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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.05.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-05-19
- Erscheinungsdatum
- 19.05.1914
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- Deutsch
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^ 114, 19. Mai 1914. Redaktioneller Teil. getragen. Nach sechs Monaten betrug die Auflage schon zweitausend Stück. Unter den Mitarbeitern, die er warb, sind Albert Fränkel, Otto Ruppius, Louise Otto (Erzählungen), Robert Blum, Jäckel, Her mann Semmig, Treumund Welp, das Pseudonym für Eduard Pelz (Tagesfragen, Kapitalistische Produktionsweise usw.), endlich Hein rich Beta, eigentlich Bettziech (Briefe aus Berlin) zu nennen. Als Bei blatt wurde dem »Leuchtturm« die »Laterne«, eine unterhaltende und politische Revue, beigegeben. Schnell war der »Leuchtturm« das wirk samste Organ des demokratischen Liberalismus geworden und hatte unter Zensnrschikanen unaufhörlich zu leiden. Bald wurde er in Mag deburg, bald in Bremen, bald in Braunschweig gedruckt. Erst das Aprilheft 1848 konnte, nach Aufhebung der Zensur in den Nevolutions- stiirmcn, wieder in Leipzig erscheinen, und der »Leuchtturm« wandelte sich, dem rascheren Pnlsschlag der Zeit folgend, in eine Wochenschrift für Politik, Literatur und gesellschaftliches Leben. 1848 verlor Keil nicht seinen ruhigen, klaren, verständigen Blick; er hielt es fiir die Pflicht der Presse, in diesen Zeiten der Aufregung und Anarchie den Weg der Beruhigung anzubahncn. Als aber die Reaktion ihre ersten Siege erfocht, verteidigte er den demokratischen Gedanken mit wuchtigem Schwung; er war Demokrat aus Gerechtig keitsgefühl, aus Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit. Den Verhandlungen in Frankfurt folgte er mit herber Kritik. Junge Radikale aus Öster reich (Franck, Kalisch, Silbcrstein) bildeten eine neue Mitarbeiter gruppe, zu der bald Albert Grün, Bertling und Oelckcrs, Häfner und Augnst Peters, der spätere Gatte Louise Ottos, traten. Die Zahl der Abnehmer des »Lenchtturms« stieg stetig, trotz aller Verfolgungen; an die Stelle der »Laterne« war »Die Neichsbremse« getreten, die mit bissigen Witzen stach. Es gelang Keil, den »Leuchtturm« noch bis Ende 1850 zu halten, ohne seine Schärfe zu verwässern. Interessant sind im letzten Jahrgang eine Reihe von Artikeln über die Zentren des deutschen Flüchtlingslebens in der Schweiz, in London und Paris; Keil tat persönlich viel, um die schlimmste Not dieser Heimatlosen zu lindern. Doch der Druck gegen das Blatt wurde zu mächtig. Es nützte nichts, daß »Leuchtturm« und »Neichsbremse« gegen Ende 1850 als »Wartburg« und »Spitzkugcln« erschienen. Vom Schwurgericht freigesprochen, wurde Keil von einem Beamtengericht wegen Preßver- gehens zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt; er verbüßte sie 1852 in Hubertusburg. Hier hatte er Zeit und Muße, über neue Pläne nach zudenken, die sich zu seinem Lebenswerke, der »Gartenlaub e«, aus- rciftcn. über die Gründung und ganz einzige Entwicklung dieses Familicnblattes können mir uns kürzer fassen; ihre Geschichte hat schon in der eingangs erwähnten Artikelserie von Johann Proclß, die 1903 zum Gartenlaubcnjubiläum auch als gesonderte Veröffentlichung er schien, eine ausführliche Darstellung gefunden. Für Keils Pläne wurde zweierlei von entscheidendem Einfluß: die politische Reaktion und der eigentümliche neue Zug der Zeit. Die Reak tion hatte die Macht und zwang zu vorsichtigem Handeln; mit den technisch industriellen Fortschritten und dem mächtigen ökonomischen Auf schwung wurde nach der idealistischen eine realistische Zeitströmung vor herrschend. So ging Keil daran, dem »Dorfbarbier«, einem harm losen Witzblatt, das er 1851 in seinen Verlag übernommen und bald auf 20 000 Exemplare gebracht hatte, nach der ernsten Seite hin eine Ergänzung zu geben. Die Grundzüge seines neuen Unternehmens sind schon an dieser Stelle (Börsenblatt f. d. D. Buchhandel 1904, Nr. 70) dargelegt worden: Gedichte, Novellen in 2 bis 3 Fortsetzungen, beide illustriert, Briefe aus der Natur, Populäre Briefe über den Bau, die Tätigkeit und das Leben des menschlichen Körpers mit Ab bildungen sollte die neue Zeitschrift bringen. Der Name »Die Garten laube«, in dankbarem Gedenken an seine eigene glückliche Häuslichkeit, war bald gefunden. Der Gedanke der Popularisierung naturwissen schaftlicher nnd medizinischer Probleme lag nach Liebigs »Chemischen Briefen«, nach Humboldts »Kosmos« in der Luft; Vogt und Molcschott arbeiteten in der gleichen Richtung, Noßmäßler hatte sein Werk »Der Mensch im Spiegel der Natur« schon 1849—52 in Keils Verlag er scheinen lassen. Mit der »Gartenlaube« schuf ihr Verleger einen völlig neuen Zeitschriftentypus. Mit dem Preis von 10, später 15 Neugroschen vierteljährlich wurde die »Gartenlaube« das billigste Blatt Deutschlands, auf breiteste Kreise berechnet. Die erste Nummer erschien Neujahr 1853 als »Beiblatt zum illustrierten Dorfbarbier«, von der zweiten Nummer an führte sic als »Familienblatt« selb ständiges Leben; anfangs zeichneten Stolle und Diezmann, seit 1865 Ernst Keil als verantwortlicher Redakteur. Trotz des Charakters des Familicnblattes trat die Tendenz der »Gartenlaube« sofort hervor: sie war aufklärerisch-humanitär und gleichzeitig ans die Hebung des Nationalsinnes gerichtet. Nach acht Wochen des Bestehens hatte sie schon 5000, 1855 42 000, 1859 86 000 Abnehmer. Die Hauptmitarbeitcr wurden E. A. Noßmäßler für die naturwissenschaftlichen, K. E. Bock für die populär-medizinischen Artikel. Der fedcrgewandte Beta schrieb Briefe aus und über England; als Erzähler traten neben Ferdinand Stolle und Ludwig Storch bald I. D. Hubertus Temme, der eigen artigste Vertreter der älteren deutschen Kriminalnovcllc; als Neise- schriftsteller Gerstäcker, als Dichter und Erzähler Albert Träger, Schmidt-Wcißenfels, Mar Ring; als volkswirtschaftlicher Mitarbeiter Hermann Schnlzc-Delihsch. In den sechziger Jahren wurde die Garten laube die mächtigste publizistische Förderin der breiten auf Einheit und Freiheit gerichteten Volksbewegung, die Trägerin des deutschen Gedan kens. Für die Schützen-, Sänger- und Turnerfeste der folgenden Jahre wurde cs die eingehende Chronik; den bedeutenden politischen Kämpfen und Strömungen der Zeit folgte es mit Eifer. Zwei Dinge ließ es sich besonders angelegen sein: die Deutschen in Amerika und die schleswig-holsteinische Frage. 1866 zeigte das Blatt von Anfang an eine starke antipartikularistische Tendenz und bejahte, wenn auch der Einheitstraum der Liberalen und Demokraten sich anders, als sic gehofft, zu verwirklichen begann, freudig das Errungene, froh, daß die klägliche alte Zeit nun wirklich gestorben war. Unter den neuen Mitarbeitern sind der kernige, warme Volksschriftsteller Hermann Schmid und der Historiker Johannes Scherr besonders zu nennen. Das Blatt, das 1863 157 000 Abnehmer hatte, fand trotz vorübergehen den Verbots in Preußen einen immer größeren Leserkreis, 1867 wurden 225, 1870 280, 1878 mehr als 300 Tausend Exemplare gedruckt, und auch das Aufblühen anderer illustrierter Zeitschriften, wie »Uber Land und Meer«, »Buch für Alle« und »Daheim«, vermochten ihm keinen Ab bruch zu tun. Nach 1870 gewann es mehr den Charakter eines lite rarischen Nnterhaltungsblattes, ohne seine freie aufklärerische Tendenz in den Fragen des Protestantismus, des Darwinismus — Bock, Brchm, Vogt, sämtlich Darwinisten, waren ja seine Mitarbeiter — zu verleugnen; und so kam es, daß die Orthodoxie sein bitterster Feind wurde. Bekannt ist, wie die Marlitt, deren Erzählcrtalent auch Gottfried Keller gelten ließ, die Leser der »Gartenlaube« im Banne hielt. Schade, ewig schade, daß Storms Mitarbeit nur vorübergehend war, daß sich die Unterhandlungen mit Naabe, Fontane, Heysc zer schlugen. Die Rücksichtnahme ans ein Familicnblatt, in dem schließ lich gesinnungstttchtigc Frauennovellistik iiberwog, drückte das ästhe tische Niveau bedenklich herab. DerToö scincseinzigenSohnes1871 wirkte lähmend auf.Keils geschäft liche Energie; seine alten Freunde und Mitarbeiter starben einer nach dem andern, Noßmäßler 1867, Gerstäcker 1872, Bock 1874, Beta 1876. 1878, am 23. März schloß Keil, um den es einsam geworden war, selbst die Augen. Aus dem armen Leipziger Buchhandlungsgehilfen war einer der erfolgreichsten buchhändlerischen Unternehmer geworden. Ein geschickter Publizist, wenn auch ohne besonders starke schriftstellerische Begabung, war er der volkstümlich journalistische Organisator im Kampfe für das freiheitlich-nationale Streben seiner Zeit geworden. Und das wird sein Ruhm bleiben? Nach seinem Tod übernahm Ernst Ziel, dann Friedrich Hofmann die Redaktion. 1884 erwarb Adolf Kröncr mit der Firma Ernst Keil auch die »Gartenlaube«: 1898 ging das Blatt an eine Gesell schaft mit beschränkter Haftung über, deren sämtliche Geschäftsanteile Ende 1903 von der Firma August Scherl G. m. b. H. in Berlin er worben wurden. Der gesamte Keilsche Buchverlag ist an die Union Deutsche Vcrlagsgescllschaft in Stuttgart verkauft worden. In der Ausstellung des Börscnvercins auf der Bugra hängt Ernst Keils männlich-schönes Bildnis, eine Lithographie von Schütz, an einem Ehrenplätze. Im. Kleine Mitteilungen. Die Psychologie des Inserates. — Über dieses Thema hielt der Itadtverordnete Or. Hermann Hamburger in der letzten Monats- verfammlung des Vereins Breslauer Dctaillistcn einen interessanten Bortrag. Redner widerlegte zunächst die zuweilen austretende irrige Meinung, daß Anserate Geschenke bedeuten, die einer Zeitung gemacht werben, und wies an der Hand zahlreicher Beispiele den Preis der Inserate im Verhältnis zu den Herstellungskosten der Zeitung nach. Der Vortragende führte ans, das, er, abseits von irgend welchen phantastischen Angaben, sich in seinem Bortrage auf das beschränken wolle, was für die Kauslcute, insbesondere für den Detaillisten von Interesse sc!. ES besteht die Anschauung, das, die Inserate in den Zeitungen nur eine Art von Geschenk barstellen, und daß man es nicht nötig habe, die Zeitungen mit Inseraten zu füttern. Damit geht Hand in Hand die Ansicht, daß die Annoncen viel zu teuer seien. Der Vortragende be wies, daß diese Auffassung falsch ist, nnd zeigte an einigen Beispielen, wie diesen Einnahmen der Zeitungen auch große Verluste gegenüber- stchen. Er kam sodann ans die Art und Weise zu sprechen, wie eine Re klame zu wirken vermag. Ein Inserat soll eine ähnliche Wirkung wie ein hellbclcuchtetes Schaufenster mit schönen Auslagen auSüben. Es muß daher allen Len Bedingungen entsprechen, die nötig find, bas kauflustige Publikum anzulocken. Es muß vor allem geschickt gefetzt sein. Das Wichtigste aber ist eine häusigc Wiederholung des Jnse- 819
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