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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.09.1886
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- 1886-09-29
- Erscheinungsdatum
- 29.09.1886
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und Peter Schöffer tauchen in diesen Historien ans, aus denen nur das eine klar hervorgeht, daß der Enkel Mentels, der spätere Buchdrucker Johann Schott zu Straßbnrg (1500—1545) es mit der Wahrheit ebenso wenig genau genommen hatte wie Ivo Schosser zu Mainz, als er seinen Großvater Johann Frist ans den Erfinderthron zu heben suchte. Von der Linde stellt eine Reihe dieser Straßburger Erfindermärchen neben einander, und dies allein reicht hin, um ihre Haltlosigkeit klar darzuthun. Ein gewisser Johann Meniel, im siebzehnten Jahrhundert Arzt zu Paris und Urenkel des ersten Straßburger Buchdruckers, suchte übrigens für diesen das Lügennetz weiter zu spinnen und zu vollenden, und wie Bodmann Urkunden erfand, so erfand dieser Personen, um eine plausible Mentel-Genealogie zuwege zu bringen. Schoepflins Abhandlung über Gutenberg kommt im fol genden Kapitel zur Sprache. Das romantische Ännel zur Eisernen Thür, das Gutenberg wegen eines nicht erfüllten Ehe versprechens verklagt haben soll, tritt in der Schrift Schoepflins zum ersten Male auf: dieser hat die Person erdichtet; denn als er die Dokumente, die er über sie zu besitzen vorgab, vorlegen sollte, vermochte er es nicht. Trotzdem spukt das Annel noch heute in der typographischen Geschichtschreibung. Schocpflin hatte übrigens das Verdienst, die Mentelschen Ansprüche in ihrer Nichtigkeit nach- und zurückgewiesen zu haben. Auch der sogenannten Gutenbergpresse resp. des Stücks eines Preßbalkens wird hier nochmals gedacht und dessen Unechtheit und die Fälschung der Inschrift eingehend und mit kritischer Schärfe nachgewiesen. Einer der deutlichsten der angeführten Be weise der Unechtheit dieses Preßbalkens ist die Jahreszahl selbst, die er trägt: 1441 war Gutenberg authentischen Nach weisen zufolge noch in Straßburg I Auch das anachronistische I, auf welches ich bereits in der Einleitung (S. 6) zu meinem Werke über die Erfindung der Schnellpresse aufmerksam gemacht, wird von dem gelehrten Verfasser scharf verurteilt.*) Das nächste Kapitel hat vr. von der Linde in seiner drastischen Weise »Gänsfleischpastete« überschrieben. Dessen In halt deuten uns die einleitenden Worte an: »Wir ergründen so allmälig, was der rohe geschichtsdilettantismus aus der geschichte der erfindung der typographie gemacht hat. Jeder schrieb und schreibt sich seinen eigenen roman. Nur in dem Einen Punkt sind sie einig, in der zu Frankfurt verkörperten erfindertrinität Gutenberg das technische hauptverdienst nicht beizulegen. Hier hebe ich aus der endlosen litteratur, in der man bis auf diesen tag fast immer vergeblich nach einem wirklich korrekten satz sucht, nur noch etliche seltsamkeiten hervor. Daß auf diesem gebiete eine grenze zwischen roman und geschichte noch gar nicht existiert, hat der wissenschaftliche leser bereits eingesehen.« Hier wird auch die durch vr. Bocke nheimers 1876 veröffentlichte Broschüre »Die Grabstätte Gutenbergs« verbreitete Annahme, daß Gutenberg nicht, wie man bisher geglaubt und wie es that- sächlich der Fall, in der Franziskanerkirche, sondern in der der Dominikaner beerdigt sei, widerlegt und dargethan, daß der fragliche Eintrag im Totenbuche der Domikaner in die Zeit von 1423—33 gehöre und sich auf einen Großoheim Gutenbergs beziehe. Trotz des großen Verdienstes, welches solchen festen historischen Nachweisen ohne Zweifel iunewohnt, kann man ihnen gegenüber doch immer ein gewisses Bedauern darüber, daß sie *) Herr Kommissionsrat Klemm hat unseres Erinnerns bereits früher nachgewiesen, daß von der Lindes Kritik bezüglich der Inschrift aus der Presse auf den irrigen Angaben eines Schriftstellers beruht, (dessen Name uns entfallen ist). Wir können daher dem anerkennenden Urteil des Herrn Berichterstatters hier nicht unbedingt beipflichten, werden übrigens Näheres zu e>künden suchen und auf die Sache zurück kommen. D. Red. uns angenehme Illusionen rauben, nicht unterdrücken, zumal wenn dieselben die Lösung eines historischen Problems zu ent halten schienen, wie man hier von Todestag und Begräbnis Gutenbergs glauben konnte. Was dann der Verfasser über den Inhalt eines soeben er schienenen historischen Dramas von Louis Figuier » Unksubsrg, ou I'Invsntion äs l'Irnprimsris «, noch mitteilt, läßt allerdings deut lich erkennen, daß in diesem Stück füglich das Material vor handen ist zu einer Pastete, wenn auch nicht zu einer aus Gänse leber, so doch zu einer solchen, wie sie in französischen Druckereien vorzugsweise den Namen führen xükö, zu deutsch: Zwiebelfische. Im sechsten, das dritte Buch des Von der Liudcschen Merkes schließenden Kapitel, überschricben Hansjacob von Sorgenloch, begegnen wir dem Verfasser auf dem Kriegspfade und die Hiebe fallen derb und hageldicht aus seinen Landsmann Hessels, welcher das Buch »drwsnbsrA, rvas bs Urs iuvsrwor ok printiaA?« ge schrieben, sowie auf den Professor der Stenographie in Wien, Herrn Faulmann, den Verfasser des Artikels »Buchdrucker kunst« in einem neuen großen Konversations-Lexikon. Wollte ich indes hier näher eingchen auf die Sache, so bliebe mir nichts übrig, als so ziemlich das ganze Kapitel abzuschreibcn; einzelne Stellen zu geben, könnte leicht zu irriger Auffassung führen, besonders bei dem scharfen Polemischen Tone, den Von der Linde hier angeschlagen. Was Hessels anbelangt, so habe ich mich schon nach Er scheinen seines Buches im »Journal für Buchdruckerkunst« dahin ausgesprochen, daß ich es seinerseits zum mindesten für anmaßend halten müsse, wenn er in neunundvierzig Tagen, die er in Deutsch land verbracht, dessen Sprache er nur notdürftig kennt, elf Bibliotheken gründlich durchforscht und damit auch die Guten bergfrage gründlich, und zwar im negativen Sinne gelöst haben wolle, und diese Ansicht wird durch Von der Linde durchaus bestätigt, der uns zugleich die überraschende Thatsache mitteilt, daß Hessels, gleich ihm ein geborener Haarlemer, trotz seiner auf Veranlassung des Cambridger Bibliothekars Bradshaw ge machten Übersetzung der Kosterlegende, doch zu viel Holländer geblieben sei, um nicht das verlorene Erfindertum Kosters, sowie die Zuweisung des Ruhms der Erfindung an Deutschland, das 1870 auch so große militärische und polnische Siege errang, zu beklagen und zu versuchen, ihm diesen Ruhm und seinen Gntenberg abzusprcchen. Daß hierbei Von der Linde die deut sche »Zuvorkommenheit« scharf geißelt, mit welcher man Hessels, der doch in der ausgesprochenen Absicht kam, gegen deutschen Ruhm und deutsche Ehre zu agitieren — ein Anfang seiner Gutenbergkritik lag zur Zeit seiner »Forschungsreise« bereits gedruckt vor in der »Printing Times« — empfangen hat und an die Hand gegangen ist, ist nur selbstverständlich und — wohl verdient! »Ein bonze,« schreibt er in einer Anmerkung, »ein geborener Mainzer, ging während eines monats überall mit ihm ein und aus. Für diese bande war die niederreißung Guten bergs rache an v. d. Linde! Da ist der fanatismus der Hol länder gegen mich doch viel ehrenwerter.« — Was den erwähnten Konversations - Lexikon - Artikel an belangt, so sei hier nur erwähnt, daß Faulmann sich hinsicht lich der Unechtheit einer Urkunde auf seinen Gewährsmann, den Mainzer Wetter, beruft, welcher allerdings Schocpflin der Fälschung derselben geziehen, diese Beschuldigung aber in einem Anhänge in feierlichem Tone zurückgenommen und eine »Ehrenerklärung Schoepflins Manen zur Sühne« abgegeben hat! — Doch, man lese das betreffende Kapitel selbst nach, — man wird sich nicht gelangweilt finden durch »Europens übertünchte Höflichkeit«. —
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