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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.07.1925
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- 1925-07-04
- Erscheinungsdatum
- 04.07.1925
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10728Mrsni«I»tt I. d. Dtlchn. »>«r»nd-I. Mdaittoneller Teil. (dir 154, 4. Juli 1925. suchen. Zentralisierung ist auch für die Propaganda außerordentlich wichtig, und ich kann deshalb auch von propagandistischer Seite aus nur empfehlen, den Verkehr über Leipzig so auszugcstalten, -daß er reibungslos und glatt funktioniert. Der Leipziger Platz ist für uns Buchhändler, Verleger wie Sortimenter, ein Lebensnerv, den wir nicht abschneiden dürfen. Dann, meine Damen und Herren, möchte ich Ihnen zurufen: Wichtig für alle Propaganda ist -der Optimismus! Nicht der Optimismus, -der sich einfach darin verliert, blind Phantomen nachzujagen; nein, dieses lebendige »Zutrauen-Haben- zu seiner Sache. Wer seiner Sache sicher ist, kann nicht geschlagen werden. Er kann einmal einem Irrtum unterliegen, er kann sich einmal unnütze Mühe machen, die sich nicht lohnt, die aber an anderer Stelle wieder reichlich belohnt wird. Eine -der größten Gefahren, der wir bei der Propaganda im Buchhandel immer wieder begegnen, ist, daß wir alle das selbe tun, daß wir an einer — -das soll lein Tadel sein — Ideenarmut leiden. Damit, daß wir -das tun, was unser Nachbar an der Ecke schon gemacht hat, stoßen wir keine neuen Tore ein, und das müssen wir doch! Wir müssen uns also bemühen, mög lichst ideenreich zu sein und unsere Mitarbeiter dazu zu erziehen, daß sie uns neue Ideen vermitteln, -die wir dann, soweit sie für uns geeignet sind, in der Praxis auf ihre Richtigkeit, auf ihren Gehalt hin erproben. Lassen Sie mich Ihnen noch sagen, meine Herren Sortimenter, daß -das Schaufenster des Buchsortimenters seine Visiten karte ist, und daß das Schaufenster namentlich in den mittleren Städten oft sehr viel zu wünschen übrig läßt. (Rufe: Schluß! — Ruse von anderer Seite: Weiter reden!) — Verzeihen Sie, ich wollte damit niemandem zu nahe treten; aber ich glaube, daß es einmal hier ruhig ausgesprochen werden -darf, daß wir auch aus die Durchbildung unseres Schaufensters mehr Wert legen müssen, als es vielfach geschieht. (Erneute Rufe: Schluß! — Rufe von anderer Seite: Ruhig!) — Ich werde mich -beeilen. Wir müssen uns jeden Fortschritt dienstbar machen. Wir müssen fragen: Was kann der Buchhändler tun, um sein Ziel zu erreichen, und unser Ziel muß sein, daß unser Buchla-dcn -der Mittelpunkt der Stadt ist, der Mittelpunkt, in dem sich die geistigen Kräfte der Stadt vereinigen. Ferner müssen wir daran denken, daß wir, wenn wir den Weg der Einzelwerbung gehen, auch in der Einzelwerbnng unermüdlich das eine Ziel zu verfolgen haben, nämlich all dem gegenüber, was Schmutz und Schund ist, und all -dem gegenüber, was uns da entgegcnkommt an Literatur, die unseres Standes unwürdig ist: wir müssen alle Schmutzliteratur derart bekämpfen, daß wir ihr etwas Lebendiges, Kräftiges, Deutsches gegenübersetzen. (Lebhaftes Bravo und Händeklatschen.) Meine Damen und Herren, lassen Sie mich kurz noch zwei Worte zur Kollcktivwcrbung sprechen! Es hat sich bei uns eine gewisse Angst herausgebildct, -daß gemeinsame Werbung, gemeinsame Tätigkeit auch -den untätigen Kollegen zugute komme, und dieser Gedanke, -diese Idee ist eine große Gefahr, vor der ich Sie warnen möchte. Es ist fast wie eine Zwangsneurose, daß wir, wenn wir gemeinschaftlich arbeiten, auch für den untätigen Kollegen mit arbeiteten, daß wir den durch unsere Arbeit von seinem Untergange erretten könnten. Das ist nicht wahr. Alle guten Geister müssen wir zur Mitarbeit an der gemeinschaftlichen Werbung anrufen, und diese guten Geister stehen uns bei, wenn wir gemeinschaftlich neue Wege suchen. Wir müssen einmal ver suchen, in einer intensiven Verbindung aller Kräfte neue Wege zu gehen. Die Diskussionen über die Einkäufe der Behörden usw. haben deutlich gezeigt, daß wir uns hier am richtigen Platz schon korporativ einsetzen können. Da ist der Anfang gemacht worden. Wir Ererben weiter gehen. Ich habe Ihnen da einen Plan vorzulegen: in Deutschland Büchcrtage und Buchwochen einzurichten. Diese Büchertage, meine Damen und Herren, sollen in einer geschlossenen Ausstellung den Interessenten zeigen, was wir Schönes in unseren Schatzkammern haben. Wir müssen heraustretcn aus der Zurückhaltung, die uns bisher gefangen hielt. Wir müssen unsere Autoren zu gewinnen suchen, auch persönlich für das Buch einzutreten: einmal Vorträge über das Buch zu halten, einmal von ihrer Höhe hcrabzusteigen, in das Volk zu gehen und zu zeigen: So sehen die -deutschen Dichter, so sehen die deutschen Denker aus! (Bravo!) Meine Damen und Herren, ich habe in einer Broschüre, in der die Erfahrungen des Werbeausschusses niedergelegt sind, einige Organif-ationsfragen dieser Büchertage und Buchwochcn behandelt. Diese Organisationssragcn sind so schwierig, daß sic hier nicht erörtert werden können. Sie laufen aber — und das möchte ich unterstreichen — im Grunde darauf hinaus, daß wir uns nach einem festgefügten Schema richten, und zwar in erster Linie darauf bedacht sind, alle materiellen Risiken bei solchen Veranstal tungen auszuschei-den. Es kommt nicht darauf an, daß wir große Einnahmen dabei machen, aber Verluste können wir nicht tragen. Um nun dieser Idee einer gemeinsamen Buchwerbung znm Erfolge zu verhelfen, hat der Werbeausschuß die Anregung gegeben, daß einzelne Herren -des Werbeausschusses sich mit den Orts- und Kreisvereincn in Verbindung setzen und Vorträge, Orts- tagungen usw. veranstalten, -damit auch -die Kollegen, die noch etwas abseits stehen, mitgerissen werden und einsehen, daß wir zu einem Ziele streben, das über unsere Persönlichkeit hinaus will. Was -bei diesen Büchertagcn und Buchwochcn noch besonders ins Gewicht fällt, das ist folgendes: Ich möchte alle die Kollegen, die in den abgetretenen Gebieten, alle die Kollegen, die in der Diaspora leben, ganz besonders auf dieses Werbemittel auf merksam machen. Dort in der Diaspora leidet der geistige Mensch oft Not. Er ist nicht in Gefahr; aber die Not dort, die tägliche Not kann vielleicht dazu führen, daß uns dort der eine oder der andere entfremdet, und, meine Damen und Herren, da können nicht nur die Behörden, da müssen auch wir Hand anlegcn. Der Deutsche wird nicht immer unter der Ungunst der Verhältnisse weiter leben. Noch nie wurde Recht durch Unrecht geschaffen. Das Recht ist ja nicht ein Fetzen Papier, sondern das ist Teil unserer grundeigenen Kultur, und den Kollegen, -die dort in der Diaspora leben, wollen wir ganz besonders kräftig zur Seite stehen, -damit sie dem Gedanken, -der uns alle beseelt, auch Ausdruck verleihen können. (Bravo!) Meine Damen und Herren, lassen Sie mich Ihnen noch weiter sagen: Es ist in uns allen der Gedanke immer mehr und mehr fest geworden, daß wir in unseren -Büchern, in all dem, was wir an Zielen in uns tragen, was wir verbreiten wollen, eine unendliche Kraft, eine unendliche Macht besitzen, und wir wären schlechte Buchhändler, wenn wir nicht dieser Macht zum Siege ver helfen würden. (Bravo!) Der Adel unseres Berufes zwingt uns, Wertarbeit für das deutsche Volk zu leisten, und diese Wertarbeit besteht darin, daß wir uns im Kleinen wie im Großen immer wieder darauf einstellen, wie und wo wir gute deutsche Bücher ver kaufen können. (Stürmisches Bravo und Händeklatschen.) Vorsitzender, Erster Vorsteher des Börsenvcreins Max Röder (Mülheim, Ruhr): Meine Damen und Herren, Ihr Beifall wird Herrn Schnabel bewiesen haben, daß diese Anregungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Im übrigen hat ja auch, wie männiglich bekannt -ist, der Börsenverein eine besondere Werbestelle eingerichtet, in der alle diese Gedanken bearbeitet und ver folgt werden. Wird das Wort hierzu noch gewünscht? — Das ist nicht der Fall. Meine Damen und Herren, dann schlage ich Ihnen vor, jetzt an dieser Stelle die Neuwahlen einzuschalten. Es können dann die Herren Stimmzähler ihres Amtes walten, während wir der angenehmeren Pflicht der Abhal tung der Frühstückspause obliegen (Heiterkeit), und wir können das Ergebnis dieser Wahlen nach der Frühstückspause Mitteilen.
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