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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.02.1927
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- 1927-02-17
- Erscheinungsdatum
- 17.02.1927
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- Deutsch
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X- 40, 17. Februar 1927. Redaktioneller Teil. Börsenblatt s. d. Dtschn. Buchhandel. läßt sich aber auch gern beraten. Die Angaben über die gängig sten Werke — ein eigentlicher Schlager fehlte — stimmen aus allen Gegenden ziemlich überein. Interessant ist, daß in einem Falle 10 Prozent des gesamten Weihnachtsgeschäfts auf ein einziges Buch entfielen. Aus Österreich liegen uns Berichte vor aus Inns bruck, Linz, Salzburg und Wien. Sie ergeben im großen ganzen dasselbe Bild wie die reichsdeutschen. Der Durchschnittseinkauf in Wien wird einmal mit 4.50 Schilling angegeben. Hauptkäufer sind hier Beamte aller Art, und bei ihnen macht sich die Unzuläng lichkeit ihrer Gehaltsbezüge bemerkbar. Ein Bericht hebt aner kennend hervor, daß gerade die Frauen die besten Käufer für ernstere Literatur sind und daß überhaupt für reine »Tages«- Literatur wenig Interesse bestehe. Aus der Tschechoslowakei liegt nur ein Bericht aus Brünn vor. Hier war das Geschäft nur mäßig. Infolge der Valutaverhältnisse erscheinen Bücher ver hältnismäßig teuer. Vielleicht liegt es daran, daß gerade hier hervorgehoben wird, daß die Käufer auf gute Ausstattung und gediegenen Inhalt besonderen Wert legen. Erfreulicherweise be steht auch ein intensives Interesse am Buch; denn einzelne Käufer erwerben bis zu zehn und mehr Bände auf einmal. Wie sich die Lage im Buchhandel weiter gestalten wird, ist schwer zu sagen. Zum Teil sieht man der weiteren Entwicklung mit einiger Sorge entgegen. Die Neuproduktion im Januar be trug nach den Börsenblattankündigungen 1154 Titel. Das sind mehr als 1926 (1096), 1924 (800), 1923 (989), 1922 (1056) und 1914 (982) und nur ein Geringes weniger als 1913 (1192). Auch gegen den Dezember 1926 (948) bedeutet diese Zahl einen neuen Anstieg. Man wird abwarten müssen, welche Ergebnisse die nächsten Monate bringen werden. Die deutsche Buchausfuhr im Jahre 1926 wird durch folgende Zusammenstellung beleuchtet. Es gingen nach Mengen in 62 — 100 Icx 1913 1925 192« Danzig Saargebiet .... Elsaß-Lothringen . Poln. - Oberschlesien Westpolen .... Rußland Estland Lettland ..... Litauen ..... Östpolen Osterr.-Ungarn . . Österreich .... Tschechoslowakei . Ungarn Jugoslawien . . . Rumänien .... Dänemark .... Finnland .... Niederlande - . - Schweiz Spanien Großbritannien . . Frankreich .... Belgien Italien ..... Japan China Palästina .... Ver. St. v. Amerika Argentinien . . . Brasilien 11315 71774 37 579 1726 843 2 273 818 6 294 19 681 500 3 863 6 891 2 830 2 020 1412 279 9 234 1 414 978 1425 1041 173 587 1297 1606 240 844 315 2 589 12 819 8 816 839 453 520 885 411 865 478 4 709 10 491 187 2 871 825 293 1350 2 309 205 422 5 085 477 520 1 284 838 190 488 595 1 189 254 1095 298 1320 13100 9 058 999 875 784 990 456 1 151 780 3 236 9 732 319 2 669 850 341 1 158 2 306 175 205 5 036 714 437 Die Gesamtausfuhr betrug 1926 nur 65 108 än gegen 68 579 im Jahre 1925, hat also um rund 5«/» abgenommen. Der Rückgang scheint in der Hauptsache auf die Bezüge Polens zu entfallen. Lei der weisen auch Danzig und das Saargebiet eine Minderung auf. An andern Stellen ist erfreulicherweise eine Zunahme festzustellen. Zu beachten bleibt aber natürlich, daß der Kreuzbandverkehr in dieser Statistik nicht erfaßt ist. Die Einfuhr von Büchern nach Deutschland betrug 1926 insgesamt 33186 är gegen 28 709 im Jahre 1925. Pestalozzi, Volksbildung und Buchhandel. Zum hundertjährigen Todestag Pestalozzis am 17. Februar. Zahllose Feiern tönen Lob, hohe Behörden lassen Weih rauch steigen. Was ist an diesem »Heiri Wunderli von Thorlikon«, dem immer Gescheiterten? Was ist an diesem in Liebe und Leiden schaft Maßlosen, an dieser Ausgeburt des »Sturmes und Drangs«? Auch Freunde schütteln den Kopf: »Wozu ist er nütze, was führt er durch?» Und er endet als Schulmeister. Warum wurde er Schulmeister? Was trieb ihn auf müh selige, kümmerliche Wege, warum diente er noch mit grauem Haar von unten auf? Kommt heute Wohl ein Schulmeister zur Politik, so ging Pesta lozzi von der Politik aus und endete beim Armenschul-Lehrcr. »Ihn jammerte des Volks.« Pestalozzi hat die Ärmsten, die Geringsten, das verwilderte Bettelvolk kennen gelernt von Grund aus. Eine erbarmende, unbändige Liebe faßt ihn, und sein ganzes Leben weiht er dem Suchen nach dem Mittel zur Rettung der Armen. Blühende In stitute leitet er. Ruhm fliegt ihm zu. Aber er lehrt Bürger kinder und erprobt die Wege der Menschenbildung; sein letztes Hoffen bleibt eine Armenanstalt, wo er die erprobten Wege gehen könne, um die Menschen zu lehren, »sich selber zu Helsen, da ihnen auf Gottes Erdboden niemand Hilst und niemand helfen kann«. Als sein Denken nachmals die ganze Not des aufgewühlten Europa umfaßt, als er nicht müde wird zu sagen, wie sehr für alle Hilfe nottut, bleibt seine letzte Leidenschaft, die zur Menschenwürde emporzuheben, die mit Almosen abgespeist worden und an Almosen gewöhnt sind. Er erntet Undank für Güte, Haß für Liebe, Bosheit für Vertrauen, Verdächtigung für Hilfe. Der Glaube an sein Werk ist unerschütterlich. »Es wallte in meinem Busen die Wut über den Menschen, der es noch aussprcchen könnte, die Ver- edlungdesBolksist nur ein Traum», zürnt er dem Zweifler, und noch als Zweiundsiebzigjähriger stiftet er mit den Mitteln aus der Cottaschen Gesamtausgabe seiner Werke eine Armen anstalt. Einen unruhigen Lauf nahmen die äußeren Geschicke, aber das Ziel seines Herzens blieb unverrückt, dieser »Zweck, ohne den er nicht leben will«. Und aus dem durch alles äußere Geschick unbeirrten Innern wuchs die wunderbare, unermüdliche Kraft zu einem geistigen Werk, vor dem wir heute staunen. Pesta lozzi hat eine Fackel angezündet, die nie wieder verlöschen kann. Sie leuchtet auf den Weg, die Werdenden und die Geringen heraufzuführen auf den Weg zu Menschlichkeit und Freiheit. Das Erbarmen am Elend des Volkes machte Pestalozzi zum Schulmeister, wie es ihm auch die schildernde und streitende Feder führte, ihn in die politischen Reihen stellte und einem Bonaparte Lehr- und Bildungssorgen vortragen ließ. Alles Suchen nach dem Einzelwerkzeug der Lehr- und Bildungsarbeit, alles Grübeln: um eine unfehlbare »Methode« mußte zeitlich und persönlich be dingte Ergebnisse fördern, umstritten schon zu seinen Lebzeiten, bekämpft und nicdergckämpft heute am meisten von denen, die Pestalozzis Namen am lautesten im Munde führen; wie aber der Schweizer Pestalozzi mit dem am schlimmsten Elend daheim sehend gewordenen Auge die hilflose Not von ganz Europa schaut, wie er in wahren »Menschenschulen« krastbildend erzieht und Erkennt nis schafft, gegründet auf deutliche, planmäßig geförderte An schauung, ist allem künftigen Bildungswerk ein Urbild. Hebung des in den Jammer gestoßenen Volks durch Erziehung, das ist das Wort, mit dem auch Fichte Pestalozzi die Hand reicht, durch erziehenden Unterricht zur Charakterstärke der Sittlichkeit ist das Wort, mit dem Herbart sich zu ihm findet. Und heute kommen wir zu ihm nicht, wenn wir an Einzeldingen herumstochern und Einzelworte hin und her deuten, nicht wenn wir seinen Charak ter ergründen und preisen, nicht wenn jeder einen Sprössling- seines Hirns irgendwo bei dem Mann anznknüpfen froh ist, dessen Name vom Dienst in ehrlicher Nachfolge bis zum abgeschmackten Mißbrauch die Welt durchschwirrt, sondern wenn wir seine ganze, grundtiefe Liebe zum andern Menschen in unsre vielbeklagtcn Tage tragen und ihm in aller Bescheidenheit auch folgen, wenn er eine »elende Komödianten-Bildungs-Manier« geißelt und pol tert: »Da wo die Grundkräfte des menschlichen Geistes sch la» ISS
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