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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.07.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-07-28
- Erscheinungsdatum
- 28.07.1914
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- Deutsch
- Sammlungen
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^ 172, 28, Juli 1914. Redaktioneller Teil. Persönlichkeit. Herr W. war als langjähriger Kunde einer Gra zer Buchhandlung häufig in deren Laden gekommen, um litera rische Neuigkeiten, sowie bestimmte, von ihm bezeichnete Bücher durchzusehen. Bei einer solchen Gelegenheit hatte eine gleichzeitig anwesende Dame den Geschäftsführer, Herrn K., darauf aufmerk sam gemacht, daß Herr W. drei Bücher eingesteckt habe, während Herr K. in dem rückwärtigen Raum des Ladens beschäftigt war. Herr K. beschloß, bei dem nächsten Besuch des angesehenen Kun den aufmerksam zu sein und gab nun laut der Anklage bekannt, daß er bemerkt habe, wie Herr W. wiederum einige Bücher mit sich genommen habe, ohne sic auf seine Rechnung schreiben zu lassen. Nun erstattete Herr K. die Anzeige, und der Reichsrats abgeordnete W. wurde in Anklagezustand versetzt. Bei der Verhandlung stellte Herr W. jede Absicht, die Buch handlung zu schädigen, in Abrede und erklärte, er habe die Bücher nur zur Ansicht mitgenommen, habe sie auf seinem Schreib tisch gänzlich abgesondert gehalten und würde diejenigen, die er behalten hätte, bezahlt, die anderen jedoch zurückgcstellt haben. Das Beweisverfahren unterstützte diese Angaben vollinhalt lich, und der Richter verkündete den Freispruch mit folgender Begründung: Es sei unbestritten, daß W. in dem Geschäfte ver kehrte, Bücher kaufte und Bücher mitnahm, ohne jemandem etwas Zusagen. DerVorgang sei von mehreren Zeugen beobachtet worden. Wenn der Angeklagte, gleich als ihm der Verdacht zu Ohren kam, erklärte, er habe die feste Absicht gehabt, die Bischer zu bezahlen, oder, wenn sie nicht entsprächen, zurllckzugeben, so sei das glaub haft. Denn er habe sie nicht in seine Bibliothek eingcreiht, sondern sie separat auf den Tisch gelegt, womit er dokumentierte, daß er sie nicht als sein eigen ansähe. Bedenke man noch, daß er die Bücher in vollster Öffentlichkeit an sich nahm, und daß er als all gemein geachtet galt, so müsse man zu dem Urteil kommen, daß von einem Diebstahl nicht die Rede sein könne. Nach dem Freispruche wurde der Abgeordnete W. von dem zahlreich erschienenen Publikum lebhaft beglückwünscht. Ich möchte bemerken, daß der Geschäftsführer der Buchhand lung die Peinliche Angelegenheit in anderer Weise hätte zur Aus tragung bringen sollen. Glaubte er, eine direkte Auseinander setzung mit dem langjährigen Kunden vermeiden zu sollen, so hätte es sich empfohlen, einen Advokaten am Orte mit der Ver tretung zu betrauen: dieser hätte Herrn W. zu sich in die Kanzlei geladen, und voraussichtlich wäre auf dem Wege der Besprechung mit Ausschluß der Öffentlichkeit die Differenz aus der Welt ge schafft worden. In einem Sanatorium in Jena ist kürzlich ein Gelehrter, der sich um die Volksbildung in Wien große Verdienste erworben hat, Professor Ed. Reyer, der Begründer und überaus tatkräf tige Leiter des Vereins »Zentraldibliothek«, nach langem Leiden verschieden. Professor Reyer hatte nach Erlangung des juridi schen Doktorats sich so erfolgreich mit geologischen Studien be schäftigt, daß er sich an der Wiener Universität für Geologie habi litieren konnte. Seine Neigungen zogen ihn jedoch zum Volksbil dungswesen, und er begründete den Verein »Zentralbibliothek«, der heute außer der Zentrale bereits 19 Filialen zählt: der Bücherbestand beträgt 564000 Bände, und es sind nahezu fünf Millionen Entlehnungen jährlich zu verzeichnen, seit der Begrün dung des Vereins aber (1898) bis jetzt vierzig Millionen. In einem dem Verstorbenen gewidmeten Nachruf wird behauptet, daß es Reyers Verdienst fei, wenn heute Wien die europäische Stadt ist, in der am meisten gelesen wird. Aus Reyers Schriften zitiere ich den für seine Tätigkeit sehr charakteristischen Satz: »Wie die Meisterwerke der Maler im Salon des Reichen un genützt hängen, während sie in den öffentlichen Galerien von Tausenden mit offenem Sinn und Herzen genossen werden, so ver kommen die Bllcherschätze des Bllchergeizers ungenossen, um nach dessen Tode als veraltete Ware von den Erben um zehn Prozent des Wertes verschleudert zu werden.« Der Standpunkt des Buchhändlers und des Bücherfreundes, der stolz ist auf seine Bücherschätze, ist freilich ein anderer. Wien, Juli >914. Friedrich Schiller. Das schöne Buch in München auf der Bugra 1914. Ausstellung der Firmen Hans von Weber Verlag, Delphin-Verlag Ilr. Richard Landauer, Albert Langen Verlag, Georg Müller Verlag, R. Piper L Co. Verlag. München. 8°. 32, 32, 64, 96, 48, zusammen 272 Seiten. Preis broschiert SO H ord. blecht eigentlich im Herzen des Münchner Berlagsbuchhandels, im Knppclraum der Halle Bayern in der Deutschen Buchgewerbehalle, haben sich fiinf bekannte moderne Münchner Verleger zusammengetan, die auch sonst nicht weit voneinander getrennt marschieren, nm auf der Bugra vereint zu schlagen. Die Mitte des stattlichen Raumes nimmt eine eigene Verkaufsausstellung ein: das Münchener Kindl, das als Oeuius loei von den geschmackvollen, in dunklen Farben ge haltenen Wänden herabgrüßt, gibt seinen Segen dazu. In stilvollen Schränken und Vitrinen breiten die Fünf ihre Verlagswerke aus; gediegener Einband, schöner Druck in Antigua und Fraktur zeigen schon äußerlich die Verwandtschaft, die innerlich die Verleger verbindet. Die geschmackvolle, dabei unterhaltende Art, in der diese Verleger, voran Georg Müller, ihre Literaturberichte periodisch veröffentlichen, ist genugsam bekannt; sic spricht auch aus diesem Sammelheft, das zu den alten Freunden neue aus den Reihen der Ansstellungsbesncher gesellen will. Hans von Weber, der sich hier besonders für seine kleine Zeitschrift »Der Zwiebelfisch« einsetzt, eröffnet den Neigen mit einem Abdruck seiner Philippika »Vom Buchhandel«, die in einem früheren Jahrgange des Zwiebelfisches erschienen ist. Möchte das Publikum seine Plauderei nicht nur lesen, sondern auch beherzigen; denn die Unsitte, die Rechnung des Sortimenters oft jahrelang nicht zu be zahlen, ist, wie das verehrliche Publikum zahlenmäßig belegt lesen kan», noch immer der schlimmste Krebsschaden des sonst so gesunden Buchhandels. Der D e l p h i n v c r l a g öffnet seine graphischen Mappen, seine illustrierten Werke über Kunst und Knnstgewerbe und erweckt den Wunsch, mehr von den schönen Früchten zu kosten. Albert Langen gibt ebenfalls kleine Texte und Bildproben aus einer Auswahl seiner Verlagswerke. Den Löwenanteil dieses Aus stellungskatalogs nimmt Georg Müller ein, der sich keine Be schränkung in Beziehung auf bestimmte literarische Richtungen oder rein bibliophile Tendenzen auferlegt und infolgedessen seinen Ver lagsrahmen stetig erweitert: das ist eine erstaunliche Reihe von mo dernen Erscheinungen, von Neuausgabcn, von Wiederbelebungen der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. »Wer vieles bringt, wirb manchem etwas bringen«, denkt auch der Verlag N. Piper L Co. und geleitet den Besucher der Bngra durch in- und ausländische neuere Literatur; der Philosoph, der Sportsmann, der Kunstfreund, der Kin- derfrcnnd, der Musiker, der Utopist und der Prähistoriker gehen nicht leer aus. Der Buchhändler kennt ja jeden der Herren aus dieser Pentarchie und die Richtung seines Verlags; ein näheres Eingehen auf einzelne der ansgestellten Verlagswerke crlibrigt sich also. Möchte aber das besuchende Publikum sich durch das Heftchen nicht nur beraten lassen, sondern auch kaufen, sei es in der Münchner und der Allge meinen Verkaufsausstellung, sei es daheim beim angestammten Buch händler! Kleine Mitteilungen. Verbandstag Deutscher Schuhmacher-Innungen. — Der über ganz Deutschland verbreitete »Bund Deutscher Schuhmacher-Innungen« hält seinen Verbandstag am 3. und 4. August in Bresla n ab. Es werden das Schuhmacher-Gewerbe betreffende wichtige Fragen zur Verhand lung gelangen, z. B. u. a. »Ilber die zweckmäßige Beschuhnng abnormer Füße« und über »Die Verknüpfung der Unterrichtsfächer, insbesondere des Zeichnens und der Werkstattlehre in Schuhmacherklasscn«. Post. — Nach einer zuverlässigen Mitteilung sind 50 Postsäcke bei der Beförderung von Veracruz nach Mexiko verbrannt, während eine große Anzahl anderer Postsäcke seit Wochen in der Nähe von Tegeria liegt und der Beförderung durch die mexikanischen Behörden harrt. Ob sich unter den verbrannten Säcken auch deutsche befunden haben, ist noch nicht festgcstellt worden. Wegen der noch nicht beförderten Säcke sind Verhandlungen mit der mexikanischen Negierung eingeleitet wor den, die bisher nicht zu dem gewünschten Resultat geführt haben. Aus der vorstehenden Mitteilung geht hervor, daß der seitens der deutschen Neichs-Postverwaltung bereits vor einigen Monaten durch die Presse verbreitete Hinweis ans die Unsicherheit der Postbeförderung in Mexiko während der politischen Wirren leider nur allzu berechtigt war. 1191
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