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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.12.1913
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1913-12-29
- Erscheinungsdatum
- 29.12.1913
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- Deutsch
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300, 29. Dezember 1913. Redaktioneller Teil. Börsenblatt s. d. Ttschn. Buchhandel 14039 Eine neue Art der Perlener, den Buchhandel für ihre Vcrlags- werke zu interessieren, wendet der Berliner Verlag Neues Leben <W. Borngräber) an. Arnold Höllriegel berichtet sehr anschau lich im Berliner Tageblatt vom 28. Nov. d. I. darüber, und seine Schilderung ist so interessant, das; wir sie als Beweis dafür, das; auch der Verlag die Politik der kleinen Mittel zur Anwendung bringen kann, hier auszugsweise anführen: Der Verleger hat (Verleger, höret!) eine Idee gehabt. Warum sollen die armen Buchhändler immer nur Waschzettel zu lesen krie gen? So verschickte er diesmal an einige Herren vom Buchhandel statt der Waschzettel Einladungen zu einem gemütlichen Abend. Auch der gewaltige Bnchabteilnngschef eines unserer Warenhäuser war zu gegen und außer ihm sogar einige nette junge Damen, die Bücher verkaufen sollen, und die zu erfahren wünschten, was sie der Kund schaft empfehlen müssen. Und eine hohe Kritik war auch geladen und wurde immerzu mit Bier, Lachsbrötchen und Sherry Brandy bestochen. Es war furchtbar gemütlich in der reizenden Junggesellenwohnung, und die Gemütlichkeit wurde auch nicht im geringsten dadurch gestört, daß in angemessenen Zwischenräumen der eine oder der andere der jnngen Autoren sich in einen schönen japanischen Sessel setzte und ein Geschichtchen vorlas, zum Beispiel, wie die Frau Bezirksamtmann Uebelbefnnd ihren Geliebten vor der Nase ihres Mannes ans dem Schlafzimmer hinansznschmnggeln wußte. Jakob Wassermanns Rah- menbnch »Der goldene Spiegel« ist ein wenig anders im Vortrag (und so), aber es ist nicht so kurzweilig und Hütte nicht so gut zu diesem famosen Abend gepaßt. Wenn alle Verleger den Buchhändlern und der hohen Kritik ihre neuen Bücher vorlesen ließen, hätten die Herren Buchhändler und die hohe Kritik keinen Abend ihres Lebens mehr frei. Es wäre peinlich; aber diesmal ist es sehr hübsch ausgefallen. (Schluß folgt.) Kleine Mitteilungen. Eine Dantcfcicr in deutschem Heim aus fremdem Boden. — Zn einer Dantcseier, allerdings im weiteren Sinne des Wortes, gestaltete sich der zweite Vortragsabend am 17. Dezember im Bibliothekssaale der Villa Olschki in Florenz. Auch diesmal war eine erlesene Gesellschaft der Einladung unseres Kollegen, des Commendatore Leo S. Olschki gefolgt; es stand dazu ein interessanter Gegenstand zur Ver handlung: »Dante und die Bnchillnstration des 15. und 16. Jahr hunderts«. Graf Passerini, als Danteforscher geschützt und bekannt als He rausgeber des Oiornals vanteseo, hatte es übernommen, seinen Zu hörern in anregender Rede zu schildern, welch mächtigen Einfluß die tiefsinnige Dichtung Dantes, die Göttliche Komödie, auf die zeichnen den Künstler von jeher ausübte und wie letztere den empfangene» Eindrücken und ausgelösten Empfindungen Gestalt zu verleihen suchten durch die Schöpfungen ihres Griffels. Wir folgen im Nachstehenden den Ausführungen des Redners. Er gab einen kurzen Überblick der uns erhaltenen Dante-Handschriften, soweit sie mit Miniaturen verziert sind, und machte darauf aufmerk sam, daß in den frühesten Handschriften der bildliche Schmuck nur ornamentalen Charakter trug; erst später finden sich eigentliche Dar stellungen von Szenen vor. Die erste illustrierte Ausgabe der Göttlichen Komödie er schien 1481 in Florenz bei Lorenzo della Magna, gewöhnlich ist sie nur mit 1—2 Kupfer» nach den Zeichnungen Botticellis versehen; Exem plare, die alle 19 Kupferstiche Botticellis enthalten, rechnen zu den größten Seltenheiten, schon als früheste Erzeugnisse der Kupferstichkunst. Im Jahre 1487 brachte Bonino de Boninis in Brescia eine mit 68 größeren Holzschnitten geschmückte Ausgabe, eigentlich die erste reich- illustrierte; leider steht der künstlerische Wert der Zeichnungen nicht hoch, auch verraten sie kein besonderes Verständnis mancher Stellen der Dichtung. Weit höhere Beachtung verdient die nächste Ausgabe, von Benali und Eapcasa in Venedig, März 1491; ihre 97 kleinen und 3 blattgroßen Holzschnitte mit schönen Umrahmungen, in leichten Umriffen, üben auch heute noch ihren Reiz aus, sympathisch berührt uns sowohl die Naivität der Darstellungen, wie die zierliche Zeichnung. Diese ge schätzte Ausgabe muß s. Z. sich großen Beifalls erfreut haben, denn von unwesentlichen Umstellungen und Auslassungen einiger Bilder ab gesehen, erschien sie von neuem bei Eapcasa in Venedig 1493, bei Bar- tolomeo de Zanni ebenda, 1507, und endlich 1529 bei Jacob del Burgo- franco, ebenfalls in Venedig. Letztere Ausgabe, die für Rechnung Juntas gedruckt wurde, zeichnet sich durch das vorzügliche Bildnis des Dichters aus, lorbeerbekränzt, im Profil, das die ganze Rückseite des Titels cinnimmt. Ferner kehren Kopien dieser Holzschnitte wieder in! den 3 Quart-Ausgaben, die Stagnino in Venedig 1512, 1520 und 1536 , verlegte. Im gleichen Jahre 1491, aber im November, kam bei Pietro Cre-! nionese in Venedig ein Dante heraus, dessen Bilder von denen der! März-AttSgabe 1491 etwas abweichen, auch größer siud und feineren Schnitt aufweiscn; Pietro de Zanni in Venedig gab sie 1497 von neuem heraus. Nebenbei geschah der verschiedenen Ausgaben in kleinem Format Erwähnung: Tuscolano, Paganino, 1506 und 1516, Venedig, Aldus 1515 usw., die indessen wegen ihrer Pläne und Durchschnitte der Hölle nsw. hier kaum in Betracht kommen. Einen sehr charakteristischen Holz schnitt, in schraffierter Manier, bringt dagegen die Florentiner Aus gabe des Junta von 1506. Einen Schritt vorwärts bedeutet die schöne Quartausgabe des Dante, Venedig, Marcolini, 1544, bei der zum erstenmal eine moderne Auffassung der Formen und Begriffe sich geltend macht. Die 87 neuen Darstellungen, denen wir hier begegnen, atmen ganz den frischen Geist des Cinguecento und unterscheiden sich wesentlich von den Holzschnitten der früheren Ausgaben. Daß sie dem Geschmacke jener Zeit entsprachen, dafür zeugen die 3 Folio-Ausgaben, die Sessa in Venedig 1564, 1578 und 1596 davon veranstaltete; die Bilder wurden hier um ein Ge ringes vergrößert. Auch in den niedlichen Ausgaben des Rovillio in Lyon und des Giolito in Venedig finden sich einige Holzschnitte davon in Kopien vor. Hiermit hatte der Vortragende im wesentlichen seine Aufgabe ge löst; er nahm noch Anlaß, auf die geistreichen und manierierten Zeich nungen zur Göttlichen Komödie hinzuweisen, die Federico Zuc- caro und Johannes Stradanus aus Brügge um 1586 bis 1588 geschaffen. Die Originale des ersteren, 87 Blatt, bewahrt das Knpserstichkabiuctt in Florenz; Corradi Ricci veröffentlichte sie 1908. Die Handzeichnungeu des Stradanus, 28 Blatt und einige andere ihm zugeschriebene, hütet die kibkioteea I^urenriana in Florenz, deren Direktor Guido Biagi sie 1893 veröffentlichte. Der Vortragende berührte weiter das fast gänzliche Erlöschen des Dantestudiums im 17. Jahrhundert, sein Erwachen im 18. und Blühen im 19. Jahrhundert und jetzt. Trotzdem viele und auch bedeutende Künstler ihr Talent an der schwierigen Aufgabe der Illustrierung der Divina Eommeclia erprobten, und obwohl für einzelne Gesänge und Szenen unlibertreffliche und typische Darstellungen uns vorliegen, fehlt nach Ansicht des Redners noch eine bildliche Wiedergabe des Gedichtes, in der der Künstler dem großen Dichter gleich groß dasteht. Es bleibt der Zukunft Vorbehalten, diese Lücke auszufüllen. Zum Schluffe erwähnte Graf Passerini noch Herrn Olschkis be sondere Verdienste um die Förderung des Dantestudiums in Italien durch Gründung der ersten italienischen Dautc-Zeitschrist, I^liAtiieri, die nach 3 Jahren den Namen in Oiornale I)3nl68eo änderte, unter dem sie heute weiter blüht. Auch die bald danach erfolgte Gründung der italienischen Dante-Gesellschaft in Florenz läßt sich darauf zurückführen. Die Versammlung lauschte mit Interesse den Worten des Redners und kargte nicht mit Beifall. Sie zerstreute sich daun im Saale, um in den Vitrinen und auf den Tischen die dort vereinigte Dante-Sammlung zn bewundern, die in ihrer Art einzig dasteht und ganz und gar dem reichen Lager der Firma entstammt. Da lagen aufgeschlagen, in lücken loser Folge, alle im Vortrage eben erwähnten Ausgaben von 1481 an bis 1596, durchweg in tadellosen Exemplaren, viele sogar im alten Ein bande. In solcher Fülle wird wohl kaum eine andere Firma Ähn liches an Dante-Ausgaben bieten können, ja selbst manche große öffent liche Bibliothek dürste Herrn Olschki um seine Schätze beneiden, die hier jedermann zu durchblättern und zu besichtigen freistand. Bei dieser Gelegenheit möchten wir Nachträgen, daß man einem deutschen Drucker, Johann Nnmeister (Neumeister aus Mainz), die erste Dante-Ansgabe verdankt, die von Fuligno 1472; daß es ein Deutscher war, der den ersten illustrierten Dante brachte, nämlich Lorenzo della Magna (Nikolaus Lorenz aus Breslau) in Florenz 1481. Wiederum hat jetzt ein Deutscher die monumeutalste kommeutierte Aus gabe des großeri Dichters veröffentlicht. Wir meinen die von der Firma Olschki in ihrer eigenen Druckerei hergestellte und zur 50jährigen Jubelfeier des Königreichs Italien 1911 erschienene Prachtausgabe von 300 numerierten Exemplaren, mit den Erläuterungen des Grafen Pas- scrini. Letzterer hat darin die Quintessenz der alten und neuen Dante- forschnng niedcrgelegt. Sie ist mit den anmutigen Holzschnitten der März-Ausgabe von 1491 geschmückt und in typographischer Hinsicht ein Meisterwerk. II. xl<. Nichtantritt einer Stellung. (Nachdruck verboten.) — Es ist statthaft, daß bei dem Engagement eines Angestellten eine Vertrags strafe auch für den Fall vereinbart wird, daß der Angestellte die Stellung nicht rechtzeitig antritt. Bei Bemessung der Höhe der Strafe ist das Einkommen zu berücksichtigen, das der Angestellte in der bisherigen Stellung gehabt hat und das er in der neuen Stellung verdient haben würde. Diesen Standpunkt vertrat das Landgericht Halle a. S. in fol gendem Falle: Auf Grund eines Bewerbungsschreibens vom 18. Ja nuar 1913 wurde der Reisende X. von der Firma Ä. mittels Briefes
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