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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.03.1919
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1919-03-27
- Erscheinungsdatum
- 27.03.1919
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Digitalisat
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- Jahr1919
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Redaktioneller Teil. Börsenblau f. d. Dtschn. Buchhandel. X- 59. 27. März 1919. »3teal1e;ikon der indogermanischen Altertumskunde« (1901) und »Die Indogcrmanen« in der Sammlung »Wissenschaft und Bildung* (2. Ausl. 1916). Erwähnung verdient auch die von ihm besorgte Herausgabe der 8. Auflage non Victor Hehns »Kulturpflanzen und Haustiere«. Heinrich Lefler f. — Am 14. März ist in Wien der Maler Hein rich Lefler im 55. Lebensjahre gestorben. In einer leichten Aquarell manier, altertümlich stilisiert, hat er Legenden und Erzählungen illu striert, bevor er sich fast ausschließlich der dekorativen Kunst zuwandte. Seine Bilder zu Andersens »Die Prinzessin und der Schweinehirt», einigen Märchen von Musäus sind allerdings mehr literarisch als malerisch, betonen die Erzählung mehr als die malerische Impression. Sprechsaal. (Ohne Verantwortung der Redaktion,- jedoch unterliegen alle Einsendungen den Bestimmungen über die Verwaltung des Börsenblatts.» An die deutsche» Duchbiindlerk <Vgl. Bbl. 1818, Nr. L8S u. 1918, Nr. 1».) Das Buch verlängert das Leben der Vergangenheit in die Gegenwart hinein, es läßt abgeschiedene Jahrhunderte aufer stehen, erweckt die Stimme unserer Vorfahren, läßt uns in ihrer Gesellschaft leben und uns mit ihnen unterhalten. Zu gleich verzeichnet das Buch unseren Gewinn an Fortschritten, gibt fruchtbaren neuen Gedanken Raum, befeuert schöpferische Phantasie; es ist der Bote der Wissenschaft und der Herold der schönen Literatur, sichert uns gastliche Aufnahme bei Frem den und össnct ihnen die Tür unseres Hauses. <Der Präsident der französischen Republik bei einer Bcr- Welch besseres Förderungsmittel unseres Einflusses kann es geben als das Buch! Wenn wir dieses Propagandamittel von wunderbarer Werbekraft und Ausbrcitungsinöglichkeit rich tig zu benähen wüßten, so könnten wir die Welt beherr schen. Nichts weiter würde dazu nötig sein, als eine gesunde Bücherpoiitik. sEin amerikanischer Architekt.! Börsenblatt vom 4. Februar 1919, R. 13, S. 1, 2. In meinen Mahnrufen »An die deutschen Buchhändler» <Bbl. 1918, Nr. 28S u. 19l9, Nr. 1v> habe ich dem Gedanke» Ausdruck ver liehen, Laß an dem Niedergang und dem Zusammenbruch des deut schen Volkes zum große» Teil mit Schuld trägt das Znriickgchen des moralischen Gefühls und die Verleugnung alles deutschen Wesens und Charakters, wosllr das deutsche Schrifttum in seiner Oberflächlichkeit, ja teilweise» Hohlheit und Geschmacklosigkeit, seinem Mangel aller sittlichen Kraft und in seiner Nachäffung alles Fremden mit verant wortlich zu machen ist. Für diesen Zustand gibt es keine andere Be zeichnung als die, für die ein deutscher Buchhändler vor 199 Jahren sein Leben opfern mußte, und die heute in so erschreckender Weise wieder vor »ns aufsteigt, das Wort: Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung. Seine Aufgabe, der treibende» Kraft, die zur Erschlaffung, Entsittlichung und zur unheilvollsten Erkrankung des deutschen Vol kes führte und schließlich seinen Zusammenbruch im Gefolge hatte, sich energisch entgegenzustellen, ihr vorznbeugen, das dürfen wir uns nicht verhehlen, hat der deutsche Buchhändler in gebührender Weise nicht erfüllt. Es ist daher jetzt seine oberste und heiligste Pflicht, sich auf sich selbst z» besinnen und seine Knlturausgaben vaterländisch und würdig aufzufassen. Ich warnte in meinen Ausführungen vor allem Undeutschcn in Literatur und Kunst, warnte davor, daß die Verleger sie ans den Markt bringen, die Sortimenter sie verbreiten. Nun wurde in einer Zuschrift an mich die Krage aufgeworfen, die ich mir selbst schon vorgelegt hatte: Ist es möglich, im angcdcuteten Sinne Abhiisc zu schaffen, ist es möglich, diese schweren Sünden an unser», Volke zu vermindern, zu verhindern? Ich kann diese Frage kurz mit »Ja» beantworten. Der deutsche Verleger, der es mit seinem Volke gut meint, und infolgedessen gewiß auch mit sich selbst, weiß ganz genau, ob das von ihm herauszugebende Werk oder die betr. Zeitschrift den Forderungen des guten Geschmackes, sittlichen Gehaltes und künstlerischen Wertes entspricht: Er soll und darf also nicht gewissenlos in dieser Hin sicht sein. Ist er cs trotzdem, bann soll ihn auch die Strafe treffe», die sich an ihm durch die Folgerung aus der zweiten Forderung cr- siilit, daß der Sortimenter seine Verlagswerke nicht empfiehlt, sie nicht verkauft, sondern sie bekämpft, auch wenn sie noch so gut rabatticrt sind. Das mutz man vom deutschen Sortimenter, der es mit seinem Vaterland genau so gut meint wie der Verleger, voraussetzen. Was ist nun ein »gutes deutsches Buch» oder sonstiges Verlags werk im Sinne des von mir vertretenen Standpunktes? Bei Zeit- Ichrftlen und Kunstwerken läßt sich das leicht seststelien. Man braucht nur einen Blick aus die künstlerischen Zutaten sJIlustrationen, Bild beilagen) zu werfen, und bann kann sich jeder feinfühlige und gewissen hafte Buchhändler sagen, ob das Werk, ob die Zeitschrift wert ist, durch ihn verbreitet zu werden, oder ob sie dem Verleger nur Verkaufs oder Gewinnobjekt bedeutet, ob er seinen Abnehmern Gift und Schund vorsetzt. Meine folgenden Zeilen schreibe ich nun mit der Begrün dung und Voraussetzung, daß ich keinem Verleger persönlich zu nahe treten will. Mir ist es heiliger Ernst mit meinen Grundsätzen; deshalb ist mir daran gelegen, die Axt an die Wurzel zu legen, lind da will ich in erster Reihe einmal aus die humoristischen Blätter und Zeitschriften Hinweise». Viele dieser Blätter, deren Zeichnungen man doch gewiß jeden künstlerischen Wert absprechen muß, die In ihrer Buntheit, ihren Motive», ihren zum großen Teil oberflächlichen Witzen ans gewisse Instinkte der Mensche» Hinzielen, die jedes Schön- heitsgesllhl der Menschen verletzen, sind in keiner Weise dazu angetan, deutschen Humor zu pflegen, die Seele in ihrem Tagesdrängen einen Ruhcpnnlt finden, sie für kurze Zeit die Schwere dieser Zeit verges sen zu lassen. Im Gegenteil, sic erwecken durch das häufige Bringen von Bildern und Szenen aus der Lebewelt den Neid der »besitzlosen Klassen-, erwecken Unzufriedenheit bei den VolkSklasscn, die nur zu leicht dazu geneigt sind, zu rufen: »Ta seht Jhr's, wic's die Schlemmer treiben, und wir müssen hungern». Wie diese meist von Berlin aus gehenden Blätter das giftigste Unkraut sind, so waren es nicht minder die Wiener Witzblätter, die mit wenigen Ausnahmen aus de» gleichen Sinneskitzel ausgehen. Ein zweites »Ärgernis» für mich sind gewisse Mobeblätter, die durch ihre gehaltlosen Plaudereien Blicke in das Leben und Treiben einer Welt tun lassen, die weiß Gott als alles andere, nur nicht als deutsch zu bezeichnen ist, auch wenn diese Welt meist nur die Halbwelt der Reichs- Hauptstadt ist. Inwieweit diese Stadt und ihr Treiben ver dienen, den Mittelpunkt deutschen geistigen Lebens zu bil den, haben ja die letzten Monate bewiesen. Dann die Zeichnungen und Bilder in diesen Mode-Blättern I Was für unmögliche Gestalten, ver krümmt, verzeichnet — die Gesichter, Augen, Nasen, Arme und Beine so geschmacklos, kokett und unkllnstlerisch, wie man es sich schwer vor stellen kann; die reproduzierten Photographien, meist undeutsch, pari- scrisch, obwohl doch gewiß nicht alles schön und gut ist, was auS Paris kommt. Warum können die Zeichner nicht geradegewachsene, hübsche Figuren, wie sie Gott geschaffen hat, bringen mit normalen Augen, Rasen und Gliedern? Muß denn die Französin nachgcäsft wer den? Daß ich nicht übertreibe, möge der geneigte Leser aus irgend ein paar Nummern der betreffenden Blätter ersehen. Auf die Un masse der Zeitschriften, Tagesblätter, Wochenschriften und Monats schriften cinzugehen, vermag ich nicht: ihre Zahl ist z» groß, und offen gestanden, sie geben, besonders die Monatshefte, wenig Anlaß zur Be anstandung. Nur über die Kunst-Zeitschriften möchte ich etwas sagen; es gibt darunter vornehme Blätter ersten Ranges, die man nicht mis sen möchte. Sie bringen in ganz vorzüglicher Wiedergabe die Kunst werke neuerer und neuester Meister und sind dadurch ein Bildungs- Mittel und Förderer des Schönheitssinnes geworden, um die uns an dere Völker beneiden dürsten. Nur sollten die Schrtftleitungen dar auf bedacht sein, nur solchen Kunstwerken ihren Raum zur Verfügung zu stellen, die wirklich die Gesetze der Schönheit und des guten Ge schmackes erfüllen. Es liegt mir fern, mir großes Kunstverständnis anzumatzen, aber ich spreche als Deutscher, der seinem Volke wirklich Gutes in die Hände geben möchte, damit es sich freue und kräftige an wahrer Kunst und nicht auf Irrwege und zu Geschmacksverirrungen geführt werde. Wo solche Auswüchse in der Kunst bestehen, da gehe man dar über iveg, wie sie es nicht anders verdienen, aber bringe sie nicht vor das Forum der Öffentlichkeit; dann werden sie von selbst verschwin den. Wer Auge» hat zu sehen, der sicht schon an dem Mustrierten Teil der Bücher und Zeitschriften, ob sie des EmpsehlenS und Berka»- fens wert sind und ob sie unserem Volke zum Nutzen gereichen oder ihn, schädlich sind. Schwieriger verhält es sich mit dem Buch, in erster Reihe mit dem, bas zur Unterhaltung des Lesers bestimmt ist. Weder der Titel allein, noch der Name des Verfassers und Verlegers geben genügen den Anhalt, was ein »gutes Buch- ist. Das mnß schon geprüft wer den. Nun verfügt aber nicht jeder Buchhändler über die nötige Zeit, um jedes Buch zu lesen. Die Besprechung ist auch in keiner Weise stets unbefangen, maßgebend und einwandfrei, und auch diese kann nicht jeder unserer Berufsgenossen lesen, klm nun zu einem wirk lichen praktischen Ergebnis zu gelangen, mache ich folgenden Vorschlag, mit dem ich mich an die Kreis- und Ortsverein« wende, die in Erkenntnis der Wichtigkeit der Angelegenheit gewiß zur Durch führung meines Planes, der ja im Interesse unseres ganzen deutschen Volkes von mir vorgeschlage» wird, ihre Mithilfe nicht versagen wer den. Di« Kreis- und Ortsvereine ersuchen, wenn sich nicht Freiwil ds
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