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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.07.1878
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1878-07-17
- Erscheinungsdatum
- 17.07.1878
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- Deutsch
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Nichtamtlicher Theil. 2791 164, 17. Juli. gleichfalls redigirt von Charton, welche das größte Lob in Bezug auf den Gesichtspunkt verdient, der uns hier vornehmlich beschäftigt: die Verbreitung nützlicher Kenntnisse und die ökonomische Her stellung des Buchs. Endlich gibt es noch 14 große Wörterbücher, welche sozusagen ganze Bibliotheken wiedergeben und wahre Encyklopädien vorstellen, das Wörterbuch der Chemie vonWurtz, das Wörterbuch der Botanik von Baillon, das Wörterbuch der Literatur und der Zeitgenossen von Vapereau, das Wörterbuch des griechischen und lateinischen Alterthums von Daremberg und Saglio rc., vor allen andern aber das Wörterbuch der französischen Sprache von Littrd, das erste literarische Unternehmen unseres Jahrhunderts, welches vielleicht die größte Summe von Arbeit repräsentirt. Das Haus Hachette hat auch sein typographisches Meisterstück haben wollen: dies sind „I-vo Lniots LvanZilsL", 2 bewunderungs würdige illustrirte Folio-Bände mit 128 großen Compositionen von Bida, von denen die ganze Welt gesprochen hat. Zwölf Jahre waren erforderlich, um dieses Werk zu vollenden, welches über 1 Million gekostet hat. Es ist zu bezweifeln, daß sich in dem gegenwärtigen Jahrhundert noch ein Verleger findet, der ein ähnliches Werk unter nimmt, außer dem Hause Hachette selbst, das die Usoito ckes tswxs Ickdroviussisns von Augustin Thierry, ein Gegenstück der „Laillts LvnnAilss" herausgibt. Wir haben hier nur vom industriellen Standpunkte die Bücher zu beurtheilen. Gleichwohl beweisen wohl schon die summarischen Anzeigen, die wir gemacht haben, daß der Verleger nicht ein bloßer Bücher-Fabrikant ist. Viele Werke, die er veröffentlicht hat, wären niemals ohne seine Initiative herausgegeben worden. Er war es, der die erste Anregung dazu gegeben hat. Er spielt gewissermaßen die Rolle eines Gährungsmittels, welches die Production bestimmt. Ohne Zweifel haben die Erfahrungen eines Claude Bernard oder die Schöpfungen eines Descartes nichts mit einem buchhändle rischen Programm zu thun, ebensowenig wie die Entdeckungen eines Fresnel oder Lavoisier in Creuzot anbefohlen sein können. Aber ebensowenig kann man nach den Einzelwerken, die bei einem Verleger erschienen sind, den letzteren beurtheilen, sondern vielmehr nach den größeren Werken, Sammelwerken, den Unternehmungen, die er tat sächlich hervorruft, welche den Zweck haben, eine Verbreitung der erlangten Kenntnisse anzubahnen und das intellectuelle Vermögen der menschlichen Gesellschaft zu vermehren. Wenn es sich darum handelt, große Grundsätze zu verbreiten oder ihnen neue Wege zu eröffnen, so ist das keine industrielle Sache mehr, sondern es kommt dann die Thätigkeit von Männern von Genie, von Bahnbrechern des menschlichen Geschlechts ins Spiel. Die deutsche Schulgesellschast in Innsbruck. Der Gedanke, deutsche Sprache und Sitte an der südlichen Sprach grenze Tirols durch Gründung und Förderung deutscher Schulen zu kräftigen und zu retten, fand im Deutschen Reiche ermunternde Aner kennung. In Leipzig bildete sich ein Comitö, bestehend aus den Hrn. Professoren Or. Zarncke, Or. Mor. Voigt, Hosrath 1>r. Osterloh, Or. Schild bach, Rector Or. Eckstein und Or. Otto Delitsch; in Königsberg, Heidel berg, Frankfurt a/M., Stuttgart, Dresden, München und vielen anderen Städten wirkten Männer wie Or. L. Steub, Or. Jos. v. Meyrhofer u. a. m. für dieses echt deutsche Unternehmen, an dem sich schließlich auch vorerst ein kleinerer Kreis Buchhändler betheiligte. Vor allen waren es die Firmen Amthor in Gera, Dümmlcr's Verlagshandlung in Berlin, O. Spamer und A. Refelshöfer in Leipzig, Velhagen L Klasing in Bielefeld und B. F. Voigt in Weimar, welche sich durch reiche Spenden auszeichneten. Mit diesen Mitteln, theils in Geld, theils in Büchern, gelang cs, zahlreiche Pflanzstätten deutscher Sprache und Cultur neu zu gründen oder zu erhalten. Was nun den jetzigen Zustand der von der Gesellschaft unterstützten deutschen Schulen Südtirols betrifft, so läßt derselbe allerdings noch manches zu wünschen übrig; allein die Schuld hiervon fällt wesentlich auf die Verhältnisse zurück, unter welchen die Volksschule in Tirol über haupt ihre Existenz weitersührt. Bekanntlich ist Tirol in der dies seitigen Hälfte der oesterreichischen Monarchie das einzige Kronland, in welchem die Landesgesetzgebung die Reichsschulgesetze noch nicht zur Aus führung gebracht hat und voraussichtlich auch noch lange nicht bringen kann. Dennoch sind aus den unterstützten Schulen sehr ersreuliche That- sachen zu berichten, so in Luserna, Floruz, Buchholz und Laurein. Aber nur Diejenigen, welche sich in die innern Zustände der deutschen Enclaven einen liefern Einblick verschaffen konnten, können bestätigen, in welch' arger geistiger Vernachlässigung manche derselben lange Zeit hindurch gelegen haben, und wie schwer der Druck nationaler Vergewaltigung durch rücksichtslos angestrebte Jtalianisirung in Kirche, Schule und Amt auf denselben gelastet hat. Die Mittel, welche der Gesellschaft bisher zur Verfügung standen, sind verschwindend klein zu nennen gegenüber denen, welche die Italiener ihrerseits aufwandten, um das ganze südlich der Alpen gelegene Land Tirol wenn auch nur nach und nach ihrer Sprache und ihren Gebräuchen zu unterjochen. Um so beachtenswerther ist die Ausdauer, die weise Verwendung der geringen Mittel, mit denen es den Männern, welche in Innsbruck an der Spitze der Gesellschaft stehen, gelang, jenen Be strebungen entgegenzutreten und gewissermaßen auch ein Ziel zu setzen. Wäre es nun möglich, daß diese Mittel vergrößert würden, und zwar derart, daß eine dauernde Unterstützung des deutschen Volksschulwesens in den deutschen Grenzorten und Enclaven stattfinden könnte, so würde nicht nur der Unterricht und die Spracherhaltung gefördert, sondern auch noch manches Andere, was dem deutschen Elemente dort höheren moralischen und materiellen Aufschwung und nachhaltige Kräftigung zu bringen vermag. Es srägt sich nun: werden die deutschen Buchhändler als Förderer deutscher Sprache und Wissenschaft sich bei diesem Unternehmen bethei ligen, oder werden sie unthätig zusehen, wie ein urdeutsches Land, die Heimath Walther's von der Vogelweide, — der Sage von König Lau- rein's Rosengarten rc. langsam aber sicher der deutschen Sprache ent fremdet wird? Werden sie ebensoviel Patriotismus bethätigen wie die Italiener, die, wenn nicht mehr, so mindestens gleich wie sie unter der Ungunst der Zeit lebend, dennoch opferwillig ihre Zwecke verfolgen und die dazu nöthigen Mittel in reichem Maße schaffen, — oder werden sie kein Herz haben für jene ihre Stammesgenossen, die noch an ihrer Väter Sprache sich anklammernd die Hände bittend und vertrauungsvoll ihnen und dem mächtigen Deutschland entgegenstrecken? Nach den, Eingangs erwähnten in einem kleinen Kreise Gelehrter und Buchhändler erzielten Erfolgen zu schließen (Leipzig allein konnte in verhältnißmäßig kurzer Zeit 540 fl. und mindestens das Dreifache an Werth in Büchern spenden), liegt die Hoffnung nicht fern, daß es nur des Bekanntwerdens eines solchen patriotischen Unternehmens bedarf, um den gesammten Buchhandel dafür zu gewinnen. Handelt es sich doch neben der nationalen Seite auch um die Wiederwerbung eines großen Absatzgebietes unserer Literatur, für das wir alle einzutreten haben! Daß die Zeiten ungünstig sind, daß täglich neue Anforderungen an unsere Mildthätigkeit gestellt werden, darf hier schon des großen all gemeinen Interesses wegen nicht in Betracht kommen, um so weniger, als es gar nicht so schwer sein wird, das Unternehmen selbst mit nur geringen Opfern wirksam zu fördern. In der Einigkeit liegt die Stärke. Wenn also beispielweise jede der 5000 Firmen auch nur 3 Mark spenden wollte, so würde dieses Capital ausreichen, mehrere Lehrerstellen zu dotiren und mit tüchtigen Männern zu besetzen. Wollten ferner die Verleger von ihrem Lager nur das «blassen, was in alten Auflagen von Schulbüchern ihnen verbleibt, oder an beschädigten, aber noch brauch baren Exemplaren von Werken über Land- und Forstcultur, von katho lischen Jugendschristen und medicinischen und veterinärwissenschaftlichen Büchern für Geistliche und Lehrer, — die Sortimenter aber Artikel, die aus irgend einem Grunde von den Verlegern nicht angenommen wurden und für die sie nun keine Verwendung haben, so könnte man die Schulen reich beschenken, kleine Bibliotheken gründen, durch Prämien bei Kindern und Erwachsenen die Lust an deutscher Sprache erwecken und erhalten; der Inhalt aber dieser Bücher würde segensreich für Cultur und Sitten wirken, und für die deutsche Sache würde damit siegreich gekämpft werden. Die Hrn. Prosessoren Or. Jos. Egger, Or. Alphons und Or. Ad. Hueber, Or. Jg. V. Zingerle und der k. k. Landesschulinspector Christ. Schneller, sämmtlich in Innsbruck, werden auf Verlangen gern weiter Auskunft ertheilen. Die Wagner'sche Universitäts-Buchhandlung in Innsbruck und ich sind bereit, gütige Gaben und Beiträge entgegenzu nehmen und bitten, diesen Zeilen ein freundliches Gehör zu schenken. Leipzig, Juli 1878. Felix Liebeskind, in Firma: A. G. Liebeskind. 381*
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