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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.11.1912
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1912-11-02
- Erscheinungsdatum
- 02.11.1912
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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13580 I. ». »tlchn. «uqhauo-i. McktamLIch« TM. 256, 2, November 1912, Dauer gewinnen soll, ein nicht unerheblicher Teil schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit spurlos untergeht und unterge gangen ist. Was alle anderen Kulturvölker als ein kostbares, aber fast selbstverständlich erscheinendes Gut seit Generationen besitzen und pflegen: eine Zentralbibliothek, die alle natio nalen Literaturerzeugnisse in Vollständigkeit sammelt und ver wahrt, das ist in Deutschland noch immer ein frommer Wunsch; gerade in Deutschland, dessen Literatur die aller anderen Län der — zum mindesten dem Umfange nach — weit hinter sich gelassen hat!« »Wie wir gesehen haben, sind von den verschiedensten Seiten: Gelehrten und Schriftstellern, von Bibliothekaren und hohen Verwaltungsbeamten Vorschläge und Versuche gemachi worden, um dem in allen beteiligten Kreisen schmerzlich empfundenen Mangel endlich abzuhelfen,« »Noch im Sommer vorigen Jahres hat der Verbandstag des Deutschen Schriftstellerverbandes in Dresden die Reso- lution angenommen: Der Verbandstag erklärt sich dringend für den Gedan ken der Gründung einer Reichsbibliothek und ersucht den Vorstand alle dahin zielenden Bewegungen zu unterstützen«, »Die Zeit, in der wir leben, ist gekennzeichnet durch eine Anzahl ungeheurer Umwälzungen, wie sie, auf so engen Zeit raum zusammengcdrängt, Wohl kaum jemals in der Welt geschichte sich ereignet haben: Erfindungen, die noch vor dreißig Jahren als müßige Träumereien angesehen wurden, sind zur Tat geworden; die seit Jahrhunderten vergebens umworbenen Pole der Erde sind erreicht; Staatswesen, die Jahrtausende überdauert haben, sind im Begriff, zusammen zubrechen und modernsten Staatsformen Platz zu machen. Daß man von Paris nach Petersburg spricht, daß ein Schiss auf hoher See Telegramme vom Festland erhält; daß man das pulsierende Herz auf der photographischen Platte abbildet, gehört fast schon zu den alltäglichen Dingen, Aber gewaltiger noch als diese mehr äußerlichen sind die inneren Umwälzungen, die sich in unserem Kulturleben vorzubereiten und zu voll ziehen scheinen. Gerade hier zeigen sich dem aufmerksameren Beobachter Tausende von Neubildungen, von Quellen, die einst den Knllurstrom bilden werden, der das Ende unseres Jahrhunderts durchrauschen wird. Für den Forscher kom mender Jahrhunderte wird deshalb gerade unsere Zeit von dem größten Interesse sein, in der Anfänge jener Kultur liegen, die ihm Gegenwart ist,« »Wer sich die Sachlage vergegenwärtigt, dem muß es geradezu unverantwortlich erscheinen, wenn unsere Zeit nicht sorgsam sammelt, was dereinst Zeugnis von diesen Umwäl zungen geben kann. Und was vermöchte das mehr, als dir Druckschrift, die — vereinzelt vielleicht belanglos — in der Gesamtheit der Erscheinungen ein deutliches Spiegelbild ent wirft von Vorgängen, die uns selbst vielleicht nicht einmal zum Bewußtsein kommen I Die Schaffung einer auf größte Vollständigkeit abzielenden Zentral-Bibliothek darf deshalb als eine ernste Pflicht unserer Generation angesehen werden Der Grundgedanke hat auch überall freudige, ja vielfach be geisterte Zustimmung gefunden. Eine Umfrage bei etwa !)0 der größten deutschen Verleger hat ergeben, daß diese in der ganz überwiegenden Mehrzahl bereit sein würden, die Be gründung einer Zentralbibliothek zu fördern. Nur vereinzelte Stimmen haben von einer Überschätzung des gedruckten Wortes gesprochen und von einer solchen Bibliothek die Ansammlung einer ungeheuren Masse toten Materials befürchtet. Dieser Standpunkt hat eine gewisse Berechtigung, Wer mitten in der ungeheuren Produktion steht, in der das Nichtige von Tag zu Tag mehr zu überwuchern scheint, wird versucht sein, eher eine Auswahl zu befürworten als eine lückenlose Sammlung, Hier ist aber nur die Wahl zwischen zwei Übeln: Untergang von unzweifelhaft Wertvollem — Aufbewahrung von vielleicht Wertlosem, Da kann die Antwort schließlich doch wohl nicht zweifelhaft sein!« Bedarf es noch einer überzeugenderen Sprache, als sie hier vr, Ehlermann für die Bedeutung und die Aufgaben der deutschen Bücherei gesunden hat? Gewiß nicht! Der Schwerpunkt ihrer Aufgaben wird für diese Samm lung mehr auf archivarisches als bibliothekarisches Gebiet verlegt werden. In erster Linie handelt es sich hier um ein Archiv des gesamten deutschen Buchhandels und deutschen Schrifttums von möglichst lückenloser Vollständigkeit vom Be ginn der Sammlung am 1. Januar 1913, »Die Deutsche Bücherei hat«, wie die Bekanntmachung vom 25. September sagt, »den Zweck, die gesamte, vom I, Januar 1913 an erscheinende deutsche und fremdsprachige Literatur des Inlandes und die deutsche Literatur des Aus landes zu sammeln, aufzubewahren, zur Verfügung zu halten und nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu verzeichnen«. Die weiten Grenzen des deutschen Sprachgebiets sind demnach als die des Sammelgebiets ins Auge gefaßt. Auch die vorher erschienenen Druckerzeugnisse in nur an nähernder Vollständigkeit noch zu erlangen, würde begreif licherweise unmöglich sein, deshalb sollen aber keineswegs alle früher erschienenen Schriftwerke von der Sammlung ausgeschlossen werden, nur unterliegen sie nicht der Sammel pflicht, Aber von der Ausnahme der Musik, die in der der König- lichen Bibliothek in Berlin schenkungsweise angegliederten Musikbibliothek bereits lückenlos vorhanden ist, und von der Sammlung aller politischen Tageszeitungen wird abgesehen werden müssen, weil letztere für zentrale Aufbewahrung un ermeßlichen Raum ersorden würde, Tagesblätter sind über haupt besser lokal und regional zu sammeln. Es ist daher De zentralisation der Zeitungssammlung nötig. Deren Aufbe wahrung wäre zweckmäßig vielleicht den einzelnen Orts- und Kreisbehörden zuzuweisen, Ihrer Bestimmung gemäß unterliegt die Bücherei dein Aufbewahrungszwang, und auf gute Erhaltung der Bestände besonderen Wert zu legen, ist ganz unerläßlich. Vor bedroh licher Abnutzung der Neuerscheinungen durch Ausleihen muß die Sammlung streng bewahrt bleiben, damit sie so bald wie möglich eine selten versagende Quelle für den Nachweis deut scher Literatur der Gegenwart werden kann. Ein solches Archiv des Buchhandels und Schrifttums kann daher für öffentliche Benutzung nur an Ort und Stelle, als Präsenzbibliothek, zugänglich sein. Die Deutsche Bücherei wird aber sosortfür die Öffent lichkeit, vor allem mit der umfassenden Zeitschriftensammlung, nutzbar gemacht werden können. Eine weitere wichtige Aufgabe der Deutschen Bü cherei liegt in ihrer großen Bedeutung für die deutsche B i b l i o g r a p h i e, für die sie die Erhaltung absoluter Voll ständigkeit gewährleisten wird. Die von der Hinrichs'schen Buchhandlung im Aufträge des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler huausgegebene Bibliographie hat sich Wohl bisher im Rufe als die beste de, Welt behauptet, aber die Erhaltung ihrer Vollständigkeit, di-' ihr höchster Wert ist, wird mit der Zeit mehr und mehr durch Selbstverlag und »wilden« Verlag außerhalb des Börsen vereinsbuchhandels bedroht. Der Grundsatz, nur im Original vorliegende Artikel aufzunehmen, muß im Interesse der Zu verlässigkeit streng aufrecht erhalten werden. Die Vorlage zu erzwingen, hat aber weder der Börsenverein noch Hinrichs entsprechende Machtmittel, Rur eine Zentralbibliothek, die am gleichen Ort mit der Bibliographie vereint arbeitet, wird die Lücken möglichst ver hüten können. Deshalb ist es für die Erhaltung der deutschen Bibliographie auf ihrer bisherigen Höhe von größter Be-
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