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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.08.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-08-04
- Erscheinungsdatum
- 04.08.1905
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- Deutsch
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- Saxonica
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179, 4, August 1905. Nichtamtlicher Teil. 6879 Weimarer Maler und Stecher, heraus und zwar seit dem Jahre 1786. Die Gründung dieser Zeitschrift hatte zur Folge, daß er I78S eine eigne Buchdruckerei und Kunstanstalt einrichtete, in der zahlreiche Zeichner, Kupferstecher und Arbeiter aller Art beschäftigt wurden. Der unternehmende Bertuch scheint (wie es auch jetzt ja manchmal geschieht) durch seine Zeitschriften den Markt haben beherrschen zu wollen, wenigstens darf man das aus einer Bemerkung schließen, die er Schütz gegenüber beim Erscheinen des ersten Stückes tat, das er ihm zur Besprechung für die Litteratur- zeitung sandte*): -Die Entreprise scheint gut zu werden, es gehen wackere Bestellungen darauf ein. Alles kommt darauf an, daß es jetzt schnell bekannt, und dem Publico in einem interessanten Lichte gezeigt wird. Doch Sie werden ihm thun, was Recht ist. Bergessen Sie dabei) nicht, Rücksicht auf unfern ganzen Plan, von dem das Journal nur ein Stück ist, zu nehmen». Das Journal erschien monatlich mit einem Jntelligenz- blatt, das nur Anzeigen enthielt: jede Nummer enthielt drei bis vier ausgemalte oder schwarze Kupfertafeln. Dem ursprünglichen Programm, nur über Gegenstände der Mode und des Luxus zu berichten, wurde man bald untreu, und die Zeitschrift wurde mehr und mehr eine Zeitschrift für die elegante Welt, die auch über Tagesfragen und Tagesereig nisse berichtete, fachwissenschaftliche Aufsätze brachte und die Leser mit dem -6s irs« und der »Marseillaise« bekannt machte. Als Karl August Böttiger 1795 nach Weimar kam, übernahm dieser, der schon vorher Mitarbeiter gewesen war, die Leitung des Journals und stellte es mehr in den Dienst der Kunst und der Kulturgeschichte. Erwähnenswert aus dieser Zeit ist der Streit mit Goethe, der noch kurz gestreift werden wird. 1804 verließ Böttiger Weimar, und der jüngere Bertuch, Karl Bertuch, übernahm die Leitung des Journals, das sich wieder etwas hob und in der Zeit von 1807—15 wohl seinen Höhepunkt erreicht hatte. Der junge Bertuch wollte das Blatt zu einem führenden Journal für die deutschen Kunstbestrebungen machen: die Kriegsjahre und der Tod des jungen talentvollen Herausgebers ver hinderten die Durchführung des großangelegten Plans. Das Blatt, das mittlerweile den Namen »Journal für Luxus, Mode und Gegenstände der Kunst« erhalten hatte, wurde nach des jungen Bertuch Tode in »Journal für Lite ratur, Kunst, Luxus und Mode« umgetauft und erschien seit 1823 zweimal wöchentlich: änderte auch seinen Charakter, indem die Mode ganz Nebensache wurde. Es fristete aber nur noch sein Dasein und hatte fast den Charakter einer Tageszeitung. 1827 versuchte man, ihm nochmals frisches Leben einzuflößen: es wurde nun »Journal für Literatur, Kunst und geselliges Leben« genannt und erschien wöchent lich dreimal in Stücken von ft- Bogen: aber am Schluß des Jahres mußte das Landesindustriecomptoir erklären: »Wir sehen uns genöthigt, dieses Journal, nach 42jähriger Dauer hiermit zu schließen.«'*) Eine andre Zeitschrift, die Bertuch herausgab und druckte, war lftexarisch-politischer Art und nannte sich »London und Paris«. Dieses Blatt erschien seit 1798. In der Ankündigung vom 31. Mai 1798 heißt es"*): Das papierne Zeitalter ersticke zwar unter allen Journalen und Zeitungsblättern, aber es fehle ein Blatt, das sich die Darstellung des Lebens in den zwei maß gebenden Städten Europas, London und Paris, zur einzi gen Aufgabe mache. »Wer könnte dieses Gähren und Brausen, Verpuffen und Verkohlen, Präcipitiren und Subli- miren der ungleichartigsten Stoffe in diesen ungeheuren Retorten durch eine feststehende Beschreibung und eine ge schlossene Schilderung festzuhalten sich einfallen lassen? . . . Wer ein Buch darüber schreibt, setzt nur Grabsteine. „London und Paris" — so heißt es dann weiter — »will bloß vergnügen, scherzen, erzählen, was heute in Paris, gestern in London zu sehen war. Sie hütet sich vor der Politik als vor einer Sphinx, die täglich die Söhne und Töchter der Böotier frißt.- Die Zeitschrift erschien alle sechs Wochen mit 5 oder mehr Bogen Text und 4 Kupfertafeln (meist 2 kolorierten Karikaturen und 2 Zeichnungen, Plänen oder »notirten Ge sängen«). Acht Stücke machten einen Band aus. Der Jahrgang kostete 6 Reichstaler 8 Groschen. Die Kupfer ivaren von französischen und englischen Künstlern, Leiter der Zeitschrift war Böttiger. der auch nach seinem Fortgang von Weimar ein eifriger Mitarbeiter blieb und dafür ein jähr liches Honorar von 300 Taler erhielt. Obwohl in der Ankündigung erklärt war, daß die Zeit schrift sich nicht mit Politik befassen wolle, kam sie doch bald in Konflikt mit der Regierung. In einigen Karika turen war Napoleon verspottet: die weimarische Regierung hatte deshalb Bertuch verwarnt und mit einem Verbot der Zeitschrift gedroht: mit vollem Recht, denn Talleprand hatte sich bereits ein Exemplar senden lassen, und ein Verbot der Zeitschrift stand zu erwarten. Bertuch war erregt über die Verwarnung des Weimarer Hofes; er hielt es für feige Furcht vor Napoleon oder für Mißvergnügen über sein Unter nehmen, beschloß aber, um weitern Unannehmlichkeiten vor zubeugen, auch dieses Blatt nach Halle zu verlegen und seinem Sohn Karl die Leitung zu übertragen. In Halle brauchte er kein Verbot zu befürchten, da der König sich dem Verlangen Frankreichs, dem Kaiser mißliebige Bücher zu verbieten, bereits mehrfach widersetzt hatte. Trotzdem ge brauchte man größere Vorsichtsmaßregeln als bisher. Man ließ schon angefertigte Karikaturen fortfallen, Böttiger gab scheinbar alle Mitarbeit auf, und Bertuch mußte dessen Manuskripte abschreiben lassen, bevor er sie in die Druckerei gab. Am 29. September 1804 schrieb Bertuch an Böttiger: »London und Paris ist richtig vom Napoleon verbothen, vom Preuß. Adler aber schon in Schutz genommen.- Unter Karl Bertuchs Leitung nahm die Zeitschrift trotz der Napöleonischen Zwangsherrschaft einen gedeihlichen Fort gang; nur der Titel wurde wiederholt geändert und der Verlag 1811 nach Rudolstadt, wo Bertuch auch eine Buch handlung besaß, verlegt. Sie erschien unter den Titeln: 1. London und Paris. Eine literarisch-politische Zeit schrift. 1798—1804 Weimar, 1804—1810 Halle. 2. Paris, Wien und London. Ein fortgehendes Pano rama dieser drei Hauptstädte. I. Jahrgang. Rudol stadt 1811. 3. Paris und Wien. II—III. Jahrgang. Rudol stadt 1812—1813. 4. London, Paris und Wien. Rudolstadt 1815. Karl Bertuch war die Seele des Unternehmens; mit seinem Tode ging die Zeitschrift ein. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen Unsre künftigen Handelsverträge. — Die National zeitung faßt die dem Bundesrat und dem Reichstag gleich nach deren Wiederzusammentreten bevorstehenden handelspolitischen Ausgaben wie folgt zusammen: Der neue Tarifvertrag mit Bulgarien, an dessen Aus gestaltung die Unterhändler beider Länder nun schon eine ge raume Zeit arbeiten, ist nahezu fertig gestellt. Kommt eine end gültige Einigung über ihn zwischen den Regierungen zustande, so wird er natürlich eine der ersten Vorlagen bilden, die dem *) Feldmann, Bertuch S. 99. *) Feldmann, Bertuch. S. 93. "> Feldmann, Bertuch S. 98. -*-) Ebendaselbst S. 99. 911*
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