8930 Mrs-nblatt s. d. Dtschn. Buchhu!»-,. Künftig erscheinende Bücher. 208, 8. September 1913. Der Kunstwart in der deutschen öffentlichen Meinung der Gegenwart nach neuen Llrteilsn von führenden Blättern aller Dichtungen Gefolgschaft; er wollte nicht führend sein, sondern stets suchend; er wollte „bloß" Mitarbeiten an unserer Zeit. Und formte aus Irrenden und Suchenden, aus Verhetzten und Verbildeten: Men schen, mochten sie nun Ausnehmende oder unter seinem Banner Mitgebende sein. Literarisches Echo: Als der Kunstwart die richtige Sprache und Gebärde, das freund liche Gewand und die Mittel zu reichen Gaben gefunden hatte, da wuchs der Erfolg lawinenartig an. Avenarius erwies sich nicht nur als ein feinsinniger, seelenkundiger Schriftsteller und Werber für seine Ziele, sondern auch als ein vorzüglicher Organisator, der auch auf andere anregend und unterstützend wirkte. Der Dürerbund wurde gegründet, um allen auf die Erhaltung und Pflege materieller und geistiger Schönheitswerte im Volke gerichteten Bestrebungen Macht und Nachdruck zu verleihen. Auch der Bund Heimatschuh ging aus Kunstwartkreisen hervor, und seine Bestrebungen wie die des Natur- und Denkmälerschuhes und so vieler verwandter Bewegungen fanden von vornherein in der vom Kunstwart geschaffenen Kulturlust die Möglichkeit, sich ohne Phrasen und Kompromih in der öffentlichen Meinung Bahn zu brechen. Vorbildlich hat der Kunstwart durch die Art gewirkt, wie er die reichen Möglichkeiten der heutigen Dervielfältigungs- techniken dazu benutzte, die besten Erzeugnisse der bildenden Künste aller Zeiten in Millionen von Exemplaren zu billigsten Preisen bis an die Dolkskreise zu führen, in deren geistigem Werden bis dahin diese Erziehung durchs Auge — aus wirtschaftlichen Gründen — weit hinter die durchs abstrakte Wort hatte zurücktreten müssen. Aus einer gelegentlichen Weihnachts-Bücherschau wuchs im Laufe der Jahre der „Literarische Ratgeber", ein segensreiches Werk, das den Bücher leser von den mehr oder minder von geschäftlichen Gesichtspunkten beherrschten Büchcrkatalogen und -Empfehlungen unabhängig macht und ihm eine fesselnde, reich gegliederte und praktische Führung durch das gesamte für Allgemeinbildung in Betracht kommende Bücherwesen bietet. Zu diesen Veröffentlichungen gesellten sich zahlreiche andere — die „Kulturarbeiten" von Schultze- Naumburg, der Kalender „Gesundbrunnen", Poperts „Helmut Harringa", der Musik nicht zu vergessen, jedes nicht nur ein unmittelbarer Erfolg, sondern unschätzbar als Anregung und Höhen marke, als Trutzburg und Höhenweiser des guten Geschmacks für alle verwandte Produktion. Die Bergstadt: Mit all der freundlichen Gewalt, mit all der liebevollen Eindringlich keit, die seine (des Kunstworts) ganze vielseitige Kulturarbeit so wertvoll macht für unsere ober flächliche Zeit. . . . Der Bücherwurm: Es war am Anfang wie eine freudige Begegnung, wenn man ein mal einen Menschen traf, der den Kunstwart auch kannte, während es heute wohl schwer ist, einen Gebildeten zu finden, der ihn nicht kennt, und was viel mehr heiht, ihm nicht einen Teil seiner Bildung verdankt, einen großen oder kleinen Teil. Das ist das bleibende Verdienst Avenarius', datz er die gesunde Grundlage für die ästhetischen und kulturellen Bestrebungen unserer Zeit gelegt hat und noch jetzt die gesunde Mittellinie der Entwicklung einhält.... Wille und Charakter haben ihn zum Führer der Bewegung gemacht, die uns bis hierher gebracht hat. Alte und neue Welt: ... ist hohen, bleibenden Ruhmes wert. Es ist ein köstlicher An schauungsunterricht im großen Stile, den die vom Kunstwart der deutschen Nation erteilen.