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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.11.1913
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1913-11-18
- Erscheinungsdatum
- 18.11.1913
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- Deutsch
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12482 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. ZL L68, 18. November 1818. es nicht bitter, daß man die Notwendigkeit von Buchhaltungs kursen für Prinzipale bejahen mutz? Doch Rechnungswesen und Buchführung sind eins; erst wenn diese dem Sortimenter und zwar nicht erst dann, wenn er sein Geschäft verkaufen will, oder sogar muß, ihm mit ihren Ziffern seine Schwächen zeigt, wird eine Besserung für jenes zu erwarten sein. Doch auch für den Verlag wäre so ein praktischer Kursus recht notwendig, wenigstens für die jüngeren, stark idealistisch angehauchten Herren, die in den Verlag hineinkommen mit »leid lichem Geld und frischem Mut«. Sie unterstützen in ihrem Taten drange die allerneuesten Richtungen und verlegen, man möchte vermuten, wahllos, alles, was absonderlich ist, was aus dem nationalen und gesellschaftlichen Rahmen heraustritt. So machen sie ein, zwei Jahre lang fort, erschweren dem Verlag, der wirkliche, bleibende Werte schafft, den Absatz, bis Papierlieferant und Buch drucker zeigen, daß wenigstens sie das Rechnen gelernt haben. Daß jemand Sortimenter oder Verleger wird, kann man ja nicht verbieten. Wenn nur dabei, vom finanziellen Grund ganz abgesehen, die individuelle Veranlagung mit in Rechnung ge zogen würde. Hier entscheiden stets Kapital und Neigung — und der Herr Verleger ist fertig! Ein Perthes, ein Cotta, ein Kröner haben sich nur durch ihre Urteilskraft über die Absatz- sähigkeit eines Buches, durch klug erhaltene Verbindungen, da durch, datz sie den Pulsschlag der Zeit fühlen konnten, ihre Größe aufgebaut; gehalten aber haben sie sich eben doch dadurch, daß sie mit ihrem Werke gewachsen sind, datz sie mit kaufmän nischem Blick ihre Betriebe organisierten. Bei wie vielen kleinen Verlegern entscheidet denn nicht allein die Phantasie, die träume rische Schwester des Urteils? Wäre es heute möglich, sie vom Verlag fernzuhalten, so würde sicher die jährliche literarische Produktion von 32 OVO Büchern auf die Hälfte zurllckgehen, nicht nur zum Wohle des deutschen Buchhandels allein! In dieser Zeit einer solch enormen Hochflut literarischer Erscheinungen sich zu behaupten, dazu bedarf es außer den er- wähnten geistigen Veranlagungen auch noch einer besonderen Arbeitskraft. Es war und ist für das Sortiment immer eine Überraschung, was alles die Firma Georg Müller herausbringt. Das strömt jahraus, jahrein, ununterbrochen, und wenn Heuer der Verlag auf zehn Jahre Tätigkeit zurückblickt, so kann er ruhig diese Zeit als Kriegsjahre sich anrcchnen lassen. Doch ist es nicht die reiche Fülle seiner Produktion allein, die ihn in die erste Reihe der deutschen Verleger stellt; sein größtes Verdienst dürfte sein, daß er uns zu geschmackvoller Ausstattung, zu gediegenen Ein bänden verholfen hat. Georg Müller-München, Diederichs-Jena, Jnsel-Verlag-Leipzig, Hans von Weber-München und S. Fischer- Berlin haben so ziemlich allein jahrelang für eine Verbesserung des Bucheinbandes gekämpft. Ihnen ist es zu verdanken, wenn wir uns heute nicht mehr vor England schämen müssen. Wir brauchen nicht gerade ein Paradestllck hcrauszunehmen; betrachten wir z. B. die Ausstattung von den nur kartonierten Bändchen Ettlinger, Marquis Bonvivant; wie patzt nicht Titeleinteilung, Umschlag, Satzanordnung, Type und Papier zu diesen hervor ragenden, entzückend feinen und vornehmen Satiren! Seine Glanzleistungen: Goethe, Schiller, Casanova, Turgenjew, seine Ausgaben der Philosophen brauchen wir nur zu erwähnen. Hier haben wir auch gleich das Beispiel, daß die Entwicklung eines solchen Verlages nur dann ungehemmt ist, wenn die Orga nisation planmäßig Stufe für Stufe vorauseilt. Die wertvollste Arbeit, Prüfung der Manuskripte, die im Anfang vom Inhaber selbst vorgenommen werden konnte, mutzte später Lektoren über tragen werden. Die alte kaufmännische Regel, daß der Leiter des Ganzen oder einer Abteilung immer nur das tue, was er besser macht als andere, wird aber sonst im Buchhandel viel zu wenig beachtet. Wie turmhoch hier die technische» Berufe uns überragen, das zeigt ein Werk, das im Verlag R. Oldendourg- München erschienen ist: Tahlor, Grundsätze wissenschaftlicher Betricbsführung. »Erst wenn das volle Verständnis dafür allgemein vorhanden sein wird, datz unsere Pflicht sowohl, als unser eigner Vorteil darin liegt, durch systematisches Zusammenarbeiten Menschen zu schulen und so zur Schaffung von stauglichen Menschen' mitzn- helfen anstatt nach jemandem zu jagen, den ein anderer geschult hat — erst dann werden wir auf dem richtigen Weg zur besten Ausnutzung aller Kräfte der Nation sein.« übersetzen wir doch einmal in diesem Satz aus Taylor die Wörter Menschen mit Buch händler und Nation mit Buchhandel, und wir haben einen Prak tischen Vorschlag zu dem Leitsätze von Jentsch. Wenn dieses Prinzip überall nur auf die Lehrlinge angewendet wird, wenn nur noch ihre Veranlagung für ihren Bildungsgang im Geschäft maßgebend ist, dann werden wir bald auch über bessere Kräfte verfügen. Wenn Taylors Untersuchungen über unnützen Kraftaufwand, über Energieverteilung und über Arbeitsmethoden auch haupt sächlich für technische Unternehmungen vorgenommen sind, so kann man doch ohne besonderen Scharfsinn seine Resultate auch auf andere Betriebe anwenden. Der Buchhandel z. B. verschwen det eine Unsumme von Zeit, Kraft und Material beim Packen, weil nur in ganz wenigen Geschäften die neueintretenden Kräfte in den einfachen Hantierungen dafür, in der ökonomischen Ver teilung des Materials unterrichtet und durch Stichproben kon trolliert werden. Der Verlag nimmt dem Sortimenter viel kost bare Zeit weg und schmälert selbst seinen Absatz, weil er sich immer noch nicht entschließen konnte, grundsätzlich die Rückentitel von unten nach oben aufzudrucken, weil er immer noch recht oft Schutzumfchläge und Kartons ohne Titel- und Verlagsausdruck hinausgehen lätzt. Man vergegenwärtige sich nur einmal den Zeitverlust mit dem daraus resultierenden Stimmungsverlust bei Verkäufer und Käufer — und es ist nicht schwer zu urteilen, daß durch diese Gleichgültigkeit in solch kleinen Sachen dem Gesamtbuchhandel jährlich hohe Summen verloren gehen. Unter den vielen Schriften, die in den letzten Jahren über Organisation erschienen sind, ist die Taylorsche die beste; sie bietet trotz aller wissenschaftlichen Behandlung nicht trockene Lehrsätze, greift vielmehr ins praktische Leben hinein, um der Praxis frisches Blut und rührige Hände zuzufllhren. Der Vor wurf, den man dem System schon gemacht hat, daß es das Leben mechanisiere, ist unberechtigt. Es will nur Hantierungen, die bis jetzt halbbewußt vorgenommen worden sind, bewußt ausführen lassen, um durch Gewohnheit sinngemäßen, auto matisch rascheren Ablauf zu erzielen; ein Vorgang, den wir beim Lesen, Klavierspielen oder irgend einem Sport in seinen steigenden Ergebnissen beobachten können. Die Verfolgung dieses Prinzips erzwingt natürlich eine planmäßige Verteilung der Arbeit des ganzen Betriebs und ist daher auf rein geistige Ar beiten ebenfalls anzuwenden. Leider werden aber auch solche Bücher, die einen neuen Ansporn für das Geschäftslebcn bilden, von den meisten Buch händlern mit der Begründung abgelehnt: wir haben keine Zeit zum Bücherlcseu, wir müssen Bücher verkaufen. Das klingt etwa so, als wenn eine Köchin sagen wollte: ich habe keine Zeit zum Essen, ich muß kochen. Der Buchhändler muß das schon recht tiefsitzende Urteil, daß er seine Ware nicht kennt, also der Vor mundschaft von pädagogischen und allerlei sonstigen Beratern be darf, streng ablehnen. Gewiß, er kann nicht alle Literaturen kennen, so wenig wie diejenigen, die sich jetzt als Zensoren auf spielen. übersieht er aber nach bester Kraft seinen Kreis, so hat er das unbedingte Recht, sich in seinem Beruf mündig zu fühlen. Was wirklich schlechte Literatur ist, das läßt sich ja nicht in immer gültiger Begriffsbestimmung festsetzcn. Wir können vor läufig nur die Literatur, die für die breiteste Masse bestimmt ist, beurteilen und daher alles als schlecht bezeichnen, was geeignet ist, die schlechten Instinkte im Menschen zu Wecken und zu fördern. Werke die solche Stoffe in wissenschaftlicher oder literarisch wert voller Entwicklung behandeln, fallen natürlich nicht in diese Kate gorie. Alles aber, was schon durch einfache Aneinanderreihung von grauenhaften Handlungen, von Vergehen und Verbrechen, von List und Verschlagenheit, ohne psychologische Begründung sich zeigt, ist wohl als Schundliteratur anzusprechen. Da ist es nun interessant, daß neuerdings auch gegen eine Reihe alter Jugendschriften, die bisher unbeanstandet in die Schulbibliothekcn mitaufgenommen werden konnten, wie gegen Robinson und Lederstrumpf, Front gemacht wird. »Eine kaum zu überbietcnde Häufung von Roheiten und Grausamkeiten, Ge schmacklosigkeit der Sprache und Unwahrheit der Darstellung«
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