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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.11.1878
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1878-11-27
- Erscheinungsdatum
- 27.11.1878
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- Deutsch
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275, 27. November. Nichtamtlicher Theil. 4799 weiter zwei Männer zugesellt, deren Namen schnell allgemein be kannt geworden sind: JeanMacö, den unermüdlichen Apostel für den ersten Unterricht, und Jules Verne, welcher jetzt eine Reise um die Welt mit seinem „Philöas Fog" unternehmen könnte, ohne irgend ein Land anzutreffen, wo seine Bücher noch unbekannt sind. Man kann beinahe sagen, diese beiden Schriftsteller seien selbst aus dem Hause Hetze! hervorgcgangen, denn sie haben dort das Licht der Oeffentlichkeit erblickt und sind unter den Augen des Publicums groß geworden. Macs hat in der „Uistoire ä'uus bouobss äs pain" die Form für eine richtige Verbreitung der Wissenschaft ge funden, durch welche er es erreichte, die gegebenen Hauptpunkte der Wissenschaft nicht nur selbst der Allgemeinheit näher zu bringen, sondern auch dem Verständniß der Kinder zu erschließen, was weit weniger leicht und gleichzeitig viel nützlicher ist. Verne hat es ver standen, die Wissenschaft in ein dichterisches Gewand einzuhüllen, ohne ihr selbst zu nahe zu treten; er hat es vermocht, die Lehren der Physik, Naturgeschichte und der Astronomie so vortrefflich in ein Netz von Bildern mit geschickter Zusammenstellung einzuschließen, daßNiemand den innerenZusammenhang gewahr wird, der zwischen den angeblichen Erlebnissen der Persönlichkeiten und den thatsäch- lichenNaturerscheinungen besteht, welche näher erklärt werden sollen. Welcher Unterschied ist nicht zwischen diesen lebendigen Darstellun gen und dem schwerfälligen Wortkram in der „Reise des jungen Anacharsis", der auf Grundlage derselben Thatsachen, wenngleich in einer ganz verschiedenen Wissenschaft abgefaßt ist! Die Firma von Maine in Tours kann mit der Buchhandlung von Firmin Didot in einen Vergleich gebracht werden, denn sie re- präsentirt gleichfalls ein beinahe vollständiges Gesammtbild der Industrie des Buchhandels: Buchdruckerei, Buchhandlung, Buch binderei. Sie nimmt in Frankreich den dritten Rang ein durch die Bedeutung ihrer Geschäfte und verdankt vor allem ihre hohe Wich tigkeit zwei sehr einträglichen Fabrikationszweigen: den Schriften auf dem Gebiet der katholischen Liturgie, auf welchem sie in ganz Europa keinen ebenbürtigen Concurrenten hat, und den ersten Un terrichtsbüchern, welche in den Schulen starke Verbreitung finden. Zu diesen Werken kann man jene bekannten Schriften mit billigen Preisen hinzurechnen, welche unter einer eleganten Außenseite einen sehr unbedeutenden Inhalt bergen. Während der letzten Jahre hat die Verdrängung des alten katho lischen Ritus durch den ultramontanen Ritus dem letzteren gestattet, die Meßbücher in der Hälfte der französischen Diöcesen durch andere zu ersetzen, um sie mit der neuen Lehre des unfehlbaren Papstes in Uebereinstimmung zu bringen. Bei dieser Gelegenheit hat die Firma Typen geschaffen, die ein wahres künstlerisches Interesse haben. Die Ausstellung des Hauses Müme zeichnet sich durch hohen Glanz aus. Man findet dort eine große Zahl von Luxuswerken, die mit der peinlichsten Sorgfalt hergestellt sind und sich besonders durch die Abbildungen auszeichnen, welche sie schmücken. In erster Linie ist hier die Sammlung der Meisterwerke französischer Sprache aus dem 17. Jahrhundert aufzuführen, welche mit prächtigen kleinen Bildern in radirtem Kupferstich von Foulquier bereichert sind. — Manie L Fils scheinen sich namentlich auf solche illustrirte Werke legen zu wollen, deren Fabrikation mit großen Kosten verknüpft ist, und die sie unter besonders günstigen Umständen Herstellen lassen können. Wir wollen hier als Beispiele nur folgende Werke anführen: „Lbarlsiuuxus" von Vstault und „l-88 moutÄAuss^ von Dupaigne. Allein in Bezug auf solche Bücher, bei denen der Inhalt die äußere Form übertreffen soll, ist die Bedeutung der Firma weit weniger groß. Fern von Paris, ist es schwierig für sie, an der allgemeinen geistigen Bewegung theilzunehmen; ihre beliebten Sammelwerke umfassen eine nicht geringe Zahl von Schriftstellern zweiten Ranges, und der katholische Beigeschmack, welcher überall etwas zu spüren ist, gereicht nicht immer diesen Schriften zum Vortheil. Die Räume des Hauses Mame in Tours beschäftigen etwa 1000 Personen, sie fassen 30 Dampfmaschinen, alljährlich werden darin mehrere Millionen Bücher hergestellt. Wir würden es gern sehen, wenn uns zur Würdigung aller andern vornehmlich belletristischen Buchhandlungen hier der ent sprechende Raum zur Verfügung stände, doch gibt es unter denselben wenigstens noch einzelne, die wir nicht mit Stillschweigen übergehen können. An die Firma Charpentier knüpft sich die Erinnerung an die größte Reform, welche während des laufenden Jahrhunderts sich im französischen Buchhandel vollzogen hat: die Einführung eines neuen Formats, jenes in 12., das man heute groß 18. nennt, und welches lange Zeit den Namen seines Erfinders trug. Weniger groß als die Bände in 8. mit breitem Rande und großen Lettern, die da mals bei literarischen Erscheinungen allein im Gebrauch waren, ent hielten diese neuen Bände doch zwei- oder dreimal mehr Stoff und ermöglichten einen weit billigeren Preis. Die Bibliothek Charpen tier, welche hauptsächlich aus Werken der Poesie und höheren Lite ratur bestand, hatte einen beträchtlichen Erfolg. In der heutigen Zeit hat sich ihr Charakter etwas verändert. Neben Büchern von älterem Werth umfaßt sie Gelegenheitsschriften und zahlreiche Romane, von denen einige einen sehr bedeutenden Ab satz gefunden haben. Die Buchhandlung Charpentier ist diejenige, welche sich in ihrem Charakter am meisten dem Hause Calmaun Lövy nähert, doch hat sie offenbar eine geringere Bedeutung. Die Buchhandlung Didier nennt sich „akademische Buchhand lung". Dieses Epitheton charakterisirt sehr Wohl den Geist der Schriften, die sie verlegt. Die Arbeiten des berühmten Triumvirats der Sorbonne während der Restauration: der Herren Villemain, Guizot und Cousin bilden den Kern derselben. Die neueren Schrif ten, welche sich um solche große Namen schaaren, haben zwar im All gemeinen den gleichen Anstrich, dieselbe Tendenz, den nämlichen Cultus der rechten Mitte in allen Dingen, sie sind gewiß kaum we niger gut, oft sogar vortrefflich, gut geschrieben und tief durchdacht, allein es fehlt ihnen doch an der erforderlichen Bedeutung, um in einem Zeitalter, wie es das gegenwärtige ist, allgemeine Aufmerk samkeit zu erregen. Das Gebiet der Rechtswissenschaft wird in Paris besonders durch die Firmen Marescq aiuö, Cotill on und Cosse L Mar ch al vertreten. Marescq hat auf der Ausstellung in der Classe des höheren Unterrichts die beiden großen juristischen Sammelwerke von Dalloz und Sirey zur Schau ausgelegt, welche allein schon zwei Unternehmungen von Bedeutung auf dem Felde der juristischen Literatur vorstellen. In Bezug auf die Herstellung gewähren die juristischen Werke kein sehr großes Interesse. Sie sind für ein sehr beschränktes Publicum bestimmt, das sie jedoch nicht entbehren kann, und werden in der Regel, mit Ausnahme der Handbücher und Gesetzsammlungen, in kleiner Auflage gedruckt; sie werden mit mehr Oekonomie als Eleganz hergestellt und verhältnißmäßig theu- rer verkauft als die anderen französischen Bücher. Dies kommt zum Theil daher, daß die Rechtsgelehrten für ihre Werke weit höhere Honorare beziehen, als andere Autoren. Die Werke über politische Oekonomie sind nicht auf großen Absatz berechnet in einem Lande, wo diese Wissenschaft weder sehr verbreitet, noch recht populär ist. Man muß das im allgemeinen Interesse bedauern und umso mehr dem Hause Guillaumin Glück wünschen, das in Frankreich diese Specialität centralisirt hat. Trotz dem hat seine Bibliothek in 12.-Format ebensoviel Erfolg gehabt, als wenn sie Werke von weniger ernstem Charakter in sich begriffe; 659*
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