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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 26.09.1919
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1919-09-26
- Erscheinungsdatum
- 26.09.1919
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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»Sr!m«l->t s. d. Ttschn Buch»md-I. Redaktioneller Teil. X- 210. 26. September 1919. künsten heimkehrt. Mit gutem Beispiel geht hier der Vorstand des Börsenvereins voran, der auf der Würzburger Tagung, bis auf den durch die Nachwehen des Leipziger Streiks am Er-, scheinen verhinderten Herrn Hans Volckmar, sich vollzählig ein gefunden hatte. Auch er ist auf diesen Versammlungen nur Gast oder Mitglied wie jeder andere Besucher, bereit, Anregun gen zu geben und entgegenzunehmen, und von keinem anderen Wunsche dabei geleitet, als durch diese Versammlungen oder in zwanglos persönlichem Verkehr mit den einzelnen Vertretern der Kreis- und Ortsvereine ein Bild der gegenwärtigen Lage im Buchhandel zu gewinnen und zu sehen, wo und wie am besten geholfen werden kann. Das hindert nicht, dah auch hinter diesen Versammlungen seinerseits ein gutes Stück Arbeit steht, die sorgfältig vorbereitet werden muß, wenn das Ergebnis die init so mancherlei Wünschen und Forderungen auch an den Vor stand des Börsenvereins herantretenden Teilnehmer befriedigen soll. Die Hauptarbeit wie die Verantwortung für das mehr oder minder glückliche Gelingen fällt jedoch hier nicht ihm, son dern dem Vorstand des Verbands der Kreis- und Ortsvercine zu, der nicht nur die sachlichen Voraussetzungen für ein mög lichst fruchtbringendes Ergebnis dieser Verhandlungen durch Wahl der Tagesordnung, Bestellung von Berichterstattern usw. zu schassen hat, sondern auch für den äußeren Rahmen Sorge tragen mutz. Der Verband der Kreis- und Ortsvereine, dessen Vorsitz Ostermesse 19l9 an den Sächsisch-Thüringischen Buchhändler- Verband übergegangen ist, sodaß jetzt die Herren Walther Jäh, Max Kretschmann und Hermann Niemeyer an seiner Spitze stehen, hatte es in diesem Jahre, dem ersten seiner Amtstätig keit, nicht leicht, diesen Anforderungen zu entsprechen. Hatte sich doch Prager, fast zehn Jahre die Geschicke des Verbandes leitend, der Herbstversammlungen des Verbandes stets mit besonderem Interesse angenommen und sein ganzes reiches Können und Wissen in ihren Dienst gestellt, sodaß seine Amtssllhrung gewisser maßen als Maßstab der Leistungen seiner Nachfolger ange sehen werden mutz. Ohne den Lebenden gegen den Toten auszuspielen, kann man nur sagen, daß Herr Jäh die auf ihn bei der Wahl gesetzten Hoffnungen nach jeder Richtung hin glänzend gerechtfertigt und sich vor allem, getreu der Tradition des Verbandes, bemüht hat, ganz objektiv Licht und Schalten zu verteilen, niemand zu Freud, niemand zu Leid. Das zeigte sich schon darin, daß allen wichtigen Referaten ein Korreferat gegenübergestellt und so Gelegenheit gegeben war, die Frage von vornherein, nicht erst durch die Aussprache, in verschiedener Beleuchtung kennen zu lernen. Auch die Tagesordnung selbst wies keinen einzigen Punkt auf, der nicht das lebhafteste Inter esse der Versammlung gefunden hätte. Als aus Zeitmangel das Thema: Sollen Anslandlieferungen mit erhöhtem Teue rungszuschlag (erhöhtem Ladenpreis) erfolgen? (Referent Herr Hofrat vr. Arthur Meiner) von der offiziellen Tagung abgesetzt werden mußte, fanden sich auf Anregung des Vorsitzenden noch spät abends im Ratskeller zahlreiche Berussgcnossen zusammen, um die Frage dort in stundenlanger Diskussion vom privat- wie vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus zu klären, nicht anders, als handele es sich um eine offizielle Sitzung. Die einzelnen Punkte der Tagesordnung seien hier in der Reihenfolge ihrer Behandlung wiedergegeben, wobei wir be merken, daß über die Erhöhung des Sortimenter-Teuerungszu- schlags den ganzen Sonnabend-Nachmittag bis spät abends ver handelt wurde, während der übrige Teil auf den Sonntag entfiel. 1. Die Erhöhung des Sortimenter-Teue- rungszuschlags. Referenten: Herr Paul Nitsch- mann, Herr Gottfried Spcmann. 2. Vereinfachungen und Verbilligungen im buchhöndlerischen Geschäftsverkehr. Ge- nossenschaftltche Bestrebungen im Sorti ment. Referent: Herr Wilh. Hermann. 3-Vcrlcgerkammer und So rtim enterkam- m e r. Die Anträge vr. Springer u. Gen. betr. Änderung ^"^""geu des Börsenvereins. Referenten: Herr . O^ar Siebeck, Herr Bernhard Hartmann. 8, mit den Angestellten. S42 ^ fassende Darstellung der bereits abgeschlossenen Verträge, Winke und Ratschläge für künftige Verträge auf Grund der bisherigen Erfahrungen. Referent: Herr Or. Ackermann. 5. Anfragen und Anregungen aus der Mitte der Versammlung. 6. Sollen Auslandlieferungen mit erhöh tem Teuerungszuschlag (erhöhtem Laden preis) erfolgen? Referent: Herr Hosrat vr. A. Meiner. Ihren eigenen Reiz erhalten die Verhandlungen des Ver bands der Kreis- und Ortsvercine durch den Hintergrund, auf dem sie sich abspielen. Name» wie Weimar, Eisenach, Bayreuth, Goslar haben nicht nur in der deutschen Geschichte und Kultur geschichte einen guten Klang, sondern sind auch wichtige Statio nen in der Geschichte der letzten Jahrzehnte des Verbandes. Während in den jüngst vergangenen Jahren das liebliche Harz- städtchcn Goslar, dem die sächsischen Kaiser einst ihre Vorliebe zuwandten, den Verband in seinen Mauern begrüßen konnte, hatte diesmal der Vorstand, einem schon mehrfach geäußerten Wunsche Rechnung tragend, den Beweis zu liefern gesucht, daß es sich auch unter dem Krummstab gut leben läßt. Deshalb war die alte Bischofs- und Kirchenstadt Wllrzburg gewählt wor den, die, nicht minder reich an geschichtlichen Erinnerungen wie Goslar, die Stürme des Bauernkrieges wie das Elend des 30jährigen Krieges über sich hat dahingchen sehen, ohne daß der Strom lebendigen Lebens und heiterer Daseinsfreude, wie sie der hellgoldcne Frankenwein vorübergehend auch in uns weckt, je versiegt wäre. Weit ins Land hinein erstrecken sich lachende Fluren, hinter denen in verschwimmender Ferne segenschwere Weinberge grüßen, die in ewiger Fruchtbarkeit ständig neue Schätze gebären und darschenken, unbekümmert darum, wem ihre Gaben zuflietzen. Vom Gasthof zum Schwan, wo u. a. der Vorstand des Börsenvereins und des Verbandes der Kreis- und Ortsvereine Quartier genommen hatten und auch die Sitzungen stattsanden, schweift der Blick hinauf zu der alten grauen Festung mit ihren steil abfallenden Weinbergen, aus dessen Trauben der berühmte Steinwein gekeltert und in Bocksbeutel abgezogen wird, um sich den zwölf alten steinernen Heiligen zuzuwenden, die auf der dort über den Main führenden Brücke ernst und feierlich Wache halten, während das bunte Leben an ihnen vorübertreibt und nur hin und wieder die 30 Kirchenglocken Würzburgs, allen voran die des alten Doms, ihnen Grüße aus ihrer Welt zu senden. Lautlos gleitet ein Floß den Strom abwärts, der die Stadt in zwei Teile trennt, und in der silbergrauen Ferne ziehen verschwimmende Töne durch die rein« Luft. Wer irgendwie am Morgen oder in den Abendstunden Zeit zu einem Spaziergänge durch die altersgraue Stadt mit ihren krummen Gassen und en gen Höfen fand, sah noch in manchem malerischen Winkel und kunstvollen Bau die Erinnerung an die alte Pracht und Herrlichkeit festgehalten, spürte den Hauch von Frankreich her, der über diese Stadt hingezogen und die ehemals starren gotischen Formen durch heiteres Barock verdrängt hat. Die Würzburger Kollegen haben — angeblich wegen des Schulbücher geschäfts — sich nicht sonderlich um ihre Gäste bemüht, sondern sie ihre eigenen Wege gehen lassen. Doch haben viele auch ohne Anleitung den Weg zum Residenzschlotz mit seinen prunkvollen Spiegelsälen gefunden, sind das »KSPPcle« hinaufgestiegen, an der Leidensgeschichte Christi vorbei, dem Sinnbild und Ausklang des frommen Würzburg, oder haben sich als echte Schoppenstechcr abends in einer der Weinwirtschaften in einem sicheren Winkel seßhaft gemacht, um mit heiterer Andacht sich all den freund lichen Erinnerungen hinzngeben, die ein guter Tropfen beschert. In schimmernder Mondnacht sind sie dann durch die hallenden Gassen mit ihren alten Häusern und blindgewordenen Schiebe fenstern heimgewandert, vorbei an den Röhrenbrunnen und den alten Standbildern, an denen Würzburg so reich ist. Galt es doch, die Tage zu nutzen, die man in den Hellen Nächten kaum herausdämmern sah, und die wiederum eine Fülle neuer Ein drücke mit sich brachten, ehe man sich noch mit den alten recht abgefunden hatte. Aber haben wir nicht schon zu viel von dem Rahmen ge sprochen, als daß wir uns nun nicht dem Bilde zuwenden müß ten, zumal Beschreibungen dieser Art ein recht magerer Notbehelf
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