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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.08.1912
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- 1912-08-16
- Erscheinungsdatum
- 16.08.1912
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- Deutsch
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9416 Börsenblatt s. b. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. ^ ISO. 1k. August 1912. Wiener Briefe. iv. (III siehe Nr. 137.) Kleines Lotto und Klasfenlotterie. — Korporationsversamm lungen. — Gehilfenkranlenkasse und Hilfsarbeiterkrankenlasse. — Papier- und Druckaktien. — Strafgesetz und Buchhandel. Zum Kriegführen braucht man bekanntlich dreimal Geld, aber die modernen Staaten benötigen auch im Frieden und zur Wahrung des Friedens sehr diel Geld. Darum sind die Schatz kanzler meistens unzugänglich, wenn ihnen die Streichung einer Einnahmepost zugemutet wird unter der Begründung, daß die Quelle, aus der sie fließt, unsauber ist. Bei den Schau läden der von mir in diesen Briefen bereits erwähnten t. k. Tabaktrafiken bemerkt man allwöchentlich eine Reihe von Zahlen, die die Resultate des sogenannten »kleinen Lottos«, dessen Ziehungen in Wien, Brünn, Prag und Linz stattfinden, öffentlich darstellen. Die alte Institution des kleinen Lottos — die erste Ziehung fand am 21. Oktober 1752 in Wien statt — bot alljährlich durch ein Vierteljahrhundert (vom Jahr 1873 bis 1888) einem berühmten und prinzipientreuen Parlamen tarier, dem vr. Roser, Anlaß zu einer herzbeweglichen und dringenden Rede, die aus das Unmoralische des kleinen Spieles wie auf die zahlreichen durch die Beteiligung daran hervorgerufenen Defraudationen, Verbrechen und Selbstmorde hiuwics und jedesmal mit der Befürwortung einer Resolution schloß: das kleine Lotto ist abzuschaffen. Aber auch die all jährliche, lebhafte Annahme dieser Resolution konnte während eines Vierteljahrhunderts keinen Finanzminister bewegen, eine andere Antwort zu erteilen, als die: der Staat vermag auf die Einnahme nicht zu verzichten. In der Tat hat das Lotto im Jahre 1900 säst 15 Mill., im Jahre 1910 sogar 17'/, Mill. L getragen; die Einnahme zeigte also eine stei gende Tendenz. Nun findet sich ein Ausweg aus dem Dilemma zwischen Staatswirtschaft und Volksmoral. Der derzeitige Finanzminister geht daran, das kleine Lotto adzuschaffen und durch die Klassenlotterie zu ersetzen. Für die Auflassung des Lottos wurde eine Übergangszeit bestimmt. Man will es je nach dem Erträgnisse der Klassenlotterie einschränken und ganz auflassen, wenn die letztere dem Staat jährlich 20 Mill. I< cinträgt. Die Klassenlotterie soll es unmöglich machen, daß die armen Leute sich am Lotteriespiel beteiligen, denn die Ein sätze sind ziemlich hoch und können nur fünf- bis sechsmal im Jahre geleistet werden. Mit der Abschaffung des kleinen Lottos wird auch die Axt an einen vielleicht blühenden, aber nicht sehr rühmlichen Zweig des lokalen Verlages gelegt: jene Traumbücher, welche die Träume in Zahlen, die im kleinen Lotto zu setzen sind, um deuten, sind ihrer Basis beraubt. Wer wird künftig meine Kleinen lehren, welche Zahlen sie zu setzen haben, wenn ihnen im Traum ein Dolch oder ein Schornsteinfeger oder eine blu tende Hand erschienen ist? Aus den Aussterbeetat sind natür lich auch die Bücher mit unfehlbaren Ratschlägen, wie im kleinen Lotto zu gewinnen ist oder welche Zahlen in den letzten zehn Jahren gezogen wurden, gesetzt. Daß auch die Traum bücher mit den Fortschritten der Zeit gehen können, bewies mir der Antrag einer sehr angesehenen und gebildeten Dame, die ein Traumbuch schreiben wollte, in der die in der bis herigen einschlägigen Literatur noch nicht beachteten Träume über Aeroplane, Telephone, Grammophone usw. umgedcutel werden sollten! Der Vertrieb der Lose der Klassenlotterie, die ja nicht wie das kleine Lotto von dem wirtschaftlich schwächsten Teil der Bevölkerung, sondern von den Bessersituierten benutzt werden soll, wird durch Banken und Wechselstuben erfolgen. Da hat nun ein Buchhändler in einer Landeshauptstadt die gewiß sehr praktische Idee gefaßt, daß auch der Buchhandel dabei die Vermittlerrolle spielen könne. Dieser im Vereine der österr.-ungar. Buchhändler gestellten Anregung Folge leistend, wird der Vorstand das Ministerium bitten, auch die Buch händler als Verkaufsstellen zu akzeptieren. Geht die Regierung hieraus ein, so ist kein Zweifel, daß sich den kleineren Be trieben hierdurch eine nicht zu unterschätzende Einnahme quelle erschließen wird. Bei dieser Gelegenheit will ich auch erwähnen, daß die Wiener Buchhandlungen von Zeit zu Zeit aus dem Deutschen Reich verschlossene Briefe mit unbestellten Loosen zur preußi schen Klassenlotterie zum gefälligen Ankauf erhalten. Meines Wissens werden in den meisten Fällen diese Briefe samt In halt unerledigt in den Papierkorb versenkt und vernichtet, denn der Besitz auswärtiger Klassenlotterielose ist in; Öster reich verboten. Es wäre praktisch, wenn die deutschen Lotterie- koltekteure, unter denen sich auch manche Buchhändler befinden, diese zwecklosen Zusendungen unterließen. Die Korporationsversammlungen der Wiener Buchhändler haben sich seit einigen Jahren viel mit sozialen Fragen zu beschäftigen. Auf der Tagesordnung der diesjährigen Ver sammlung stand wiederum die Frage des Öffnens der Ge schäftsläden am Morgen in den Sommermonaten, und man kann Wohl auch diese Angelegenheit eine soziale nennen, da sie immer von neuem durch die Gehilfenschaft in Fluß gebracht wird. Im Jahre 1909 übertrug sich eine in der kaufmänni schen Gehilfenschaft auftretende Bewegung zur Erzielung des Siebenuhrladenschlusses auf die buchhändlerischen Gehilfen, und es wurde nach umständlichen Verhandlungen, die seinerzeit von mir in diesen Blättern geschildert wurden, ein Überein kommen aus Basis des Siebenuhrladenschlusses im Juni, Juli und August getroffen. Lies bedeutete, da die meisten Ge schäfte in diesen Monaten auch weiterhin um 7'^ oder 8 Uhr früh geöffnet wurden, zweifellos eine Einschränkung der Arbeitszeit. Es soll sich nun herausgestellt haben, baß einige Handlungen, insbesondere Kolportagegeschäfte bereits um 7 Uhr früh ihre Läden öffnen. Die Vertretung der Gehilfen schaft faßte diesen zeitigeren Geschäftsbeginn als eine sie schädigende Kompensierung für den Siebenuhrladenschluß auf. Bei der sehr lebhaft geführten Debatte zeigte es sich, daß die Verschiedenartigkeit der Betriebe im Wiener Buchhandel eine völlig gleichmäßige Behandlung in dieser Frage sehr schwierig oder vielleicht unmöglich macht. Denn die Kolportagehand lungen erklärten es für unumgänglich notwendig, den viel beschäftigten, vielgeplagten Kolporteuren, die bei der großen Ausdehnung der Stadt eine genaue Zeiteinteilung vornehmen müssen, bereits um 7 Uhr früh die für die Tageszustellnng erforderlichen Hefte auszufolgen. Daß die Zeitungsgeschäfte noch viel zeitiger, etwa um 5 Uhr bereit sein müssen, den Austrägern die Tageszeitungen zu liefern, scheint einleuchtend. Run sind die verschiedenen Betriebe — Zeitungsverschleiß, Kolportage, Sortiment — mitunter in einer Hand bereinigt, und es ist den Nur-Sortimentern nicht recht, wenn der Auch« Sortimenter seinen Laden um eine Stunde früher öffnet. Im ersten Bezirk, in der inneren Stadt, Pflegen die Käufer kaum vor 9 Uhr einen Laden zu betreten, während sie in den äußeren Bezirken sich zeitiger bemerkbar machen. Es zeigte sich, daß die Sachlage noch nicht geklärt war, und die Versammlung beschloß, die ganze Frage durch ein hierzu gewähltes Komitee, in dem die verschiedenen Geschäftszweige vertreten sind, ein gehend beraten zu lassen. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung hatte dasselbe Geschick. Der Urlaub der kaufmännischen Handlungsgehilfen, somit auch der Buchhandlungsgehilfen, ist feit Jahren gesetzlich geregelt; die Hilfsarbeiter (Austräger, Packer usw.), die ge setzlich keinen Anspruch auf Urlaub haben, erhalten im Wiener
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