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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.10.1914
- Strukturtyp
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- 1914-10-30
- Erscheinungsdatum
- 30.10.1914
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- Deutsch
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Nr. 253. UM - // UdMmd^MrstMerUris'öUN5Ä1H^nBWihWler^ Leipzig, Freitag den 38, Oktober 1914, 81. Jahrgang. Des Reformationssestes wegen erscheint die nächste Nummer Montag den 2, November, Redaktioneller Teil. Krieg und Bilanz im Buchhandel. Von Karl Illing, Der Krieg hat, wie es nicht anders sein konnte, eine starke Erschütterung des gesamten Wirtschaftslebens gebracht, wenn sie auch glücklicherweise nicht auf allen Gebieten so stark gewesen ist, wie man vorher allgemein befürchtete. Insbesondere haben sich so manche Wertbegriffe eine starke Verschiebung gefallen lassen müssen. Dies zeigt sich vor allem auch im Buchhandel, Hier kann in vielen Fällen geradezu von einer Umwertung aller Werte ge sprochen werden. Der Absatz der gangbarsten Werke hat mit einem Male gestockt, dagegen sind andere, gelegentlich halbver gessene, in den Vordergrund gerückt, wie Karten der Kriegsschau plätze, populär-kriegswissenschaftliche oder kriegsmedizinische, patriotische, auch gewisse Memoirenwerke und Erbauungsschrif ten, Leider vermögen diese natürlich die Ausfälle auf der ande ren Seite bei weitem nicht wettzumachen, wenn sie auch bisweilen Verlegern und Sortimentern recht erfreuliche Ergebnisse brachten, wie etwa Landkarten, die ein rasches Umtaufen in »Kriegskarte« auf einmal zu einer kleinen Goldgrube für den glücklichen Ver leger machte. legen ist. Diese Umstände liegen aber bei der Bücherware zum großen Teil in der Zukunst, Die Möglichkeit eines zukünfti gen Absatzes muß auch auf den gegenwärtigen Wert bestimmend einwirken. Es würde deshalb grundfalsch sein, von einem Bücherlager nur deshalb größere Abschreibungen zu machen, weil die Werke gegenwärtig wegen des Krieges wenig oder gar nicht gehen. Das würde ja darauf hinauskom men, daß die Bücher in der stillen Zeit im Sommer geringer zu bewerten wären als in der lebhaften Weihnachtszeit! Wir haben eben jetzt auch »stille Zeit« im ganzen Handel, Daß auf sie bessere Tage folgen werden, hoffen wir alle und dürfen es nach den glän zenden Erfolgen unserer Truppen auch hoffen. Deshalb weg mit aller übertriebenen Vorsicht, mit aller Nervosität! Die Bilanzen des Jahres 1914 sollen in der Reihe der übrigen den kommenden Geschlechtern nicht als ein Zeichen verzweifelnder Hilflosigkeit, sondern als ein Zeichen von starkem, unerschüttcrtem Vertrauen in die Zukunft unseres Volkes erscheinen! — Aber auch praktische Erwägungen sprechen gegen allzu hohe Abschreibungen im gegenwärtigen Augenblick, Es wird damit nichts gewonnen, im Gegenteil. Auf die Einkommensteuer haben sie, infolge des hier zugrunde gelegten dreijährigen Durchschnitts, kaum Einfluß, Wenn nun auch die Tatsache dieser Wertveränderungen im' denn der Verlust in diesem Jahre würde durch spätere Gewinne allgemeinen klar vor Augen liegt, so ist es doch außerordent- ^ wcttgemacht werden. Sollten diese Wider Erwarten doch ausblei- lich schwierig, sie im e i n z e l n c n zu verfolgen und mit absoluter ^ den, so wäre zu Abschreibungen nach Eintritt geregelter und vor Sicherheit festzustellen. Können doch bei der gegenwärtigen Lage > allem klarer Verhältnisse immer noch Zeit, Dagegen wäre es von einem Tage zum anderen Überraschungen eintreten, die das ^ denkbar, daß die in Aussicht stehende Vermögenszuwachssteuer Bild wiederum vollständig verschieben. Man könnte über der-!von zu hohen Abschreibungen insofern beeinflußt würde, als für artige Fragen jetzt mit dem Hinweis hinweggehen, daß diese Un-!das Jahr 1917 ein verhältnismäßig kleines Vermögen deklariert sicherheit und Ungewißheit eine allgemeine, nicht nur im Buch Handel auftcetende Erscheinung sei, daß man eben abwarten müsse, was die Zukunft bringe, wenn nicht die gesetzliche Verpflichtung zur Aufstellung einer Bilanz, die durch die bestehenden besonderen Verhältnisse keineswegs eingeschränkt oder aufgehoben wird, den Buchhändler vor die Notwendigkeit stellte, an eine Bewertung seiner einzelnen Vermögensbestandteile heranzutreten. Er wird dies sehr ungern tun, denn er sieht den Weg nicht klar vor sich Der Kernpunkt der Sache ist der: »Welchen Einfluß darf der vor sichtige und gewissenhafte Verleger, Sortimenter oder Antiquar den bestehenden Kriegsverhältnissen auf die Bewertung seiner Aktiven, insbesondere also der Büchervorräte, Wertpapiere, Wechsel und Schuldforderungen cinräumen?« Im allgemeinen wird man vor einer allzu ängst lichen Auffassung oder, was in diesem Falle dasselbe ist, vor einer allzu buchstäblichen Auslegung und An wendung der im Handelsgesetzbuch gegebenen Bewertungs- Vorschriften warnen müssen. Wenn das Gesetz sagt, daß die Vermögensgegenstände zu dem Werte anzugeben sind, der ihnen für den Zeitpunkt der Inventur beizulegen ist, so meint es damit nicht etwa den Preis, der in dem betreffenden Augenblick bei einem Rotverkauf, denn um einen solchen könnte es sich bei den zu besprechenden Fällen nur handeln, erzielt wer den würde. Es denkt vielmehr an den Preis, der dem betref- werden würde, das sich dann bis 1920, wo die Steuer wieder fällig ist, infolge inzwischen cingetretener günstigerer Geschäfts- läge und damit notwendig werdender höherer Bewertungen nicht unwesentlich vergrößern würde. Denn darüber sind wir uns Wohl alle klar, daß die Folgen der gegenwärtigen Krisis nicht in ein, zwei Jahren überwunden sein werden, besonders nicht im Buch handel, der ja, um mit den Volkswirtschaftlern zu sprechen, lei der noch immer mehr der Befriedigung sogenannter Kultur- und nicht Existenzbedürfnisse dient. Die Kaufkraft des Publikums wird, wenn sich nicht ein neuer Milliardensegen über unser Land ergießt, erst langsam wiederkchren. Dann wird sich aber voraus sichtlich. auch zeigen, daß der Geschmack eine Wandlung erfahren hat. Ob diese von Dauer fein wird, kann bezweifelt werden. Immerhin ist damit zu rechnen, daß einzelne Werke, wie gewisse Geschichtswerke, ausländische Literatur, Reise- und Völkerbe schreibungen u. a,, erst nach Jahren, wenn die nationalen Leiden schaften, der wohlberechtigte Haß gegen unsere niederträchtigen Gegner sich etwas gelegt haben werden, wieder zurGeltung kommen und dann vielleicht wieder einen Gewinn abwerfen werden. Das ist aber bei einer jetzigen Bewertung auch in Rücksicht zu ziehen. Diese darf eben nicht der Ausfluß der gegenwärtigen Stimmung, sondern muß das Ergebnis einer eingehenden, alle hier ange deuteten Umstände berücksichtigenden Überlegung sein. Ganz falsch würde es auch sein, dem Umstande, daß die neuerrichteten senden Vermögensteile ohne Annahme einer Zwangslage unter l Kriegsdarlehnskassen Bücher teils gar nicht, teils nur sehr niedrig Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände beizu-s beleihen, irgendwelchen Einfluß auf die Bewertung des Bllcher- 1593
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