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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.11.1926
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- 1926-11-20
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- 20.11.1926
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staltungen« in Form eines Satzes von 3—85L eingeräumt ist, dahin einzucngen, daß nur ein Spielraum von 3—üA zugelasjen wird, ein Wunsch, den auch Herr Walzer äußert. Leider hat sich das Reichsfinanzministerium nicht entschließen können, auch inso weit unseren Wünschen entgegenzukommen, und zwar mit Rücksicht daraus, daß es befürchtet, die Gemeinden würden bei einer Ein engung andere ihnen überlassene Steuerquellen stärker als bisher in Anspruch nehmen, jedoch will das Ministerium bei den Ver handlungen über den endgültigen Finanzausgleich im nächsten Jahre Gelegenheit nehmen, auch diese Frage näher zu prüfen. Or. Runge. Vom Derlegerberuf. Anläßlich des 30jährigen Bestehens seines Verlags hat auch Eugen Diederichs in diesen Tagen einen besonders ausge statteten Almanach erscheinen lassen, von dem er selbst detont, daß es sich dabei nicht um eine mehr oder weniger zufällige und gemachte Zusammenstellung von Beiträgen handelt, sondern um eine einheit liche Programmdarlegung. Eugen Diederichs selbst nimmt darin mehrmals das Wort und gibt vor allem zur Einleitung eine Dar stellung seiner Auffassung vom Verlegerberuf. »Sich berufen zu fühlen, Verleger zu sein«, so beginnt er, »heißt, sein Leben auf tiefste Verantwortung stellen. Zuerst auf Verant wortung für seine inneren Seelenkräfte auf die Geradheit der Wege, die man geht, und auf die Verantwortung, die man schöpferischen Menschen gegenüber hat«. Etwas später heißt es: »Innere Verant wortung vor sich selbst, diese Jbfeirsche Eigenschaft ist Gnade, die die Gestirne schenkend in die Wiege legen. Sie ist tiefstes Wurzel schlagen im kosmischen Urgrund des Lebens«. Aus diesem Verant wortungsgefühl sich selbst und der eigenen Menschenaufgabe gegen über ergibt sich dann nach Ansicht Eugen Diederichs' ohne weiteres in organischem Weiterlauf die Verantwortung gegenüber der Volks gemeinschaft. »Ein richtiger Verleger«, fährt Diederichs fort, »darf die Leser seiner Bücher nie enttäuschen, denn er leistet ihnen Vorarbeit in der Auswahl jener Bücher, die das Leben aufbauen Helsen. Gewiß muß es auch eine leichte Sorte Bücher geben, die durch Zerstreuung Ver krampfung lösen. Viele Menschen brauchen aber auch Bücher, die über das Leben hinwegtäuschen; es muß neben den »Lebensbllchcrn' auch ,Lesebücher' geben. Wer aber weiß, wie kurz das Leben ist, wie kostbar die Zeit und wie unendlich reich der Strom des Lebens in Büchern fließt, deren Verfasser aus innerer Notwendigkeit heraus schrieben, wird auch »Lesebücher' entdecken, die entspannend und span- ncnd, zugleich aber auch heilkräftig sind. Ich denke etwa, um kon kret zu bloiden, an Bücher wie Reymonts Roman »Polnische Bauern' oder Fleurons Uhugeschichte »Strix'.« Hier deutet Diederichs an, daß es im Grunde mehrere Erschei nungsformen und Betätigungsmöglichkeiten des Verlegerstandes gibt, ja daß, tiefer gesehen, vermutlich sogar in jedem echten Verleger diese verschiedenen Arten durchdringen können, im erfolgreichen Ver leger vielleicht durchdringen und zusammenfinden müssen. Im ein zelnen legt dann Diederichs aber natürlich vor allem sein eigenes Verlegerwesen und sein Verlegerideal dar. Sehr richtig ist dabei die Antwort, die er aus die Frage gibt: Wie aber kommt ein Verleger über die -notwendige geschäftliche Kalkulation hinaus zur Tat? »Kurz gesagt, nur aus dem Glauben an eine Zielsetzung des eigenen Lebens, die sich zugleich, über das Individuelle hinausgehend, zur Zielsetzung des Typus erweitert.« Dieser Glaube berührt sich ja eben aufs engste mit jenem Verantwortungsgefühl, von dem er am 2bnfang spricht. Und er hat ebenso recht, wenn er beide in innige Verbindung mit der Intuition bringt, die nicht klügelt und spintisiert, sondern handelt. »Einen entscheidenden Einfluß auf meine innere Einstellung«, schreibt er, »übte bei Beginn meiner Verlcgerlaufbahn ein Satz von Laura Marholm aus, den ich in der Hardenschen »Zukunft' las: »Es müßte einmal einen Verleger mit Nase geben, der der Gegenwart vorauseilen und dadurch ein Wegbereiter zur Zukunft würde' Nicht daß ich nun beschloß, dieser Verleger zu werden, aber ich fühlte eine Stärkung im Selbstvertrauen, meinen Beruf auf Intuition zu stellen, auf das Goethesche »Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg'.« Eugen Diederichs bezeichnet die in seinem Wesen zweifelsohne stark wirksame Intuition als ererbt und legt kurz seine Abstammung dar, auch seine Laufbahn bis zur Gründung seines Verlags 1896 in Florenz. Am interessantesten sind dann die anschließenden Darlegun gen, die gewissermaßen einen Rechenschaftsbericht seiner 30jährigen Verlegerarbeit darstellen. Es heißt da: »Freilich, was ich als Verleger tun wollte, darüber war ich mir nicht im geringsten klar. Ich war so gut wie ohue jede Verbindung mit literarischen Leuten oder geschweige denn Richtungen. Ich fing einfach mit irgerrdeinem Gedichtbuch eines Malers infolge persön licher Bekanntschaft an, und wie durch ein Wunder — es gibt keinen Zufall — kamen durch ein paar Briefe, die ich in einer Woche in Rom schrieb, jene Verbindungen zustande, die die ersten Erfolge des Verlags ermöglichten. Das Unglaubliche geschah: ein unbekannter, werdender Verlag begann mit einem großen, durchschlagenden Er folg: Hans Blum, »Die deutsche Revolution 1848«. Überblicke ich heute nach 30 Jahren meinen inneren Weg, so kann ich ihn nur bezeichnen als langsamen Durchbruch Thüringer Lebensverbundenheit gegenüber niedersächsischer Schwere, und dank bar empfinde ich jene Tropfen slawischen Blutes, die mich so erd haft machten, daß ich durch meinen Beruf meiner Zeit dienen konnte. Wie konnte ich aber meiner Zeit dienen? Dadurch, daß meine Verlegertätigkeit ein beständiges Experimentieren war, dem ein be wußtes Einfllhlen auf die schöpferischen Kräfte zugrunde lag. Hätte ich dieses Prinzip ein Jahrzehnt früher betätigt, wäre ich sicher- bankerott gegangen; würde ich es noch ein Jahrzehnt in gleicher In tensität fortsetzen, würde ich vielleicht gleichfalls bankerott werden. Die heutige Zeit ist in starker Umwandlung begriffen. Prinzipien haben ebenso wie die Wahrheit nur eine beschränkte Nichtigkeit, man darf sie nicht verewigen wollen. Es ist sine restlos nie zu lösende Doktorsrage: nach welchen Grundsätzen soll ein Verleger auswählen? Selbst derjenige, der nur nach dem Kalkül der wahrscheinlichen Nachfrage geht, verrechnet sich in der Regel, denn die Dauer aller geistigen Strömungen ist unberechenbar. Ein Werk kann höchst gangbar bei Verlagsabschluß erscheinen, kommt es aber auf den Markt, kann schon seine Zeit vorbei sein. Seit einigen Jahren haben literarische Moden schon Eilzugsgeschwindigkeit, und ein Werk, das im Frühjahr erschien und lebhaftes Interesse erregte, kann im Herbst schon in der Ecke liegen als Beweis unserer Großstadlkultur oder, besser gesagt, als Mene tekel der Grotzstadtzivilisation. So bin ich meinen eigenen Weg sozusagen als Vertreter mittel deutscher Landschaft gegangen, denn Jena liegt an der Neibungs- fläche von Nord- und Süddeutschland, und wenn man die Linie von Königsberg bis zum Bodensee zieht, so liegt es in der Mitte. Im Namen Jena liegt bereits eine geistige Tradition. Ich habe unbekümmert um geschäftliche Aussichten mich auf jene Außen seiter eingestellt, die bei den Kalkülverlegern kein Unterkommen fanden, teils weil sie noch keiner: marktfähigen Namen hatten, teils weil niemand sich für solche Gebiete interessierte. Übrigens möchte ich nebenbei gesagt mit einer gewissen Genugtuung konstatieren, daß mein Verlag die meisten Nobelpreisträger umfaßt, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Es ist leicht gesagt, man stellt sich auf schöpferische Kräfte ein. Wer das als Verleger mit seinem Verstand tun will, ist hoffnungs los geschäftlich verloren. Manch ein Verleger hat schon bekannt: ich drucke Kitsch, weil ich Geld verdienen muß, um auch gute Bücher zu drucken. Mein Verlag ist aus einem verhältnismäßig geringen Kapital hervorgewachsen, aber es war mein Stolz, nie ein minder wertiges Buch zu drucken. Ein Heckemännchen habe ich aber auch nicht gehabt. Wie war es möglich, ohne den geringsten Kompromiß mit der Zeitkonjunktur, also auf ungeschäftlichem Wege, sich zu entwickeln? Ich kann nur noch einmal bekennen: Einzig und allein aus dem Glauben heraus, aus dem Glauben an kommende Notwendigkeiten. Diesen Glauben theoretisch zu beweisen, darauf habe ich stets von vornherein verzichtet; die theoretische Erkenntnis kam mir immer nach dem instinktiven Handeln. Aber dann freilich ist es nötig, sich innere Klarheit aufzucrlegcn. Ein Philosoph, der verstorbene Paul Natorp in Marburg, schrieb mir einmal: »Es ist erstaunlich, wie innerlich einheitlich Ihr so viel seitiger Verlag und auch die von Ihnen geleitete Zeitschrift »Die Tat' ist. Mau möchte beide grün nennen«. Nun, grün ist auch die Farbe des Leidens, und die Einheit all der verschiedenen Ver lagsgruppen bildet ihre gemeinsame Einstellung zu gelebtem Leben. Ein anderer mir befreundeter Philosoph an einer norddeut schen Universität prägte einmal das Wort, ich pflege »in Serien zu denken«. Er hat nicht so unrecht. Ein einzelnes Buch hat selten
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