^ 125, 81, Mai 1SÜ5. Künftig erscheinende Bücher, 5157 Kries eines Kerliner Dickters an einen Dritten. Desto größere Freude hat mir Otto Ernst gemacht. Hier finde ich eine Wahrhaftigkeit, die ich bei schmerzlich vermisse. Die Schilderung dieser Jugenderlcbnisse scheint mir in jeder Beziehung ein Meisterstück; mich deucht, daß noch selten jemand so tief in Kinderaugen geblickt hat, und es galt hier eine sehr schwierige Aufgabe zu bewältigen! Die Geschichte ist ja aus lauter kleinen Fragmenten zusammengesetzt, und wie einheitlich ist sie doch! Kries eines Dicbters aus ^uneben. Das angefangene Buch hat mich nicht mehr aus seiner Macht gelassen. Ich habe Ihre Schöpfung gleicherweise bewundert, wie sie mich im Innersten ergriffen hat. Mit Bedacht wende ich das Wort „Schöpfung" auf sie an; denn sie ist aus dem tiefsten Bronnen der Poesie und des Menschenherzens geschöpft. Das ist's, was sich meine Bewunderung erzwungen hat: die unversiegliche Fülle des treffenden, anmutreichen, köstlichen, ob ernst, ob schalkhaft, immer vergoldenden Ausdrucks fast in jedem Satze . . . Sie gehen auf den alten ewigen Wegen des Lebens und sammeln an ihren Rändern Blumen und Früchte, die vor Ihnen noch niemand von solcher Wanderung mitgebracht hat. Kries eines Gelernten aus GaUrien. Man gewinnt Ihr Buch um so lieber, je weiter man liest Es weht aus den Kapiteln mit ihren „altmodischen" Über schriften ein Hauch verschönter Realität, eines verklärten Lebens. Die kleine Welt, die Sie uns erschließen, erscheint als die wahre große Welt . und Ihre Familie Semper wird für uns Leute aus dem Bürgerstande zu einem Abbild eigener Verhältnisse. Wer selbst in seiner Kindheit das Ringen gelernt hat, der versenkt sich in Ihr Werk mit doppeltem Genuß, ich möchte sagen, mit einer gewissen Andacht. So Hab ich mir denn Ihren Roman angeeignet und werde ihn wohl noch öfters lesen, was ich nicht von Kries einer Dame aus Oldenburg. meinen Dank aussprechen für den großen Genuß, den Sie mir damit bereitet haben. Seit langer Zeit habe ich an keiner Lektüre solch richtige Herzensfreude gehabt; dies Buch zu lesen war geradezu eine Wohltat für mich. Ich hatte dabei immer das Gefühl, als müßte ich ein Festgewand anlegen und meine Schuhe ausziehen. Das Herz muß einem ja aufgehen, wenn man nur an den gemütreichen Asmus, den herrlichen Vater und all das köstliche Drum und Dran denkt. Alles, alles ist so wunderbar schön! Ich möchte Ihnen noch viel Liebes über das Buch sagen, weil Sie mir auch so viel Liebes damit erwiesen haben; aber ich bin ja leider kein Meister des Wortes, ich kann nichts wie Ihnen nochmals danken, von ganzem Herzen danken. Und das mußte ich Ihnen schreiben: e'etait plus fort gus moi Kries eines kerninarlekrers aus Lküringen. Ich habe mit meinen Lehrseminaristen verschiedene Stellen gelesen und ihnen gesagt, wenn sie ihren ersten Gehalt beziehen, sollen sie sich das Buch kaufen. Kries eines ^eitungsverlegers aus Kerlin. Ich habe gestern Ihren Roman gelesen und stehe noch ganz unter dem Eindruck des wundervollen Kapitels, in dem Sie die Wirkung der Passionsgeschichte auf ein Kindergemüt schildern. Davon bin ich wirklich auf das tiefste ergriffen worden . . . Asmus Seinper steht in meiner Bibliothek in bester Gesellschaft neben Theodor Fontanes Werken. Krief einer Dicbterin aus Mien. Ich kann nur noch wenig lesen, meine Augen sind sehr alt und sehr müde. Ihren „Asmus" habe ich aber von der ersten bis zur letzten Zeile selbst und mit größtem Interesse gelesen. Sie haben jede der Klippen glücklich umschifft, die die Dar stellung eines Kinderlebens so schwierig machen. Ihr Buch bringt vor allem den Eindruck unbedingter Wahrhaftigkeit hervor. Asmus buhlt nie um unsere Gunst, wird nie in verschönerndem Lichte gezeigt und erringt doch und behält unsere volle und innigste Liebe. Ich habe mit ihm geweint und gejubelt. Seine Ellern, so diskret, so schonend und doch so kräftig hingestellt, sind Kunstwerke der Charakteristik. Ich lege Ihr edles Werk mit „gönnendem Neide" aus der Hand. Mögen diese Zeilen Sie voll kommen erholt und wohlauf treffen. Mein Brief kommt etwas verspätet, da ich verhindert war, früher zu schreiben und Ihnen meinen Dank und meine Bewunderung auszusprechen. Ich bitte, dem Werke auch im Sommer reges Interesse zu bewahren; das Kuck eignet kick gan2 besonders 2ur Lektüre in der 6rbolungS2eit, auf der Keile und in Kadern! Die vierte Ausluge — 10.-20. Tuusend ist in Vorbereitung. Leipzig, Ende Mai 19»5. L. ktaackmarm