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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.08.1913
- Strukturtyp
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- 1913-08-12
- Erscheinungsdatum
- 12.08.1913
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Redaktioneller Teil. ^ 185, 12. August 1813. die jungen Schriftsteller nach ihrer Ansicht viel unter der Ver ständnislosigkeit von Verlegern und Redakteuren zu leiden, an dere unter ihnen wollen außerdem ihre Werke, die der Ausdruck ihres ureigensten künstlerischen Empfindens sind, nicht dem Ur teil kaufmännisch rechnender Geschäftsleute aussetzen. Für die genannte Art von Literaten ist im Zusammenhang mit dem ge nannten Salon »1,6 Livre ckes Inckexenckants« geschaffen worden, dessen dritter Jahrgang im kommenden Herbst erscheinen soll. Um in diesem Band vertreten zu sein, genügt es, daß der Schrift- steller sein Manuskript unter Beifügung der Druckkosten an den Sekretär dieses Unternehmens einsendet. Selbst auf ausdrück liches Verlangen werden für literarische Schöpfungen weder Gut achten abgegeben, noch Ratschläge erteilt, das Prinzip der »An nahme ohne Jury« wird also auch hier gewahrt. In einem Rundschreiben wird ausdrücklich bckanntgegeben, daß ein jeder Schriftsteller das Recht hat, in dem »Livro ckes Incköpknckants« vertreten zu sein, und daß darum die Aufnahme nicht als eine Gunst anzusehen ist. Der Druckpreis für jede Linie einer Prosaschöpfung, die sich aus 45 Buchstaben oder Zeichen zu- sammcnsetzt, kostet 15 vts., ein Vers gilt für eine Linie, doch ist der Preis von 10 krs. als Minimum festgesetzt. Die Preisfor derung wird damit erklärt, daß auch die Künstler für das Auf hängen ihrer Bilder im Salon zu zahlen hätten. Da jedes Manuskript sorgfältig vervielfältigt wird, so werden keine Kor rekturen versandt. Der im diesjährigen »Salon ä«s Inäopenäants« ausgestellte Band des »Livre ckes Inckepsnäants« ist anerkennenswert, und wenn diese Art der Veröffentlichung auch keine Erwerbsquelle für den Autor bildet, so kann sie doch als ein interessantes Beispiel für die Umgehung des Verlegers durch eine Gruppe von Schriftstellern angesehen werden. Die Futuristen, deren Ausstellung im vergangenen Jahre bereits das künstlerisch interessierte Paris lebhaft beschäftigte, haben diesmal durch eine Reihe von Plastiken und Zeichnungen von U. Boccioni wieder von sich reden gemacht. Der genannte Künstler hat, unterstützt von dem Leiter der genannten Bewegung, dem Italiener F.-T. Marinetti, einen Vortrag über die futu ristische Skulptur gehalten, der von einer ansehnlichen Zuhörer schaft besucht war. Begreiflicherweise befanden sich viele Künstler darunter, die sich für die futuristische Art, die Dinge zu sehen, noch nicht begeistern konnten, so daß der Vortragende viel unter sarkastischen Zurufen und Gelächter zu leiden hatte. Die von Boccioni ausgestellten Schöpfungen (Kopf -l- Häuser -I- Licht, — — — »Lntissraoieux« — — —, Entwicklung einer Flasche im Raume durch die Farbe usw.) mußten zu verschiedenen Angriffen herhalten, und es scheint, als ob Paris für diesmal noch nicht zur futuristischen Fahne schwören wird. Für Buchhändler ist ein von Marinetti gehaltener litera rischer Vortrag ungleich interessanter. Er führt darin aus, daß einen Futuristen alles anwidern müsse, was alt und bekannt sei, er müsse vielmehr das Neue und Unvorhergesehene lieben. Er kündet dann auch eine typographische Revolution an, die durch das letzte futuristische Manifest erläutert wird. Er bekämpft darin die »idiote« Auffassung des Drucks, die bisher bei Gedichtwerken zu beachten war, und wendet sich gegen das »nachgeahmte Büttenpapier, geschmückt mit Galeeren, mytho logischen Gemüsen, römischen Ziffern usw.« Das Buch soll viel mehr der futuristische Ausdruck des futuristischen Gedankens sein. Außerdem bekämpft Marinetti das, was man bisher die typographische Harmonie der Seite nannte, die seiner Meinung nach nicht das Anwachsen und Abschwellen des Stiles kund gibt. Er wird darum auf derselben Seite drei oder vier ver schiedene Druckfarben und, wenn nötig, zwanzig Arten von Druckschriften verwenden. Z. B. magere für eine Reihe von gleichartigen und schnellen Empfindungen und fetten Druck für die Wiedergabe von Geräuschen. Dies ist die neue Auffassung der Druckseite vom »malerisch-typographischen Standpunkt«. Zu ihrer Anerkennung wird es freilich nötig sein, vorher den Ge schmack des Publikums zu reformieren und eine futuristische Bewegung unter den Setzern hervorzurufen, wenn der Autor fein Manuskript nicht selber setzen will. Ein in engeren literarischen Kreisen sehr geschätzter Dichter, Leon Deubel, hat seinem Leben durch einen Sprung in die Seine ein vorzeitiges Ende gefetzt. Da er in sehr ärmlichen Verhält nissen lebte und, trotzdem er sich von dem Ertrage seiner Feder nicht ernähren konnte, die Hilfe von Freunden aus Stolz zurück wies, ist er in verbitterter Stimmung in den Tod gegangen. Dies Ereignis hat in der Schriftstellerwelt den Wunsch ent stehen lassen, Vorkehrungen zu treffen, damit ähnliche Dramen in Zukunft möglichst vermieden werden. In anerkennenswerter Weise haben dazu einige Redakteure des 6il Lias in ihrem Blatte praktische Vorschläge gemacht, und ihre Kollegen zu einer Be ratung eingeladen. Hierbei ist der Zusammenschluß der sich für die Frage interessierenden Literaten zur »Lntr'aicke lltteraire« beschlossen und außerdem angeregt worden, alle Autoren, deren Werke bedeutende Auflagen erreichen, zu bitten, der Kasse der »Lntr'aicke« einen gewissen Betrag zu überweisen, z. B.: 20 krs. beim 6., 50 krs. beim 11. und 100 krs. beim 20. Tausend. Nachdem die ersten Mitteilungen über die geplante »litera rische Unterstützungskasse« in die Öffentlichkeit gedrungen waren, hat Mr. Humblot, der Direktor der Libiairie Ollenckorik, sich in sehr weitherziger Weise dem Zustandekommen der erwähnten Kasse angenommen. In einem Schreiben an den Direktor des 61! Lias betont er, daß gewisse Autoren in ihren Verlegern nur den Feind und Ausnützer sähen, obwohl nicht wenige Ver leger sich für ihre Autoren ruiniert hätten und mit Undank dafür belohnt worden seien, daß sie den betreffenden Schriftstellern Ruhm und Vermögen geschaffen hätten. Mr. Humblot macht den fol genden Vorschlag: Die Librairie Ollenckorik besitzt eine Reihe Balzacschcr Werke, die frei geworden und somit ohne Autoren rechte sind. Von dem Ertrage dieser Bände wird der Unter stützungskasse, wenn sie zustande kommt, für die Folge regel mäßig ein bestimmter Prozentsatz zugeführt werden. Sollten, wie Mr. H. hofft, andere Verleger seinem Beispiele folgen und einen Teil des ihnen aus den Werken freigewordener Autoren erwachsenden Gewinnes der Kasse überweisen, so würde sicherlich dadurch ein ausreichender Fonds geschaffen, der den Beweis einer Solidarität zwischen Verlegern und Autoren liefere. Bei sorgsamer Verwaltung dieser Mittel könne dann Wohl in den meisten Fällen vermieden werden, daß Dichter von Deubels Be deutung ihrem Leben ein Ende machten. Jules Adler, Kommissar der französischen Repu blik für die Abteilung Buchhandel der Ausstellung in Gent, veröffentlicht im »Lulietin mensuel ck6 l'Lssooiation amicale pro- kessionnells ckes Oommis-Iibraires kranqais« eincnBericht über diese Ausstellung, der recht interessante Parallelen zwischen dem Buch handel seines eigenen Landes und dem Deutschlands zieht. Be züglich der Lehr- und Lernmittel findet er z. B., daß man in Frankreich die Kinder lehre, das Leben durch Anmut und In telligenz angenehm zu gestalten, während die deutsche Abteilung in ihm den Eindruck erweckt habe, als ob man in deutschen Schulen vor allem darauf bedacht sei, das Kind von frühester Jugend an denjenigen Problemen gegenüberzustellen, die ihm zeigen, wie ernst das Leben ist. Sein abschließendes Urteil lau tet: »Deutschland erweist sich als die stärkste, Frankreich als die bezauberndste Ration«. Die heißen Sommermonate bringen immer eine bedeutende Verminderung der Verlagstätigkeit mit sich, verschiedene große Pariser Verlagshäuser haben sogar den Grundsatz, in den Mo naten August und September keine Novitäten zu versenden. Auch für den Sortimenter beginnt eine etwas ruhigere Zeit, da die vornehmen Kunden an das Meer oder ins Gebirge reisen, und dis vielen Fremden, die Paris beherbergt, als Bllcherkäufer zu dieser Zeit des Jahres nicht ernstlich in Betracht kommen. Nachstehend noch einige Neuigkeiten, die Wohl auf ein wei- teres Interesse rechnen können: In einer beschränkten Auflage von nur 5000 Exemplaren erschien Ls 6snie latin von Anatole France <3 krs. 50 ots.) bei der Firma Lemerre, wo der genannte Autor in seiner Jugend angestellt war. Entgegen der Vermutung des Brüsseler Herrn Korrespondenten ist Maeterlincks neuestes Drama llarie-LlaA- sFortsetzuug aus Seite 8(>4:i.>
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