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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.08.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-08-24
- Erscheinungsdatum
- 24.08.1905
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- Deutsch
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7384 Nichtamtlicher Teil. pH 1SK, 24. August 1905. einen so gottlosen Tyrannen und Christenverfolgec erinnere'), und zählte statt dessen die Jahre ab inoaroationo Domini, d. h. vom 25. März. Dadurch wurde Dionysius Exiguus der Schöpfer unsrer gegenwärtigen Zeitrechnung. Sein Vorschlag, die Menschwerdung Christi als Aus gangspunkt der Zeitrechnung anzunehmen, fand übrigens nur langsam Folge. In Italien wurde sic zwar noch im sechsten, in Frankreich aber erst im siebenten, allgemein erst im achten, i» Spanien sogar erst im vierzehnten Jahr hundert angenommen. Bekannt dürfte heute sein, daß die Basis, auf der unsre christliche Zeitrechnung beruht, ganz sicher falsch ist, und daß sich der gute Abt verrechnet hat. Er rechnete näm lich das Jahr der Menschwerdung Christi als das Jahr 754 nach der Erbauung Roms heraus. Sowohl das Evangelium Matthäus als auch das des Lukas bezeugen aber, daß Christus zur Zeit des Königs Herodes ge boren wurde. Da dieser aber schon kurz vor dem Passah des Jahres 750 ab nrba conckita gestorben ist, so kann die Rechnung des bescheidenen Dionysius nicht richtig sein. Sanclemente hat durch Daten aus der Geschichte des Herodes und aus Zeitbestimmungen, die sich auf seine Regierung beziehen, auch aus dem Evangelisten Lukas nach- gewiesen, daß Christus im Jahre 747 der Stadt Rom, d. h. 6 Jahre »vor Christus- geboren wurde, und nachdem der gelehrte Mathematiker und Astronom Ludwig Jdeler (1766—1846) diese Gründe vollständig entwickelt und auch astronomisch gestützt hat, ist heute jeder Zweifel darüber ge schwunden, daß wir sechs Jahre unsrer osfiziellen Zeit vor- auslebeu, d. h. daß wir uns heute tatsächlich im Jahre 1911 befinden. Der Streit um den Anfang des 20. Jahrhunderts vor einigen Jahren war also in Wirklichkeit müßig. Das ganze Mittelalter hindurch waren richtige Zeit bestimmungen sehr schwierig, da man nach den verschiedensten Jahresanfängen rechnete. Tage wurden danach bestimmt, ob sie nach oder vor bestimmten Heiligcnfesttageii lagen! viele Chronisten geben die Zeit auf doppelte und dreifache Weise an. So allgemein üblich war diese Methode, daß eine mittelalterliche Urkunde, die nur eine einfache Zeitbestimmung enthält, von vornherein der Fälschung verdächtig ist. Am Ausgang des Mittelalters hatte sich aber, wie es scheint, das Bedürfnis nach einer genauen Regelung der Zeiteinteilung auch im bürgerlichen Leben bemerkbar gemacht, denn zur Vcrvielsältigung des Kalenders bediente man sich schon sehr früh des Holztafeldrucks. Der älteste bekannte, natürlich handschriftliche deutsche Kalender geht in das sechste oder gar in das vierte Jahr hundert zurück. Das kleine, die Sprache des Ulfilas auf weisende Bruchstück, das von dem Pergament noch erhalten ist und die Tage vom 23. Oktober bis 30. November ent hält, zeigt dieselbe praktische Anordnung, wie wir sie heute noch bei unfern Wandschreibkaleudern finden! jeder Tag hatte seine Zeile, in die Notizen eingetragen werden konnten, was auch tatsächlich geschehen ist.") Solche christliche Kalender waren eigentlich Heiligcnkataloge, Verzeichnisse, die die Ge dächtnistage des Todes oder der Beisetzung von Bischöfen und Märtyrern festhalten sollten. So sind in dem erwähnten Kalenderfragment innerhalb der genannten Tage nur sieben Gedächtnistage vermerkt. Bevor man die Kalender aufschrieb, hatte es auch keinen Zweck, für jeden Tag einen Heiligen zu längern Reihe von Jahren mit fortlausenden Zahlen. Sie be ruhte auf dem am 29. August 784 erfolgten Regierungsantritt Dio kletians, der nach Alexondrinischer Jahresrechnung dem Anfang des Jahres 785 gleichkommt (Grotefend, Taschenbuch der Zeit rechnung. Hannover 1898. S. 9). " Heyne, Ulfilas. 8. Ausl. 1885. S. 226. bestimmen, da man diese 365 doch nicht der Reihe nach im Gedächtnis behalten hätte. Diesem ältesten deutschen Kalender folgte noch eine große Zahl handschriftlicher, die aber ebenfalls mehr oder weniger Martyrologien sind und teilweise Lebenbeschreibungen bringen. Die bekanntesten stammen von Usuard, Ado, Rhabanus Maurus, Wandalbert (in 940 Versen), Notker u. a. Daneben aber gab es eine Menge kurzgefaßter Kalender, meist in lateinischer Sprache. Ein solcher, in Gold und Silber prächtig ausgeführt, befindet sich am Schluß der Pariser Evangelienhandschrift, die Karl der Große und Hilde gard gegen 781 durch den Lohnschreiber Gottschalk verfertigen ließen.') Über den ersten gedruckten Kalender ist schon viel geschrieben worden. Als solcher gilt der Kalender des Johannes de Gamundia, Johannes Ryder aus Schwäbisch- Gmllnd, dem Städtchen mit dem interessanten Marktplatz. Der Verfasser, der als Magister der Mathematik und Astro nomie in Wien lebte und dort 1442 als Kanzler der Universität gestorben ist, war als Verfasser handschriftlicher Kalender bekannt. Schreiber sagt in seinem Manuel"), daß Ryder seinen Almanach für das Jahr 1439 berechnet habe, wie mehrere handschriftliche Vervielfältigungen bewiesen, die sich erhalten hätten. Indes hält man den vorliegenden Blockdrnck für sehr viel später. Nach Kaltenbrnnner stammt der Druck aus der Zeit von 1458—77, Schreiber ist der Ansicht, daß der Schnitt gegen 1470 angefertigt worden sei. Wie Häbler mitteilt, ist der interessante Kalender in doppelter Form überliesert, einmal in einem, jetzt in 6 Blatt nach Art eines xylographischen Buches angeordnetcn gedruckten Exemplar, das andre Mal in Form eines Holzstocks, der den vier ersten Tafeln jenes Buchs entspricht, aber nicht derselbe Block ist, von dem jene gedruckt sind. Eine Reproduktion dieses Holzstockes, der im Jahre 1808 dem Freiherrn von Zach zur Wiedergabe des Kalenders in dessen Korrespondenz zur Beförderung der Erd- und Himmels kunde im Original benutzt worden ist, eröffnet eins hoch interessante neue Veröffentlichung, die wir der unermüdlichen Forschungsarbeit des Straßburger Verlegers Paul Heitz verdanken. Unter dem Titelt Hundert Kalender- Inkunabeln"') liegt das Ergebnis einer vieljährigen Sammeltätigkeit nun vor. Zu den hundert Blatt trefflicher Reproduktionen hat Professor Dr. K. Häbler in Dresden einen lehrreichen Text geschrieben. Ist schon die Zahl der bekannten Inkunabeln an sich (an 25000) erstaunlich, so ist es vielleicht noch mehr die jenige der Einblatt-Kalender - Inkunabeln, von denen dem Bibliographen Hain nur sehr wenige bekannt geworden, deren heute aber über 200 nachweisbar sind. Diese hohe Zahl ist um so bemerkenswerter, als die Natur dieser Blätter eine längere Aufbewahrung ziemlich ausschloß; sie verloren ihren Wert und wurden dann auch späterhin besonders von den Buchbindern zum Bekleben von Einbanddecken und ähn lichen Zwecken verwandt. Auf diese Weise sind freilich viele der heute noch bekannten Blätter dem gänzlichen Untergang entronnen. Die hundert hier reproduzierten sind die inter- * Lersch, Einleitung in die Chronologie. 2. Ausl. 2. Teil. Frei burg 1899. S. 167. — über nordische Runenkalender und mittel europäische Bauernkalender hat Oberlehrer Ludw. Sig soeben einen interessanten Beitrag geliefert in der Wissenschaftlichen Beilage zum Jahresbericht des bischöflichen Gymnasiums zu Straßburg: Vorgregorianische Bauernkalender. Straßburg 1905. aui XV« eidols. Bd. 3. Leipzig 1902. S. 403. *") Hundert Kalender-Inkunabeln, Hrsg, von Paul Heitz, mit begleitendem Text von Konrad Häbler. Straßburg 1905, Heitz L Mündel. 37 S. u. 100 Blatt Reproduktionen io plano. 100 ^t.
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