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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.02.1927
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- 1927-02-17
- Erscheinungsdatum
- 17.02.1927
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Redaktioneller Teil. Zur Wirtschaftslage. Von Prof. vr. G. Menz. Der erste Monat des neuen Jahres zeigte, wie die im Preußi schen Ministerium für Handel und Gewerbe zusammcngcstclltcn Berichte der Handels- und Gewerbekammcrn erkennen lassen, ein weiteres Steigen der Aktienkurse. Die an der Berliner Börse ge handelten Aktien erreichten einen Durchschnittskurs von fast 180°/». Die Produktion in der Steinkohlen- und eisenschaffenden Industrie ließ etwas nach. Die englische Konkurrenz machte sich hier wieder fühlbar. Der Stand der chemischen und der elektro technischen Industrie, der Automobil- und der Textilindustrie war verhältnismäßig günstig. Auch der Schiffbau konnte sich erholen, während die Lage der Maschinenindustrie und des Handwerks immer noch zu wünschen übrig ließ. Der Außenhandel wies im Dezember einen Einfuhrüberschuß von 227 Millionen Mark im reinen Warenverkehr aus; im ganzen Jahre 1926 war unsere Handelsbilanz mit 711 Millionen Mark (im reinen Warenverkehr 132 Millionen Mark) zahlenmäßig passiv, bei Einrechnung der Reparationslieferungen aktiv. Die Lage aus dem Arbeitsmarkt ist dadurch gekennzeichnet, daß die Arbeitslosenzahlen seit dem Herbst wieder stark zunehmen. Dabei muß allerdings berücksichtigt wer den, daß eine solche Zunahme im Winter regelmäßig eintritt. Gleichwohl bedeutet die beinahe bereits wieder erreichte Zahl von 2 Millionen Hauptunterstützungsempfängern nach wie vor eine schwere Gefahr für Wirtschaft und Volksgesundhcit. Die Löhne weisen im ganzen seit Jahresfrist nur ganz unwesentliche Verände rungen auf. Die Umsätze in den Konsum-Vereinen haben seit bem Frühjahr eine ziemlich gleichmäßig ansteigende Richtung. Dieses Ansteigen dürfte gegen die Weihnachtszeit hin eine weitere Steige rung erfahren haben. Die Sparkasseneinlagen steigen seit vielen Monaten fast ganz gleichmäßig an. Dabei ist aber die Verteilung der Sparkonten beachtenswert. Eine Ausstellung der Berliner Sparkasse, die von anderen bestätigt wird, ergibt, daß von den Konten etwa entfallen auf gelernte und ungelernte Arbeiter, Haus angestellte usw. 24"/», auf Angestellte und Beamte 3M, auf selb ständige Gewerbetreibende und freie Berufe 20"/» und auf Vereine, Behörden usw. ebenfalls 20?L. Die Hauptsparer sind also Ange stellte und Beamte. Der Gewerbetreibende dagegen kommt augen scheinlich noch nicht wieder so sehr dazu, Rücklagen zu machen. Auch das spricht für die immer noch gespannte Lage der Wirtschaft. Die Zahl der Konkurse ist im Januar wieder etwas gestiegen. Dieser Anstieg zeigt sich jedoch regelmäßig um die Jahreswende und ist durch die gesteigerten Ansprüche an die einzelnen Unternehmungen beim Jahresabschluß bedingt. Die Zahl der Geschäftsaufsichtcn geht dauernd weiter zurück. Im ganzen ist nach dem Monatsbericht der Dresdner Bank für die Geschäftslage kennzeichnend, daß gerade in den Schlüsselindustrien trotz der nun schon eine Anzahl von Wochen zurückliegenden Wiederaufnahme der Kohlenförde rung in Großbritannien der günstige Geschäftsgang anhält, wobei die Aufnahmefähigkeit des Inlandes einen Ausgleich bietet für die sich auf dem Weltmarkt hier und da zeigende Zurückhaltung bezüg lich neuer Abschlüsse. Das Ruhrkohlensyndikat kann seinen Liefe- amngsverpflichtungen nach wie vor nur unter Schwierigkeiten Nach kommen, und in der Stahlherstellung ist eine Anzahl der bedeu tendsten Werke in vollem Betrieb. Dementsprechend befindet sich die Produktion der Schlüsselindustrien in aufsteigender Entwick lung und hat durchweg den Friedensstand beträchtlich überschritten, soweit der jetzige Gebietsumfang des Reiches in Betracht kommt. In der Eisen verbrauchenden, Produktionsgüter herstellenden In dustrie sind gleichfalls gewisse Fortschritte zu verzeichnen. In der Maschinenindustrie hat die Belebung angehalten. Auch auf den Schiffswerften ist eine bemerkenswerte Besserung im Auftragsein gang eingetreten. In der Lokomotivindustrie, wo die Beschäftigung im ganzen nach wie vor noch unzureichend ist, konnten einige Aus- landbestellungcn hereingenominen werden, und auch die Reichs bahn hat wieder einen größeren Auftrag vergeben. In der In dustrie der Konsumgüter erscheint die Lage der Textilwirtschaft be sonders aufschlußreich, da der Verbrauch an Textilien im Gegensatz zum Nahrungs- und Wohnungsbedarf am ehesten eingeschränkt werden kann und bei einer Besserung der wirtschaftlichen Lage eine entsprechende Ausdehnung zu erfahren Pflegt. Der gesteigerte Ab satz an Textilwaren, der zum Teil zweifellos aus die Preisverbilli gung zurückzuführen ist, bestätigt, daß die Kaufkraft der Bevölke rung trotz der großen Arbeitslosigkeit im Wachsen begriffen ist. Der Kaliabsatz ist trotz der im Dezember beschlossenen Preiserhöhung im Januar stark gestiegen. Die Zunahme entfällt zum über wiegenden Teil auf den Jnlandabsatz und ist im Interesse der so dringend erwünschten Steigerung der landwirtschaftlichen Er zeugung sehr zu begrüßen, ist aber wohl auch ein Zeichen dafür, daß die Landwirtschaft noch immer über einige Kaufkraft ver fügt. Neben diesen günstigen Tatsachen fällt es weniger ins Ge wicht, wenn in einzelnen Wirtschaftszweigen schon im Dezember ein gewisser Rückgang zu beobachten war. Es handelt sich dabei zumeist um Saisonerscheinungen in Industrien, die im November für den Weihnachtsbedarf besonders stark beschäftigt gewesen waren. Im Einzelhandel war dem preußischen Handelskammer bericht zufolge das Weihnachtsgeschäft im allgemeinen über die Erwartungen hinausgegangen. Die Lage ist aber nicht einheitlich. Im Januar berichtet ein Teil der Geschäfte weiterhin über größere Umsätze, die im allgemeinen über den Ziffern des Vor jahres liegen. Ein anderer Teil der Geschäfte berichtet, daß nicht einmal die Inventurausverkäufe einen befriedigenden Er folg gebracht hätten. Die große Arbeitslosigkeit dürfte hierfür die Ursache sein. Unter dem Druck einer sehr starken Reklame, die leider in vielen Fällen zu einer unlauteren wurde, und unter dem Druck sehr stark herabgesetzter Preise gelang es immerhin, in einzelnen Branchen den Ausverkauf -lebhafter zu gestalten. Schwer ist es, in diesem Gegen- und Durcheinander von positiven und negativen Kennzeichen irgendwie zu einer Vorstellung von dem voraussichtlichen zukünftigen Verlauf der Wirtschaftsxntwick- lung zu gelangen. In dieser Hinsicht sind deshalb vielleicht Äußerungen, die kürzlich im »Llgeweenen llanäslsdl-ick» zu finden waren, besonderer Beachtung wert. Anknüpfend an die Reise des Gouverneurs der Bank von England, Montague Norman, nach NewDork, wurde dort daraus hingewicsen, daß die Durchführ barkeit der deutschen Reparationszahlungen und der Kriegsschul dentilgung bei den Alliierten den wichtigsten Verhandlungsstosf 193
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