dem Nichts, Sie hungern, oder sie suchen in vaterlän dischen Schauspielen den Pfennig zum Brot; ein bitterer Paradoxismus! Bitterer noch, wenn man weiß, daß die Stimme manches Zeitungsverkäufers, die hohl und schneidend durch die Straße gellt, vor Wochen noch eine Stimme der Bühne war, Stille Tragödien spielen hinter den Theatern, die nur Lachen und Heiterkeit kannten; Kllnstlerelend, Die Stimmen des Urteils sind verstummt, auch da, wo Blätter nur auf die Kritik der Theater zugeschnitten waren. Das muß anerkannt werden eller Teil. und läßt hoffen, daß nach dem Kriege jene Bekritteler, die sich gar zu gern mit Klatsch und Persönlichkeit statt mit Wert und Wesen des Objekts beschäftigten, kein Wort mehr haben. Auch die Not der bildenden Künstler ist groß. Ein Aufruf der Königlichen Akademie der Künste richtet an -alle dazu fähigen Kunstfreunde die Bitte, nach wie vor Kunstwerke an- zukausen, künstlerische Unternehmungen ernster Natur zu unter stützen, an Unterricht und alten Aufträgen sestzuhalten und neue zu erteilen«, damit »die deutsche Kunst in ihrem uner setzlichen Werte für den Charakter, für die Frische und den Schwung der Nation die Zeit der Prüfung heil und unver sehrt übersieht«. Für die in Not geratenen Geistesarbeiter ist in der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten ein «Schreib- und Lesezimmer am Zoo« eröffnet worden, das in geschmackvollem Raume ruhige Arbeitsgelegenheit bietet, Tageszeitungen, Zeitschriften, Bibliotheksbücher und Brett spiele liegen hier aus, und einige Schreibtische wollen die Geburtsstätte unsterblicher Werke werden; zum leiblichen Wohle wird kostenlos Tee gereicht. Die Heiterkeit Berlins ist dahin. Hunderttausende stellte die Reichshauptstadt dem Kriege; kein Haus, aus dem nicht wenigstens einer zur Front ging. Der weltbekannte Luna- park ist für 6009 Verwundete hergerichtet, die prächtigen Fest säle des Zoologischen Gartens, die Räume des Landesaus- stellungsparkes, die berühmte Grunewaldrennbahn, kurz alle bedeutenden Staats- und Privatgebäude haben sich in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt. In den Straßen des stillen Westens wehen überall die Fahnen des Roten Kreuzes, und Hunderte unserer Tapferen liegen noch in den Wohnungen ihrer Familien, Zu ihnen allen und zu den Ungezählten im Lande kommen die Bücher, die der deutsche Buchhandel so opferfreudig gespendet hat, als Helfer innerer Not, Der Verlag S, Fischer fand den Sinn dieser Spende in Versen, die er den Büchern einfügte: Jeder Sintflut gesetzt ist ihr Regenbogen, und Christus schritt unbenetzt Uber die Wogen, Die blutgesäete Saat steht aus im Liede; aus Deinem Krieg, Soldat, wächst unser Friede, Einen Herzensdank nimm von mir — eine Traumesstunde — sllr Dein siegreiches Panter, sllr Deine Wunde! Wie der Gesamtausschutz zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten (Berlin XVV, 7, Dorotheen straße 81) mitteilt, sind durch ihn außer ungezählten periodischen Druckschriften rund 525 000 Bücher zur Verteilung gelangt, etwa 650 009 Bücher stehen in den Sammelstellen noch weiter zur Verfügung, 88 Berliner Lazarette werden durch den Kaiser Wilhelm-Dank täglich mit rund 2000 neuen Zeitungen versorgt, die von den Verlagen kostenlos zur Ver fügung gestellt werden. Eine Anregung, die darauf ausging, 1605
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