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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.08.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-08-28
- Erscheinungsdatum
- 28.08.1905
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- Deutsch
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^ 199, 28. August 1905. Nichtamtlicher Teil. 7487 Gegen den Schmutz in Wort und Bild. — Auf dem so eben in Straß bürg i. E. abgehaltenen Deutschen Katholikentag forderte der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Roeren (Köln) erneut zum Ausharren im Kampfe gegen den Schmutz in Wort und Bild auf. Seinem oft durch stürmischen Beifall unter brochenen Vortrage entnehmen wir nach dem Bericht der National zeitung das Folgende: Wenn der Kampf gegen die Unsittlichkeit in Wort und Bild wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden sei, dann erkläre sich dies einerseits aus der noch immer zunehmenden Dreistigkeit des Auftretens dieser Literatur, anderseits aber auch daraus, daß der Kampf dagegen die weitesten Kreise des Volks erfaßt habe. Er habe zahllose Proben von der schamlosen Literatur, von der er nur einige Zeilen vorzulesen brauchte, um alle Anwesenden davon zu überzeugen, daß mit starker Hand eingegriffen werden müsse. Die Verbreitung der unsittlichen Sachen sei ungeheuer. Es existiere eine ganze Anzahl von Verlagsanstalten und Ateliers, die sich ausschließlich mit der Herstellung solcher Dinge be schäftigten und davon glänzende Einnahmen hätten. Ballen von Photos obszönster Art gingen das ganze Jahr hinaus an Händler, Zwischenhändler und Kolporteure. An eine solche ge schäftliche Ausbeutung der Unsittlichkeit sei noch vor Jahr zehnten nicht gedacht worden. Bilder und Schriften, die früher nur ganz vereinzelt und entsprechend teuer zu haben gewesen seien, würden jetzt infolge der Billigkeit der Herstellungsart ohne Aufwand von Kunst usw. in Hunderttausenden von Exemplaren ins Land geworfen. Es liege auf der Hand, daß eine gute Gesetzgebung diesen veränderten Verhältnissen Rechnung tragen müsse. Leider sei das bei uns nicht der Fall. In jeder Nummer der Witzblätter wimmele der Inseratenteil von Ankün digungen unsittlicher Literatur. Man habe ausgerechnet, daß die Ausgabe der Inserenten den Betrag von einer Million bei weitem übersteige. Diese Summen würden sicher nicht ausgegeben werden, wenn sich das Geschäft nicht rentierte. Selbst bis in die Schulen, ja sogar bis zu den Missionen der Katholiken in fernen Landen sei diese unsittliche Literatur gedrungen. Selbst unsre Missionen in Afrika seien mit derartigen Dingen überschüttet worden, die ihren Ursprung in Deutschland hätten. Und dazu komme noch die behagliche Breite, mit der die Sensationspresse in letzter Zeit über gewisse Prozesse und über wissenschaftlich-hygienische Kongresse berichte. Aber das allerbedauerlichste sei und bleibe doch, daß an solchen Kongressen Frauen teilnähmen und auf ihnen das Wort ergriffen, ohne eine Spur von Scham zu haben Man hätte sich weiter zu wenden gegen den Massenvertrieb scham loser Ansichtskarten, der unsre Heranwachsende Jugend zu vergiften drohe. Dazu kämen die Mutoskope mit ihren unsittlichen Bildern, Stereoskope usw. Das Herz tue einem weh, wenn man diese Sachen von zwölf- bis dreizehnjährigen Knaben umlagert sehe und bedenke, was in unschuldigen Kinderherzen dadurch ertötet werde. — Der sittliche Rückgang der letzten Jahrzehnte betreffe alle Kreise, ja man müsse sogar sagen, daß er in erster Linie die oberen Zehntausend betreffe. — — Es sei eine abgenutzte Phrase, davon zu sprechen, daß wir die Knechtung von Kunst und Wissenschaft wollten. »Wir sind .'gewiß die letzten, die die Bedeutung der Kunst unterschätzen, und die letzten, die sie in Fesseln schlagen möchten. Was wir wollen, ist die Freiheit der Kunst, ihre Be freiung von ihrem größten Feind, dem Schmutz, der die wahre Kunst in die Gosse zieht, sie entehrt und zur Dienerin der Gemeinheit herabwürdigen will. Das ist keine Knebelung, sondern die Achtung vor der Kunst. Die, die dennoch etwas andres darin sehen, zeigen nur, daß sie kein Verständnis für die wahre Kunst haben». — Zu den schlimmsten Auswüchsen der unsittlichen Literatur gehöre an erster Stelle die ganze pseudo-medizinische Belletristik, die sexuelle Perversitäten und Zwischenstufen behandle, und die, obwohl sie sich hier und da mit fachwissenschaftlichen Federn schmücke, absolut keine Existenzberechtigung habe. Mit ihr und ähnlichem werde der Büchermarkt tagtäglich überschüttet. Das traurigste sei aber die gesetzliche Beurteilung dieser schamlosen Auswüchse. Einmal reichten die gesetzlichen Bestimmungen nicht aus, und dann würden sie noch mit einer Zaghaftigkeit an gewendet, die einer bessern Sache würdig wäre. Der unter dem Namen Heinze» bekannte Gesetz entwurf sei bestimmt gewesen, dieser Reformbedürftigkeit Rech nung zu tragen. Er sei aber nach den bekannten Vorgängen gescheitert, und es werde daher wohl nicht anzunehmen sein, daß so bald eine Reform komme, aus Gründen, die Redner hier nicht erörtern möchte, weil er sonst schlimme Vorwürfe gegen die jenigen erheben müßte, die gerade auf diesem Gebiete sich nicht lässig zeigen sollten. Die alte Phrase von der »geknebelten Kunst» halte leider noch zu viele in ihrem Bann. Lieber im großen Haufen gegen »Mucker- und Zelotentum« mit zu Felde ziehen, als sich der Gefahr aussetzen, für ungebildet zu gelten. — »Deshalb ist eine Organisation gegen den Schmutz nötig, wie wir sie ins Leben gerufen haben. Möge man uns deshalb als Mucker, Zeloten und Kunstbanausen hinstellen, so werden wir doch wissen, daß wir vernünftige Menschen sind.» * Deutscher Buchdruckertarif. — Der an die Kreisvertreter erstattete Geschäftsbericht des Tarifamts der deutschen Buchdrucker über das Geschäftsjahr 1904/05 wird in der »Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker» (Nr. 34 vom 24. August 1905) bekannt gegeben. Das Verzeichnis vom April 1905 schließt mit 5134 tarif treuen Firmen und 45 868 Gehilfen ab. Das große Wachstum des Bundes erweist ein Blick in das Verzeichnis vom Jahre 1897, das nur 1631 Firmen mit 18 340 Gehilfen anführt. Seit dem Abschluß im April 1905 ist eine abermalige Vermehrung der den Tarif anerkennenden Firmen um nahezu weitere 100 eingetreten. * Zeitungsverkauf in Berlin. — In Berlin hat sich eine -Deutsche Zeitungskiosk-Gesellschaft» gebildet. Ihre Aufgabe sieht sie in dem Zeitungsverkauf auf Straßen und Plätzen durch Auf stellung von geschmackvollen und zweckmäßig betriebenen Kiosks. Ein erster Kiosk dieser Art ist soeben auf dem Leipziger Platz er standen. Der Entwurf ist von Professor Alfred Grenander vom Königlichen Kunstgewerbemuseum zu Berlin. Königlich preußische Kunstsammlungen. — Aus dem soeben erschienenen 3. Heft des -Jahrbuchs der Königlich preußischen Kunstsammlungen« wird über Neuerwerbungen u. a. berichtet, daß von den Verlagswerken aus der Sonderausstellung »Die Kunst im neueren Buchdruck» eine größere Zahl von Stücken der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums überwiesen worden ist. Für die Nationalgalerie wurden angekauft das Gemälde -Der Rhein bei Säckingen« von Hans Thoma, drei Gemälde von Ferdinand Waldmüller, ein Freilichtbild »Im Hausgarten» von Engert, -Rastende Kürassiere« von Hans von Marses, zwei Stilleben von Schuch, außerdem eine Anzahl von Aquarellen und Hand zeichnungen von Schwind, Thöny, Menzel u. a. Chirurgen-Versammlung. — Die diesjährige Versamm lung der Internationalen Gesellschaft für Chirurgie wird in den Tagen vom 18. bis 23. September in Brüssel abgehalten werden. Den Vorsitz führt Professor Theodor Kocher aus Bern. Internationale Erdbebenkonferenz. — In der am 15. und 16. August im Reichsamt des Innern zu Berlin unter dem Vorsitz des Geheimen Oberregierungsrats vr. Lewald ab gehaltenen internationalen Erdbebenkonferenz, bei der die Regierungen von Belgien, Bulgarien, Griechenland, Groß britannien, Italien, Mexiko, der Niederlande, von Norwegen, Portugal, Rumänien, Spanien, der Schweiz, Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika teils durch ihre diplomatischen Vertreter, teils durch hervorragende Erdbeben forscher vertreten waren, sind die von dem seismischen Komitee der internationalen Akademievereinigung in Anregung gebrachten Ände rungen in den Satzungen der im Juli 1903 in Straßburg verein barten internationalen seismologischen Assoziation angenommen worden. Da einige Regierungen, unter andern die österreichische, ihren Beitritt von diesen Änderungen abhängig gemacht hatten, so darf damit gerechnet werden, daß binnen kurzem alle Staaten mit Erdbebendienst der seismologischen Assoziation angehören werden und diese einen der internationalen Erdmessung entsprechenden Wirkungskreis erlangt. In der Konferenz erfolgte sodann die Konstituierung der die Geschäfte der Assoziation leitenden permanenten Kommission. Unter Aussetzung der Wahl eines Präsidenten wurde der Direktor des Königlich italienischen meteorologischen Dienstes, Professor 993*
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