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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.12.1912
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- 1912-12-20
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- 20.12.1912
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16204 SSrsesSlatt?. S. Dych«. «uchdaüSeL. Nichtamtlicher Teil. 296. 20. Dezember 1912. sich, und nicht unwahrscheinlich ist es auch, daß diese angenehmere Kundschaft sich alsbald mehrte, der Jahresumsatz zunächst wuchs. Gleichwohl scheint dieses Zugeständnis an das »Noblere obliZe« kaufmännisch nicht wohlbedacht gewesen zu sein. Denn die immer hin kauffreudige breite Menge, die zugleich mit den Auserwählten früher den Buchladen belebt hatte, hielt sich fortan vorsichtig fern. Vermutlich war es ihr zu feierlich in dem nenen Milieu. Leider ist das Sortiment auch nach erfolgter Freigabe von Handel und Gewerbe nicht sofort allgemein zu jener früheren zwangloseren Form zurttckgekehrt; die Eleganz der Läden wurde im Gegenteil noch weiter zu vervollkommnen gesucht. Aber was für Kunsthandlungen recht sein mag, trifft nicht ohne weiteres für den Bücherhandcl zu. Auf die großen Veränderungen und Vermehrungen, die die letzten fünfzig Jahre im Bücherbedarf und dessen Deckung ge bracht haben, braucht in diesem Fachblatt nicht näher eingegangen zu werden. Sie sind bekannt. Festgestellt sei nur, daß das Sorti ment au diesem sehr gesteigerten Umsatz nicht in dem Maße beteiligt war, wie seine Bestimmung erwarten lassen sollte. Diese Klage wird seit langem gehört. Erst seit einigen Jahren trifft der Sorti mentsbuchhandel Anstalten, aus seiner bedauerlichen, aber unzweifel haften Isolierung herauszutreten. Vereinzelt bezieht er jetzt sogar den Jahr- oder doch Weihnachtsmarkt, wie vor ihm längst mancher Antiquar, nicht ohne abfällige Beurteilung, aber mit befriedigendem Erfolge getan hat. Auch mit einem Plakat versucht das Sortiment nunmehr auf diejenigen zu wirken, die sich ihm lange entzogen haben. Freilich wird man nicht erwarten, daß ein Erfolg sich sogleich in bemerkbarem Grade einstellt. Die Geduld wird auf eine harte Probe gestellt werden. Indessen muß sie geübt werden, und eine sorg fältige Beobachtung muß sich ihr zugesellen. Sicher ist es ein guter Gedanke, gelegentlich unsrer hohen Feste die schenkfreudige Welt zum Gange in eine Buchhandlung zu bestimmen. Wir dürfen zwar nicht sagen, daß sie gerade zu Weihnachten dieser Pflicht sich in er heblichem Umfange entzogen habe; immerhin könnte auch beim Weihnachtsgeschäft eine Mehrung der Käufer uur erwünscht sein. Aber des Jahres Lauf bringt glücklicherweise noch reichlich andre Feste, andre Schenkgelegenheiten, allgemeine und familiäre, Ge burtstage, Konfirmation, Verlobungen, Hochzeiten und viele andre Gelegenheiten mehr, und leider gerade bei den Familienfesten scheint uns für Geschenke auffallend mehr an alles andre gedacht zu werden, als an ein der Gelegenheit entsprechendes Buch. Viel allerdings hat von diesem Manko auch die bisweilen allzu freie Be wegung schriftstellernder Geister auf dem Gewissen. Manche Schenkerin, manchen Schenker macht sie bedenklich. Bei einer Brosche oder anderem Schmuck, einer Pelzboa usw. geht man unzweifelhaft sicherer und ist damit immer willkommen. In dieser Erwägung möchte bei den geschilderten Plakaten vielleicht ein Hinweis auf eine konkrete Bücherauswahl zweckmäßiger sein, als die etwas gar zu allgemein gehaltene Form. Wenigstens eine Aufforderung, daß man Kataloge verlangen wolle, wäre schon ein vielleicht erwägens werter Schritt nach der Richtung des Konkreten hin, wie jede Re klame das verlangt. Übrigens sind ja Bücher doch auch nicht ausschließlich zum Schenken da. Jeder möge auch an sich selber denken, unter Einschränkung anderer Ausgaben vielleicht all monatlich einen Posten für Bücher in seinen Voranschlag einsetzen; nichts könnte erwünschter sein, als wenn es dem Sortiment auf dem bcschrittenen Wege gelänge, mehr ernste Bücherfreunde zu er ziehe« und zu gewinnen. Den Vorrang, den der kaufmännischer rechnende Neisebuchhandel ihn» darin abgewonnen hat, wenigstens zum Teil sich zurückzuerobern, wäre ein erstrebenswertes Ziel für das Sortiment. Gerade fiir die stillere festlose Geschäftszeit wären ihm zahlreiche regelmäßige Kunden sicher sehr willkommen. Im Zusammenhänge mit Obigem sei hier auf eine einschlägige neue Flugschrift hingewiesen, die im Verlage der »Brücke« in München erschienen und deren Propagandaschriften zuzuzählen ist: Das Plakat, seine Freunde und Feinde, sein Recht und sein Reich. Von Dr. E. W. B r e d t. (Brückenschrift Nr. 29.) 1.-8. Tausend. Weltformat IX (22,6X16 em), 16 S. München, 1912, Verlag: Die Brücke. Für den Buchhandel: Fr. Seybolds Buchhandlung, Ansbach. Preis: 30 Der Verfasser gibt seinem kurzen Text folgende Einteilung: 1. Zur Geschichte. — 2. Feinde des Plakats. — 3. Ein Programm der Freunde. — 4. Das Jnseratplakat. — 5. Die Einheitsform der Drucksachen. — 6. Plakatherr und Publikum. — 7. Die Schöpfung des Plakats. — 8. Einige Schriften über Plakat und Reklame. Die Geschichte des Plakats führt uns in die ältesten Zetten zurück, ins kaiserliche Nom, nach Pompeji, zu den Volksfesten, den Wahlen, den Messen und Märkten alter Zeit, gar auch nach Askalon zum uralten Wirt vom schwarzen Walfisch und dessen Aufschrift auf die Hauswand: vinum novum. Auch Weinlaub und Trauben dienten als verführerisches Plakat. Genau so wie noch heute in Wein gegenden. Der Verfasser betont die Notwendigkeit äußerster Kürze im Plakat. Auch das bekannte 8. ?. R. (8enatu8 populu8qu6 iomanu8) bedeutet ihm künstlerischen Plakatstil, wie er denn dessen Genealogie auch auf die Feldzeichen zurückführt, unter denen die Völkerscharen marschierten und kämpften. Überall, wo dichte Massen zusammenströmten, finde sich schon in altersgrauer Vorzeit auch das Plakat, meist als Symbol, jedenfalls mit größter Ökonomie der Worte, Bilder und Zeichen. Zu den Feinden des Plakats rechnet Bredt unbedenklich alle, die am Überschwang der Plakate, z. B. entlang der Eisenbahn beim Ausblick auf Fluren und Wälder, wahlberechtigtes Ärgernis neh men. Er steht nicht an, sie als »Kulturseinde« zu bezeichnen. Früher habe man in eben dem Tone auch gegen geplante Eisenbahnen, Fa brikanlagen usw. geeifert, sie als Verschandelungen der Landschaft bejammert und doch weiter nichts als eigene Rückständigkeit in der Kultur damit offenbart. Frühere Zeiten seien rücksichtsloser ge wesen gegen sogenannte »schönere Gefühle«. Mit Tausenden von Büchern und Bildern alter Städte lasse sich beweisen, daß die alte Zeit den Bedürfnissen und Äußerungen des Handels viel mehr Recht eingeräumt habe, als jene »Feinde der Gegenwart« meinen. Be sonders viele Plakatfeinde finde man in Kreisen, die sich die Pflege geschichtlicher Kenntnis, heimischer Bauweise, völkischer Kunst zur Pflicht machen. Kritische Umschau zeige aber, daß es mit ihrer Kenntnis früherer Gewohnheit schlecht bestellt sei. Rücksichtslos habe die frühere Zeit auffallendste Ware ausgestellt, wo sich gerade Gelegenheit fand, ausgerufen, ausgeschrien wie heute noch in Italien, ja sogar an Kirchen und Dome habe man Kaufmannsläden ange- baut ohne jede ästhetische Rücksicht. Das Wort Messe für Markt rede deutlich genug. Die Klage, daß Betrachtung und Genuß von Kunstwerken durch nahe auffällige Reklame beeinträchtigt werde, finde kein Echo, weder in der Praxis, noch in den Bildern der guten alten Zeit. Der Verfasser ruft den alten Niederländer Brueghel, des weiteren Rudolf Alt, Adolf Menzel, Charles Vetter, Schramm-Zittau, die Radierer Pirauesi und Meryon, ferner Manet, Monet, Pissaro, Whistler als Zeugen an. Er schwärmt fiir lebhaft bewegte Massen, fiir jede Äußerung unruhigen geschäftlichen Trei bens, für malerisches Durcheinander der Farben und Schilder, der Gerüste, Plakate und Giebel. Das gesteigerte Bild hastigen mo dernen Verkehrs, des Dranges eilender Menschen, der Wagen, Trams, Autos, Nadler, »dieses Kaleidoskop, um das alle großen Maler, wie Nembrandt, Canalctto, Tiepolo u. a., uns beneiden wür den«, bedeutet ihm Leben; Freude daran ist ihm »männliche, starke Anschauung, Kultur«. Es gäbe auch eine Geschäftsstraßenschönheit, eine Werkstattpoesie. Die Angst vor Plakaten an Eisenbahnstrecken bezeichnet er als philiströse Angst vor der Tatkraft unserer Zeit in Handel, Technik, Industrie. Zeitgemäßer wäre es, sich der Nuinensentimentalität brachliegender Kräfte zu schämen. Der temperamentvollen Strafrede an alle, die nicht seiner Meinung sind — Plakate können unter Umständen allerdings un ausstehlich langweilen —, folgt im 3. Abschnitt ein Programm der Freunde. Wir werden über manches belehrt. Oberstes Gesetz für Entwerfen eines Plakats sei: nicht mehr Kräfte dazu verwenden, als zum Zwecke nötig sei! (In dieser Hinsicht darf unseres Er achtens das oben geschilderte Münchener Buchhändler-Plakat als musterhaft gelten.) Auch keine sinnlose Häufung von Plakaten an ungünstigem Ort! Nicht zu viel kleine Außenplakate am Laden, mehr dagegen innen im Laden, wo man sofort auch Auskunft erhal ten könne! Auch mehr Jnnenplakate in Eisenbahnwagen, im Tram! — Im weiteren möchten wir hier dem Verfasser nicht fol gen. Seine Ausführungen scheinen uns gar zu phantasievoll, z. B. wenn er ruft: »Bildhauer, Architekten, heraus! Macht die Bahn strecken zu Feststraßen!« — Natürlich im Dienste der Reklame! Das scheint uns denn doch zu weit zu gehen: Das Inserat-Plakat wird im 4. Abschnitt besprochen. Darunter versteht der Verfasser das illustrierte Zcituugsinserat. Hier dränge alles zum Bilde. Es erspare vHl Worte, viel Lesen, ermüde nicht,
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