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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.01.1918
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1918-01-09
- Erscheinungsdatum
- 09.01.1918
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- Deutsch
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- Saxonica
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Nr. 7 (N. 4>. Leipzig, Mittwoch den 9. Januar 1918, 85. Jahrgang. Redaktioneller Teil. Bismarck oder Soennecken. Von Robert Voigtländer. Was Bismarck und Soennecken — ich meine den Herrn Kommerzienrat Friedrich Soennecken in Bonn — miteinander zu tun haben? Ich werde es gleich sagen, vorher aber möchte ich mich gewissermaßen eines Auftrags entledigen. Als ich mit meinem Freunde Horst Kohl, der leider zu den Toten des Jahres 1917 zählt, einmal über seine Bismarck- Regesten sprach, klagte er mir seine Leidensgeschichte der Zeit, da er für dieses Werl einen Verleger suchte. Er habe sogar von einem der Herren die Antwort erhalten: »Mit Bismarck ist's ja nichts mehr«! Das war freilich zur Caprivizeit. — Einige Tage später brachte mir Kohl eine Abschrift — wenn ich nicht irre, aus einem seiner Friedrichsruher Tagebücher, jedenfalls der Niederschrift eines am 26. November 1891 mit dem Fürsten geführten Gesprächs. Kohl ermächtigte mich nicht nur, sondern bat mich, davon bei guter Gelegenheit öffentlich Gebrauch zu machen. Das will ich nun tun; die Niederschrift lautet: »Da der Fürst in seinen Briefen vom 4. November der äußeren Ausstattung des Buches (der Bismarck-Regesten) hatte sreundliche Anerkennung zuteil werden lassen und nur die Anwendung der lateinischen Lettern an Stelle der deut schen tadelte, da sie ihm das Lesen verlangsamten, so nahm ich Gelegenheit, mich bei ihm zu rechtfertigen. Ich erzählte ihm, daß es mir Mühe gekostet habe, für die Regesten über haupt einen Verleger zu finden; als sich dann die Rengersche Firma bereit erklärte, das Risiko auf sich zu nehmen, habe sie wegen des Absatzes ins Ausland die Bedingung lateinischen Druckes gestellt, und ich hätte mich fügen müssen, um mein Buch überhaupt zum Druck zu bringen. »Ja«, fiel der Fürst ein, »der deutsche Verleger ist in einem wunderbaren Irrtum begriffen. Ein Ausländer, der Deutsch gelernt hat, -kennt auch die deutschen Typen, ja es geschieht ihm gar kein Gefal len damit, wenn er ein deutsches Buch in lateinischem Druck vor sich steht; der Engländer und Franzose wird dann stets versucht sein, die deutschen Worte, die im Gewände seiner eige nen Sprache vor ihn treten, englisch oder französisch auszu sprechen, und wird dann mit Ärger empfinden, daß er deut sche Worte vor sich hat. Schrift und Sprache stehen in Wechsel wirkung miteinander. Und mir geht es nicht anders. Ich wäre nicht imstande, eine englische oder französische Depesche in deutschen Buchstaben zu lesen, es würde mir in jedem Falle sehr schwierig werden, und so habe ich die Beobachtung ge macht, daß ich von einem deutschen Buche, das in lateinischen Lettern gedruckt ist, in 8V Minuten ebensoviel bewältige, als ich in 60 Minuten lesen würde, wenn es auch deutsch gedruckt wäre. Der deutsche Verleger aber ist für solche Dinge unzu gänglich !« Von Bismarck ist ferner durch Poschingers »Stunden bei Bismarck« bekannt, daß er schier in Zorn geriet, als ihm 1878 die ersten beiden Bände der amtlichen Publikationen der preußi schen Staatsarchive vorgelegt wurden, in Lateinschrift gedruckt! Er war nur durch Sybels Vorstellungen davon abzubringen, daß sie nicht durch Neudrucke in deutscher Schrift ersetzt werden ! mußten. Die Erlaubnis aber zur Benutzung der königlichen Staatsarchive und der Archive des Auswärtigen Amtes ist da mals auf Bismarcks Befehl an die Bedingung geknüpft wor- den, daß die Benutzer ihre.Veröffentlichungen in deutscher Schrift drucken ließen. Nach dieser Stellungnahme eines Mannes, der in deutsch völkischen Dingen eine untrügliche Recht- und Feinfühligkeit besessen hat, hätte Herr Soennecken — damit komme ich auf diesen — einigen Grund zum Nachdenken gehabt, ob er mit sei nem Sturmlauf vom Jahre 1916 gegen die deutschen Buchstaben der Inschrift »Dem deutschen Volke« am Reichstagsgebäude aus dem rechten Wege sei, und wie er damit bei der Reichsleitung angekommen wäre, wenn dort noch ein Bismarck führte. Aber nicht über den Jnschriftlärm will ich nachträglich schreiben, sondern über das verletzende neuerliche Antasten von Werten, die vielen Deutschen, auch mir, teuer sind, durch Herrn Soennecken oder, was so ziemlich dasselbe ist, durch seinen »Deutschen A l ts ch r i f t b u n d«. »Weg mit der Zweischrif- tigkeit! Weg mit der deutschen Schrift! Rückkehr zur Latein schrift!« Ich mutz gestehen, daß es mir eigentlich widerstrebt, über den alten Gegensatz: Fraktur — Antiqua nur noch eine Zeile zu schreiben. Alles, was dazu gesagt werden kann; ist derart oft gesagt, daß ein jeder, der Bescheid wissen will, ihn wißen k a n n.*) Die Gründe für unsere deutsche Schrift sind derart, daß auch derjenige, den Gewohnheit oder Geschmack dennoch zur Lateinschrift führt, wenigstens den Andersdenkenden an erkennen und, wenn er über diese Dinge streiten will, sich mit der Literatur auseinandersetzen mutz. Aber immer und ewig dieselben abgedroschenen, unrichtigen, lOOOmal widerlegten Be- Hauptungen zu wiederholen, das ist Unrecht, und das begeht der »Altschriftbund«. Er begeht es in seitengroßen Zeitungsanzei gen, er begeht es ganz neuerdings in Aufrufen zum Eintritt in den Bund."*) Man könnte ja denken: Laßt sie schreiben, die deut sche Schrift bleibt doch. Bequem, aber falsch. Aber diese ewi gen Nörgeleien erzeugen doch, mir wenigstens, manchmal eine Stimmung, die sich doch einmal wieder Luft machen muß. Handelt es sich doch gar nicht mehr um eine einfache Schriftflage, in der einer den andern ruhig zu überzeugen versucht, in der aber schließlich jeder tun kann, was er will, sondern um Angriffe gegen eine wesentliche Eigenart des deutschen Volkstums und um das Anstreben einer Vergewaltigung Andersdenkender. *1 Vor allem sei auf dle treffliche Zusammenfassung des Ber- lagsbuchhändlerS Gustav Ruprecht verwiese«: »Das Kleid der deutschen Sprache«; dann auf die vielen Veröffentlichungen des »S ch r I f t b u n i e s deutscher Hochschullehrer« und des »A l I g e in e l n e n d e u t s ch e n S ch r i f t v c r e! n s«. **> Ich habe vor mir den Abdruck im Börsenblatt für den Deut schen Buchhandel von, 18. Dezember 1917. 17
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