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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.02.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-02-17
- Erscheinungsdatum
- 17.02.1905
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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166L Amtlicher Teil, ^ 40, 17, Februar 1905. führenden Entwicklung von 1740—1790, in derselben Zeit vom alten zum neuen Buchhandel führt, so schlug ich Herrn Hofrat von Hase vor, mir den ganzen Philipp Eras mus Reich abzutreten. Da dies freilich mit den Dispo sitionen Herrn von Hases nicht vereinbar sein und er mir diesen nach nur die Vorbereitungen direkter Art für die Gesellschafts-Gründung aus der Zeit nach dem Frankfurter Abschied, also eine inhaltlich eng begrenzte Erweiterung meines Zeitraums um ein Jahr einräumen konnte, so habe ich unsre beiderseitigen Tendenzen im Interesse des Gesamtwerts in der Weise zu vereinen gesucht — ein Aus weg, zu dem Herr von Hase dankenswerter Weise seine Zustimmung erteilt hat — daß ich der Geschichte der mit der Jubilatemesse von 1765 beginnenden Ereignisse eine Art kurzer Rekapitulation vorangestellt habe, durch die ich das doppelte Ziel, einerseits meinem Bande den Charakter des Teils eines größern Gesamtwertes zu wahren, andrer seits aber in ihm ein selbständiges und sich selbst ge nügendes Werk zu bieten, erreicht zu haben hoffe. In die Zeit vom 16, bis zum 30, September und vom 6, bis 16, Oktober fiel mein Aufenthalt in Karl I, Trübner's Verlagshandlung in Straßburg und B, Hart- mann's Buch-, Kunst- u, Musikalienhandlung in Elberfeld, Der Schriftsteller muß zum Stoff zweierlei hinzu bringen: Wärme und Klarheit, Beide stehen in Wechsel wirkung, Ein warmes Interesse schärft den Blick, und ein klarer Blick erhöht das Interesse, Ich bin durch den ge nannten Aufenthalt in beidem gefördert worden. Ich habe dreierlei kennen gelernt: erstens zwei kon krete Fälle des Geschäftsbetriebs eines Verlagshauses und eines Sortimentsgeschäfts, zweitens die Leistungen und Anschauungen der beiden an der Spitze dieser Firmen stehenden Herren hinsichtlich ihres Spezialzweigs wie hin sichtlich des Buchhandels überhaupt, drittens die Leistungen und Anschauungen ihrer Angestellte», Ich darf sagen, daß alles zusammengenommen mich mit freudiger Bewunderung erfüllt hat. Ich habe an die Mitte des Jahres 1903 zu- rückdenken müssen. Damals begann ich dem Buchhandel und seiner Geschichte näher zu treten, und gerade damals erschien Büchers Denkschrift, So wäre es also? Mit der Geschichte solcher Leute sollst du dich abgeben? — Mir hat einmal ein Buchhändler gesagt: -Vor Ihnen muß mau sich in acht nehmen, Sie tragen auf zwei Achseln-, -Richtig« gab ich zur Antwort, »aber zwischen diesen Achseln ist mein Kopf,- Jener Druck war bald überwunden; durch diese Reise aber ist es in diesem Herzen ganz besonders warm und ist in diesem Kops vieles klarer geworden. In dem Geschäft des Herrn vr, Trübner habe ich die Geschäftsbücher und ihre Einrichtung kennen gelernt und aus ihnen Verlagsabsatz, Kommissionskonti und ihr Ver hältnis zueinander, Verhältnis des Konditions-, festen und Barabsatzes zueinander und zur Gesamtauslieferung, Ver hältnis der Remittenden und Disponenden zu ebenderselben, Verhältnis der Leipziger zur Lokalauslieferung, Herstellungs kosten, Geschäftsspesen, Zahl und Art der Geschäftsverbin dungen, ihre Verteilung auf In- und Ausland und dergl, ausgezogen. Das zweite wichtige Untersuchungsgebiet waren die Verlagsverträge, Zu der gleichsam äußern Kenntnis der Bücher usw, und zu ihrer inhaltlichen Verwertung kamen als drittes und viertes Moment das Erleben des lebendigen Geschäftsgangs und die mannigfachen Belehrungen Ur, Trübners selbst über das Verhältnis zwischen Buchhandel und Wissenschaft, Verlag und Sortiment, wissenschaftliche und populäre Literatur, Zentrale und Provinz usw, hinzu. Was ich von Straßburg gesagt habe, gilt analog von Elberfeld, Kenntnis der Bücher — inhaltliche Verarbeitung — der lebendige Geschäftsbetrieb — aufklärende Belehrung durch den Leiter des Geschäfts selbst und sein Personal: das war es auch hier, worein mein Tun und Aufnehmen zerfiel. Die Fragen, die mich hier beschäftigt haben, waren u, a, Umsatz, Spesen, Verhältnis des Bar-, festen und Kon ditionsbezugs zueinander, Rabatt, Berechnung im Einband und Verpackung, Kommission, Disposition, unverlangte Sen dung, Rechnung und Zahlung, Kundenkreis, Kundenkredit, Kundenrabatt, Ansichtssendung, Kauflust, Kontinuation, Vor bildung, Bibliographie, Spezialisierung, Konzentrierung des Bezugs, Verhältnis zum Verleger, Kommissionär und Bar sortimenter, Leihbibliothek, Warenhaus, Reisebuchhandel, der Auchbuchhändler, Den Abschluß der Elberfelder Zeit bildete eine Fahrt nach Aachen, die ich als Begleiter des Herrn B, Hartmann unternahm, um als Gast der Sitzung des Rheinisch-Westfälischen Kreisvereins beizuwohnen. Zu dem Genannten kommt aber noch eins, was ich schon oben angedeutet habe, was sich in der Kürze nicht zer gliedern läßt und doch vielleicht das Beste, jedenfalls aber das war, was sich im Studierzimmer und Archiv nicht greifen läßt: daß ich solange ganz in buchhändlerischer Lust ge atmet habe. Ich kann nicht sagen, mit welcher Befriedigung mich das erfüllt hat, von welchem Interesse mir die Kennt nis dieser beiden Welten und ihre Gegenüber als zweier eigentümlicher, ihre Zusammenstellung als einer gemeinsamen Welt gewesen ist, und von welchem Wert sie für meine Arbeit sowohl formal als auch material ist. Für den Buch händler liegt es nahe, mit gewissen Imponderabilien solcher schriftstellerischer Produktion, namenttich von seiner An regung ausgehender oder vor der Vollendung in Verlag ge nommener Produktion, die eines gewissen, ich möchte sagen, künstlerischen Beisatzes bedarf, weniger zu rechnen, und sie über dem reinen Verlagsstandpunkt, dessen Wahrung Recht und Pflicht ist, zu übersehen. Ich glaube aber, daß die Liebe und Wärme, die durch die lebendige Kenntnis des Ob jekts meine Aufgabe für mich gewonnen hat, auch das Buch als Ganzes (ich meine nicht etwa eine Bereicherung durch Redeblumen, Lobpreisungen und dergl,, wie sie in den durch schnittlichen buchhandelsgeschichtlichen Darstellungen vielfach üblich sind; über diese Gabe verfüge ich nicht und jage ihr auch nicht nach) dadurch in entsprechender Weise beeinflußt werde und schon beeinflußt ist. Was den materiellen Nutzen schon für die Zeit, mit der ich jetzt beschäftigt bin, betrifft, so besteht er erstens in der klareren Auffassung des Werdenden auf Grund einer anschaulicheren Vorstellung des Gewordenen, Zweitens aber auch in gewissen Einflüssen methodischer Art, Hierzu zähle ich die Korrektur eines gewissen schematischen, ich möchte sagen rubrikmäßigen Theoretisterens durch das Moment des Persönlich-Lebendigen und Individuellen, Während ich z, B, früher geneigt war, eine in einem bestimmten Kreis vor sich gehende differenzierende Entwicklung so anzufassen, daß sich die Menschen dieses Kreises in eine entsprechende Anzahl neuer Gruppen schieden, so fasse ich denselben Vorgang nun zugleich und mehr von der Seite aus, daß von einer und derselben Person je nach dem Verhältnis zwischen ihr und den übrigen verschiedene Beziehungsfäden ausgehen, die Ver schiedenheiten zuletzt also nicht sowohl nach Klassen und Ab teilungen, als nach Beziehungen und Verhältnissen orientiert sind, wobei sich die Kreise schneiden. Ich spreche den Herren Kommerzienrat vr, Trübner und B, Hartmann für das liebenswürdige Entgegenkommen, mit dem sie mir ihre Geschäfte geöffnet, und für die Be lehrungen und Anregungen, die ich von ihnen empfangen habe, nächst ihnen aber auch ihrem Personal, und zwar in erster Linie Herrn Beugel in Straßburg und Herrn Krön-
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