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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.08.1878
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1878-08-14
- Erscheinungsdatum
- 14.08.1878
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- Deutsch
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3166 Nichtamtlicher Theil. 188, 14. August. Gegen-Erklärung des Hrn. G. Reinbeck begnügen könnte. Allein wenn man bedenkt, daß Männer von sonst achtbaren Namen sich nicht scheuen, auf solche Art aufzutreten, und sich gegen die öffentliche Prüfung öffentlicher, dem Publikum angehörendcr, Anstalten zu er heben: so wird man erkennen, daß ein solches Benehmen gegen das Heiligste der Menschheit nicht ungeahndet gelassen werden kann. „Hat — um nur Ein Beyspiel der neuern Zeit anzuführen — hat Pestalozzi sich je gegen die öffentliche Prüfung seines Instituts gesträubt, hat er nicht vielmehr, als Freund der Wahrheit, diese ge sucht ? Warum fürchten denn diese Herren in Heidelberg die Prüfung so sehr? „Was die in den Briefen angeführten Thatsachen selbst betrifft, so hat Herr G. Reinbeck die Wahrheit derselben schon bey der Ein sendung und nun in seiner Gegen-Erklärung auf eine solche Art verbürgt, die jene Bannherrn doch veranlassen sollte, von ihrem so ehrenvollen Vorsatz, jemand öffentlich einen Lügner zu nennen, in keinem Fall aber eine öffentliche Gegen-Erklärung auf eine solche Beschuldigung geben zu wollen, abzugehen. Freilich stehen nur 5 Theologen, 3 Philosophen, 4 Mediziner, 2 Philologen, und von der Geschichte, der Chemie und Aesthetik je Ein Mann in jenem Bunde; Eine Fakultät wird aber darunter vermißt, gerade diejenige, welche diese ächt christlichgesinnten Theologen u. s. w. belehrt haben würde, daß es Wege gebe, die einen nöthigen können, eine öffent liche Beschuldigung auch öffentlich zurücknehmen zu müssen, wenn man auch nicht Lust dazu hat. „Stünde nur diese einzige Stelle in jener Erklärung, die achtbaren Herren hätten für ihre übrigen Lebenstage genug zu erröthen. „Das Vorzüglichste aber, was mich als Verleger des Morgen blatts betrifft, ist der Schluß; ich muß ihn hier wörtlich wieder holen (folgt: „Sie haben übrigens zu allen Ehrenmännern u. s. w."). „Ich gestehe gern, daß keine der vielen Erfahrungen meines Lebens mich so tief schmerzt, wie diese. Nicht als fürchte ich irgend eine Folge von dieser Aufforderung an die Ehrenmänner unter den deutschen Schriftstellern — mögen diejenigen, die sich ihr schmiegen, mir immer ferne bleiben —, sondern weil ich bei dem Bewußtsein, in allen meinen Unternehmungen auf etwas Schönes und Edles hinzustreben, mit Freude und frohem Muth einem jeden wahrhaf ten Ehrenmanne, der mich und meine Handlungsweise kennt, ein Zeugniß meines Bemühens in meinem Wirkungskreis abfordern, und erwarten darf, daß jene Erklärung in einem empörenden Kon trast mit diesem Zeugnisse stehen werde; weil unter den Unterschriebenen sich Personen befinden, denen ich persönlich bekannt bin, und die schlechterdings anders von mir denken müssen, als jener Schluß ausdrückt; weil einer der Unterschriebenen aus Erfahrung weiß, daß bey Beurtheilung literarischer Werke jede persönliche Kränkung als dem Zwecke des Instituts ganz entgegenlaufend erklärt wurde; weil seit der Erscheinung des Morgenblattes nur zwei Fälle von Reclamationen stattsanden, die mit der größten Bereitwilligkeit ausgenommen wurden, während ich bei dem einen das Aktenmäßige vom Gegentheil des Widerrufenen unterdrückte, nur um einem achtungswürdigen Manne nicht wehe zu thnn; weil in jedem Falle alle Unterschriebenen Gelehrte sind, denen die Literatur nicht fremd seyn kann, und die wenigstens wissen müssen, daß ich eine andere Behandlung verdiente. „Mögen Neider und Gegner jeder Art, denen der thätige, in vielenBerührungen stehende Mann nie entgehen kann, meine Unter nehmungen in Instituten, wie die Schützische Literaturzeitung rc., aufs ungerechteste tadeln, das liegt in der Natur solcher Menschen; ich werde dem ungeachtet meinen Weg, nach wie vor, gehen. Die Beruhigung ließen sie mir wenigstens, daß sie noch so viel Achtung für die, Wahrheit hatten, mir nie Beweggründe unterzuschieben, deren nur die gemeinste Natur fähig sein kann. Die meinigen sind von der Art, daß ich ruhig auf sie zurücksehen und mich damit trösten darf, daß es edle Männer (auch in Heidelberg) gibt, welche dieselben nach der Wahrheit zu würdigen wissen. Mögen andere anders da von denken; das Gute behält ewig seine Rechte. Cotta." Hiermit könnte die Angelegenheit ihren Abschluß finden und das Urtheil dahin gesprochen werden, daß die Geschichte über Rein beck, der schon zu seiner Zeit als ein seichter Schwätzer galt, zur Tagesordnung übergegangen ist und seinen Namen kein Lied, kein Heldenbuch meldet, während der Ruhm des trefflichen Cotta wie so mancher seiner Heidelberger Widersacher — Daub, de Wette, Fries, Marheinecke, Boeckh, Görres u. A. — noch in unsere Tage hineinstrahlt und Jahrhunderte überdauern wird. Aber vor uns liegt nun ein Buch: „Heidelberg und seine Umgebungen im Sommer 1807. In Briefen von G. Reinbeck. Nebst einem merkwürdigen Beitrage zum Prozesse der Publicität gegen ihre Widersacher, und einer Beilage", und da es denn die bisher vermißten Beweise für die Wahrhaftigkeit der Morgenblatt-Briefe beizubringen versucht, so mag es noch unverdienter Weise einer kurzen Kritik gewürdigt werden. Reinbeck erzählt des Weiteren von den mancherlei Schwierig keiten damaliger Zeit, infolge mangelhafter Preßgesetzgebung Ver- theidigungen an gleicher Stelle mit den Angriffen abgedruckt zu er halten, er tritt für Redaction und Verleger des Morgenblattes ein und hält dann auf 35 Seiten eine Oratio pro ckomo, die aber, man mag sie so wohlwollend als nur immer lesen und wieder lesen, einen überzeugenden Eindruck nicht machen kann. In Bezug auf den ersten Brief weiß er sich keines Wortes zu entsinnen, wodurch er Heidelberg zum Capua der Geister zu stempeln versucht, und wun dert sich von neuem, daß man seine Schilderungen als abgeschmackte Klatschereien bezeichnen könne. Die Kritik des dritten Briefes veranlaßt ihn nur zur Frage, ob es eine feindselige, hämische Insinuation sei, wenn er behaupte, daß die Professoren ihre Pflicht erfüllen und die Anstalten in einem guten Zustande sind? Was aber Hr. Reinbeck neben dem wenigen Lobe an Tadel vergeben hatte, das verschweigt seine Höflichkeit. Der vierte Brief beschäftigt sich zuerst mit Fräulein Rudolphi und ihrem Erziehungsinstitut, welchem letzteren er absolut nichts Böses nachsagen will, obwohl der Satz unerschütterlich feststehe: „Eine Universitäts-Stadt ist nicht der passendste Ort für eine weib liche Erziehungs-Anstalt!" Der Verfasser sagt aber nicht, wie an ständige Heidelberger Familien, die ihre Töchter nicht nach außer halb in Pensionate senden können und ihnen doch eine gute Erzie hung zuwenden wollen, das Problem zu lösen haben. Und dann verwahrt er sich ausdrücklich dagegen, als solle der Passus: „Jetzt — werden 15 —17 jährige Mädchen unter dem Getümmel von Studenten — gebildet" heißen: daß die weiblichen Zöglinge un mittelbar an dem Getümmel der Studenten theilnähmen. Er kommt dann auf Kirchenrath Schwarz und die Balancir- stangen in seinem Garten zu sprechen, um daran die Behauptung zu knüpfen, daß die Jugend sich jetzt weniger mit Cicero und Herodot als mit Leibesübungen beschäftige, da doch erstere die Hauptsache seien — womit er aber über Kirchenrath Schwarz' pädagogische Thätigkeit kein Urtheil gegeben haben will. Und so geht es mit Grazie in inünitnm. Ja, selbst seine un zweideutige Bemerkung, der russische Hofrath Arndt sei zu allen Geschäften gebraucht worden, welche auf die Kaiserin Katharina selbst Bezug hatten, findet er so harmlos, daß er es für merkwürdig erachtet, wie der Name seines „würdigen Freundes" Arndt unter die Erklärung komme, und gelangt dann zu dem Resultat, daß sie erschlichen sei,
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