7050 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel Künftig erscheinende Bücher. ^ 205, 4. September 1914. Brief an die deutschen Buchhändler! B^ir haben jetzt, was unser Letztes und Bestes betrifft, genug von allein „Kulturrummel", aber auch, um ein Wort Euckens zu gebrauchen, von aller „Gfstzialvertretung" der Religion. Und so ent setzlich dieser Krieg an sich sein mag, wir begrüßen ihn als ein furchtbares, aber reinigendes Gewitter nach außen und nach innen. Damit wissen wir uns mit den Besten einig. Das Wunder dieser unserer Einigkeit und das Aus bäumen unseres Geistes ist nicht nur erklärbar aus der äußeren Bot. Dieser Kampf auf Leben und Tod hat endlich einmal den nach Größe verlangenden Seelen eine Aufgabe gezeigt. Und darum werden alle bloßen Zivilisations- und Kulturmedikamente in die Ecke geworfen. Und weil wir es so ansehen, sagen wir Amen zu all diesem Geschehen. Aber nun erst recht gilt es als heiligste Pflicht, nicht einen Augenblick das wahrhaft Geistige schweigen zu lassen. Es gilt, nicht zu warten, bis uns durch äußeres Geschehen, sei es durch Siege, Niederlagen oder Friedensverhandlungen, der weg vorgeschrieben wird. In Freiheit von allem gilt es, ihn hehr und heiter zu bahnen. Und wer dies als Gerede und Wortemachen auffaßt, weiß nicht, daß dem wirklichen Arbeiter im Geiste das Wort immer nur Mittel zum Zwecke war und ist, daß es aber als Mittel zum höchsten Zweck ebenso nötig ist, wie das Brot für den Hunger. Diese Tage und Wochen jetzt sollen uns dazu dienen, uns wieder auf das Tiefste unserer Seele zu besinnen, auf die Nacktheit dieser Seele, frei von Umhüllungen mit allen Theorien und Ismen. Laßt uns sehen, was an ihr ist! Eine große, tiefe Bewährung hat sie in dieser Zeit gefunden: ihre Liebe zu Heimat und Vaterland blieb über alle Zweifel erhaben und gewaltig. Das gibt die jubelnde Hoffnung, daß sie auch in allem Edlen die Kraft in sich tragen wird, sich selber treu zu sein. Ihr dazu zu ver helfen, jeder für sich, und jeder für alle, sei unsere nicht einen Augenblick aussetzende Arbeit. Auch viel Gemeines und Niederträchtiges wird das Haupt wieder zu erheben wagen, für diesen Aampf gilt es schon jetzt zu rüsten! wenn das Schwert seine Arbeit getan hat und wieder in die Scheide kommt, muß etwas Großes da sein, was verhindert, daß diese hohe Flamme wieder in Rauch und (tzualm in sich zusammensinkt. Line neue und gewaltigere Aufgabe mufz für uns am Himmel stehen, sonst war dieser Arieg nur Blut und Schrecken. Aber uns sei er ein Präludium! Die ersten Schritte in diesem Sinne sind bereits von uns getan und eingeleitet worden. wir laden alle deutschen Buchhändler, in erster Linie aber diejenigen, die glauben, unsere Auf fassung der Lage teilen zu können, zur Mitarbeit ein, die, an sich ein Stück Beruf darstellend, seiner Ausübung jedoch einen besonders tiefen Sinn geben wird. Unser Programm „An die Suchenden aller Bekenntnisse" liegt vor. Es ist vor dein Kriege entworfen, aber wir brauchen keine Zeile an ihm zu ändern. Mögen wir uns auch nicht in. unserem vertrauen auf die Herzen täuschen. Es ist der Geist, der sich den Körper baut. Friedrich Andreas Gerthes A.-G. Gotha. Or z)aul Lberhardt.