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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.10.1919
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1919-10-13
- Erscheinungsdatum
- 13.10.1919
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Digitalisat
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- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19191013
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- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191910137
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1919
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X; 224, 13. Oktober 1919. RebaMonever Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. aber auch ernste Bücher, wie HoMschers Bruder Wurm, sielen dieser Zensur zum Opfer; ferner säst der ganze Vertag Born gräber, trotzdem diese Sachen, die für den einfachen Soldaten meist viel zu teuer waren, nur infolge der starken Nachfrage durch die Offiziere geführt wurden. Das Verhältnis zu den Offizieren war für den Feldbuch. Händler als gemeinen Mann oft recht schwierig. Rach Ein. treffen der Tageszeitungen bildeten sich meist regelrechte Polo näsen von Soldaten, Ordonnanzen, die oft stundenweit von der Front kamen, und wir Buchhändler hatten viel Arbeit damit, Ordnung zu halten, manchmal sogar mit Unterstützung von Feld gendarmen. Trotzdem wurde die Reihenfolge fast täglich durch Offiziere durchbrochen. Auch kam es einmal vor, daß ein Käme- rad, der in Ermangelung eines dienstlichen Befehls von unserer Zentrale in der Eile eigenhändig ein Auio zum Heranschaffen von Büchern angefordert hatte, von dem Haup>mann des betr. KraftwagenparkeS wegen Fälschung zur Bestrafung gemeldet wurde. Einmal versuchte ein junger Leutnant mich nachts um 3 Uhr zur Öffnung der Buchhandlung zu zwingen, weil er seine Zigarrenkiste hatte stehen lassen. Überhaupt wurden wir oft außer der festgesetzten Verkaufs zeit in Betrieb gesetzt, trotzdem unsere Nöchre wegen der stän- digcn Fliegerangriffe meist keine Ruhe boten. Sogar als wir in der Neujahrsnacht 1918 um 1 Uhr den Laden verließen, wur den wir gleich auf der Straße mit der Frage begrüßt: Kamerad, gibt's schon neue Zeitungen? In den Orten, wo noch fran zösische Zivilbevölkerung wohnte, war das Verhältnis zu den Ouanierleuten meist recht freundschaftlich, und ich hörte jetzt von einem Kameraden, der nach Aufhebung der Postsperre schon Nachricht von ihnen erhalten hat. Interessante Beobachtungen konnte man über die Franzosen als Kunden unserer Feldbuch handlungen machen. Da der Einkauf von Waren in deutschen Kantinen und Marketendereien verboten war, beschränkten sie sich zunächst auf den Zeitungskaus, und es gab viele, die außer der O-Mtte des ^rrleuiies auch die deutschen Zeitungen regel- mäßig lasen, trotzdem sie diese im wahrsten Sinne des Wortes --erstehen« mußten. Nach und nach verlangten sie auch gern Schreibwaren und Hefte und versuchten sich dabei mit gutem Erfolg im Deutschen. Recht selten kam es eigentlich vor, daß sie sich deutsche Landkarten, deren Verkauf verboten war, zu ver- schossen suchten. Auch Wörterbücher waren nicht übermäßig be gehrt, da ja die schöne Eiappenmischsprache zur Verständigung die besten Dienste leistete. Sehr viel wurden dagegen von ihnen die populärwissenschaftlichen Sammlungen wie Göschen und Na- tur und Geisteswclt verlangt. Auch Musikalien waren sehr be liebt, besonders die billigen Klassikcrausgaben. Ferner kauften sich die französischen Kolonnenarbeiter mit Vorliebe Mundhar monikas bei uns. Ernsthafte Interessenten für deutsche Literatur waren selten, und diese wenigen bevorzugten meistens die mo derne Literatur. Dagegen wurden englische Lehrbücher häufig verlangt, und mehrere Male wurde ich sogar gebeten, spanische Bücher zu besorgen. Tie französischen Pfarrer, die recht häufige Kunden waren, bezogen auch gern Fachwerke aus den deutschen katholischen Verlagen wie Herder und Kösel. Mit der Zeit wurde es nicht mehr leicht, den Kameraden den Unterschied zwischen Mein und Dein klarzumachen. ES wurde nur zu gern gratis eingekauft. Am besten habe ich dies einmal beobachtet, als der Laden wegen Fliegeralarms geschlossen wurde und die Anwesenden in den Keller gingen; als sie wieder heraus kamen, hielt ich nicht weniger als 8 mit unbezahlten Büchern an. Natürlich hatte jeder eine Ausrede, er sei noch beim Aussuchen gewesen u. a. Während eines anderen Fliegerangriffs wurde der Stilkcsche Verkaufzstand im Bahnhof völlig ausgeräumt. Ta man meinte, die Sachen gehörten mit zur Armeebuchhandlung, wurde ich geholt, aber trotzdem der Fliegerangriff nicht beendet war, war nichts mehr vorhanden. Bezeichnend für die gesunkene Moral war es auch, daß wir beim Rückzug niemals mit unseren dienstlichen Befehlen von der Zentralstelle den Abtransport erreichten. Einmal mutzte ich mir selbst iu letzter Minute helfen, indem ich ein französisches Ochsengespann requirierte, mit dem wir tagelang unterwegs ^ waren. Sonst aber mußten wir Bestechungsgelder für Eisen-! bahner oder Kraf.fahrcr anwenden, um weiierzukommen. Für den letzten Rückzug nach Deu.schland war eigens ein Reise marschall mit Schmiergeldern versehen, sonst wären die Be stände der Armeevuchhandlungen Wohl niemals nach Leipzig gelangt, wo sie aufgelöst werden sollten. Harburg. KarlH. Silomon. Kleine Mitteilungen. Heue Marken. — Infolge der Neuregelung der Postgebühren vom 1. Oktober an werden neue Wertzeichen ausgegeben werden. Vor läufig sollen sich die Postanstallcu mit den vorhandenen Marken be helfen. Dabei werden die Postkarten zu 7'>4 Pfg. durch Nachkleben von Freimarken zu 2^ und 7>L Pfg. aufgebraucht werden. Aus dem Verkehr werden die 2V- Pfg.-, 3 Pfg.-, 7^ Pfg.-, 25 Pfg.-, 35 Pfg.- Marken, die Postkarten zu 7^ Pfg., die Nohrpostbriefumschläge zu 35 Pfg. und die Nohrpostkarten zu 30 Pfg., die Postanweisungen zu 15 und 25 Pfg. usw. verschwinden. Post. — Die Heimkehr der deutschen Kriegsgefangenen aus dem englischen, amerikanischen und italienischen Machtbe reich, niit Ausnahme der in einigen überseeischen Ländern festgehalte- ueu Gefangenen, ist bereits in vollem Gange und soll in kürzester Frist durchgcführt werden. Es empfiehlt sich daher im allgemeinen, fortan keinerlei Brief-, Paket- oder Geldsendungen mehr an die in Frage kommenden Gefangenen abzusenden, um Verluste der Sendungen und die sich daraus ergebenden Weiterungen zu vermeiden. Postsendun gen an deutsche, in britischer Hand auf französischem und belgischem Boden befindliche Gefangene können überhaupt nicht mehr befördert werden. Unterwegs befindliche gehen an die Absender zurück. Für Gefangene in französischer, belgischer, russischer, polnischer und rumänischer Gewalt treffen diese Ausführungen nicht zu. Sen dungen an diese Gefangenen sind daher, soweit ein Postverkehr über haupt möglich ist, nach wie vor zulässig. Von jetzt an werden Postpakete ohne Wertangabe nach Finnland wieder zur Beförderung auf dem direkten Seewege über Stettin von den Postanstalten angenommen. Die Gebühr für ein Paket nach Finn land beträgt bei der Leitung über Stettin 2.80 Die Dampfer ver kehren in etwa 14tägigen Zwischenräumen. Postnachnahme. — In Nr. 214 des Börsenblattes wird mit Recht über die hohen Nachnahmcspesen geklagt, die neuerdings besonders auf Drucksachen-Sendungen ruhen, und die Schwierigkeit, eine Postscheck- zahlkarte, die das Porto der Geldsendung von 40 Pfg. auf 5 Pfg. ver billigt, der Sendung anzufügen. Die Firma E. Appelhans L Comp., Verlag und Druckerei in Braunfchweig, hat diesem ttbelstand dadurch abgeholfen, daß sie auf die Rückseite der Drucksachen-Sendung ein kleines einfaches Täschchen klebt, das eine zweimal zusammengebrochene Postscheck-Zahlkarte enthält. Das Täschchen hat in auffallender Weise einen entsprechenden Aufdruck. Aus Elsaß-Lothringen. — Eine elsaß-lothringische Firma richtete dieser Tage das nachstehende Schreiben an ihren Leipziger Kommis sionär, von dem es uns in dankenswerter Weise zum Abdruck im Börsenblatt zur Verfügung gestellt wird: »Ich bin damit beschäftigt, meine deutschen Außenstände einzutrei ben und gebe den Betreffenden Weisung, die Beträge Ihnen auf Post scheckkonto einzuzahlen, ich hoffe so allmählich die Ostermesse 1919 ab zustoßen. Es wäre sehr zu empfehlen, den Verlegern nahezulegen, Quittungen nur Ihnen zu schicken und diese vorläufig zurückzubehal ten. Alle Abschlußpapiere sollten unterbleiben, um hier keine Schwie rigkeiten zu bereiten. Kleine Unstimmigkeiten haben die Verleger eben zu tragen, sonst riskieren sie ihre ganzen Forderungen, wie aus den betreffenden Bekanntmachungen des Generalkommissariats zu ent nehmen ist. Auf jeden Fall ist cs unvernünftig, wenn deutsche Ver leger fortwährend Saldi usw. reklamieren. Sie schaden sich damit nur selbst und machen uns hier die größten Schwierigkeiten.« 8k. Klage auf Unterlassung eines geräuschvollen Buchdruckcrei- bctriebcs. Entscheidung des Reichsgerichts vom 4. Oktober 1919. (Nach druck verboten.) — Die Vcrlagsbuchhäudler Fritz und Anton Hü. be treiben in dem Hause Gallitzinstraße Nr. 13 iu Münster seit 1915 eine Druckerei. In dem Hause Nr. 11 wohnt eine Witwe Ho. Sie sowohl wie ihre Mieter hatten von Anfang an unter dem Betrieb der Drucke rei zu leiden, indem Geräusche und Erschütterungen von dort Tag und Nacht herüberdrangen. Insbesondere machten sich die Notations maschine und eine Kreissäge, die kreischende Geräusche von sich gab, 903
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