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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.08.1884
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- 1884-08-20
- Erscheinungsdatum
- 20.08.1884
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- Deutsch
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3^64 Nichtamtlicher Theil. ^194, 20. August. mich aber seines gewissen Todes versichern und sprang ganz nahe zu ihm hinzu; da bemerkte ich, daß er noch athme, welches ich so gleich mit lauter Stimme anzeigte; worauf wieder andere Soldaten herbeieilten, das Gewehr auf den Kopf hielten und so abfeuerten; unterdessen aber der commandirende Hauptmann voll des größten Unwillens die Soldaten ans französisch heftig ausscholt. „Darauf wurde das ganze Militär nach Haus befehliget, welches in der Ordnung ganz betroffen in die Stadt zurückzog. Ueberhaupt herrschte auch bei den Soldaten eine dumpfe Stille und die meisten erklärten sich darnach in ihren Quartieren zu Hause laut wider diese Execution. Der Obercommandant davon sprach zu mir im Heimziehen auf deutsch: »Dieser Mann war wohl recht standhaft.« — Der Hauptmann aber, als er in sein Quartier zurückkam, schimpfte entsetzlich und sagte, er würde lieber quittiren, als noch einmal eine solche Execution auf sich nehmen. Ueberhaupt ist nicht zu beschreiben, was für große Traurigkeit in der ganzen Stadt herrschte. Es war bei allen, wes Geschlechtes, Standes und Alters nur eine Stimmung, nämlich der tiefste Schmerz. Wenn er in Braunau gebohren und der größte Wohlthäter der Stadt ge wesen wäre, hätte keine größere Theilnahme und Trauer statthaben können. Erst zu Hause nach vollendeter Hinrichtung konnten sich die meisten ausweinen, welches auch bei mir der Fall war, wo ich zwar während dem ganzen höchst traurigen Geschäfte die Gnade (wohl Gabe) hatte standhaft zu sehn und ihm Muth einzuflößen. Allein als ich ans mein Zimmer kam, überwältigte mich der größte Schmerz, und es fehlte wenig, daß ich nicht in eine schwere Krankheit verfiel. „Sein Leichnam wurde vom Todtengräber in den katholischen Gottesacker bestattet, obwohl der Befehl war, daß er gleich auf dem Richtplatz in ungeweihtes Erdreich geleget werden sollte, gleich Miffethätern. Allein während das Militär in die Stadt zurückzog, wurde er eilends von seiner Stelle genommen und in den Gottes acker gebracht. Ich ließ die Grabstätte bemerken, da ich aber schon 2 Jahre nicht mehr in Braunau bin, weiß ich nicht, wie es itzt steht. Der gewesene Todtengräber würde noch hierüber Auskunft ertheilen können. „Uebrigens habe ich, was diese Geschichte betrifft, dermalen nichts in Händen. Ich hatte die erste Zeit ein Blatt, worauf mit Bleistift seine Reise bis Braunau und etwas von seinen Verhören enthalten war; aber dieß ist samt vielen meiner Schriften vermög Feindesgefahr verlohren gegangen. Es ist auch sein Todesurtheil Tags darauf nämlich: wegen absichtlicherVerbreitung ehrenrührischer Schriften wider Frankreich, öffentlich angeschlagen worden; aber ich glaube nicht, daß noch irgend ein Exemplar davon zu bekommen sei. Man war zu sehr darüber erbittert, als daß man darauf achtete; weil man von der Ungerechtigkeit des ganzen Verfahrens, ja des ganzen Handels allgemein überzeugt war. Zu dem kam auch eine offenbare Lüge in diesem gedruckten Urtheil vor, weil es da hieß: er sei 24 Stunden nach der ihm geschehenen Ankündigung gesetz mäßig zum Tode geführt worden, wo doch die Vollziehung des Urtheils, wie Jedermann wußte, gleich 3 Stunden ungefähr nach der Vorlesung desselben geschah. Ob diese Vorschnelligkeit nicht vielleicht aus Gnade geschah, um ihm die Todesangst zu verkürzen, weil auf keinen Fall eine Begnadigung zu'erwarten war, weswegen auch die Obersten, welche das Gericht hielten und zum Tode stimm ten, sogleich alle nach dem dritten Verhör von Braunau abreiseten, oder aus einer andern Ursache, will ich nicht beurtheilen" .. . Soweit Herr Pöschl, dem wir dafür danken müssen, daß er uns über die letzten Lebensaugenblicke des unglücklichen Palm so genaue und ausführliche Nachrichten hinterlassen hat. Dieselben beweisen uns zugleich, daß sein schmerzlichesEnde insofern gemildert worden ist, als der Arme noch auf seinem letzten Gange durch die aufrichtige, innige Theilnahme aller Zuschauer und den religiösen Zuspruch zweier Geistlichen erquickt wurde.*) Er ist standhaft dem Tode entgegen gegangen und als ein braver Mann und guter Christ gestorben. Friede seiner Asche und Ehre seinem Andenken! — Wie wir vorhin gesehen, hatte der Geistliche Pöschl die Grab stätte Palm's auf dem katholischen Gottesacker bezeichnen lassen. Als nun die französischen Truppen im Winter 1806/7 — also während des Feldzuges gegen Preußen — Braunau und die oesterreichischen Staaten verlassen hatten, faßten einige wackere Bürger den Beschluß, das Andenken an das Opfer Napoleonischer Macht durch ein Denkmal auf ihrem Gottesacker zu ehren. Die Vorbereitungen hierzu wurden getroffen und selbst schon die Inschrift hierfür entworfen (von dem Stadtsyndikus Schachner); ihr Wortlaut hätte die Abneigung gegen den Tyrannen Napoleon und den Abscheu gegen die Blutthat selbst freilich deutlich genug ausgedrückt**). Die Errichtung des Denkmals verzögerte sich jedoch und zwar vielleicht zum Glück für die Bewohner von Braunau, denn im Feld zug 1809 kehrten die Franzosen wieder in diese Festung zurück, die sie als Feinde besetzten. So kam es also nicht mehr zur Aufstellung des geplanten Denkmals. Dagegen wurde später— im Jahre 1823 — ein anderes Denkmal in Gestalt eines marmornen Postaments von der Palm'schen Familie in Braunau errichtet, das folgende Inschrift trägt: „Palm. Dem besten zärtlichen Vater, dem am 26. August 1606 schuldlos geopferten Bürger und Buchhändler Johann Philipp Palm aus Nürnberg, im 41. Jahre seines Alters von seinen drei trauernden Kindern: Anna Maria, Johann Philipp und Anna Sophie Palm." Der gewaltsame Tod Palm's erregte in ganz Deutschland ungeheures Aufsehen. Nicht allein ein natürlicher Schrecken, son dern auch die größte Erbitterung über die Art, wie Napoleon seine Herrschaft mißbrauchte, verbreitete sich in allen Gauen. Die ser „schnöde Justizmord", wie ihn Scherr nennt, war die Ant wort Napoleon's auf den halbverhaltenen Sterbeseufzer des Deut schen Reichs. Deutsche Schriftsteller und Buchhändler ermannten sich und traten öffentlich für den gemordeten Palm auf. Der damals sehr bekannte politische Schriftsteller Kriegsrath v. Cölln erließ einen Aufruf an alle deutschen Schriftsteller und Buchhändler, die verwaiste Palm'sche Familie durch Geldsammlungen zu unter stützen, und die Fröhlich'sche Buchhandlung (Duncker) in Berlin unternahm es, eingehende Beiträge nach Nürnberg zu senden. Auch der Commissionär Palm's in Leipzig C. F. I. Richter (in Firma I. F. Gleditsch) unterstützte diese Schritte durch ein von 23 Leipziger Buchhändlern unterzeichnetes Promemoria; Friedrich *) Wir werden soeben noch von Herrn Buchhändler Zöhrer in Regensburg darauf aufmerksam gemacht, daß derselbe in Rosegger's „Heimgarten", Jahrgang 1878, eine Abhandlung unter dem Titel: „Palm's letzte Tröster" veröffentlicht habe, welche das Ergebniß eines längeren Aufenthaltes in Braunau bilde. Uns ist diese Abhandlung leider nicht bekannt geworden, jedoch möchten wir nicht verfehlen, unsere Leser auf dieselbe hier hinzuweisen. '*) Dieser Wortlaut sollte folgender sein: „Heilige Urne! Möchte doch an dir der Zahn der Zeit nicht nagen! Möchtest du noch viele tausend Jahre stehen! Um Jahrtausenden täglich tausendmal zu sagen: Barbar! So großes Unrecht ist noch nie geschehen! Und aus einer anderen Seite der Pyramide: „Deutscher Jüngling! Drück es tief in deine Seele, bei dieser grausen Scene weinten deine Brüder alle",
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