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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.04.1914
- Strukturtyp
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- 1914-04-14
- Erscheinungsdatum
- 14.04.1914
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. ^ 84, 14. April 1914. der Ausschreibung an die mindestforüernde Buchhandlung über tragen wird. Um der Verunstaltung des Stadtbildes durch eine übertrie bene Verwendung von Reklame-Plakaten Einhalt zu tun, hat der Sladtrat von Paris die Einführung einer Plakatsteuer be schlossen, die teilweise so hoch bemessen ist, daß sie prohibitiv wir ken wird. So werden z. B. für Mauerreklamen bis zu 15 gm Maximum 2 bis 2l) kros. Steuer pro gm zu entrichten sein, wäh rend für die anderen 3 bis 35 kros. pro gm zu zahlen sind. Für Lichtreklamen gelten dieselben Preise, doch wird darauf eine Er mäßigung von 25"/» gewährt; direkt auf die Mauern gemalte Ankündigungen zahlen 0.5V bis 3 kros. pro gm. Auch die Reklame durch die üommos-8andvivbss (wie mau die Träger nennt, die mit einer auf beiden Seiten mit Plakaten beklebten Tafel durch die Stadt ziehen und einen Teil des Pariser Straßen- lebens ausmachen) unterliegt nunmehr einem Steuersatz. Da sich gerade die Tageszeitungen bisher in hervorragender Weise der Reklame durch Plakate bedienten, werden diese in Zukunft mit größeren Budgets zu rechnen oder auf neue Mittel zur Er reichung des Publikums zu sinnen haben. Die Tatsache, daß manchmal Autoren und Kritiker ganz verschiedener Meinung über den Wert eines neuen Buches sind, hat elftere dazu geführt, sich in Paris zu dem »Verband zur Verteidigung der freien Schriftsteller« zusammenzuschlietzen, der nun selbst die Kritiker aus seiner Mitte wählt, und den als wert voll erwiesenen Werken eine Binde zucrkennt, die sie der Beach tung des Publikums empfiehlt. So einfach die Sache sich auch darstellte, so ist sie doch nicht nach Wunsch eines Verlegers, der es unlängst ablchnte, den einem seiner Verlagswerke zucrkann- ten »besonderen Streifen« anzunehmen. Daraufhin hat bann der Vorstand der genannten Vereinigung einen Protest gegen die Ent schließung jenes Verlegers erlassen, da er doch ebensogut wie einen Preis der Loadomio krantzaiss oder der Leadomie Los Oonoourt diese Auszeichnung annehmen könne. Als Antwort darauf hat der betreffende Verleger in einem offenen Brief klargelegt, daß er als unabhängiger Geschäftsmann sich nicht unter das Patronat eines literarischen Komitees stellen könne und es als ungerecht empfinde, wenn er einen solchen Strei fen nur umeins seiner Verlagswerke lege und nicht um alle, da er in alle von ihm verlegten Werke das gleiche Vertrauen setze. — Übrigens hat die Weigerung des Verlegers dem betreffenden Bande nichts geschadet, denn inzwischen hat bereits ein Neudruck desselben in Angriff genommen werden müssen. Die Frage der literarischen Preise ist infolge des von der »Loadewio krauyaiso« gefaßten Entschlusses, auch für das Jahr 1914 ihren großen Literaturpreis von 10 000 kros. nicht zur Ver teilung gelangen zu lassen, wieder einmal in der französischen Presse zur Genüge erörtert worden. Rend Fauchois, ein bekannter dramatischer Schriftsteller, veröffentlichte unlängst im »6il Lias« einen Leitartikel mit der Überschrift: Die neuen literarischen Sitten, worin er gegen den mer kantilen Geist Stellung nimmt, den er immer mehr in der jungen Schriftstellerwelt zu finden glaubt. Er wirft dieser vor, viel mehr die Worte literarischer Markt, Reklame und Autorenrechte im Munde zu führen, als das eine Wort: Kunst; auch läge seinen neuzeitlichen Kollegen gar nichts daran, es weit zu bringen, als vielmehr, schnell etwas zu werden. Während die Autoren der früheren Generation noch Vertrauen in das Ehrenwort eines Verlegers oder Theaterdirektors setzten, gehen die Jungen gleich mit einem fertigen Kontrakt zur Unter redung. Der genannte Schriftsteller führt dann weiter aus, daß es in nicht zu unterschätzender Weise den sich immer mehrenden literarischen Preisen zuzuschreiben sei, wenn der Andrang zum Schriftstellerberus ein immer größerer würde. Denn selbst die für Poeten im allgemeinen wenig verständnisvolle Bourgeoisie fände sich damit ab, daß ein junger Mann sich der Literatur widme, da er doch die Möglichkeit habe, an einem einzigen Buch 10 000, 5000 oder 3000 kros. als Literaturpreis zu verdienen. »Und alle diese jungen Leute« — fährt Rene Fauchois fort — »wä ren im Handel oder in der Industrie wohl langsamer, dafür aber sicherer zu etwas gekommen, während heute ein Mißerfolg leicht zu Katastrophen führt«. 528 Als unlängst eine Monatsschrift eine Rundfrage über die Nützlichkeit der Literaturprcise erließ, haben sich noch andere Schriftsteller gegen deren Aufrechtcrhaltung ausgesprochen; einer davon machte sogar den Vorschlag, die Jury des »?rix O-oncourt« samt und sonders zu hängen, damit so ihre Missetaten gesühnt würden. Wenn diese Antwort auch so aufzunehmcn ist, wie sie sich darbietet, so läßt sich doch feststellcn, daß man vielerorts des Treibens müde ist. Dennoch liest man von Zeit zu Zeit, daß wie der ein neuer literarischer Preis gestiftet sei, wie z. B. der der Monatsschrift »Uo üartbönon«, der jeweils den ersten Roman eines jungen Künstlers krönen soll. Natürlich versäumt ein Ver leger aus verständlichen Gründen nie, bei Zuerteilung eines Prei ses für ein von ihm verlegtes Werk gehörig die Werbetrommel zu schlagen. Aber es gibt bekanntlich Verleger, die aus allem Kapital zu schlagen wissen, wie jener, der einem im 10. Tausend erscheinenden Buch die Binde mitgab: Das einzige Buch die ses Jahres, das keinen Preis erhalten hat. Daß aber ein literarischer Preis auch der Grund zu einem Prozeß werden kann, hat unlängst ein Pariser Verleger erfahren müssen. Er ist von einem Autor auf Schadensersatz verklagt worden, »weil er ein zur Veröffentlichung angenommenes Manuskript nicht so frühzeitig in Buchform fertigstellte, daß es mit dem krix Kon- vourt (5000 kros.) ausgezeichnet werden konnte«, über die recht liche Frage mögen Berufenere urteilen, aber das Selbstbewußtsein des übrigens noch jungen Autors verdient auf alle Fälle Er wähnung. Man versteht nach dergleichen Vorkommnissen, daß gewisse Schriftstellerkreise den Verleger als Schmarotzer hin- zustellen wagen und nun erstreben, durch den Zusammenschluß der Leute von der Feder zu einem Verbände dahin zu gelangen, den regulären Verlag auszuschalten, um direkt mit dem Sorti ment zu Verkehren. Die bisher in Paris feftgestellten derartigen Bestrebungen haben jedoch bis heute noch keine Revolution Her vorbringen können. Zurzeit veröffentlicht die Abendzeitung »1,'lntiLnsi- Asant« die Ergebnisse einer Rundfrage an die bekanntesten französischen Schriftsteller, die den Zweck hat, die Gerechtig keit der öffentlichen Meinung zu untersuchen. Die gestellten Fragen lauten: Welchem von Ihren Büchern geben Sie den Vorzug? und: Welches hat den größten Erfolg gehabt?. Auf die erste Frage hat Maurice Maeterlinck geant wortet: Demjenigen, das ich nicht schreiben werde, und auf die zweite: »Das Leben der Bienen« und »Der Tod«. Am 12. Februar sind, wie erinnerlich, drei neue Mitglieder für die »Leaddmio leranyaise« gewählt worden: Alfred Capus, der als Lustspieldichter und Romancier gleich berühmt ist, Henri Bergson, der bekannte Philosoph, und der Historiker Pierre de La Gorce. Auch die beiden zuerst Ge- nannten haben auf die Frage des »Intransigsaut« geantwortet. Capus erklärt den Roman »Lnnde d'L.ventures« für sein Lieb lingswerk und »tzui pord — §aKne« für das erfolgreichste. Berg son antwortet, daß sich seine Bücher gewissermaßen jedesmal dann von selbst schreiben, wenn er die Lösung eines Philosoph!- scheu Problems gefunden zu haben glaube. Er stellt alle Werke aus eine gleiche Stufe, wenn auch »I/Lvolution oreatiioe« den größten buchhändlerischen Erfolg gehabt hat. Henri Lave- dan antwortet in treffender Weise, daß cs für einen Vater sehr schwer sei, zu sagen, welches von seinen Kindern er vorzöge, und selbst wenn er es wisse, dürfe er es doch nicht aussprechen, um nicht den andern zu schaden. Da er mehrere Kinder habe, be- daure er, nicht auf die Enguete eingehen zu können. Gyp erklärt »I-s llouroal ck'un ppilosoptie« für das meistge- schätzte und »Lutour du mariaAs« für das meistberlangte Buch. Georges Ohnet, einer der fruchtbarsten Romanschriftsteller, sagt, daß stets das Buch, mit dessen Entstehen er sich beschäftige, sein liebstes sei. Sobald es beendet wäre, interessiere es ihn nicht mehr, weil es dann dem Publikum gehöre, das mit ihm machen könne, was ihm beliebe. Sein erfolgreichstes Buch sei natürlich das mit der höchsten Auflagenziffer, aber er wolle nicht seinen Kopf riskieren, zu behaupten, daß es auch sein bestes sei. Ein anderer Autor teilt mit, daß dasjenige Buch, das ihn zwei Jahre Gefängnis und 2000 kros. Geldstrafe gekostet habe, am mei sten Absatz gefunden hätte; ein anderer hat, wie viele Väter, eine
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