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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.09.1886
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1886-09-27
- Erscheinungsdatum
- 27.09.1886
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
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- Saxonica
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5e58 Nichtamtlicher Teil. 223, 27. September 188«. Ternaux, Cotton, Reichart, Falkenstein znsammenstellt nnd dann aus Wahrscheinlichkeitsgründen eine fünfte Ansicht ausspricht, die von Klemm durch das umstrittene Buch selbst nun widerlegt wird. Um zu diesen Belegen zu kommen, geht Klemm, ohne damit die theoretffch-wissensä.astliche Methode gering zu schätzen, den empirischen Weg. Er kauft den Druck einer Stadt, so alt er dessen habhaft werden kann, sucht nun nach einem noch älteren; ist er in dieser Weise zu einem früheren Datum gekommen, als seine Vor gänger, so weiß er wenigstens, wie weit er das Einführungs jahr vorläufig zurückschieben darf; kommt er nicht über die von seinen Vorgängern angenommene Grenze hinaus, so muß er sich bis aus weiteres diesen anschlicßen. Daß hiermit die volle historische Genauigkeit immer noch nicht stets erreicht wird, steht fest, aber ein nach Klemmschen Belegen und Erfahrungen aufgestelltes, fort während zu vervollständigendes Verzeichnis der Erstlingsdrucke wird die brauchbarste Unterlage für weitere Forschungen bilden. Das Interesse für die Sache wird sich mehr und mehr verbreiten; jüngere Bibliothekare werden die ihnen gebotene Gelegenheit benutzen, um die Klemmschen Angaben zu vervollständigen oder zu berichtigen. Antiquare entwickeln jetzt schon aus merkantilem Interesse ihr Spürtalent, wie die zahlreichen Anerbietungen zeigen. Buchhändler und Buchdrucker, namentlich kleinerer Druckstädte, werden sich bemühen, um die Einführung der Druckerei in ihrem Ort genau konstatieren zu können. Auch dürfen wir nach den seit herigen, wenn auch noch kurzen Erfahrungen nicht zweifeln, daß, mit einiger Mühe seitens der Verwaltung, dem Museum manche Zu wendungen nach dieser Richtung hin kostenlos zufließen werden, um so eher, als die gewünschten Gegenstände äußerst selten Wertobjekte von Bedeutung sein werden. Auch die König!. Regierung als Eigentümerin der Sammlung dürfte ein Interesse an dem Ausbau dieser Abteilung haben. Gerade die rasche Fortführung derselben würde besonders erwünscht sein; denn erst durch eine gewisse Voll ständigkeit erhält sie den rechten praktischen Wert, welchen die zweite Abteilung bereits jetzt in hohem Maße besitzt. Der Umstand, daß Herr Kommissionsrat Klemm 50 000 «/tl von dem Kaufpreis von 400000 der Königl. Regierung zur Vermehrung der Samm lung zur Disposition gestellt hat, erleichtert das Vorgehen, und mit dem Preise von einer einzigen seltenen Inkunabel läßt sich für diese Abteilung schon ganz Erhebliches erreichen. Eine Schwierigkeit wird bleiben: die rechte Grenze zu ziehen. Je mehr man sich der neuen Zeit nähert, je mehr verliert sich im allgemeinen das Interesse für einen Erstlingsdruck als solchen, da die bibliographischen Hilfsmittel die nötige Sicherheit, für alle Bestimmungen, gewähren. Und doch giebt es Erstlingswerke aus der neuesten Zeit, die an und für sich für die Sammlung Be deutung haben, z. B. die ersten Preßcrzeugnisse aus der dem neu geborenen Griechenland von Firmin Didot geschenkten ersten Druckerei; sehr viele fremdartige Erscheinungen aus den fernen Weltteilen u. s. w. Dazu müssen wir noch solche Drucke fügen, die, ohne eigentliche Erstlingsdrucke zu sein, ein sonstiges historisches Interesse haben, z B. der im Museum befindliche erste rohe Abzug der Timesnummer vom 29. November 1814 von der König L Bauerjchen Schnellpresse, ein Unicum; die Nummer der Hartung- schen Königsberger Zeitung vom 6. Februar 1758 mit dem aaf- octroyierten russischen Adler in der Kopfzeile statt des preußischen, ein Exemplar der in den Grundstein des neuen Buchhändlerhauses niedergelegten Urkunde und viele andere historische Druckstücke. Vorläufig sollte, was die Zeit bis Ende des siebzehnten Jahrhunderts anlangt, eine möglichste Abrundung erstrebt werden. Was die jüngere Zeit betrifft, so muß bei der Ansammlung das Taktgefühl mitreden, manches auch der Zeit und dem Zufall überlassen bleiben. An die zweite nnd dritte Abteilung schließt sich eine biblio graphisch-technisch-geschichtliche Büchersammlung, welche die nötige litterarische Unterlage für die Nutzbarmachung der historischen Sammlung umfaßt. Diese Handbibliothek wird seitens des Centralvereins unter freundlicher werkthätiger Unterstützung der Herren Verleger fortwährend vermehrt. Außerdem leistet ja bekanntlich die ausgezeichnete, sehr reiche Fachbibliothek des ->Börsenvereins der deutschen Buchhändler« den wissenschaftlichen oder kunstgewerblichen Bestrebungen auf den graphischen Gebieten bereitwilligst jeden gewünschten Vorschub. Der Buchhandel und die graphischen Gewerbe verfügen somit in Leipzig bereits über ein Hilfsmaterial für die Förderung der Ausbildung der ihnen An gehörenden auf theoretischem Wege, wie es in dieser Weise, unter einem Dach vereinigt, sich wohl nicht zum zweitenmale vorfindet. Um jedoch dem Buchgewerbe-Museum den Rang eines Welt- museums, zu welchem, wie oben gezeigt wurde, der »Grundstock« in so vorzüglicher Weise dargeboten wurde, zu erringen und zu behaupten, sind große und andauernde Anstrengungen nnd die allgemeinste Unterstützung erforderlich. Möge letztere dem jungen, fröhlich aufstrebenden Institut seitens des deutschen Buchhandels in ausgedehnter Weise zu teil werden. Carl B. Lorck. Vermischtes. Eine neue Dante-Ausgabe.*) — Der König Humbert von Italien hat eine neue Ausgabe von Dantes göttlicher Komödie veranstalten lassen und zwar mit einem ausführlichen bis jetzt noch nicht veröffentlichten lateinischen Kommentar aus dem 15. Jahrhunderte von Stefano Talice. Derselbe bildet eine Reihe von Vorträgen, welche Talice im Jahre 1474 über die göttliche Komödie gehalten hat und zwar jedenfalls in Saluzzo, am Hofe des dortigen kuustliebenden Markgrafen. — Die Handschrift befindet sich in der Königlichen Bibliothek in Turin, war bis jetzt so gut wie unbekannt, und erst im vorigen Jahre machte der italienische Gelehrte, Professor Rudolf Renier auf dieselbe aufmerksam. Der Titel der jetzt erschienenen, vom Könige Humbert seinem Sohne Victor Emanuel gewidmeten wertvollen Ausgabe lautet: »I-s Ooiuiusäis cli Osuts ä-liZbisri oot ooramsuto insäito äi 8tsts.no Tslios äs. Riosläone, pubbtiesto psr ours äi Viosnro kromis, dibliotsosrio äi 8. Ll., s äi 6srto dlsAroni, sooio äslls R. lüornrnissions äsi tssti äi linAus. Torino, oolls ritsrnps äi Viosnro Lons. 1886.« Das Werk ist sehr schön ausgestattet und bildet einen starken und stattlichen Band von 593 Seiten in klein Folio. In kleiner Ausgabe gedruckt, wird es von dem königlichen Herausgeber nur verschenkt; — käuflich ist dasselbe nicht zu haben. Dante in der Türkei. — Das türkische Ministerium des Innern hat infolge höherer Weisung Dantes »vivins Lowmsäis« für das ganze Reichsgebiet verboten. Die Verfügung wird mit der Bemerkung begründet, daß dieses Werk nichts als eine Verhöhnung der verschiedenen Religionen sei. (Allgem. Ztg.) *) Der Einsender dieses sah das Exemplar, welches König Humbert dem Übersetzer Dantes, Julius Francke, Stadtrat a. D. in Leipzig, »unter vollster Anerkennung seiner Verdienste um die Dante-Litteratur« übersenden ließ. Die Übersetzung Dantes von Jul. Francke ist im vorigen Jahre in drei Bänden bei Breitkopf L Härtel erschienen.
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