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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.03.1912
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1912-03-28
- Erscheinungsdatum
- 28.03.1912
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- Deutsch
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chen Gelegenheit wahrgenommen habe, lohnte den Redner, der auf seinem Gebiete als bahnbrechender Reformator an gesehen werden mutz und dessen Ideen sich, wenn auch lang sam, trotz aller Schierigkeiten und Widerstände heute durch gesetzt haben. Den Schluhvortrag hielt Herr Professor Georg Schiller von der Leipziger Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe über das interessante und selten behandelte Ge biet der Kunst des Stempelschneidens. Alle Vorträge wurden mit Unterstützung bon reichem Lichtbilder- und z. T. auch an derem Anschauungsmaterial veranstaltet. Man mag hier ein wenden, daß alles Gesagte und Gesehene auch in der betref fenden Fachliteratur nachgelescn werden könnte. Gewiß, aber wer tut das? Das Buch bietet außerdem bei weitem nicht in dem Maße eine geistige Vermittlungsstelle wie die Persönlich keit des Fachmannes. Insofern werden die öffentlichen Vor träge immer eine unentbehrliche Bilduugsgelegenheit bleiben. Uber »Graphische Reklame in Handel und Industrie, nebst Vorschlägen zu ihrer Verbesserung und Organisation« sprach in der Typographischen Vereinigung am 6. März Herr Hans W. Loose. Dieser Vortrag erbrachte den Beweis, datz auf diesem weiten Gebiete mancherlei der Reform bedürftig und namentlich auch einer Befruchtung durch die Kunst fähig ist. Auch hier scheinen sich viele Dinge in Fluß zu befinden, wenn man auch die Schwierigkeiten nicht verkennen darf, die sich einer durchgreifenden Reform von allen Seiten entgegen stellen. Alle Bemühungen aber, die sich die Bildung des Ge schmackes weiterer Volkskreise zur Ausgabe machen, finden ihren Lohn in sich selbst, sobald nur ein Teil des ausgestreutcn Samens auf fruchtbaren Boden fällt. Was in dieser Beziehung von öffentlichen Vorträgen gilt, trifft in noch höherem Matze bei den Fachausstellungen zu, wie sie in reicher Abwechslung in den Räumen des Buch- gcwerbehauses zur Betrachtung und zum Studium einladen. In den Räumen des Erdgeschosses waren vom 20. Januar bis Ende Februar Werke der modernen Reproduktions-Graphik, verbunden mit einer Ausstellung buchgewerblicher Arbeiten der Reichsdruckerei in Berlin, zu sehen, vom 14. Januar bis II. Februar Schriften der Schriftgießerei Flinsch, ausgestellt von der Typographischen Gesellschaft in Leipzig im Saale der alten Drucke. An gleicher Stelle befand sich vom 14. Februar bis 17. März eine Ausstellung von Karikaturen und Buch- illustrationen des englischen Zeichners Thomas Rowlandson <1756- 1827), hauptsächlich aus dein Besitz von Eduard Fuchs in Zehlendorf. Wenn auch diese Vorträge und Ausstellungen mehr den Verleger als den Sortimenter interessierten, soweit der Buchhandel daran teilnahm, so waren sie zum mindesten für den gesamten Jungbuchhandel eine vortreffliche Gelegen heit, sich umzusehcn und sich vor einer Berufseinseitigkeit zu bewahren, die stets eine Brutstätte philiströser Gesinnung und eine Ursache jener Unbeholfenheit bleiben wird, wie wir sie so oft bei unseren Kollegen finden. Um zu zeige», wie es nicht gemacht werden darf, möchte ich von einem Antiquar der guten alten Zeit erzählen, der einst in dec Stadt lebte, in der ich den Buchhandel zu erlernen die Ehre hatte. Dieser alte Herr besaß ein Sofa in seinem Geschäft zum eigenen Gebrauch und empfing seine Kunden mit brennender langer Pfeife im Munde. Er lebte ganz seinem Berufe und wechselte fast nur den Aufenthalt in seinem Laden mit dem in seiner Wohnung. Er war einer der kenntnisreichsten Antiquare, die es damals überhaupt gab. Er hat es aber wie viele andere zu nichts ge bracht, weil er kein Weltmann und leider auch deshalb kein Kaufmann war. Hätte er aber mit seiner weiteren Umgebung, mit dem öffentlichen Leben die nötige Fühlung gefunden und sich alle daraus resultierenden Folgerungen und Anregungen zunutze gemacht, dann müßte er seinen großen Fähigkeiten entsprechend auch denjenigen Wohlstand erreicht haben, der damals noch eher zu erlangen war als heute. Und wenn heute kaum uoch ein Buchhändler gefunden wird, der so still § und gemütlich unter seinen Zeitgenossen dahinlebt, so gibt es doch noch genug Kollegen, die ebensowenig vom Zeitgeist ver nehmen, wie jener alte Herr, Kollegen, die sich zwar bewußt sind, eine Art Kulturträger zu sein, geflissentlich aber dem, was ich unter den Begriff »Zeitkultur« zusammenfassen möchte, aus dem Wege gehen. Ob es diesem Mangel an Interesse für die Erscheinungen des öffentlichen Lebens zuzuschreiben ist, datz der Leipziger Buchhandel keine Vertretung im Stadtparlamente gesunden hat? Ich wage es nicht zu behaupten, finde es aber bedauer lich. Bei der numerischen Bedeutung, die das Buchgewerbe im Osten unserer Stadt, also innerhalb eines bestimmten Stadt teiles, einnimmt, wäre eine solche Vertretung nur natür lich. Man hätte dem Rat der Stadt eine hübsche Summe Geldes ersparen können, wenn man ihm die Arbeit im Dienste des Kampfes gegen den Schund abgenommen hätte. Alle die Drucksachen, die zu diesem Zwecke verteilt worden sind und jetzt wieder anläßlich der Schulentlassungen zur Verteilung kommen, mußten von den Leipziger Verlegern selbst umsonst hergestellt werden, mußten deutliche Hinweise aus das Leip ziger Sortiment enthalten und mußten der Verbreitung der Leipziger Verlegerproduktion dienen, die wahrlich groß genug ist, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Neben dem auf diese Weise verloren gegangenen materiellen Gewinn tritt noch das gefährlichere Moment in die Erscheinung, daß der Eindruck erweckt wird, als ob der Leipziger Buchhandel unfähig sei, dasselbe zu leisten wie irgend ein auswärtiger Bildungsver ein, der bon einzelnen Pädagogen protegiert wird. Daß die Behörden die wirtschaftliche Bedeutung des Leipziger Buchgewerbes und Buchhandels nicht zu würdigen verstünden, kann man kaum behaupten. Vielmehr glaube ich, datz sie sehr wohl Verständnis für die Sorgen dieser Berufe zeigen werden, wenn man es nur anrufen würde. Ich habe in einem meiner früheren Briefe zu Unrecht den Vorsitzenden der hiesigensHandelskammer der Hintansetzung des Buchge- werbes gegenüber den anderen Handels- und Industriezweigen beschuldigt, weil er gelegentlich der Eröffnung der neuen Räume im Handelskammergebäude Buchhandel und Buchge werbe an letzter Stelle genannt hat, und nehme gern Gelegen heit, ein Mißverständnis von meiner Seite aus zu berichtigen. In dem Bericht sind die verschiedenen Leipziger Geschäfts zweige nicht nach ihrem Range aufgcführt worden, sondern in einer z. B. auch in Blockhaus und Meyer angewendeten Reihenfolge, die von den Rohprodukten ausgeht, danach zu den Fabrikaten übergeht und schließlich zum Buch als einem der feinsten Produkte des menschlichen Schaffens aussteigt. Es dürfte auch das Bekenntnis bon dieser Seite nicht ohne allge meines Interesse sein, daß man dem Buchhandel und Buch gewerbe in Leipzig seitens der Handelskammer besondere Wertschätzung entgegenbringt und ihnen auch bezüglich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bereitwillig den Vorrang vor mancher anderen hiesigen Geschäftsbräuche einröumt. Wenn auch der Verkehr mit den Behörden heute weniger Unannehmlichkeiten mit sich bringt, als man gemeinhin glaubt, so gibt es Wohl keinen soliden Geschäftsmann, der nicht nach Möglichkeit denen des Gerichts aus dem Wege ginge. Es müssen schon arge Unterschleife gewesen sein, die kürzlich ein größeres Kommissionsgeschäft des Leipziger Ostens veranlaßt haben, nicht weniger als 13 Markthelfer auf einmal wegen fortgesetzten Diebstahls zur Rechenschaft ziehen zu lassen. Diese jungen Leute werden nunmehr Gelegenheit haben, ein mal darüber nachzudenken, daß sich Unehrlichkeit gegenüber ihren Brotgebern schwer mit der mehr oder weniger unge- stümcn Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und sozialem Ausgleich in Einklang bringen läßt. sro»
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