Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.12.1912
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1912-12-07
- Erscheinungsdatum
- 07.12.1912
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19121207
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191212078
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19121207
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1912
- Monat1912-12
- Tag1912-12-07
- Monat1912-12
- Jahr1912
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
>,2 285, 7. Dezember 1912. Nichtamtlicher Teil. vdrlenblall s. d. Dtlchn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. Mutzte es sein? Mußte es fein? Der Streik der Markthelfer und Bur schen in Leipzig kann als beendet angesehen werden. Die erledigten Posten der Streikenden sind sämtlich besetzt. Ge wiß sind die an ihre Stelle getretenen noch keine erfahrenen und erprobten buchhändlerisch geschulten Hilfsarbeiter, aber sie haben doch bewiesen, daß sie imstande sind, die Streiken den zu ersetzen. Es waren harte Wochen für die Leipziger Kommissionäre; nachdem jedoch am 2. Dezember, dank der Genehmigung des Börsenvereins, der große Saal des Buch händlerhauses zu der Errichtung einer Austauschstelle für die empfohlenen Bestellungen zur Verfügung gestellt war, und nachdem sich diese Einrichtung glänzend bewährt hat, kann man mit Fug und Recht sagen: der Streik ist für die Arbeit geber beendet! Es ist nun an der Zeit, die Frage zu stellen: Mußte es sein, daß in Leipzig um diese Jahreszeit ein Streik aus brach; ließ er sich nicht vermeiden? Nach den Darstellungen in öffentlichen Zeitungen, die Wohl von den Streikenden be einflußt waren, handelte es sich nur um die Gewährung ver hältnismäßig geringfügiger weiterer Aufschläge auf die be reits gewährten Gehaltsaufbesserungen. Wohl waren diese an sich verhältnismäßig geringfügig, und der Streik hat den Arbeitgebern jedenfalls weit höhere Unkosten bereitet, als durch diese Aufschläge auf Jahre hinaus entstanden wären. Aber es handelt sich auch gar nicht in der Hauptsache um diese rein pekuniäre Frage, sondem darum, ob bei der Un sicherheit der Tarifvereinigungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Leipziger Buchhandel und mit ihm der gesamte deutsche Buchhandel fortgesetzt in der Gefahr schweben sollte, daß seineOrganisationplötzlich durch einen ausbrechenden wahrzunehmen wußten als die bezahlten Führer, und un besonnen ist er den Schreiern nachgelaufen. Die Führer haben wahrscheinlich die Gefahr eines ungünstigen Ausganges des Streiks rechtzeitig erkannt, denn in einer Stadt von 600 000 Einwohnern bietet es um eine Jahreszeit, in der viele gelernte Arbeiter arbeitslos werden, keine Schwierigkeit, etwa 500— 600 ungelernte Arbeiter zu ersetzen. Aber nutzte diese Er kenntnis dem großen Hausen, der sich im fälschlichen Glauben wußte: »Die Maschinen stehen still, wenn unser starker Arm es will«? Er drängle zur Gewalt, und der Streik brach aus. Sichtlich war er von beiden Seiten als ultima rat!» ins Auge gefaßt. Dem Arbeiter ist allerdings gesetzmäßig das Recht der Koalition gewährleistet. Dieses Recht erscheint theoretisch als ein sehr berechtigtes, denn es ist bestimmt, den wirtschaftlich Schwächeren zu schützen. In der Praxis bedeutet es aber für den Arbeitgeber deswegen vielfach ein einseitiges Recht, weil eine Koalition von Arbeitern, sei es in Form einer Gewerkschaft oder einer andern Form, in der Regel nur bedingt verhandlungsfähig ist, da sie keine Gewähr für die Einhaltung der vereinbarten und über- nommenen Pflichten bietet. Die Verhandlungen von Koalition der Arbeitgeber zu Koalition der Arbeitnehmer sind für die erstere insofern ungleich, weil sie Wohl gehalten werden kann, übernommene Pflichten zu erfüllen, während das Gleiche hinsichtlich einer Koalition der Arbeitnehmer mindestens zweifelhaft, wenn nicht überhaupt zu verneinen ist. So lehrt es wenigstens die Erfahrung. Einen Beweis erlebte man in diesen Tagen in Leipzig. Die Bauarbeiter stehen im Tarif mit ihren Arbeitgebern; dieser Tarif läuft bis zum 1. April 1913. Man ist gegenwärtig im Begriff, in Leipzig große Ausstellungsbauten zu errichten für Streik znm Stillstand gebracht werden könnte. Diese Gefahr - die im nächsten Jahre stattfindende Internationale Bausach- aber bestand und würde weiter fortgesetzt bestanden haben, denn - Ausstellung. Die Zeit drängt, die Bauten müssen fertigge es genügt, daß ein oder einige Räder in der Maschine still- stellt werden; sie sind begonnen worden im Vertrauen auf die gestellt werden, und die ganze Maschine steht. Man hat es in Dauer des Tarifs. Am 2. Dezember brach plötzlich ein Streit den letzten Jahren in Leipzig erfahren, was es bedeutet, wenn ser Bauarbeiter aus, da ungerechtfertigte höhere Lohn plötzlich partieller Streik ausbricht, wenn passive Resistenz' forderungen von den Arbeitgebern nicht bewilligt werden ausgellbt wird, die den regelmäßigen Betrieb behindert. Dar- ^ konnten. Es ist zwar nur ein partieller Streik und ein un- unter leidet stets die Gesamtheit. Deshalb hat sich auch ungerechtfertigter, aber die Bauten stehen still, und welche Leipzig derjenige Teil, der in erster Linie von solchen Störuu- ^ Organisation der koalierten Bauarbeiter wird den Unter- gen getroffen zu werden pflegt, zur solidarischen Wahr- nehmern dieser Ausstellungsbauten einen Ersatz oder eine Ent- nehmung seiner Interessen verbunden und sie einhellig und , schädigung leisten? ohne innere Störungen durchgeführt. ! So stand es auch im Leipziger Buchhandel. Wer bürgte Man darf annehmcn, daß der Streik gegen den Willen dafür, daß nicht doch plötzlich zu einer Zeit, die den der Führer unserer Hilfsarbeiter ausgebrochcn ist. Die Markthelfer und Burschen sind organisiert in dem großen, ' Kommissionären oder besser dem von ihnen vertretenen Gcsamt- buchhandel nicht noch viel ungelegener gekommen wäre, als allge- dafllr, daß dann nicht durch eine große unvorhergesehene und plötzliche Maßnahme der Transport-Arbeiter-Genossenschaft über ganz Deutschland verbreiteten Transportarbeiter-Ver- ^ der Anfang November ausgebrochenc Streik, eine band, einer Organisation, die in den großen Städten nicht meine Arbeitsniederlegung erfolgte? Wer bürgte allzuseltcn bei Arbeitseinstellung von Geschirrführern, Kut- ' schein, Hilfsarbeitern usw. genannt wird. Was den Buch handel anbelangt, so standen die Leiter der für den Buchhan- ^ die gesamte Organisation des Buchhandels, soweit sie sich in del geschaffenen Teilorganisation selbst in keinerlei Fühlung! Leipzig konzentriert, vollkommen stillgelegt wurde? Diese Ge- und Berührung mit dem Buchhandel. Ihnen waren die § fahr durften die Leipziger Kommissionäre nicht für den Buch- Bedürfnisse des Buchhandels vollkommen fremd. So war, Handel möglich werden, durften sie nicht untätig herankommen lassen. Sie hätten es vor dem Gesamtbuchhandel nicht verant worten können. Deshalb haben sie nicht nur die Kosten auf sich genommen, die der Krieg wie alle Kriege mit sich brachte. Sie glaubten es ebenso sich, als besonders der Allgemeinheit schuldig zu sein, der herrschenden, latenten Unsicherheit be gegnen zu müssen. Das gesamte dem Buchhandel verwandte graphische Gewerbe steht auf unterminiertem Boden. Der Buchhandel muß sich das immer vor Augen halten. Die letzte negativ verlaufene Lohnbewegung im Steindruckgewerbe hat für die Arbeiter allein mit einer Schuldenlast von einer Million mung gegen die Annahme gemacht, so war der große Haufen ! Mark bei den anderen Gewerkschaften abgeschlossen. Das doch bei denen, die seine vermeintlichen Interessen noch besser ^ gibt zu denken es schon ein großer übelstand, mit diesen Männern zu ver handeln, immerhin aber waren sie, so wird wenigstens be hauptet, schließlich überzeugt, daß im Hinblick auf die Lohn frage von seiten der Arbeitgeber so weit nachgegeben wor den ist, als füglich möglich war, und es ist auch glaubhaft, daß sie den Versammlungen der buchhändlerischen Hilfs arbeiter die Annahme der vereinbarten Bedingungen empfoh len haben. Wie so oft aber erwies es sich, daß die Mit glieder der Organisation den Führern aus der Hand gegan gen waren. Habe» ursprünglich auch nur Einzelne Stim-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder