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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.09.1886
- Strukturtyp
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- 1886-09-27
- Erscheinungsdatum
- 27.09.1886
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- Deutsch
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223, 27. September 1886. Nichtamtlicher Teil. 5^57 Da einmal von Inkunabeln die Rede ist, so sei hier gleich erwähnt, daß auch die dritte Abteilung, von der unten zu sprechen ist, eine bedeutende Zahl derselben, 145, umsaßt, so daß von Druckwerken vor 1500 die Gesamtzahl 699 beträgt, unter welchen sich eine gute Zahl zwei- und mehrbändiger Werke befindet; den» die Masse der Klemmschen Sammlung besteht aus den großartigsten Werken, welche die damalige Zeit hervorbrachte. Mit ganz beson derer Vorliebe sammelte Herr Klemm, was der Geburtsstatte der Kunst, Mainz, angehört, und selten oder nie wird wohl ein Sammler die Werke Gutenbergs, Fusts, Peter Schössers, seiner Söhne und seiner Enkel in ähnlicher Reichhaltigkeit besessen haben DieKlemm- sche Reihe beginnt mit einem vollständigen Pergamenlexemplar der beiden Bände der Gutenbergbibel und endigt mit dem letzten Druckwerk »Ivo Schöffer's sel. Erben«, einer gerade 100 Jahre nach dem Psalterium von 1457 erschienenen illustrierten Römischen Geschichte des Livius, von welcher die Sammlung Exemplare in 8 deutschen und 2 lateinischen Ausgaben besitzt, so daß nur die eine, die neunte, deutsche Ausgabe fehlt; ein Beweis, wie eifrig Klemm gesammelt hat. Sonstige Einzelheiten hier hervorzuheben, würde über die Grenzen dieses Aufsatzes gehen, umsomehr als die Annahme wohlberechtigt sein wird, daß unsere Leipziger oder Leipzig besuchende Leser es vorziehen werden, die im Museum stets ausliegende Auswahl >u uatmra, in Augenschein zu nehmen. Dem, der sich noch näher orientieren will, sei der große Katalog, der nach einem Abkommen mit Herrn Klemm im Museum für den mäßigen Preis von 4 (3 n.) zu haben ist, bestens empfohlen. Wir werden auch später, bei Besprechung der Spezialausstellungen Gelegenheit haben auf Einzelheiten zurück zu kommen. Außer Mainz sind namentlich Straßburg, Köln, Basel, Augs burg, Nürnberg stark und vortrefflich repräsentiert. Ebenfalls Venedig und Paris sind mit zahlreichen, wenn auch nicht so wertvollen Werken wie die erwähnten Städte, vertreten; die älteren Er zeugnisse Bambergs werden kaum aufzuteciben sein. Der Besitz einiger der größten Seltenheiten: des Psalieriums von 1457 und der sogenannten Pfisterschen Bibel wird, wenn nicht ein ganz beson derer Glücksstern über dem Museum leuchten sollte, wohl immer ein frommer Wunsch bleiben; denn selbst wenn ein Exemplar erreichbar wäre, würde der Preis für diese beiden Perlen fast der für das Museum bezahlten Summe gleichtommen; dasselbe wird dann nur das Schicksal mit den meisten von den größten Büchersammlungen der Welt teilen und kann schon stolz darauf sein, die dritte, im Range wohl die erste typographische Perle, die Gutenbergbibel, in einem Exemplar zu besitzen, um welches die größten Bibliotheken es beneiden werden. Der äußere Zustand der Bücher ist ein durchweg vorzüglicher, und die Exemplare gehören größtenteils zu den schönsten noch vor handenen. Mit wahrem Staunen wird mau vierhundertjährige und noch ältere Folianten erblicken, in einer Frische des Druckes und Reinheit des Papiers, als kämen sie erst jetzt aus der Druckerei. Die nicht in gutem Zustand befindlich gewesenen Originalbände hat Herr Klemm, oft mit bedeutenden Kosten, durch neue Einbände er setzen lassen, was allerdings für die Erhaltung wichtig war, wenn auch zu bedauern bleibt, daß diese Bände mitunter einen zu modernen Charakter tragen. Die Bindung dieser Bibliothek im jedesmaligen Stile der Zeit würde eine wahre Bildungsaufgabe für die Buch binder Leipzigs gewesen sein. Als ein Kuriosum sei noch erwähnt, daß einige der kostbarsten Werke in Eichenholzplatten von Über resten einer fast zweitausend Jahre alten Römerbrücke bei Mainz, welche Herr Klemm für einen hohen Preis erwarb, gebunden sind. Das Holz ist fest wie Eisen. Die dritte Abteilung der Klemmschen Sammlung umfaßt, wie bereits erwähnt wurde, die Erzeugnisse aller Druckstädte, die erst nach dem Jahre 1470 Druckereien erhielten. Dem materiellen Wert nach läßt sich diese Abteilung zwar nicht mit der zweiten messe»; für die Zmccke einer historischen buchgewerblichen Samm lung ist sie jedoch von großer Wichtigkeit; zugleich ist sie eine in ihrer Art noch nicht vorhandene. Sammler und Bibliothekare schließen die Reihe der geschichtlichen Denkmale der Buchdruckerkunst eigentlich mit dem Jahre 1500, oder allenfalls 1530 ab; später Erschienenes wird nur mit dem allgemeinen Maßstab des Nützlichen beurteilt; Drucker, Druckort und Jahreszahl haben nur untergeord nete Bedeutung. Herr Klemm begnügte sich jedoch nicht mit dem Sammeln der eigentlichen Inkunabeln, sondern er setzte seine histo rische Sammlung weiter fort, sogar, mit gewissen Beschränkungen, bis in unser Jahrhundert herein, und suchte die Erstlingsdrucke möglichst vieler Druckstädte und andere für die Druckthätigkeit der selben bezeichnende Preßerzeugnisse zu erwerben. Die Königliche bibliographische Sammlung besitzt jetzt schon solche von Herrn Klemm gesammelte Drucke aus 520 Städten in einer Anzahl von 1205 Nummern. Herr Klemm, der im Sammeln nicht rastet, hat aufs neue Erzeugnisse von mehr als 150 Städten erworben, die hoffentlich in einer oder der andern Weise mit der Sammlung des Museums einmal vereinigt werden. Hieraus ist bereits ersichtlich, daß diese Abteilung bei weitem noch nicht die Abrundung besitzt und besitzen konnte, wie die zweite. Um ihrem Zweck ebenso gut wie jene zu genügen, bedarf es einer raschen und bedeutenden Erweiterung. Trotzdem zeigt es sich bereits jetzt, wie gesund Herrn Klemms Gedanke war, die streitigen oder noch unaufgeklärten Punkte der Geschichte der Buchdruckcrkunst nicht allein durch gelehrte Streitschriften, sondern durch Vorführung der Dokumente zu entscheiden, und thatsächlich haben sich schon eine Menge von Zweifeln durch die vorhandenen Beweisstücke er ledigen lassen. Daß so manche Data der Geschichte der Buchdruckerkunst aus einer verhältnismäßig jungen Zeit noch zweifelhaft sind, ist haupt sächlich darin begründet, daß die Belege in den großen Biblio theken in allen den vielen wissenschaftlichen Abteilungen und Unterabteilungen zerstreut und nur durch Suchen Band für Band herauszufinden sind; dann auch darin, daß diese Erstlingsdrucke ans späterer Zeit überhaupt in den Bibliotheken nicht vertreten sind, Weil ihnen sehr oft der innere Wert fehlt. Es ist des halb sehr schwierig, über die Jnkunabelnzeit hinaus Unter suchungen nach Druckort und Jahreszahl anzustellen. Die Auf stellung nach Grundsätzen Klemms hat nur Sinn in einem buchgewerblichen Museum; deshalb ist seine Sammlung eine bahnbrechende für die Geschichte der Typographie. Zwar sind verschiedene Versuche gemacht worden, chronologische Verzeichnisse der Einführungsdaten bis auf die neueste Zeit anzufertigcn; aber man verließ sich auf vorhandene Angaben, und die Belegstücke waren selten zur Hand. Seit langer Zeit war man gewöhnt, das von dem berühmten Dresdner Bibliothekar Falkenstein in seiner Jubelschrift von 1840 aufgestellte Verzeichnis vorzugsweise als maßgebend zu betrachten. Abgesehen jedoch davon, daß das Ver zeichnis bei weitem nicht vollständig ist, und daß öfters drei und mehrere verschiedene, in den Jahren manchmal sehr weit aus einandergehende Angaben über die Einführung in ein und der selben Stadt gegeben werden, so weichen die Falkensteinschen unbelegten Daten von den Klemmschen, durch Truckschriften belegten, so oft ab, daß eine einfache Berufung auf Falkenstein für die Zukunft unthunlich ist. Aber auch die Nachrichten neuerer sehr gewissenhafter Schriftsteller wie z. B. Deschamps, lassen oft im Stich. Es kommt vor, daß letzterer die verschiedenen Ansichten von
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