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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.05.1881
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1881-05-23
- Erscheinungsdatum
- 23.05.1881
- Sprache
- Deutsch
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- Zeitungen
- Saxonica
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2168 ^ 11-, 23. Mai. Nichtamtlicher Theil. schüft der Censoren, welches früher den Rectoren und Decanen obgelegen habe, abgeschafft sei. Diese Function sei aber auch nicht mehr nöthig, denn der Buchhandel sei heute sein eigener Censor und übe eine gar strenge und heilsame Censur. Vieles verschwinde heutzutage im Schreibtische, was zum Gedrucktwerdcn geschrieben worden sei; ein ihm befreundeter Buchhändler aus Gotha habe ihn einmal versichert, daß reichlich zwei Drittel aller Manuscripte nicht gedruckt werden. Es sei ein wahrer Segen, daß wenigstens einige Auserwählte zu Worte kämen in der großen Fabrik der Bücher, wie man unser Deutschland nennen könne. Denn nirgends in der Welt gebe es so viele Bücher und so viel Muth beim Verlegen wie hier, einen so hohen und unerschrockenen Muth, wie er beim Verlage so manches Buches nöthig sei. — Wenn man an einem der Versandtage durch die Straßen der Stadt gehe, so biete sich ein gar wunderbarer Anblick. Und was bedeute das Getriebe? Es heiße ja für gewöhnlich, der Geist sei wie der Wind und Gedanken seien zollfrei. Hier aber seien Geist und Gedanken — es solle einmal angenommen werden, daß es sich wirklich um sie handle — ge bannt und gebunden und würden hiehin und dahin transportirt. Es sei etwas Großes an dieser Mittheilung der Gedanken bis in die abgelegensten Landstädtchen, an diesem Zusammenhang des allgemeinen Lebens, ein Gewinn und eine Wohlthat nicht blos für die geistige Aristokratie, sondern für die Allgemeinheit. Auf dieser gemeinsamen geistigen Atmosphäre beruhe zum großen Theil die nationale Wohlfahrt und darum finde man unter den buchhändlerischen Namen gar stolze Namen in der Geschichte des Deutschen Reichs. — Lange sei es her, daß er ein Buch gelesen habe in drei Bänden, welches das Leben eines der ehrenwerthesten deutschen Buchhändler behandle, aber unvergeßlich sei der Ein druck, den er davon empfangen, und unermüdlich empfehle er auch dieses goldene Buch, diese Lebensbeschreibung des Hamburger Buchhändlers, vom Katheder herab seinen Studenten. Und ein Reich sei nicht blos gegründet auf die äußere Macht seiner Heere, im Gedanken sei lange verborgen, in der Welt des Geistes lange vorbereitet, was erst spät in die Erscheinung tritt. Der Buch handel aber sei Träger der Gedanken: der Buchhandel habe mitgebaut am Reich. Und darum wolle er den Kranz aufheben, der vorhin von anderer Hand sei liegen gelassen worden, nicht weil er sich würdiger fühle, aber weil es ein Unrecht sei, ihn nicht aufzuheben, er drücke den vollen, frischen Kranz auf das Haupt des deutschen Buchhandels, der Buchhandel lebe hoch! Nachdem der begeisterte Enthusiasmus, mit dem diese zünden den Worte ausgenommen wurden, sich gelegt, die stürmische Ovation, mit der dem Redner gedankt wurde, verklungen war und nach dem Herr W. Spemann mit warmen, bewegenden Worten die übliche Bitte ausgesprochen hatte, beim fröhlichen Mahle auch unsrer Armen und Kranken, unsrer Wittwen und Waisen zu gedenken, wendete sich Herr vr. Friedrich Kapp an die Ver sammlung. Seit er an die Aufgabe getreten sei, die Geschichte des deutschen Buchhandels zu schreiben, betrachte er sich als zum Buchhandel gehörig, und wenn auch nicht in Reih und Glied stehend, doch gewissermaßen als ein zum Generalstab ab- commandirter Offizier. Seine Aufgabe sei schön, sie biete aber auch gewaltige Schwierigkeiten, welche sich am besten charakteri- siren ließen durch den einzigen Satz: Der Buchhandel ist nicht ein in sich abgeschlossenes und also in gewissem Sinne selb ständiges Gewerbe, sondern er muß in allen Gebieten der geistigen und wirthschaftlichen Thätigkeit Anleihen machen, muß überall borgen. Die Geschichte des Buchhandels ist die Geschichte der Civilisation und der Cultur. Der berühmte Pandektist der hiesigen Universität habe den Ausspruch gethan, die Rechts wissenschaft sei ja wohl die Magd der Gesetzgebung, aber sie sei eine stolze Magd, die Anspruch auf eine Krone mache; der Buch handel aber sei von einem spanischen Schriftsteller die Waffen schmiede der Menschheit genannt worden. An allen nationalen Aufgaben habe er seit Menschenaltern stolz und kräftig mit gearbeitet. Ehe der Zollverein entstanden, war schon der Börsen verein und enthielt ein gutes Stück nationaler Einheit. Wenn der Buchhandel einer der kräftigsten Träger des nationalen Be wußtseins sei, so finde er seinen angemessensten Ausdruck im Börsenverein. Kaum ein anderer Stand könne eine so tüchtige, tapfere Körperschaft aufweisen wie diese. Und so gelte sein Hoch dem Wohl des Börsenvereins. Herr Reichsgerichtsrath vr. von Hahn sprach im Namen seiner Collegen den Dank aus für die warme Begrüßung, welche das Reichsgericht gefunden hätte. Zur Schaffung des großen Werkes der deutschen Rechtseinheit, welche in dem Reichsgericht ihren sichtbaren Ausdruck finde, habe der Buchhandel wesentlich mitgewirkt, und nicht blos im allgemeinen Sinne, sondern durch eine ganz specielle That. Bekanntlich sei eine der wirklich guten Thaten des weiland Bundestags die Schaffung des einheitlichen Gesetzes über den Nachdruck gewesen, und zu dieser Schöpfung habe der Buchhandel den Hauptanstoß gegeben. Und er habe nicht blos auf die Regierungen den Druck ausgeübt, er habe sich selber organisirt, er habe ein lebenskräftiges Stück Deutschland gegründet, sich Organe und besondere Usancen geschaffen, um Streitigkeiten der Mitglieder zu schlichten: sein ehemaliger Ver gleichsausschuß sei ein Vorläufer des Reichsgerichts. Und auch nach Schaffung des letzteren habe der Buchhandel seine große Aufgabe auf dem Gebiete des Rechts erfüllt dadurch, daß er zum Bekanntwerden der einzelnen Entscheidungen so bedeutend mitwirke, ohne welches eine wirkliche Rechtseinheit nicht denkbar sei. Dabei gebe er selbst dem Gericht aber nur sehr wenig zu thun, und obgleich buchhändlerische Processe für den Juristen sehr interessant seien, so sei es ja bekanntlich immer besser, sich zu vergleichen, als sein Recht vor dem Gericht zu suchen. Und in diesem Sinne leere er sein Glas auf die Institutionen des Börsenvereins. In den Pausen während aller dieser mit lebhaftem In teresse aufgenommenen Tischreden waren auch zwei Tafellieder zu kunstmäßiger Absingung gekommen, welche bedeutend dazu beigetragen hatten, die ohnehin schon animirte Stimmung wesent lich zu erhöhen. Das erste hatte Herrn Edwin Bormann, den bekannten „olden Leibziger" des „Schalk" zum Dichter und war eine „Jammer-Cantate" über dieses „papierene Zeitalter"; der Verfasser des zweiten, der als „Leipziger Allerlei" charakterisir- teu üblichen Chronik der buchhändlerischen oaasss adlöbrss des verflossenen Geschäftsjahres, wurde stürmisch gerufen und lebhaft gefeiert, als er sich als eine, auf diesem Gebiete seit einer Reihe von Jahren bekannte und immer neu bewährte Kraft erwies. Der lebhafte Beifall, mit welchem der nächste Redner, Herr Consistorialrath Professor vr. B aur begrüßt wurde, zeigte, wie hoch der gefeierte Kanzelredner in der Gunst der Festversammlung steht, welche er alljährlich durch seine Anwesenheit erfreut. — Es sei der Wunsch seines verehrten Tischnachbarn, eines der Häupter der Stadt, des Herrn Bürgermeister Tröndlin gewesen, daß noch ein Leipziger reden möge, und einer hohen Obrigkeit Wunsch sei ihm stets Befehl. Ja sogar das Honoriren der gerade jetzt fällig werdenden Steuerzettel sei eine der edelsten Aufgaben des Bürgers, doch müsse er gestehen, daß Toaste reden ihm immer noch mehr Spaß mache. Allerdings sei ihm noch nicht klar, auf was er trinken wolle, er habe aber auch nicht die Prä tention, etwas Neues zu bringen, sondern nur den Wunsch, die
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