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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.07.1905
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- 1905-07-01
- Erscheinungsdatum
- 01.07.1905
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- Deutsch
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In Berlin stand Lessing mit den Verlagsbuchhändlern Voß und Nicolai, der bereits vorhin erwähnt wurde, in Verbindung. Friedrich Nicolai war nur wenige Jahre jünger als Lessing; er hatte den Buchhandel erlernt und sich daneben durch eigne Arbeit eine außerordentlich umfang reiche Bildung angeeignet. Die von ihm unter fremdem Namen herausgegebenen »Briefe über den jetzigen Zustand der schönen Wissenschaften« (1755) wurden vielfach für ein Werk Lessings gehalten, so sehr hatte sich Nicolai an Lessing geschult und selbst seinen Stil nachgeahmt. Dem Dichter machte dies den Verfasser nicht weniger lieb. Aber Nicolais Zeitschrift, die seit 1757 in Leipzig erscheinende »Bibliothek der schönen Wissenschaften«, war von Anfang an nicht nach Lessings Geschmack. Er fand sie zu milde und meinte, sie mache nicht die berechtigten Ansprüche, die die Kritik an die Dichter stellen müsse. Als Nicolai nach dem Tode seines Bruders das Berliner Geschäft übernehmen mußte und seine Leipziger Zeitschrift an Felix Weiße übergab, entschloß sich Lessing nunmehr, ein eignes kritisches Blatt zu gründen, wie es schon lange Gegenstand seiner Sehnsucht war. Es waren dies die »Briefe, die neueste Literatur be treffend«, die vornehmlich angreifend gegen die Nachahmer und Bücherfabrikanten auftraten, während sie dem Genie den Weg zu bahnen suchten. Lesfing schuf damit erst die moderne Kritik. Durch Nicolais Vermittelung erhielt Lessing die Stelle als Dramaturg in Hamburg. Die Aussätze, dis er als Kri tiker des Deutschen Nationaltheaters daselbst schrieb, gab er als »Hamburgische Dramaturgie» im eignen Verlag heraus; der Druck erfolgte in der mit dem Literaten Bode begründeten Druckerei. Lessing selbst war ohne Mittel. Eine Gesamtausgabe seiner Lustspiele, die 1767 bei Voß in Berlin erschien und worin die -Minna von Barnhelm« zum erstenmal durch den Druck veröffentlicht wurde, hatte ihm die Mittel zur Übersiedelung nach Hamburg gewähren sollen. Da der Ertrag aber dazu nicht ausreichte, veräußerte. Lessing seine in Breslau erworbene Bibliothek mit Ausnahme der nötigsten Bücher. Er verkaufte sie für den Spottpreis von einigen hundert Talern. Die Summe reichte nur knapp hin, um die dringendsten Schulden und die fällige Wohnungs miete zu bezahlen. Bode, der als Zeitungsredakteur und Übersetzer englischer Werke in Hamburg lebte, war um jene Zeit durch eine reiche Heirat zu Vermögen gelangt. Mit ihm gründete Lessing eine Druckerei, die zu einem Verlagsgeschäft für die eignen und die Werke der Freunde erweitert werden und das neue Theaterunternehmen stützen sollte. Der Mißerfolg dieses Unternehmens ist bekannt. Von der Dramaturgie erschienen nur 104 Stücks. Zu den mannigfachen Verdrießlichkeiten, die Lessing erfuhr, kam auch der Umstand, daß seine Zeit schrift in Leipzig und dann sogar in Hamburg nachgedruckt wurde. Vergeblich bemühte Lessing sich immer wieder, dem frechen Nachdruck zu steuern, der den Ertrag seines Unter nehmens mit Bode schädigte. Seine finanzielle Lage war eine doppelt trostlose; einmal brachten ihm feine literarischen, selbst seine dramatischen Arbeiten nichts ein, anderseits wurden seine Mittel »bis auf den letzten Heller« von der buchhändlerischen Verbindung mit seinem Freunde Bode verzehrt. Am 26. April 1768 schrieb er an seinen Bruder Karl: Gott sei Dank, bald kommt dis Zeit wieder, daß ich keinen Pfennig in der Welt mein nennen kann als den, den ich erst verdienen soll. Bekanntlich wurde Lessing 1770 Bibliothekar in Wolfen büttel. Sein Jahreseinkommen betrug die für die damalige Zeit nicht unbedeutende Summe von 600 Talern außer der freien Wohnung im Schloß, freiem Brennmaterial und andern Vergünstigungen. »Nathan der Weise» ließ Lessing bekanntlich auf Subskription erscheinen. Bevor er aber an die Ausarbeitung ging, mußte er sich die Mittel verschaffen, um vier bis sechs Monate sorgenfrei leben zu können. Ein jüdischer Kauf mann, Moses Wessely, ein Verehrer Lessings aus der Ham burger Zeit, lieh ihm die gewünschten 300 Taler. Die Ab zahlung bereitete dem Dichter freilich keine geringe Sorge, da er fürchtete, daß die Subskription zur Deckung der Schuld nicht ausreichen werde. Später hat er aber aus dem Erlös des Werkes das Geld an Wessely zurückerstatten können. Professor vr. Ludwig Geiger gibt den Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter in den Jahren 1799 bis 1832 in einer neuen Ausgabe in der Reclamschen Universal bibliothek (Nr. 4581—4585, 4591—4595, 4606—4610, Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig, Preis 3 „O> mit Einleitung und Erläuterungen heraus. Dieser Brief wechsel ist für dis Literatur- und für die Kulturgeschichte jener Zeit ungemein wertvoll, nicht bloß wegen der Persön lichkeit Goethes, sondern auch wegen der Zelters, der zu seiner Zeit als Komponist beliebt war und über ein um fangreiches Wissen, namentlich in der Baukunst, verfügte. Zelters erste Kompositionen wurden Goethe durch den Buchhändler Unger in Berlin, der am Ende des achtzehnten Jahrhunderts sein Verleger und ihm auch persönlich bekannt war, mitgeteilt. An den Musenalmanachen 1796 u. folg, beteiligte sich Zelter mit einzelnen musikalischen Beiträgen. Ein intimer Verkehr zwischen Goethe und Zelter entstand aber erst später. Unger war nicht bloß Buch- und Kunsthändler, sondern auch selbst Schriftsteller. Zelter nennt ihn: »mein braver Freund«. Die erste echte Ausgabe von Goethes Schriften, bei Göschen in Leipzig 1786 bis 1790 erschienen, hatte acht Bände gehabt. Unger, der Verleger der »Neuen Schriften», von denen 1791 bis 1800 sieben Bände erschienen waren, wollte offenbar auch seinen achten Band haben, denn Goethe sagt in seinem Briefe vom 29. August 1803: Herr Unger schreibt mir vor einiger Zeit um einen achten Teil. Ich kann weder zu- noch absagen. Nicht ab, weil ich wirklich gern die Zahl voll machte, nicht zu, weil meine nächsten Arbeiten an Cotta versagt sind, mit dem ich sehr zufrieden zu sein Ursache habe. Mögen Sie Herrn Unger ein freundliches Wort darüber sagen, daß er mein Stillschweigen nicht ungleich auslege. Bei den damaligen ungenügenden Verkehrsmitteln waren natürlich die Klagen über die langsame Verbreitung von Büchern sehr häufig. Am 11. Oktober 1809 schrieb z. B. Zelter an Goethe: Von Ihrem neuen Roman ist mir noch nichts begegnet. Was ich im Cottaschen Taschenbuch finde, ist eine Fortsetzung des Wilh. Meister; wie aber ist es mit jenem Roman, der mir überall willkommen sein wird. Sobald Sie ein Exemplar haben, bitte ich mir ja eins zu senden, denn unsere Buch händler sind die säumigsten Menschen von der Welt; ich habe überall nachgefragt und noch nichts erhalten können als das Cottasche Taschenbuch. Zelter brauchte nicht sonderlich lange mehr zu warten, denn am 27. desselben Monats schrieb er bereits Goethe über die Wahlverwandtschaften, die er inzwischen erhalten und gelesen hatte. Aber am 5. April 1810 mahnt Zelter schon wieder: Darf ich Sie mit einer Bestellung beschweren, so bitte ich, daß ich sogleich Ihr Farbenwerk erhalte, als das erste Exemplar zu haben ist. Es ist empfindlich zu warten und immer zu warten, bis die Buchhändler von der Messe zurück sind, und dann noch zu warten, bis ihre Ballen nachgeschleppt ankommen. Das Leben vergeht unter lauter Warten.
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