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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.08.1913
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1913-08-30
- Erscheinungsdatum
- 30.08.1913
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- Deutsch
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Platze in einem Kollegen zu suchen hatte, der als besonders schlau in buchhändlerischen Fragen gilt. Nun stand es für mich fest, daß die Sauregurkenzeit unfern liebwerten Kol legen zu einem Ritt ins Märchenland Utopia veranlaßt hatte, um seinen Berufsgenosscn eine Fata morgana vorzuzaubern, mit der sie sich ein Vicrtelstündchen in angenehmer Weise über den vielleicht nicht genossenen oder zu feuchten Sommerurlaub hin- wegsetzen sollten, um dann nach einiger Überlegung in die rauhe Wirklichkeit zurückversetzt zu werden, was dem Verfasser dann ein behagliches Schmunzeln entlocken würde. Je weiter ich mich aber dem Schluß näherte, desto mehr mußte ich doch der Ansicht zuneigen, daß es ihm bitterer Ernst sei, und daß er wirklich den Stein der Weisen zu finden geglaubt habe. Damit nun aber die hannoversche Kollegenschaft nicht mit ihm als Einwohner von Wölkenkuckucksheim eingeschätzt werden möchte, will ich unserm verehrten Herrn Kollegen S. die Leiter Hinhalten, auf deren Sprossen er wieder zu uns gewöhnlichen Erdenbewohnern herabsteigen und auf weitere Pläne sinnen kann, so leid es mir auch tut, manchem den schönen Traum zu zerstören, »Verlags- und Bezirksvertreter« — man denke — werden zu können. Zunächst möchte ich feststellen, daß auch vom reinen Waren handel in seiner Allgemeinheit nicht behauptet werden kann, daß er sein Absatzgebiet in einzelne Bezirke zerlege und es für jeden Bezirk einem Vertreter überlasse, auf eigene Hand die Einführung seiner neuen Ware zu übernehmen. Ich behaupte sogar, daß dies verhältnismäßig selten und dann nur bei »einzelnen« Artikeln vorkomme. Entweder hat das Geschäft, wenn es ein großes ist, selbst eine Menge Filialen oder Reisende, die einen bestimmten Bezirk nach Anweisung des Hauptgeschäftes bearbeiten, oder selbständige Agenten treten an den Fabrikanten mit der Bitte heran, ihnen für einen Bezirk den Alleinvertrieb zu überlassen. Aber wohlverstanden handelt es sich hier nur um den Vertrieb bei den Wiederverkäufe! n. An den Konsumenten selbst geht der Reisende oder Agent nur in Ausnahmefällen heran, wo es sich um Massenabsatz bzw. -konsum handelt, niemals aber kommt der Vertrieb sämtlicher Produkte einer auf mehreren Ge bieten tätigen Fabrik oder der einzelne Privatmann als Inter essent in Frage, wie es im vorliegenden Falle Herr S. beabsich tigt. Wenn noch die Propaganda bei den übrigen Sortimentern des Bezirks gemeint wäre, dann könnte man vielleicht annehmen, daß der Vertreter eine vollständige Kartothek der Wiederverkäufer führen könnte. Aber erstens wäre der Verleger in den meisten Fällen besser über die Firmen, infolge langjähriger Geschäfts verbindung mit ihnen, unterrichtet als der Sortiments-Vertreter, der über die Tätigkeit seiner Kollegen selten Näheres weiß, und dann schließt auch der Wortlaut der Vorschläge des Herrn S. diese Auffassung ganz aus. Nur »liefern« soll er dem Kollegen, der Vertrieb soll sich aber auf den einzelnen Kunden erstrecken. Welcher Sortimenter, und wäre es der größte einer größeren, ja nur mittleren Stadt, könnte sich für alle Berufe — und bei den verschiedenen Richtungen, die in der Verlagstätigkeit von zirka 100 Verlegern vertreten sind, müßten doch alle in Berücksichti gung zu ziehen sein — eine zuverlässige Kartothek anlegen und sie auf dem laufenden halten? Kann der Verleger nicht durch die Adressenbureaus, die mit einem großen Apparat nur für diesen Zweck arbeiten, viel besseres und zuverlässigeres Material erhalten? Gerade darin liegt doch aber der Wert des Sortimenters für den Verleger, daß jener seine bestimmte Kundschaft hat und wissen kann, wo innerhalb dieser die Interessenten für ein bestimmtes Buch zu finden sind! Geht er aber über diesen Kreis hinaus, so tappt er ebenso im Dunklen wie der Verleger. Daß die meisten Sortimenter dieses Feld nicht so beackern, wie es der Verleger für seine speziellen Zwecke wünscht, liegt nicht immer am Mangel guten Willens, sondern mehr an der Überproduktion. Wenn der Sortimenter sich nur auf einzelne Werke beschränken würde, so würde er allerdings mit diesen einen größeren Erfolg erzielen, wie z. B. die Reise- und Versandgeschäfte im allgemeinen und wie er es auch hier und da im besonderen Wohl selbst einmal tut, — aber wo bliebe sein Sortiment, das der Allgemeinheit dienen soll, wenn er es mit dem gesamten Verlag von 100 Verlegern so machen wollte? Dann würde seine »Stoßkraft« sich an den Gren zen seines Portemonnaies bald abschwächen und seine sonstige ge schäftliche Tätigkeit so eingedämmt werden, daß das Publikum ihn überhaupt nicht mehr zu seinem literarischen Berater heran ziehen würde, weil er sich notgedrungen auf ein engeres Gebiet beschränken müßte, ja er würde sich zum Kommissionär einer An zahl von Verlagsfirmen irgend einer beliebigen Stadt aus- wachsen, der nicht leben und sterben könnte. Wie viele Firmen wären in der Lage, die Räume für die Auslieferungslager der Nova von hundert Verlegern herzugeben? Und um Auslieferungslager handelt es sich doch, denn es soll ja L cond. und bar dem Kollegen des Bezirks geliefert werden! Wer hat das Personal zur Verfügung, das diese Bestellungen aus führen, verbuchen und zur O.-M. verrechnen soll? Wie steht es mit Remittenden und Disponenden, wie mit der Kreditgewährung an den Kollegen, sei es für eigene Rechnung oder für die der Ver leger? Welcher Verleger wird geneigt sein, in jeder Provinz zirka 15 Sortimentern das Verfügungsrecht über sein Eigentum zu überlassen, wo er es seinem Kommissionär, der ihm doch finan ziell alle Garantien bietet, in bezug auf L oonä.-Lieferung nur in beschränktem Maße überläßt? Wie soll es nun aber der »glück liche« Verleger machen, der bisher nur in Leipzig und höchstens an einigen Ncbenplätzen noch Auslieferungslager hielt, jetzt aber in einer Provinz 15, in Preußen allein also zirka 180 Ausliefe rungslager halten soll? Hat er z. B. nur 500 Exemplare eines Werkes gedruckt, so gehen zu jedem Vertreter in Preußen 2—3 Exemplare zur Auslieferung, der anderen Lager gar nicht zu ge denken. Er selbst behält nichts oder wenig da, und er schreibt dann Wohl nacheinander an die 180 Firmen, wenn er eine Bar auslieferung erledigen will, oder verzögert die Sache durch Über weisung an den Bezirksvertreter, der vielleicht zufällig auch schon die 2—3 Exemplare abgesetzt hat. Und wie soll der Verleger bei großen Auflagen die Übersicht über seine verfügbaren Bestände behalten, wenn 180 und mehr Firmen auslicfern? Die Versen dung müßte an jeden Bezieher doch auch direkt hin und zurück exfolgen, wodurch der Vertrieb für den Verleger nicht gerade verbilligt wird. Wie kann überhaupt ein Sortiment sich für die Novitäten von 100 Verlegern so speziell interessieren, wie es der einzelne Verleger für seine einzelnen Verlagsartikel tut? Glaubt dieser die Propaganda nicht von sich aus in geeigneter Weise für einen Bezirk vornehmen zu können, so wird er sich sowieso mit einer Firma dieses Bezirks in Verbindung setzen und diese veranlassen, für das einzelne Werk in geeigneter Weise tätig zu sein. Das ist aber nichts Neues, und das hat der Verleger — wenn auch oft mit sehr zweifelhaftem Erfolge — schon immer getan. Aber für seine ganzen Nova diese gesteigerte Tätigkeit des Sorti menters zu beanspruchen, das würde wohl niemand einfallen jemandem zuzumuten. Nun sollen gar 100 Verleger zusammen dies Verlangen an 15 Firmen einer Provinz stellen! Herr S. wäre Wohl der erste, der ein derartiges Ansinnen in der Praxis zurück- weisen würde. Und wollte er sich nur die Rosinen aus dem Kuchen heraussuchen, so würden sich die anderen Sortimenter höflichst bedanken, wenn ihnen nur das Nichtzusagende überlassen bleiben sollte. Wie soll es mit den Werken gehalten werden, die mehr als nur ein Jahr das Interesse beanspruchen? Sollen diese oft für Jahrzehnte absatzfähigen Werke nun von dem Vertrieb ausge schlossen sein, oder sollen jetzt die Sortimenter zweiten Grades an die Reihe kommen? Heute bezieht doch wenigstens mancher Sor timenter noch ein früher erschienenes Buch L cond. oder disponiert ein nicht sogleich abgesetztes. Wird er jetzt noch dazu gewillt sein, wenn er sich wieder an den Verleger direkt wenden soll, nachdem der Vertreter, der wegen Platzmangels das vorjährige Buch nicht mit auf Lager halten kann, schon alle Absatzmöglichkeiten ver sucht hat? Wohin man auch heute blickt, überall türmen sich so viele Hindernisse auf, daß der zur Verfügung stehende Raum weit über schritten würde, wollte man sie alle hier Revue passieren lassen. Es genügt Wohl schon das Gesagte, die vollständige Undurchführ barkeit des Vorschlags darzutun. IFortsetzung aus Seite
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